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Steampunk-Design: Viktorianisches Klangrohr

29.09.2015 | 08:30 Uhr |

Wenn ein Steampunker einen MP3-Player baut, wird daraus ein dekoratives Objekt - das viktorianische Zeitalter lässt grüßen.

Leander Lavendel ist dem Steampunk verfallen. Er liebt es, fantastische Maschinen, irrwitzige Geräte und Apparaturen zu bauen und sie mit Glanz und Ästhetik zu Kunstwerken zu gestalten. "Schon immer mochte ich Dinge, bei denen auf Knopfdruck etwas passiert ist - sei es ein Leuchten, Klingeln, Rattern oder Pfeifen oder aber wenn sie sich bewegt haben. Elektrische Rollos, Türen oder Fensterheber sind noch heute Highlights für mich. Als Kind habe ich  versucht, solche Sachen mit Legosteinen zu bauen, und oft waren diese Bausteine hinterher kaputt, weil sie aufgrund von Uhu und Pattex nicht mehr trennbar waren."

Wie seine Objekte heute aussehen, zeigt er auf www.kupferkeller.de .

Mit dem Viktorianischen Klangrohr stellt er einen MP3-Radioplayer vor, den Sie mit Geduld und einigem handwerklichen Geschick in dieser oder ähnlicher Form nachbauen können.

Um ein „ Viktorianisches Klangrohr" zu bauen, brauchen Sie außer den folgenden Materialien vor allem Geduld, handwerkliches Geschick und Kenntnisse der allgemeinen Modellbau-Elektronik.

Das sind die Bauteile und Materialien, die Sie benötigen:

  • 1 MP3-Player Musicman MA

  • 2 Mikrogetriebemotoren mit 60 U/min (oder schneller )

  • 2 Wellenaufnehmer (selbstgedreht)

  • 1 Kippschalter 3 UM/2 UM

  • 2 Kippschalter 1 UM

  • 1 Kaltlichtkathode Blau

  • 1 Soundsteuerung für die Kathode

  • 2 Endtaster (Öffner )

  • Pappelholz (oder Holz Ihrer Wahl )

  • 3 9-V-Blockbatterien

  • 2 Gewindestangen M8

  • 4 Muttern M8

  • 4 Kugelmuttern M3 aus Messing

  • Zahnräder - als Zierde, denn wir erstellen ja ein Steampunk-Objekt

  • 2 Arme einer Wandleuchte aus Messing

  • 2 Lampenfassungen aus Messing

  • Kupferrohr 60x2 mm (Länge etwa 20 cm )

  • 2 Lüftungsgitter DM 40 mm

  • Kupferlochblech-Streifen 10 mm

  • 2 selbstgebaute Führungen für Gewindestange

  • 12 Kugelschrauben M3 aus Messing

  • 6 O-Ringe 5x2 mm

  • Zierteile sowie abgesägte Kleiderhaken als Füße, aus Messing

  • Kabel und Litze

  • 2 Kunststoffscheiben als Gleitpunkt

  • Lasur

  • diverse Klebe- und Hilfsmittel

  • Stoff (Schwedenleder) zum Auskleiden der Halteschalen und zum Polstern der Röhre


Als erstes bauen wir den Musicman MA auseinander, nehmen das Innenleben heraus und machen ihn für den Einbau in das Kupferrohr 60x2 mm fertig. Das heißt: Ein- und Ausschalter mit Kippschalter verlöten und nach außen führen.

Die Außenhülle des Musicman MA dient hervorragend als Schablone zum Anzeichnen der Bedientasten sowie der restlichen Anschlüsse wie USB, Micro-SD und Buchse für das Ladekabel. Übertragen Sie einfach diese Löcher auf das Kupferrohr. Sie sehen das schon, wenn Sie die Platine in der Hand haben, und wissen automatisch, was dann zu tun ist. Als Führung für die Taster nehmen wir Messingrohre mit 5 mm Durchmesser, in die später die Kugelschrauben kommen, die wir als Bedientasten nutzen.

Hier sieht man die eingelöteten Messingröhrchen, die als Führung dienen. Die beiden vorderen Löcher sind für den externen Schalter und die LED. Die Kontakte von Schalter und Leuchtdiode wurde von der Platine des Musicman MA weg mit etwas Litze verlängert, so dass man die LED außen sehen und den Ein-/Aus-Schalter bedienen kann. 

