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Wir zeigen Ihnen wie Virtualisierung unter Linux funktioniert

20.06.2016 | 14:50 Uhr |

Virtualisierungssoftware ermöglicht es, Windows-Anwendungen auch unter Linux zu nutzen. Außerdem eignet sie sich zum Ausprobieren neuer Linux-Versionen oder von Programmen.

Nicht für alle Anwendungsgebiete gibt es passende Software unter Linux. Dem einen fehlt das gewohnte Windows-Programm zur Bildbearbeitung, andere müssen die Steuererklärung per Windows-Software erstellen. Eine Dual-Boot-Installation mit Linux und Windows ist eine mögliche Lösung, komfortabler ist aber eine Betriebssystem-Virtualisierung. Sie müssen dann Linux nicht verlassen und können trotzdem gewohnte Windows-Anwendungen nutzen. Virtualisierung bietet noch weitere Vorteile: Der aktuelle Zustand eines virtualisierten Betriebssystems lässt sich sichern und Sie können nach misslungenen Updates, Virenbefall und anderen Defekten den vorherigen Zustand schnell wiederherstellen. Virtuelle Maschinen ermöglichen risikolose Tests von Systemen oder Programmen und lassen sich einfach auf andere PCs transportieren. Da alles in virtuellen Festplattenabbildern untergebracht ist, müssen Sie die Partitionierung der Festplatte nicht ändern und virtuelle Maschinen lassen sich schnell wieder entsorgen.

Dieser Artikel zeigt, wie Virtualisierung funktioniert, wie Sie die bei den meisten Linux-Systemen mitgelieferte KVM (Kernel Virtual Machine) nutzen und was andere Virtualisierungsprogramme zu bieten haben.

Auch interessant: Crashkurs - Wie funktionieren eigentlich virtuelle PCs?

1. So funktioniert Virtualisierung

Die Virtualisierungssoftware bildet einen kompletten Rechner mit allen Komponenten wie Festplatten-, Grafik und Netzwerkadapter nach („Hardware-Emulation“). Erfolgt im virtuellen System („Gastsystem“) ein Zugriff beispielsweise auf das Netzwerk, läuft dieser über einen virtuellen Netzwerkadapter und dann über den Treiber des auf dem PC installierten Systems („Hostsystem“) zum physikalisch vorhanden Netzwerkadapter. Das Gastsystem sieht also nicht die tatsächlich vorhandene Hardware, sondern nur die virtuellen Komponenten.

Bei der Virtualisierung fängt eine Virtualisierungsschicht Befehle ab, die das Gastsystem an Prozessor und Hardware sendet. Nur das zuerst gestartete Betriebssystem darf privilegierte CPU-Instruktionen verwenden, die später gestarteten Anwendungen dagegen nicht. Dieser privilegierte Zugriff findet im „Ring 0“ der CPU statt, auch „Kernel-Mode“ genannt, und umfasst direkten Zugriff auf Interrupts und RAM. Die abgesicherten Ringe darüber, Ring 1, 2 und 3, gehören zum „User-Mode“. Systemtreiber dürfen beispielsweise im Ring 1 und 2 arbeiten, normale Programme arbeiten dagegen nur ab Ring 3. Das gilt auch für die Virtualisierungssoftware. Damit trotzdem CPU-Befehle aus dem Gastsystem beim Prozessor landen, baut ein Hypervisor die Anweisungen bei Bedarf um.

Dafür ist eine ständige Analyse der Befehle aus dem Gastsystem nötig. Was umgebaut werden muss, hängt von der Art des virtuellen Systems und der Plattform ab (32 oder 64 Bit). In der Virtualisierungssoftware gibt es daher Vorlagen mit unterschiedliche Optionen für ein 32-oder 64-Bit-Windows oder Linux.

Paravirtualisierung: Bei diesem Verfahren greift der Kernel des Gastsystems über eine abstrakte Verwaltungsschicht auf die Hardwareressourcen zu, was zu einer Verbesserung der Geschwindigkeit führen kann. Der Kernel muss dafür speziell angepasst sein, was aber bei aktuellen Linux-und Windows-Systemen standardmäßig der Fall ist.

