2024277

Vier nützliche Analyse-Tools zum Booten

05.01.2015 | 12:04 Uhr |

Wenn das OS beim Starten Probleme macht, helfen ohne größeren Aufwand oft nur noch bootbare Analyse-Tools. Wir stellen Ihnen vier besonders praktische vor.

Neben den typischen bootfähigen Distributionen für die alltägliche Arbeit gibt es auch noch sehr kleine und eng spezialisierte, die oft bei technischen Problemen weiterhelfen. Wann Sie diese Systeme aufsuchen sollten und wie Sie diese erfolgreich einsetzen, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Super Grub Disk 1 und 2

Super Grub Disk 1 und 2 sind startfähige und unabhängige Bootloader, die alle Festplatten nach vorhandenen Linux-Systemen absuchen, anzeigen und dann das gewünschte booten, obwohl die Bootumgebung fehlt. Diese Starthilfe brauchen Sie typischerweise nach einer Windows-Installation, die den Bootloader Grub 1 oder 2 überschrieben hat.

Zum Start von Super Grub booten Sie das System über ein Medium Ihrer Wahl. Die weitreichendste Analyse existierender Linux-Systeme erreichen Sie mit der Unteroption „Detect any GRUB2 installation (even if mbr is overwritten)“. Da die jüngeren Linux-Distributionen die Grub-Version 2 benutzen, ist „Super Grub Disk 2“ die erste Wahl. Anschließend bestätigen Sie die Auswahl „Load /boot/grub/core.img from (hdx, y)“, wobei der Platzhalter x für die Festplattenbezeichnung steht und y für die Partition. Das Notfallwerkzeug „Super Grub Disk 1“ starten Sie nur, wenn Sie wissen, dass Ihr älteres Linux die Grub-Version 1 verwendet oder wenn der Suchlauf mit Super Grub 2 nicht erfolgreich war.

Beachten Sie, dass Super Grub Disk 2 zwar ad hoc Ihr System wieder bootet, jedoch die Startumgebung nicht dauerhaft repariert. Die bequemste Art, die Bootumgebung zu reparieren, bietet das Notfallsystem Rescatux .

Hardware Detection Tool (HDT)

Das Tool HDT verschafft einen umfassenden Überblick zur Hardware eines Computers, auf dem kein funktionierendes Betriebssystem installiert ist. HDT ist aber auch dann vorzuziehen, wenn Sie mit einem installierten Betriebssystem nicht ausreichend vertraut sind, um sich damit schnell die erforderlichen Hardware-Informationen beschaffen zu können.

Alle wichtigen Hardware-Infos mit HDT: Das Tool ist die schnellste Option einer Hardware- Inventur, wenn ein Betriebssystem fehlt oder dafür zu umständlich ist.
Vergrößern Alle wichtigen Hardware-Infos mit HDT: Das Tool ist die schnellste Option einer Hardware- Inventur, wenn ein Betriebssystem fehlt oder dafür zu umständlich ist.

HDT zeigt alle Basisinformationen zur Hardware auf x86-kompatiblen Systemen an, unter anderem zu CPU, Hauptplatine, PCI-Karten, RAM-Speicher, DMI-Geräten, Soundchip, Festplatten und VESA-Fähigkeiten der Grafikkarte. Ein für viele XP-Linux- Umsteiger wichtiges Detail ist etwa die PAE-Fähigkeit eines älteren Rechners, welche HDT unter „Processor“ als CPU-Flag („pae“) anzeigt. Mit dem Eintrag „Reboot“ im textbasierten „Main Menu“ verlassen Sie das Tool und starten den Rechner neu.

Windows retten - mit der PC-WELT-Notfall-DVD

Memtest 86+ 5.10

Memtest 86+ läuft auf jedem PC und testet den Arbeitsspeicher. Um eventuelle Fehler in Speicherbausteinen zu finden, schreibt Memtest 86+ Testmuster in jede Speicheradresse, liest die Testmuster anschließend wieder aus und vergleicht diese. Differenzen deuten auf fehlerhafte Speicherbausteine. Memtest ist sehr gründlich und kann je nach CPU-Geschwindigkeit und Speichergröße mindestens einige Minuten bis hin zu mehreren Stunden dauern. Nach dem Start von Memtest 86+ beginnen automatisch die Tests.