Eingelötete Messingröhrchen dienen als Führung
Vergrößern Eingelötete Messingröhrchen dienen als Führung
© Leander Lavendel

Jetzt schneiden Sie die Lampenfassungen aus und fügen Sie die Lüftungsgitter ein, die später die Schallöffnung der Lautsprecher sind. Die Lautsprecher des Musicman MA passen genau hinein und können mit Kleber darin fixiert werden. Nehmen Sie am besten Heißkleber. Sekundenkleber hat seine Tücken !

Lampenfassungen
Vergrößern Lampenfassungen
© Leander Lavendel
Lüftungsgitter
Vergrößern Lüftungsgitter
© Leander Lavendel

So sieht die fertige Schallkapsel mit Lautsprecher und Haltearm dann aus.

Fertige Schallkapsel mit Lautsprecher und Haltearm
Vergrößern Fertige Schallkapsel mit Lautsprecher und Haltearm
© Leander Lavendel


Nun setzen wir das Innenleben (Platine und unsere externen Schalter, LED) des Musicman MA passend in das Kupferrohr und fixieren es mit Heißkleber. Achten Sie darauf, dass die Ausschnitte für USB, SD und Ladebuchse genau passen.

Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, montieren Sie die beiden vorbereiteten Lautsprecher und verschrauben sie mit dem Kupferrohr. Bitte nicht verkleben, sonst kommen Sie nicht mehr an das Innenleben heran ohne etwas zu zerstören.

Nun können Sie das Kupferrohr außen beliebig verzieren, patinieren oder einfach nur blank polieren und mit etwas Zaponlack vor Korrosion schützen.

Fertiges Klangrohr (noch ohne Halterung)
Vergrößern Fertiges Klangrohr (noch ohne Halterung)
© Leander Lavendel

Ihren eigenen Ideen sind dabei keine Grenzen gesetzt und natürlich ist jede andere erdenkliche Form genauso passend. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf und gestalten Sie, wie Sie möchten.

Jetzt kommt der Unterbau dran. Zuerst bauen wir den Ablageständer für das Klangrohr. Dazu nehmen wir vom gleichen Kupferrohr eine Viertelschale und bringen sie nach eigenen Vorstellungen in Form.

Ablageständer für das Halterohr
Vergrößern Ablageständer für das Halterohr
© Leander Lavendel

Nutzen Sie dazu Feile, Säge oder eine Flex. Achten Sie bitte auf jeden Fall auf den Schutz Ihrer Hände und Augen, wenn Sie mit elektronischen Geräten Metalle bearbeiten! Handschuhe und Schutzbrille tragen!

Sägen Sie Messingrohre ab und biegen oder runden sie diese. Ich habe zwei abgesägte Rohre genutzt, die einmal von einem Kerzenhalter waren.
 

Ablageständer für das Halterohr
Vergrößern Ablageständer für das Halterohr
© Leander Lavendel

 
Hier haben wir jetzt das Gehäuse, das ich aus Pappelholz selbst gefertigt habe und das noch nicht lasiert ist. Auch beim Gehäuse haben Sie freie Wahl und können eine Form wählen, die Ihnen gefällt. Wichtig dabei ist, dass Sie genügend Platz im Inneren haben, um später die ganze Technik noch einzubauen. Machen Sie es ruhig etwas größer.


Nun bauen wir die beiden Linearantriebe. Dazu nehmen wir die Gewindestangen, Getriebemotoren und die Muttern.

Bau der Linearantriebe
Vergrößern Bau der Linearantriebe
© Leander Lavendel

 
Auf ein Stahlplättchen löten wir 2 Gewindemuttern übereinander sowie nebeneinander. Dies hat den Vorteil, dass es beim Drehen eine bessere Führung hat und weniger eiert. In diesem Plättchen ist gleichzeitig eine Gewindemuffe M8x1 mit eingelötet, auf die später die Haltearme geschraubt werden. Das ganze müssen wir zwei Mal herstellen.

