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Vier Tricks gegen Linux-Netzwerkprobleme

24.02.2015 | 13:01 Uhr |

Die Konfiguration des Netzwerks läuft unter Linux automatisch ab. Sollte das nicht zuverlässig klappen, hilft Ihnen dieser Artikel bei der Fehlersuche.

Wenn der Browser keine Webseiten mehr anzeigen will oder der Zugriff auf das NAS nicht mehr klappt, dann ist die Fehlersuche nicht ganz einfach. Denn am Netzwerk sind viele Komponenten beteiligt, und selbst kleine Fehler in der Konfiguration führen eventuell zum Totalausfall.

1. Funktion des Netzwerks prüfen

In einem Standard-Heimnetzwerk gibt es einen DSL-Router, über den die PCs per Ethernet-Kabel oder WLAN miteinander verbunden sind und der für die Verbindung zum Internet sorgt. Der Router enthält einen DHCP-Server (Dynamic Host Configuration Protocol), der die automatische Konfiguration der Netzwerkteilnehmer besorgt. Er teilt jedem Gerät im Netzwerk eine IP-Adresse zu und informiert sie über die Adresse der DNS-Server (Domain Name System) sowie des Standard-Gateways. Die IP-Adresse des Gateways ist identisch mit der des Routers.

Netzwerkadapter: Der Befehl ifconfig zeigt den Netzwerkadapter („eth0“) und die zugehörige IP-Adresse an. Mit ping prüfen Sie die Erreichbarkeit einer Internetadresse.
Vergrößern Netzwerkadapter: Der Befehl ifconfig zeigt den Netzwerkadapter („eth0“) und die zugehörige IP-Adresse an. Mit ping prüfen Sie die Erreichbarkeit einer Internetadresse.

Netzwerk-Schnelltest: Öffnen Sie ein Terminal-Fenster, und führen Sie den Befehl ifconfig aus. Das Programm zeigt Ihnen einen Netzwerkadapter mit der Bezeichnung „eth0“ oder „eth1“ an. Daneben steht hinter „inet Adresse“ die Ipv4-Adresse des PCs, etwa 192.168.178.23. Sollte nur „lo“ zu sehen sein (Loopback Adapter), hat Linux den Ethernet-Adapter nicht erkannt. Linux bietet wahrscheinlich keinen passenden Treiber dafür. Ihnen bleibt dann nichts anderes übrig, als den Netzwerkadapter gegen ein kompatibles Modell auszutauschen.

Sollte ifconfig zwar einen Netzwerkadapter, aber keine IP-Adresse zeigen, dann stimmt etwas mit der Verbindung zum Router nicht. Probieren Sie ein anderes Gerät am gleichen Kabel aus. Zeigt sich hier das gleiche Symptom, ist das Ethernet-Kabel oder der Stecker defekt. Ist eine IP-Adresse vorhanden, aber der Internetzugriff trotzdem nicht möglich, geben Sie auf der Kommandozeile ping google.de ein. Sie erhalten ein Ergebnis wie

64 bytes from xyz.net (173.194.112.63): icmp_seq=1 ttl=56 time=48.3 ms

Erscheint stattdessen „ping: unknown host google.de“, dann funktioniert die DNS-Auflösung nicht. Mit cat etc/resolv.conf erfahren Sie, welcher DNS-Server verwendet wird. Hier steht dann beispielsweise „search fritz.box“ oder die IP-Adresse des DNS-Servers. Fehlt dieser Eintrag, ist wahrscheinlich der DSL-Router nicht richtig konfiguriert.

Die Browser-Konfiguration prüfen: Wenn Ping erfolgreich war, dann funktionieren Internetverbindung und Namensauflösung über DNS. Zeigt der Browser trotzdem keine Webseiten, prüfen Sie dessen Konfiguration. Bei Firefox gehen Sie auf „Bearbeiten -> Einstellungen“, dann auf „Erweitert“ und die Registerkarte „Netzwerk“. Klicken Sie bei „Verbindung“ auf „Einstellungen“. Standardmäßig ist hier „Proxy-Einstellungen des Systems verwenden“ aktiviert. Im Heimnetz sollten Sie „Kein Proxy“ aktivieren. Nur wenn Sie tatsächlich einen Proxy-Server betreiben, müssen Sie die passenden Einstellungen unter „Manuelle Proxy-Konfiguration“ eintragen.

2. Mit dem Networkmanager das Netz konfigurieren

Sowohl für Ethernet als auch für WLAN erfolgt die Netzwerkkonfiguration unter fast allen Linux-Distributionen automatisch über das Tool Net workmanager. Voraussetzung dafür ist, dass der Netzwerkadapter von Linux erkannt wurde. Eine Übersicht mit unterstützten WLAN-Adaptern und Tipps zur Inbetriebnahme finden Sie im Ubuntuusers-Wiki .