Im aktuellen Linux-Kernel ist die Software für die Systemvirtualisierung bereits enthalten.
Vergrößern Im aktuellen Linux-Kernel ist die Software für die Systemvirtualisierung bereits enthalten.

2. Voraussetzung für Virtualisierungssoftware

Eigentlich war bei den in PCs üblichen x86-Prozessoren Virtualisierung nicht vorgesehen und der Prozessor konnte nur ein Betriebssystem gleichzeitig verwalten. Per Software beziehungsweise über Treiber lässt sich Virtualisierung aber schon seit längerem nachrüsten. Seit 2006 unterstützen die Prozessorhersteller AMD und Intel das Verfahren auch hardwareseitig. AMD nennt die Technik AMD Virtualization (AMD-V). Sie ist in AMD-Prozessoren seit dem Athlon 64 von 2006 enthalten. Bei Intel heißt die vergleichbare Erweiterung „Virtualization Technology“ oder „Intel VT“ und ist seit dem Pentium 4 Modell 662 verfügbar. Allerdings kann es vorkommen, dass in der Firmware des PCs die Virtualisierungserweiterungen deaktiviert sind. Genauen Aufschluss darüber, was die CPU kann, zeigt unter Linux folgender Terminalbefehl:

egrep -c '(svm|vmx)' /proc/cpuinfo

Ein Rückgabewert größer „0“ indiziert eine CPU mit Virtualisierungsfunktionen. Wenn nicht, sehen Sie im Bios/Firmwaresetup nach, ob sich AMD-V oder Intel-VT („vt-x“) aktivieren lässt. Manchmal gibt es auch Optionen für „AMD-Vi“ beziehungsweise bei Intel „Vt-d“. Wenn vorhanden, aktivieren Sie diese ebenfalls. Dahinter verbirgt sich die I/O-Virtualisierung („Input/Output“), über die sich der Datenaustausch mit Netzwerkadaptern, Grafikchips und Festplattencontrollern beschleunigen lässt.

Einige Virtualisierungslösungen benötigen die Hardwareunterstützung des Prozessors.
Vergrößern Einige Virtualisierungslösungen benötigen die Hardwareunterstützung des Prozessors.

Virtualisierungssoftware wie Virtualbox (-> Punkt 9) funktioniert auch ohne Hardwareunterstützung – allerdings etwas langsamer.

3. Virtualisierung mit KVM und Qemu

KVM (Kernel Virtual Machine) ist seit Version 2.6.20 Bestandteil des Linux-Kernels. Sie können diese Methode der Virtualisierung nur nutzen, wenn die CPU Intel-VT oder AMD-V unterstützt (-> Punkt 2). Andernfalls weichen Sie auf Virtualbox aus (-> Punkt 9). KVM selbst leistet keine Emulation, kann aber Geräte wie Netzwerk-und Festplattenadapter paravirtualisieren und an das Gastsystem weiterreichen. Ist eine Emulation nötig, übernehmen das bei Bedarf Tools aus dem Softwarepaket Qemu („Quick Emulator“). Zur Verwaltung der virtuellen Maschinen dient das Programm Virtual Machine Manager.

Die Kombination KVM/Qemu bietet eine gute Leistung im Gastsystem. Außerdem lassen sich die nötigen Programmpakte direkt aus den Repositorien der gängigen Linux-Systeme beziehen. Unter Ubuntu installieren Sie die nötigen Pakete folgenermaßen in einem Terminalfenster:

sudo apt install qemu-kvm libvirt-bin bridge-utils virt-manager qemu-system python-spice-client-gtk

Mit dem Virtual Machine Manager sind die Einrichtung der virtuellen Maschinen und die Anpassungen bei den Gastsystemen komplizierter als bei vergleichbaren Lösungen. Ein weiteres Problem ist, dass bei LTS-Versionen wie Ubuntu 14.04 die Software nicht besonders aktuell ist.

