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Vier nützliche Hardware-Tricks für Linux

07.02.2015 | 09:45 Uhr |

Notebooks und ihre WLAN-Chips sind beim Einsatz von Linux immer wieder für Überraschungen gut. Ein weiteres Thema der folgenden Hardware-Tipps sind Apple-Geräte an Linux-Rechnern.

Status von WLAN-Chips: Blockierte WLAN-Sender anzeigen

Alle Notebooks erlauben es, den WLAN-Sender abzuschalten, etwa um das Gerät auch an Bord eines Flugzeugs während Starts und Landungen zu betreiben. Neben einem Schalter beziehungsweise einer Tastenkombination zum Abschalten des Senders gibt es auch eine Methode, den WLAN-Chip per Software zu deaktivieren. Unter Linux ist es aber gar nicht so einfach, einen per Software abgeschalteten WLAN-Chip wieder zum Leben zu erwecken.

Funkmodul ein und ausschalten: Ältere Notebooks haben am Gehäuse häufig noch einen separaten Schalter für den WLAN-Sender. Bei neueren Modellen gibt es dafür meist nur noch eine FN-Taste.
Vergrößern Funkmodul ein und ausschalten: Ältere Notebooks haben am Gehäuse häufig noch einen separaten Schalter für den WLAN-Sender. Bei neueren Modellen gibt es dafür meist nur noch eine FN-Taste.

Oft bedingen sich die Modi gegenseitig: Bei vielen Notebooks kann der WLAN-Sender zwar wieder per Hardware-Schalter oder der vorgesehenen Tastenkombination eingeschaltet werden, bleibt aber trotzdem Softwaremäßig blockiert. Gerade bei einem Dualboot mit Windows kommt es auch häufiger vor, dass nach einem Abschalten des WLAN-Chips in Windows dieser dann auch im später gestarteten Linux-System nicht arbeitet. Klarheit darüber, ob und wie ein WLAN-Chip blockiert ist, verschafft das nützliche Kommandozeilen-Tool rfkill, das nach der Eingabe des Befehls

rfkill list all

in einem Terminal-Fenster den Status aller Sender (WLAN und Bluetooth) des Computers ausgibt. Es gibt dabei zwei Typen von Blockaden: „Soft blocked: yes“ bedeutet, dass der Sender per Software, etwa über den Network Manager abgeschaltet ist. Mit

sudo rfkill unblock all

können Sie die Blockade für alle Sender aufheben. Der zweite, hartnäckigere Modus ist der Status „Hard blocked: yes“, der auf eine Hardware-seitige Stilllegung hinweist. Suchen Sie in diesem Fall die Tastatur des Notebooks nach einem Knopf mit einem WLAN-Symbol ab. Viele Hersteller sparen sich auch eine gesonderte Taste und bringen den WLAN-Schalter als FN-Tastenkombination auf einer der F-Tasten unter. Meist ist es nach dem Einschalten des WLAN-Senders auch noch nötig, mit rfkill unblock all die Softwaremäßige Blockade aufzuheben.

Praktische Konsolen-Tricks für Linux

USB 3.0 nachrüsten: USB-Controller für Linux-Systeme

Seit rund zwei Jahren sind zahlreiche PC-Hauptplatinen sowie Notebooks mit einem USB-3.0-Controller ausgestattet. Ob Ihr PC bereits USB 3.0 beherrscht, können Sie ganz leicht feststellen – suchen Sie nach blauen USB-Buchsen. Wenn Ihr Rechner keine USB-3.0-Anschlussbuchse besitzt, können Sie dies mit einer Controller-Karte USB 3.0 problemlos nachrüsten. Das geht einfach und preiswert: Günstige Controller-Karten für den Desktop-PC oder das Notebook bekommen Sie ab 7,50 Euro. Linux-Anwender können aber nicht jede beliebige Karte einsetzen.

USB-3.0-Controller: Ältere PCs lassen sich mit günstigen PCI-Express-Karten aufrüsten. Für Linux-Systeme ist es dabei wichtig, die Controller-Chips von VIA zu meiden.
Vergrößern USB-3.0-Controller: Ältere PCs lassen sich mit günstigen PCI-Express-Karten aufrüsten. Für Linux-Systeme ist es dabei wichtig, die Controller-Chips von VIA zu meiden.

