14.09.2012, 11:09

Arne Arnold

Smartphone-Sicherheit

So schützen Sie Ihr Smartphone vor Viren

Smartphones verdienen bei häufiger Nutzung einen ebenso effektiven Virenschutz wie Ihr Heim-PC - und das geht sogar schon mit Gratis-Apps. ©iStockphoto.com/Oonal

Auf Smartphones sind mehr persönliche Daten gespeichert als auf manchem PC. Das wissen auch die Kriminellen. Darum programmieren sie immer mehr Viren für Android und haben es auf Ihr Geld und Ihre Daten abgesehen. Wir zeigen, wie Sie sich schützen.
Auf vielen Smartphones finden sich persönliche Daten, beispielsweise die Log-in-Daten fürs E-Mail-Konto, fürs Online-Banking und für Facebook. Für Informationen dieser Art interessieren sich nun verstärkt Kriminelle, die auch hinter den PC-Viren der letzten Jahre stecken. Und tatsächlich steigt die Zahl der Android-Viren rasant. Zumindest behaupten das die Hersteller von Antiviren-Programmen. So meldet zum Beispiel der Sicherheitsexperte Trendmicro , dass sich die Zahl der Android-Viren im zweiten Quartal 2012 gegenüber dem ersten Quartal vervierfacht hat - auf die Zahl von 25.000. Im vierten Quartal 2011 zählten die Spezialisten übrigens erst 1000 Schädlinge.

Alarmierend hohe Zahl neuer Viren - oder doch nicht?

Die große Zahl neuer Android-Viren klingt natürlich sehr alarmierend, und der Einsatz einer (kostenpflichtigen) Antiviren-Software für das Android-Handy scheint umgehend geboten, wenn man nicht schon morgen ein verseuchtes Gerät haben will.
Doch ein genauer Blick auf die Virenbedrohungen zeigt, noch ist die Lage nicht zu ernst. Denn andere Sicherheits-Spezialisten kommen auch zu anderen Zahlen. So hat zum Beispiel F-Secure nicht die pure Zahl neuer schädlicher APK-Dateien (Apps) gezählt, sondern sich den Code mal genauer angesehen. F-Secure entdecke dabei, dass im zweiten Quartal 2012 gerade einmal 40 neue Viren-Familien bei den Android-Apps aufgetaucht sind. Die vielen unterschiedlichen, schädlichen APK-Dateien sind meist nur geringfügige Varianten eines Schädlings. Oft ändern die Kriminellen nur ein einziges Bit bei einem Android-Virus. Sie hoffen so, mit dem Schädling wieder durch die aktuellen Virenfilter zu rutschen.
Es handelt sich also aktuell nicht um eine Flut von neuen Viren, sondern nur um einige wenige, allerdings oft sehr clever Android-Schädlingen.

In Deutschland scheint die Viren-Gefahr noch gering

Zu einem differenzierten Bild kommt übrigens der Sicherheits-Spezialist Lookout. Auf der einen Seite ist alleine durch eine Viren-Familie für Android ein Schaden von 10 Millionen Dollar entstanden. Auf der anderen Seite ist die Gefahr, dass man als Android-Nutzer Opfer von einem Schädlingen wird, weltweit extrem unterschiedlich verteilt. Russische Nutzer laufen zu rund 42 Prozent Gefahr, sich einen Virus auf dem Smartphone einzufangen. In Deutschland liegt das Risiko bei nur rund 0,4 Prozent. Weitere Infos zu den Zahlen von Lookout gibt es hier .
 
Wenn Sie wissen möchten, wie aktuelle Android-Viren aussehen und welchen Schaden sie anrichten, dann finden Sie die 10 gefährlichsten Schädlinge aus dem zweiten Quartal 2012 in dieser Bildergalerie. Weiter unten auf der Seite warnen wir zudem vor einigen der gefährlichen Banking-Viren für Android, die sich auf den Diebstahl beim Online-Banking spezialisiert haben.
Virenangriffe vor allem auf Android-Smartphones
Vorrangiges Angriffsziel unter den Smartphones sind Geräte mit dem Betriebssystem Android. Für dieses von Google entwickelte System steigt die Zahl neuer Viren und Viren-Familien am stärksten an. Dagegen tauchen Schädlinge für iOS, also für das iPhone, in freier Wildbahn nach wie vor nicht auf.

Achtung: Neue Handy-Viren auf dem Vormarsch

Doch auch, wenn es bisher nur wenige Schädlingsfamilien für Android gibt, sind die Sicherheitsexperten extrem besorgt. Der Grund: Es ist sehr leicht, einen Virus für Android zu erstellen und zu verbreiten. Das Paradebeispiel dafür ist der Schadcode DroidDream. Er lässt sich mit nur wenig Aufwand in bereits bestehende Apps integrieren und verwandelt diese in klassische Trojanische Pferde. Das geschah beispielsweise schon Anfang 2011 mit rund 20 völlig legalen und beliebten Apps. Unbekannte manipulierten diese Apps, indem sie ihnen DroidDream einpflanzten und sie anschließend unter einem ähnlichen Namen neu in den App-Store von Android (Google Play) einstellten. Aus dem legitimen Programm Guitar Solo Light machten sie einen Trojaner namens Super Guitar Solo. Diese App stellten sie neu in den offiziellen App Store und fanden so tausende Opfer, die sich das verseuchte Programm bereitwillig installierten. Ist der Android-Virus erst einmal aktiv, kann er ebenso viel Schaden anrichten wie ein Virus auf dem PC: Die Virenprogrammierer können das Handy komplett fernsteuern und auch weitere Schädlinge nachladen.