Der Virtual Machine Manager ist hier in der Version 0.9.5 zu finden, aktuell wäre 1.3.2. Auch die ältere Version eignet sich für die Virtualisierung aktueller Linux-Systeme und für Windows 7 bis 10, aber es fehlen speziell angepasste Konfigurationsvorlagen für neuere Systeme und einige interessante Funktionen, etwa zum Erstellen von Sicherungspunkten. Beide Probleme lassen sich jedoch durch ein manuelles Feintuning und Nutzung der Kommandozeile lösen.

Wer als Ubuntu-Nutzer die Pakete aktualisieren möchte, findet eine etwas aktuellere Version von Virtual Machine Manager bei www.getdeb.net . Verwenden Sie folgende vier Befehlszeilen in einem Terminalfenster:

wget -q -O -http://archive.get deb.net/getdeb-archive.key | sudo apt-key add -
sudo sh -c 'echo "deb http://archive.getdeb.net/ubuntu trusty-getdeb apps" >> /etc/apt/sources.list.d/getdeb.list'
sudo apt update
sudo apt install virt-manager

Bei Redaktionsschluss ließ sich damit Version 1.2.1 installieren, auf die wir uns in diesem Artikel beziehen. Sie unterscheidet sich nur unwesentlich von Version 1.3.2. Eine Alternative ist ein Systemupgrade auf Ubuntu 15.10. Hier steht der Virtual Machine Manager 1.3.2 zur Verfügung.

Der aktuell angemeldete sudo-Benutzer wird bei der Installation der Programmpakete automatisch zur Gruppe „libvirtd“ hinzugefügt. Starten Sie Linux neu oder melden Sie sich ab und wieder an, damit diese Änderung wirksam wird.

Lese-Tipp: Diese Ubuntu-Linux-Varianten gibt es - Server, Desktop, Mobile, IoT

Mit der Verwendung von VirtiIo verbessern Sie die Leistung der Festplatte.
Vergrößern Mit der Verwendung von VirtiIo verbessern Sie die Leistung der Festplatte.

4. VMs mit Virtual Machine Manager einrichten

Das Programm taucht im deutschsprachigen Ubuntu-Dash unter der Bezeichnung „Virtuelle Maschinenverwaltung“ auf. Auf der Kommandozeile starten Sie es mit virt-manager. Wir beschreiben die Konfiguration am Beispiel einer virtuellen Maschine, in der Windows 10 (64 Bit) laufen soll. Die passende ISO-Datei erhalten Sie von Microsoft zu Testzwecken kostenlos .

Eine Linux-Installation läuft ähnlich ab. Sie können jedoch ab Schritt 4 auf die Konfiguration sowie Download und Installation zusätzlicher Treiber verzichten, weil diese in aktuellen Linux-Distributionen schon enthalten sind.

Im Windows-Gerätemanager kontrollieren Sie, ob alle Treiber für die virtuelle Hardware installiert sind.
Vergrößern Im Windows-Gerätemanager kontrollieren Sie, ob alle Treiber für die virtuelle Hardware installiert sind.

Schritt 1: Klicken Sie auf die Schaltfläche oben links, um eine neue virtuelle Maschine zu erstellen. Im Assistenten wählen Sie in der Regel die Option „Lokales Installationsmedium (ISO-Abbild oder CDROM)“ und klicken auf „Vor“.

Schritt 2: Wählen Sie zwischen „CD-ROM oder DVD benutzen“ oder „ISO-Abbild benutzen“ und geben Sie darunter das Laufwerk beziehungsweise den Speicherort der ISO-Datei mit dem Installationsmedium an. Entfernen Sie das Häkchen vor „Betriebssystem automatisch auf Basis der Installationsmedien erkennen“. Hinter „Betriebssystemtyp“ wählen Sie „Windows“ und darunter die Version des Systems „Microsoft Windows 8.1“. Klicken Sie auf „Vor“.