Die Unterstützung des „Extensible Host Controller Interface“, das auch die Spezifikation von USB 3.0 festlegt, ist unter Linux die Sache des Kernels. Dieser stellt schon seit Version 2.6.31, der im Jahr 2009 erschien, das passendes Modul „Xhci“ für USB-3.0-Controller und angeschlossene Geräte nach diesem Standard bereit. Im Idealfall erkennt ein einigermaßen aktuelles Linux-System also nachgerüstete Controller-Karten automatisch, lädt das Treibermodul und bindet dann USB-3.0-Geräte ein. In der rauen Wirklichkeit halten sich einige Hersteller aber mit ihren Controller-Chips nicht an die Spezifikationen und liefern Karten aus, die nur mit einem speziellen Treiber funktionieren, den es natürlich nur für Windows gibt. So sind etwa USB-Controller-Chips des Herstellers VIA der Serie VL800 bekannt dafür, unter Linux nicht anständig zu funktionieren; Linux-Nutzer sollten um diese Chips einen Bogen machen. Verbaut sind die Chips nicht nur auf Controller-Karten, sondern leider auch auf ansonsten passablen Hauptplatinen, etwa von Gigabyte. Der Terminal-Befehl

lspci |grep VIA

zeigt an, ob ein USB-Controller von VIA im System steckt. Falls ja, dann bringt eine Karte mit einem Chip eines anderen Herstellers Lösung für viele USB-Verbindungsprobleme. Empfehlenswert sind etwa die Controller- Chips von Intel und von NEC.

USB 3.0 bei Notebooks aufrüsten: Eine Expresscard/34 mit einer Steckerbreite von 34 Millimetern passt auch in die größeren Slots für das Format Expresscard/54. Die Stromversorgung reicht oft nur für ein USB-Laufwerk.
Vergrößern USB 3.0 bei Notebooks aufrüsten: Eine Expresscard/34 mit einer Steckerbreite von 34 Millimetern passt auch in die größeren Slots für das Format Expresscard/54. Die Stromversorgung reicht oft nur für ein USB-Laufwerk.

Desktop-PCs: Achten Sie beim Kauf nicht nur auf den Chip-Hersteller, sondern auch darauf, dass die Controller-Karte PCI-Express 2.0 unterstützt und damit bis zu 500 MB/s transportieren kann. Dies muss natürlich auch für die PCI-Express-Steckplätze der Hauptplatine gelten. Entsprechen diese lediglich dem 1.0a- oder 1.1-Standard, liegt die Transferleistung einer 1x-Datenbahn („Lane“) bei maximal 250 MB/s. Sehr schnelle USB-3.0-Laufwerke bremst diese Begrenzung aus.

Eine Controller-Karte , die mit Linux dank eines NEC-Chipsatzes problemlos arbeitet, gibt es etwa von der Billigmarke CSL für 15 Euro.

Notebooks: Wer bei einem Notebook USB 3.0 nachrüsten will, kann dafür eine Steckkarte für die Schnittstellen Expresscard/34 oder Expresscard/54 verwenden. Die kleinere Expresscard/34 lässt sich auch in den größeren 54er-Schächten betreiben. Damit die volle Transferleistung von bis zu 500 MB/s zur Verfügung steht, muss auch der Chipsatz der Notebook-Hauptplatine den Expresscard-Slot mit voller Geschwindigkeit ansteuern. Bei Intel-Chipsätzen ist dies erst seit der 6er-Serie (HM65, HM67, QM67, QS67) der Fall. Eine Expresscard/34 von CSL gibt es ab 14 Euro. Beachten Sie, dass die Stromversorgung trotz zweier USB-Ports oft nur für ein USB-3.0-Gerät ausreicht.

iPhone / iPad / iPod: Apple-Geräte schneller über USB aufladen

Besitzer von iPhones sind ständig auf der Suche nach Lademöglichkeiten, denn eine Akkuladung reicht selten länger als einen Tag. Eine Stromquelle, die fast immer in Reichweite ist, sind die USB-Ports von PC und Notebook. Bei Linux-Systemen klappt das Aufladen aber oft nicht: Das Display des Apple-Geräts zeigt die Meldung „Aufladen mit diesem Zubehör nicht unterstützt“.

Die Ursache der Meldung ist die Berechnung der verfügbaren Stromversorgung, die Apple-Geräte anhand der anliegenden Spannungen an den D+- und D--Datenleitungen des USB-Anschlusses durchführen. So erkennen iPhone/iPod/iPad, ob sie an einem dezidierten Netzteil hängen oder am USB-Port eines Rechners. Der Strom (gemäß USB-Spezifikation zwischen 500 und 2000 mA) zum Aufladen wird mit der Energieverwaltung des Betriebssystems ausgehandelt, und wenn die gelieferten Ampere nicht reichen, dann erscheint die erwähnte Fehlermeldung.