Dabei durchläuft Memtest 86+ neun verschiedene Testreihen. Mit der Escape-Taste können Sie jederzeit unterbrechen und den PC neu starten. Besonders gründlich und zeitaufwendig ist der Bit Fade Test, bei dem Memtest erst den Speicher mit Nullen beschreibt, dann 90 Minuten wartet und erst dann den Speicherinhalt vergleicht, ob sich Bits verändert haben (also fehlerhaft „umgefallen“ sind).

Eventuelle Fehler meldet Memtest in der unteren Bildschirmhälfte. Bleibt diese leer, können Sie den Speicher als Fehlerquelle ausschließen. Wenn Memtest Fehler anzeigt, ist der Arbeitsspeicher als wahrscheinlichste, aber nicht eindeutige Fehlerquelle anzunehmen. Theoretisch können auch Probleme mit CPU oder Hauptplatine zu diesem Resultat führen. Dies wird erst dann eindeutig, wenn Sie den Speicher austauschen und Memtest erneut starten.

Plop Bootmanager

Das kleine Tool Plop ist eine große Hilfe beim Booten externer Datenträger. Der Plop Bootmanager bringt nämlich eigene Treiber für USB-Geräte und CD/DVD-ROM-Laufwerke mit. So kann Plop von solchen Laufwerken booten, auch wenn ältere Rechner dies nicht selbst unterstützen. Nach dem Start von Plop erscheint links oben ein kleines Menü, das folgende Bootgeräte anbietet: Erste Partition der ersten Festplatte („HDA Partition 1“), ferner zweite und dritte Partition der ersten Festplatte („HDA Partition 2“ und „3“), Floppy, CDROM, USB und Network.

Plop Bootmanager: Damit starten Sie auch ältere PCs von USB-Datenträger, die das von sich aus nicht unterstützen.
Vergrößern Plop Bootmanager: Damit starten Sie auch ältere PCs von USB-Datenträger, die das von sich aus nicht unterstützen.

Mit den Cursortasten entscheiden Sie über das Bootgerät. Plop wird dieses dann nach einem Bootsektor und einem Bootloader durchsuchen und das dort gefundene System starten. Im Menü können Sie über „Setup > Profiles“ auch auf andere Festplatten und Partitionen ausweichen, indem Sie die gewünschte Partition auswählen und die Option „Show in Main Menu“ mit der Eingabetaste auf „Yes“ setzen. Mit der Esc-Taste verlassen Sie jeweils eine Menü-Ebene und kehren zur nächsthöheren zurück.

Wenn ein Rechner auch nicht von CD/DVD booten kann, ist die Situation immer noch nicht aussichtslos: Rund um das Boot-Image hat der österreichische Entwickler allerlei passende Tools gestrickt. So finden sich im Paket sowohl für Windows wie für Linux Installations-Scripts, die Plop in den MBR der Festplatte eintragen und damit in jedem Fall den Start von Plop ermöglichen. Unter laufendem Windows ist dafür das Script „InstallToMBR.bat“ vorgesehen. Unter Linux kopieren Sie die Datei „plpbt.bin“ in das Verzeichnis „/boot“. Damit der Linux-Bootmanager das Plop-Image berücksichtigt, müssen Sie je nach Bootmanager noch dessen Konfigurationsdatei anpassen. Die jeweils einschlägigen Dateien sind unter www.plop.at gut dokumentiert.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 6/2014

10 Jahrgänge auf DVD, im Heft: Linux retten & reparieren, Server selbst gebaut - das und mehr erwartet Sie in der neuen LinuxtWelt 6/2014 !

0 Kommentare zu diesem Artikel
2024277