Schritt 3: Folgen Sie den weiteren Anweisungen, wobei Sie die Voreinstellungen in der Regel übernehmen können. Nur den Speicherplatz für das Festplattenabbild sollten Sie größer wählen als vorgeschlagen. Nach einigen Installationen und Updates wird der Platz sonst schnell knapp, und es ist aufwendig, die Größe einer virtuellen Festplatte nachträglich zu ändern. Abschließend setzen Sie ein Häkchen vor „Konfiguration bearbeiten vor der Installation“ und klicken auf „Fertig.“

Schritt 4: Sie können jetzt fast alle Einstellungen, die der Assistent eingetragen hat, prüfen und ändern. Grundsätzlich lässt sich Windows 10 mit diesen Optionen installieren und verwenden. Allerdings sind die Optionen so gewählt, dass für den Festplatten-und Netzwerkadapter ein Hardwareemulator zum Einsatz kommt. Dadurch sind im Gastsystem zwar keine zusätzlichen Treiber erforderlich, aber die Leistung ist nicht optimal. Stellen Sie deshalb bei „IDE Disk 1“ hinter „Festplattenbus“ den Wert „VirtIO“ ein. Bei der Netzwerkkarte, mit der Bezeichnung „NIC:e0:86:c0“ oder ähnlich wählen Sie hinter „Gerätemodell“ ebenfalls „VirtIO“. Nach jeder Änderung klicken Sie auf „Anwenden“.

Schritt 5: Laden Sie für die von Red Hat digital signierten Windows-Treiber herunter . Klicken Sie auf den Link hinter „Latest virtio-win iso“. Damit laden Sie die Datei „virtio-win-0.1.112.iso“ herunter. Wechseln Sie zurück zur Konfiguration der virtuellen Maschine, klicken Sie auf „Gerät hinzufügen“ und dann auf „Storage“. Wählen Sie hinter „Gerätetyp“ den Eintrag „CDROM-Gerät“. Klicken Sie auf „Durchsuchen“ und dann auf „Lokal durchsuchen“. Wählen Sie die eben heruntergeladene ISO-Datei aus, klicken Sie auf „Öffnen“ und auf „Fertig“.

Schritt 6: Klicken Sie auf „Installation beginnen“. Es öffnet sich das Fenster eines virtuellen PCs, in dem das Windows-System startet. Folgen Sie den Anweisungen wie bei Windows-Neuinstallationen üblich. Bei der Installationsart klicken Sie auf „Benutzerdefiniert: nur Windows installieren (für fortgeschrittene Benutzer)“. Klicken Sie dann auf „Treiber laden -> Durchsuchen“, und öffnen Sie den Ordner „E:\viostor\w10\amd64“. Klicken Sie auf „OK“ und dann auf „Weiter“. Installieren Sie auf dieses Weise auch den Netzwerktreiber aus dem Ordner „E:\NetKVM\w10\amd64“.

Schritt 7: Im fertig installierten Windows-Gastsystem installieren Sie von der Treiber-CD noch den Grafikchip-Treiber aus dem Ordner „qxldod/w10“, den Treiber für die serielle Schnittstelle aus „vioserial/w10“ und den Balloon-Treiber aus dem Ordner „Balloon/w10/amd64“. Letzterer ist für die Optimierung der Hauptspeicherverwaltung zuständig. Die serielle Schnittstelle ist Voraussetzung für die gemeinsame Nutzung der Zwischenablage (-> Punkt 6). Wählen Sie im Kontextmenü der „Inf“-Dateien jeweils den Eintrag „Installieren“. Im Windows-Gerätemanager („devmgmt.msc“) kontrollieren Sie, ob alle Treiber installiert sind und keine unbekannten Geräte mehr auftauchen.

Mit Schnappschüssen sichern Sie den aktuellen Zustand des Gastsystems.
Vergrößern Mit Schnappschüssen sichern Sie den aktuellen Zustand des Gastsystems.

5. Virtuelle Maschinen verwenden

Im Fenster der geöffneten virtuellen Maschine können Sie über die beiden Icons auf der linken Seite der Symbolleiste zwischen der grafischen Konsole, also dem Desktop der VM, und den Einstellungen umschalten. Diese lassen sich nur bei heruntergefahrenem Gastsystem ändern.

Außerdem gibt es hier Schaltflächen, über die Sie eine VM pausieren und wieder starten. Neben dem Stop-Schalter finden Sie ein Menü mit Funktionen wie „Herunterfahren“ oder „Ausschalten erzwingen“. Per Klick auf „Speichern“ sichern Sie den momentanen Zustand und beenden die VM. Mit der Play-Schaltfläche schalten Sie sie wieder ein.