Apple iPhone ohne Ladehemmung: Für Linux-Systeme, deren Energieverwaltung nicht genug Ladestrom über USB liefert, ergänzt das Tool iPad-charge zusätzliche Gerätemanager-Regeln über udev.
Vergrößern Apple iPhone ohne Ladehemmung: Für Linux-Systeme, deren Energieverwaltung nicht genug Ladestrom über USB liefert, ergänzt das Tool iPad-charge zusätzliche Gerätemanager-Regeln über udev.

Für Ubuntu und Mint gibt es ein Tool, um die Energieverwaltung der USB-Ports an die Bedürfnisse von iPhones, iPad und iPods anzupassen: iPad-charge ergänzt die Geräteverwaltung über zusätzliche udev-Regeln, um den Lademodus von USB-Ports zu Apple-Geräten kompatibel zu machen.

Der Trick funktioniert jedoch nur, wenn der Port von sich aus in der Lage ist, 1 A Strom zu liefern beziehungsweise 2 A zum Laden eines iPads. Letzteres trifft auf USB-Ports zu, die den Standard „USB Battery Charging Specification Revision 1.2“ von 2010 unterstützen, der bis zu 5 A Ladestrom zulässt. Das Tool iPad-charge steht als fertiges DEB-Paket für Ubuntu 14.04 LTS und Mint 17 zur Verfügung (32 Bit und 64 Bit). Für die 32-Bit-Version laden Sie beispielsweise das Paket „ipad-charge_1.1+git2013 1118-1~webupd8~trusty_i386.deb“ herunter und installieren es dann mit folgendem Kommando:

sudo dpkg -i [Paketname]

Die neuen udev-Regeln sind ab dem nächsten Neustart aktiv. Alternativ können Sie sich den Neustart aber auch sparen, indem Sie nach der Installation im Terminal den Befehl ipad_charge verwenden.

Updates unter Linux beschleunigen

Intel-Treiber installieren: Intel Linux Graphics Installer für Ubuntu und Fedora

Intel-Chipsätze gehören zur problemlosen Sorte Hardware, da Intel-Entwickler seit einigen Jahren frühzeitig Code für die Hardware-Unterstützung zur Kernel-Entwicklung beisteuern. Die beste Leistung gibt es trotzdem nur, wenn die neuesten Chipsatz-Treiber installiert sind.

Ein Installationsprogramm von Intel für Ubuntu 14.04/Mint 17 und Fedora 20 halten diese Distributionen auf dem neuesten Stand und vereinfachen die Installation und Aktualisierung von Grafik- und Chipsatztreibern. Das Tool von Intel erkennt die vorhandene Hardware und ergänzt die Quellen des Paketmanagers um die passenden Repositories, um das System bei einer Aktualisierung automatisch mit neuen Treibern zu versorgen – sofern verfügbar. So verwenden Sie das Tool von Intel: Laden Sie den Intel Graphics Installer 1.0.5 für Ubuntu 14.04 oder Fedora in der passenden 32-Bit- oder 64-Bit-Version herunter. Die DEB-Datei installieren Sie unter Ubuntu/Mint mit dem Kommando:

sudo dpkg -i [Paketname]

Die RPM-Datei für Fedora richten Sie dort mit

sudo rpm -ivh [Paketname]

ein. Die offiziellen Intel-Treiber sind mit GPG signiert. Bevor es an die Treiberinstallation gehen kann, müssen Sie deshalb zwei GPG-Schlüssel von Intel einlesen. Unter Ubuntu/Mint erledigen dies die beiden Kommandos

wget --no-check-certificate https://download.01.org/gfx/RPMGPG-KEY-ilg -O - | sudo apt-key add - wget --no-check-certificate https://download.01.org/gfx/RPMGPG-KEY-ilg-2 -O - | sudo apt-key add -

und in Fedora die folgenden zwei Befehle:

wget --no-check-certificate https://download.01.org/gfx/RPMGPG-KEY-ilg ; sudo rpm -import RPM-GPG-KEY-ilg wget --no-check-certificate https://download.01.org/gfx/RPMGPG-KEY-ilg-2 ; sudo rpm –import RPM-GPG-KEY-ilg-2

Das ist nur einmal bei der ersten Einrichtung nötig. Anschließend starten Sie das Intel-Tool mit dem Aufruf intellinux-graphics-installer , den Sie beispielsweise im Ausführen-Dialog (Alt-F2) eingeben.

Intel Linux Graphics Installer 1.0.5:
DEB- und RPM-Pakete für Ubuntu 14.04/Mint 17 sowie Fedora 20 unter https://01.org/linuxgraphics/downloads/2014/intelr-graphicsinstaller-1.0.5-linux (32 Bit und 64 Bit, 80 KB).

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

Zehn Top-Systeme für den USB-Stick - der Linux-Multiboot-Stick für jeden Einsatzzweck, die besten Power-Tricks für Mint 17 - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 5/2014 .

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