Bei Ubuntu erscheint das Icon des Networkmanagers im Hauptpanel oben. Nach einem Klick darauf sehen Sie ein Menü mit einer Liste der verfügbaren Funknetzwerke. Klicken Sie das gewünschte an, geben Sie hinter „Passwort“ den WPA-Schlüssel ein, und klicken Sie auf „Verbinden“. Ist eine Ethernet-Verbindung aktiv, erscheint dieses unter „Kabelnetzwerk“. Im Menü gibt es außerdem die Einträge „Netzwerk aktivieren“ und bei WLAN „Funknetzwerk aktivieren“. Vor beiden muss ein Häkchen gesetzt sein. Per Klick auf „Verbindungsinformationen“ erhalten Sie die gleichen Infos wie unter -> Punkt 1 beschrieben.

Bei Fehlfunktionen sollten Sie über „Verbindungen bearbeiten“ die Einstellungen prüfen und gegebenenfalls ändern. Wählen Sie etwa „Kabelnetzwerkverbindung 1“, klicken Sie auf „Bearbeiten“, und gehen Sie auf die Registerkarte „IPv4-Einstellungen“. Hinter „Methode“ sollte hier „Automatisch (DHCP)“ eingetragen sein. Es ist nur in Ausnahmefällen ratsam, die IP-Adressen manuell zu konfigurieren, etwa wenn Sie sicherstellen wollen, dass der Rechner immer unter der gleichen IP-Adresse erreichbar ist.

Sicherheits-Check fürs Heimnetz

3. Manuelle Netzwerkkonfiguration

Distributionen ohne Networkmanager verwenden die klassische Konfiguration über die Datei „/etc/network/interfaces“. Die Einträge haben vor jenen des Networkmanagers Vorrang. Fehlerhafte Angaben können daher auch den Networkmanager lahmlegen. Standardmäßig müssen hier nur zwei Zeilen für den Loopback-Adapter

auto lo iface lo inet loopback

vorhanden sein. Bei einem Server oder für Testzwecke können Sie folgende Zeilen eintragen:

auto eth0 iface eth0 inet static address 192.168.178.133 netmask 255.255.255.0 gateway 192.168.178.1 dns-nameservers 8.8.8.8

Die IP-Nummern in diesem Beispiel gelten für eine Fritzbox. Bei anderen DSL-Routern verwenden Sie IP-Adressen gemäß deren Adressraum. Für die Konfiguration einer dynamischen IP-Adresse genügen die zwei Zeilen

auto eth0 iface eth0 inet dhcp

Starten Sie Linux neu, damit die Änderungen wirksam werden.

Bequeme Konfiguration: Aktuelle Linux-Systeme setzen den Networkmanager für den Verbindungsaufbau ein. Per Klick auf „Verbindungsinformationen“ prüfen Sie die Konfiguration.
Vergrößern Bequeme Konfiguration: Aktuelle Linux-Systeme setzen den Networkmanager für den Verbindungsaufbau ein. Per Klick auf „Verbindungsinformationen“ prüfen Sie die Konfiguration.

4. Zugriff auf Freigaben im Netzwerk

Systeme wie Ubuntu sind bereits so eingerichtet, dass Sie sofort Freigaben im Netz nutzen können. Dazu müssen Sie unter Ubuntu nur im Dateimanager auf „Netzwerk durchsuchen“ klicken und im Ordner „Windows-Netzwerk“ die Arbeitsgruppe und den gewünschten Server wählen. Wenn Benutzername und Passwort erforderlich sind, werden diese abgefragt. Um selbst Dateien im Netzwerk zur Verfügung zu stellen, klicken Sie einen Ordner mit der rechten Maustaste an, wählen „Freigabe im lokalen Netzwerk“ und setzen ein Häkchen vor „Diesen Ordner freigeben“. Es erscheint bei der Ersteinrichtung ein Fenster, in dem Sie per Klick auf „Freigabedienst einrichten“ die notwendigen Programmpakete (Samba) nachinstallieren.

Wenn beim Zugriff auf die Freigabe Benutzername und Passwort nicht akzeptiert werden, prüfen Sie, ob das Paket „libpam-smbpass“ unter Ubuntu eingerichtet wurde. Wenn nicht, holen Sie das über die Paketverwaltung nach. Starten Sie Ubuntu neu. „libpam-smbpass“ synchronisiert Freigabe- und Anmeldekennwörter.

Ist keine Verbindung zu einem Server im Netz möglich, prüfen Sie mit ping IP-Adresse seine Erreichbarkeit. Stellen Sie sicher, dass er sich im gleichen Netzwerk befindet und keine Firewall den Zugang verhindert.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 6/2014

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