Zwischenzeitlich können Sie - um etwas abzuschalten - das Gehäuse lasieren. Ich nehme gerne dunkle Farben und in diesem Beispiel hier „Nussbaum dunkel". Das Gehäuse mit feinem Sandpapier bearbeiten. Risse sind erwünscht, die müssen Sie nicht wegschleifen. Entstauben und lasieren. Oft genügt bei dunklen Farben eine Lasur, um einen Alt-Effekt zu bekommen. Lassen Sie es auf jeden Fall gut trocknen, bevor Sie eventuell einen zweiten Lasuranstrich vornehmen wollen.

So sieht dann das Gehäuse mit den beiden Motoren aus.

Gehäuse mit den beiden Motoren
Vergrößern Gehäuse mit den beiden Motoren
© Leander Lavendel

 
Nun bauen wir die ganze Technik ein. Achten Sie sorgsam darauf, was Sie wohin bauen, um später nicht wegen Platzmangel das ganze Projekt scheitern zu lassen. Es muss einiges da rein!

Um die Gewindespindel gerade nach vorne laufen zu lassen, wurde sie rechts und links mit 2 dünnen Holzplättchen als Führungsschiene ausgestattet.

Jetzt bauen wir die Kaltlichtkathode ein, die Steuerung für Sound to Light sowie die restlichen Taster, Batterien und Schalter, die Sie für eventuelle andere Beleuchtung oder Zwecke eingebaut haben.

ACHTUNG: Sollten Sie die Elektronik der Kaltlichtkathode aus ihrem Gehäuse entnehmen wollen, geschieht das auf Ihre eigene Gefahr! Bitte tun Sie das nicht, denn dabei können Sie einen lebensgefährlichen Stromschlag bekommen! Der Inverter einer Kaltlichtkathode kann bis zu 800 Volt liefern!! Bitte hier unbedingte Vorsicht und an diesem Gerät keine Umbauten vornehmen!!

Um die Motoren automatisch zu stoppen, müssen Sie Endschalter oder Taster mit einbauen. Auch über eine H-Brücke, die das Vorwärts- und Rückwärtslaufen der Motoren regelt, könnten Sie nachdenken. Ich habe es hier mit einem Schalter 3 UM und 2 Batterien gemacht - eine Batterie für den Vor- und eine für den Rücklauf.

Einbau der Technik
Vergrößern Einbau der Technik
© Leander Lavendel

Wie gesagt, eine H-Brücke wäre hier einfacher, und Sie  könnten auf eine Batterie verzichten. Die Beschreibung für den Aufbau einer H-Brücke ist an dieser Stelle allerdings zu umfangreich, so dass ich hier nicht darauf eingehen möchte. 

Sie können das ganze natürlich auch von Hand per Knopfdruck öffnen oder schließen lassen.
 
Wenn Sie alles eingebaut haben und testen, sollte Ihr viktorianisches Klangrohr so aussehen:
 

Das fertige Klangrohr I
Vergrößern Das fertige Klangrohr I
© Leander Lavendel
Das fertige Klangrohr II
Vergrößern Das fertige Klangrohr II
© Leander Lavendel
Das fertige Klangrohr III
Vergrößern Das fertige Klangrohr III
© Leander Lavendel

Wie das Klangrohr funktioniert, sehen Sie im Video.

 
Wenn Sie mehr wissen möchten, erreichen Sie mich per Mail über meine Website www.kupferkeller.de .
 
Wenn Sie sich das Klangrohr einmal "live" ansehen möchten: Es wird gerade auf der " Art Imaginär " in Neustadt an der Weinstraße gezeigt. Die Kunstausstellung läuft noch bis 27. Oktober 2015.

Tipp der Redaktion:

Sie finden noch weitere Objekte im Steampunk-Design auf unserer Website, und zwar

Das Meliora Jukebox-Grammophon von Dan Aetherman

The Wingman - altes Radio mit moderner Technik von Horatius Steam



Hinweis für alle Bastler:
Wenn auch Sie ein kreatives Projekt entwickelt haben oder vielleicht sogar einer der Maker der Steampunk-Szene sind, schreiben Sie uns. Wir würden Ihre Konstruktionen, nützlich, fantastisch perfekt oder einfach nur schräg, gern auf www.pcwelt.de/hacks vorstellen. Schreiben Sie an Birgit Götz - hacks@pcwelt.de.  


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