Das letzte Icon zeigt die Schnappschussverwaltung an. Hier lassen sich Zustände von Abbildern speichern und bei Bedarf wieder herstellen. Alternativ verwenden Sie die Kommandozeile:

virsh snapshot-create-as win10 snapshot_1 "Snapshot 1 von Windows 10"
virsh snapshot-list win10
virsh snapshot-revert --domain win10 snapshot_1
virsh snapshot-delete --domain win10 --snapshotname snapshot_1

Die vier Beispielzeilen zeigen das Erstellen („-create-as“), Auflisten („-list“), Wiederherstellen („-revert“) und Löschen („-delete“) von Sicherungen.

Hardwarebeschleunigung in virtuellen Maschinen

Ein Schwachpunkt virtualisierter Systeme ist die Grafikleistung. Virtuelle Grafikkarten kommen an die Fähigkeiten aktueller Grafikchips nicht heran. Für Browser und Büroanwendungen reicht es, und selbst HD-Videos lassen sich in guter Qualität abspielen. Bei Videoschnitt oder Bildbearbeitung muss man jedoch die Ansprüche herunterschrauben, anspruchsvolle PC-Spiele lassen sich überhaupt nicht nutzen.

Virtualbox und Vmware Player haben die 3D-Hardware-Beschleunigung mit jeder neuen Version etwas verbessert. Anwendungen, die DirectX oder Open GL verwenden, können davon profitieren. Die 2D-Beschleunigung in Virtualbox steht nur für Windows-Gäste zur Verfügung und hilft bei der Darstellung etwa von Videoinhalten. KVM/Qemu erbringen dank optimierter Treiber ebenfalls ausreichende Grafikleistung für die meisten Anwendungen. 3D-Treiber sind in Arbeit, die Software ist bereits im Kernel 4.4 vom Januar 2016 enthalten. Bis die aktualisierten Pakete in die Linux-Distributionen einfließen, wird es aber noch etwas dauern (Infos dazu siehe unter https://virgil3d.github.io ).

6. Gemeinsame Zwischenablage einrichten

Damit Sie Text und Bild über die Zwischenablage vom Host-zum Gastsystem und umgekehrt austauschen können, müssen Sie im Gastsystem einen Dienst installieren. Laden Sie die Windows Guest Tools herunter (aktuell: „spice-guest-tools-0.100.exe“). Starten Sie die EXE-Datei nicht, sondern entpacken Sie den Inhalt mit einem Tool wie 7-Zip ( www.7-zip.org ) im virtualisierten Windows 10. Kopieren Sie die Dateien „vdagent.exe“ und „vdservice.exe“ beispielsweise in den Ordner „C:\Program Files (x86)\SpiceGuestTools“. In einer Kommandozeile mit administrativen Rechten geben Sie dann folgenden Befehl ein:

"C:\Program Files (x86)\SpiceGuestTools\vdservice" install

Starten Sie jetzt Windows neu. Nun funktionieren die Hotkeys Strg-C und Strg-V zum Austausch über die Zwischenablage.

Unter einem Linux-Gastsystem installieren Sie für den gleichen Zweck das Paket „spice-vdagent“.

Netzwerkbrücke im Netzwerkmanager konfigurieren und als virtuelle Schnittstelle verwenden.
Vergrößern Netzwerkbrücke im Netzwerkmanager konfigurieren und als virtuelle Schnittstelle verwenden.