Google löscht Apps von Smartphones: Das Eindringen der mit DroidDream verseuchten Apps erschütterte die Vertrauenswürdigkeit des offiziellen Android Markets Google Play. Schließlich galt und gilt die Devise: Laden Sie Apps nur aus dem offiziellen Android Market  herunter oder aus ebenso seriösen Stores, etwa Android Pit, da man dort am besten vor gefährlichen Apps geschützt ist. Aus diesem Grund entschloss Google sich zu einer drastischen Maßnahme: Die verseuchten Apps wurden per Fernlöschung von den Smartphones der Opfer entfernt. Auf diese Weise soll Google auf die Handys von geschätzten 200 000 Opfern zugegriffen haben. Bis dahin war kaum bekannt, dass das Betriebssystem Android eine solche Fernlöschung überhaupt ermöglicht.
Google verbessert die Kontrolle im Android Market Google Play: Die Verbreitung von Viren im offiziellen Android Market war bis Anfang 2012 vor allem durch die zu schwache Kontrolle seitens des Shop-Betreibers Google möglich. Eine App, die in den Android Market wollte, wurde im Wesentlichen nur darauf geprüft, ob die vorgeschriebene Manifestdatei dabei ist und ob die Angaben darin mit der App übereinstimmen. In der Manifestdatei sind die Rechte aufgeführt, die das System der App genehmigt, etwa ob sie auf das Internet zugreifen darf oder ob sie die Einträge im Telefonbuch lesen kann. Ein Computer-Programm vergleicht diese Angaben mit dem Quellcode der App. Bei einer Übereinstimmung passierte die App die Kontrolle und wurde in Google Play veröffentlicht. Eine Plausibilitätskontrolle durch einen Menschen, wie sie bei Apple üblich ist, gibt es für Android nicht. Entsprechend fällt es auch nicht auf, wenn etwa eine Taschenlampen-App, die technisch nichts weiter macht, als das Blitzlicht oder den Bildschirm einzuschalten, sich brisante Rechte genehmigen lässt. So geschehen zum Beispiel bei der App Flashlight no Ads. Ihr wurde Zugriff auf das Internet, die Kamera, das Mikrofon und auf persönliche Daten genehmigt. Erst nachdem der Sicherheitsspezialist Bitdefender die App gemeldet hatte, wurde sie aus dem App-Store entfernt.
Darum hat Google Anfang des Jahres verbesserte Kontrollen in Google Play integriert. Das System nennt sich Google Bouncer und soll schädlichen Code blockieren, bevor er veröffentlich wird. Das funktioniert grundsätzlich ganz gut, ist aber wie jedes Schutzsystem nicht perfekt. So konnten Sicherheitsforscher auf der diesjährigen Hacker Konferenz Blackhat zeigen, wie man als Virenprogrammierer trotz Bouncer seine Schädlinge in Google Play unterbringt . Und der Antiviren-Experte Symantec fand im Juli auch wieder zwei Android-Viren im Store .


Zuverlässige Sicherheits-Apps für Ihr Smartphone

Diese weiteren Android-Viren existieren bereits: Zu den Schädlingen, die es für Android gibt, zählen durchaus ein paar äußerst unangenehme Kandidaten. Etwa die beiden sehr ähnlich agierenden Viren ZitMo und SpitMo, die es auf die mTAN von Online-Banking-Kunden abgesehen haben. Die zwei Schädlinge stammen allerdings nicht aus dem Android Market Google Play. Hier haben die Kriminellen die PCs der Opfer mit einem klassischen Banking-Virus verseucht. Dieser zeigt eine Meldung an, die das Opfer überredet, eine vorgeblich nützliche App auf dem Smartphone zu installieren. Tatsächlich handelt es sich aber um die Android-Viren.

Zunächst waren beide Attacken lokal und zeitlich sehr begrenzt, ZitMo zielte auf die Kunden einer Bank in Polen ab, und SpitMo fand seine Opfer für kurze Zeit in Spanien. Doch in Jahr 2012 versuchten die Kriminellen immer wieder, ihre Mobil-Schädlinge zu verbreiten. Ob Sie damit nun schon Erfolg hatten und über diese Viren Online-Banking-Diebstahl zustande brachten, ist allerdings nicht bekannt.
Weitere bösartige Smartphone-Viren versenden kostenpflichtige SMS oder abonnieren teure Premium-Dienste. Doch sind diese Schädlinge überwiegend in Russland und Asien verbreitet. Die Bedrohung durch gefährliche Handy-Viren ist also durchaus real. Einerseits ist es für Kriminelle grundsätzlich leicht, ihren Schadcode in eine beliebte App einzupflanzen und dann unter ähnlichem Namen im offiziellen Android Market zu veröffentlichen. Zudem gibt es für Kriminelle lohnende Ziele auf einem Smartphone, etwa die mTAN fürs Online-Banking. Andererseits ist bisher zumindest in Deutschland noch kein großer Schaden entstanden. Trotzdem bieten bereits viele Sicherheits-Apps ihre – teils kostenpflichtigen – Dienste an.

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