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Die häufigsten Probleme bei der Virtualisierung

Die Vorteile der Virtualisierung leuchten ein und es gibt kaum noch Unternehmen, die sich nicht mit dieser Technik auseinandersetzen. Allerdings lauern auch Fallstricke. Wir sagen Ihnen, wie Sie die häufigsten umgehen können.

Von Sven Ahnert

Im ersten Teil dieses Beitrags beschäftigten wir uns mit der Problematik der Einführung von Virtualisierungstechnologien im Rechenzentrum. Im zweiten Teil beleuchten wir die wichtigsten Problembereiche.

Probleme mit Software und Betriebssystemen

Hin und wieder scheitert die Virtualisierung an einer Applikation, die nicht in einer VM funktioniert. Echte Inkompatibilitäten sind in der Praxis jedoch eher die Seltenheit. Häufigste Probleme sind die bereits erwähnten Lizenz-Dongles. In Absprache mit den Software-Herstellern helfen Lizenz-Server im LAN oder USB-over-IP-Lösungen.

Rein technisch läuft die meiste Software problemlos in virtuellen Maschinen – der eigentliche Knackpunkt ist der offizielle Herstellersupport. Die schwammigen Supportaussagen vieler Hersteller sichern zwar grundsätzlich die Funktion der Software in virtuellen Maschinen zu, verlangen aber bei Problemen das Nachstellen des Fehlers auf physischer Hardware.

Beispielsweise unterstützt Microsoft nur Anwender mit Premier-Level-Supportverträgen in vollem Umfang und fordert ansonsten das Nachstellen des Problems auf Hardware. SAP hat seine Unternehmenslösungen für den Betrieb unter VMware und anderen Virtualisierern zertifiziert, wogegen Oracle seine Unterstützung offiziell nur unter dem hauseigenen Virtualisierungsprodukt Oracle-VM auf XEN-Basis zu sichert.

In der Praxis werden diese Anforderungen zwar nicht immer so restriktiv gehandhabt. Oft gibt die Hotline auch Hilfe, wenn die Anwendung in einer virtuellen Maschine läuft. Letztendlich muss der Anwender aber selbst entscheiden, welchen garantierten Supportlevel er benötigt und welches Risiko er tragen kann. Erfahrungsaustausch mit anderen Anwendern und genaue Absprachen mit den Herstellern sind im Vorfeld unbedingt notwendig.

Strebt die IT-Abteilung eine Virtualisierung möglichst vieler Systeme an, dann entschärft die Bereitstellung eines zusätzlichen physischen Notfall-Servers das Problem unklarer Supportpolicys. Auf diesem Server kann die Software zur Fehlersuche laufen. Wenn die kritischen Systeme samt Daten direkt auf dedizierten LUNs angelegt sind, was mit RAW Device Mappings innerhalb von VMs möglich ist, lassen sie sich schnell auf physische Hardware umschalten. Da der Notfallserver eher selten zum Einsatz kommt, kann er im Normalbetrieb als Virtualisierungs-Host in der Farm dienen.

Lizenzierung der Gastsysteme und der Applikationen

Neben dem Herstellersupport wirft auch die Lizenzierung in virtuellen Umgebungen neue Fragen auf. Den meisten Anwendern ist klar, dass sie für jedes System in einer VM eine Lizenz benötigen, genau wie in »normalen« Netzwerken. Kaum jemand ist sich aber bewusst, dass Lizenzierungsfallen lauern, die sehr teuer werden können.

So lizenzieren einige Hersteller, unter anderem Oracle, ihre Produkte nach physischem CPU-Sockel oder nach der Anzahl der CPU-Kerne. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Prozessoren die VM wirklich verwendet. Hier können bei gut ausgestatteten Hosts mit vier oder mehr Quad-Core-CPUs schnell hohe zusätzliche Lizenzkosten entstehen. Ein Ausweg kann die Lizenzierung auf Basis der Benutzeranzahl sein.

Einige Hersteller reagieren mittlerweile auf den Virtualisierungstrend. Microsoft hat sein Lizenzmodell angepasst und erlaubt es, mit einer Lizenz von Windows Server 2003 Enterprise Edition gleichzeitig vier virtuelle Instanzen auf dem gleichen Host zu betreiben. Die Datacenter-Version erlaubt unbegrenzte Instanzen des Betriebssystems in virtuellen Umgebungen. Für abgeschaltete Systeme, etwa Archive oder Vorlagen, sind keine Lizenzen mehr notwendig.

Grundsätzlich führt Virtualisierung zu steigenden Lizenzkosten, da sich neue Systeme sehr einfach mittels Cloning von Templates aufsetzen lassen und dadurch grundsätzlich nach dem Prinzip „ein Dienst – ein Server“ gearbeitet wird. Eine genaue Inventarisierung sowie die enge Absprache mit Herstellern und Lieferanten über Lizenzmodelle und Optimierungsmöglichkeiten verhindern teure Fehler.

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