7. Verbindung zum lokalen Netzwerk herstellen

Das Netzwerk in der virtuellen Maschine ist standardmäßig als NAT konfiguriert: Sie kommen zwar ins Internet, aber nicht in das lokale Netzwerk. Um das zu ändern, richten Sie unter Ubuntu über den Netzwerkmanager eine Netzwerkbrücke ein. In Ubuntu 14.04 hat dieser jedoch einen Fehler, der die Nutzung der Brücke verhindert. Installieren Sie mit folgenden drei Befehlszeilen im Hostsystem eine aktualisierte Version:

sudo add-apt-repository ppa:cschieli/bug1273201
sudo apt udpate
sudo apt install network-manager

Starten Sie Linux neu. Klicken Sie das Icon des Netzwerkmanagers in der Leiste am oberen Bildschirmrand an und gehen Sie auf „Verbindungen bearbeiten“. Klicken Sie auf „Hinzufügen“, wählen Sie „Brücke“ und klicken Sie auf „Erzeugen“. Auf der Registerkarte „Brücke“ tragen Sie hinter „Name der Schnittstelle“ die Bezeichnung „bridge0“ ein. Klicken Sie auf „Hinzufügen“, wählen Sie „Ethernet“, klicken Sie auf „Erzeugen“ und wählen Sie hinter „Mac-Adresse des Gerätes“ Ihren Netzwerkadapter aus.

Auf der Registerkarte „Allgemein“ setzen Sie ein Häkchen vor „Automatisch mit diesem Netzwerk verbinden, wenn es verfügbar ist“. Bestätigen Sie zweimal mit „Speichern“. Löschen Sie dann im Fenster „Netzwerkverbindungen“ die Verbindung unter „Ethernet“ und starten Sie Linux neu.

Öffnen Sie die VM in der virtuellen Maschinenverwaltung und klicken Sie auf das blaue „i“-Icon, um die Konfiguration zu ändern. Gehen Sie auf den Eintrag für die virtuelle Netzwerkschnittstelle, beispielsweise „NIC:e0: 86:c0“. Wählen Sie hinter „Netzwerkquelle“ den Eintrag „Namen des gemeinsam verwendeten Gerätes angeben“ und tragen Sie hinter „Brückenname“ die Bezeichnung „bridge0“ ein. Klicken Sie auf „Anwenden“ und starten Sie die virtuelle Maschine. Nun haben Sie im Gastsystem Zugriff auf lokale Netzfreigaben.

Drucker oder Speichersticks am USB-Anschluss lassen sich direkt im Gastsystem verwenden.
Vergrößern Drucker oder Speichersticks am USB-Anschluss lassen sich direkt im Gastsystem verwenden.

8. USB-Geräte im Gastsystem nutzen

Öffnen Sie eine virtuelle Maschine in der virtuellen Maschinenverwaltung und lassen Sie sich die Konfiguration anzeigen. Klicken Sie auf „Gerät hinzufügen“ und dann auf „USB Host Device“. Wählen Sie das USB-Gerät aus der Liste, das Sie in der VM nutzen wollen, und klicken Sie auf „Fertig“. Das Gerät wird eingebunden, sobald Sie das Gastsystem starten. Im Hostsystem ist es dann nicht mehr verfügbar. In den Einstellungen lässt sich bei „Steuerung USB“ auch USB 3.0 konfigurieren. Die Funktion ist allerdings noch experimentell und bei vielen PCs funktioniert die Erkennung der Geräte nicht zuverlässig.

Auch interessant: Virtualbox - Acht Tipps zum Optimieren der VM

9. Virtuelle Maschinen mit Virtualbox

Virtualbox ist eine bewährte Virtualisierungssoftware für Linux. Die Open-Source-Version lässt sich über die Softwarerepositorien der gängigen Linux-Distributionen schnell installieren. Hier fehlen jedoch einige Funktionen wir die Unterstützung von USB 3.0. Es ist daher empfehlenswert, das Paket vom Hersteller zu installieren. Unter Ubuntu verwenden Sie die folgenden fünf Befehle:

wget -q https://www.virtualbox.org/download/oracle_vbox.asc -O-| sudo apt-key add -
sudo sh -c 'echo "deb http://download.virtualbox.org/virtualbox/debian trusty contrib" >> /etc/apt/sources.list.d/virtualbox .list'
sudo apt-get update
sudo apt-get install dkms virtualbox-5.0
sudo adduser $USER vboxusers

Beim ersten Start von Virtualbox werden Download und Installation von „Oracle VM VirtualBox Extension Pack“ angeboten. Das Extension Pack ist vor allem nötig, wenn Sie USB-Geräte im Gastsystem nutzen möchten. Eine virtuelle Maschine erstellen Sie über die Schaltfläche „Neu“. In der Regel können Sie alle Voreinstellungen belassen. Für die virtuelle Festplatte empfiehlt es sich, deutlich mehr Speicherplatz als die vorgeschlagenen acht oder 25 GB zu verwenden. Der Platz wird ohnehin erst belegt, wenn er benötigt wird.

Nach Abschluss des Assistenten klicken Sie auf „Ändern“ und dann auf „Anzeige“. Stellen Sie hinter „Grafikspeicher:“ mindestens 64 MB ein und setzen Sie Häkchen vor „3D-Beschleunigung aktivieren“ und bei Windows auch vor „2D-Video-Beschleunigung aktivieren“. Unter „Massenspeicher“ binden Sie die ISO-Datei mit dem Installationsmedium ein. Klicken Sie auf „Starten“. Der virtuelle PC bootet vom Installationsmedium und danach erfolgt die Windows-oder Linux Installation wie gewohnt.

Damit das Gastsystem in Virtualbox optimal funktioniert, sind zusätzliche Treiber erforderlich. Gehen Sie im Fenster der laufenden virtuellen Maschine auf „Geräte -> Medium mit Gasterweiterungen einlegen“. Bei Ubuntu oder Linux Mint erscheint ein Fenster, in dem Sie auf „Ausführen“ klicken und mit dem root-Passwort bestätigen. Ein Script erstellt die nötigen Kernel-Module automatisch.

Virtualbox: Die Virtualisierungssoftware von Oracle ist unter Linux bewährt.
Vergrößern Virtualbox: Die Virtualisierungssoftware von Oracle ist unter Linux bewährt.

Lese-Tipp: Virtualbox-Tricks für Profis und Fortgeschrittene

10. Vmware Workstation Player installieren

Vmware Workstation Player ist der kleine Bruder der Vmware Workstation und für private Nutzer kostenlos. Laden Sie das Installationspaket über www.vmware.com/products/player nach einem Klick auf „Try for Free“ herunter. Es gibt nur eine 64-Bit-Version. Starten Sie die Installation in einem Terminalfenster mit folgender Zeile:

sudo sh Vmware-Player-12.1.0-3272444.x86_64.bundle

Passen Sie den Namen für die heruntergeladene Datei an und folgen Sie den Anweisungen des Installationsassistenten. Die Installation eines Gastsystems erfolgt ähnlich wie mit dem Virtual Machine Manager oder Virtualbox. Nach „Create a New Virtual Machine“ folgen Sie den Vorschlägen des Assistenten.

Im laufenden Gastsystem gehen Sie auf „Virtual Machine -> Install VMware Tools“. Beim ersten Aufruf erfolgt ein Download. Die CD mit den Treibern für das Gastsystem wird automatisch eingebunden. Unter Windows starten Sie davon ein Setupprogramm, das Treiber und Tools für die optimale Leistung des virtuellen Systems installiert.

Vmware Workstation Player: Der kostenlose Player ist einfach zu bedienen. Im Vergleich zu Virtualbox fehlen einige Funktionen, die aber nicht jeder vermissen wird.

Virtualisierungssoftware für Linux

KVM/Qemu

KVM/Qemu

Oracle Virtualbox 5

Vmware Player 12

Vmware Workstation 12

Webadresse

http://linux-kvm.org

www.virtualbox.com

www.vmware.com

www.vmware.com

Preis

Open Source

teilweise Open Source

für Privatanwender kostenlos

ab 200 Euro

Funktionen

AMD-V/Intel-VT erforderlich

ja

nein

ja

nein

Gemeinsame Zwischenablage

ja

ja

ja

ja

Gemeinsame Ordner

nur für Linux-Gast-Systeme

ja

ja

ja

VM-Schnappschüsse

ja

ja

nein

ja

VM-Klonfunktion

ja

ja

nein

ja

Mehrere VMs parallel

ja

ja

nein

ja

3D-Beschleunigung im Gastsystem

nein

ja

ja

ja

USB 2.0/3.0 im Gastsystem

ja/eingeschränkt

ja/ja

ja/ja

ja/ja

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