Viel Wind um nichts?

Das neue "Turbo-Internet" – was bringt es wirklich?

Samstag den 01.09.2012 um 10:15 Uhr

von Daniel Behrens

Bildergalerie öffnen Extrem schnelles Internet mit bis zu 200 Mbit/s ist bereits in aller Munde. Wir verraten, was wirklich dahinter steckt.
© iStockphoto/pavlinec
50, 100, 200 MBit/s – die Werbung für das „Turbo-Internet“ ist allgegenwärtig. Aber leisten die Anschlüsse überhaupt, was die Anbieter versprechen? Wer kann sie bekommen und für wen lohnen sie sich?
Heimische Internetanschlüsse sind innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich leistungsfähiger geworden. Das ist auch gut so, denn niemand wünscht sich die Zeiten der analogen Telefonmodems und der schmucklosen Webseiten ohne Fotos, Videos und interaktive Elemente zurück. Neuerdings werben Internet-Provider sogar mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 MBit/s für Privatkunden. Wer einen solchen Turbo-Anschluss haben will, wird aber oft enttäuscht. Zum einen sind sie bei Weitem nicht überall verfügbar. Zum anderen lässt sich die beworbene Geschwindigkeit im Alltag oft gar nicht erreichen.

Aber selbst wenn man mit der Geschwindigkeit Glück hätte, stellt sich die Frage, ob sich der deutliche Aufschlag auf die Monatsgebühr für den Turbo-Anschluss wirklich lohnen würde. Diesen Punkt klären wir im weiteren Verlauf des Artikels. Zunächst gehen wir darauf ein, welche „Turbo-Anschlüsse“ es schon gibt und mit welchen Problemen diese behaftet sind. Aktuelle Preise zu den genannten Anschlüssen erhalten Sie über tarife.pcwelt.de .

VDSL: Bis zu 50 MBit/s über die Telefonleitung

Die Technik: VDSL2, das in Deutschland umgangssprachlich nur „VDSL“ genannt wird, ist der Nachfolger von ADSL (in Deutschland umgangssprachlich als „DSL“ bezeichnet). Beide Übertragungsverfahren setzen auf die Kupferadern des Telefonanschlusses auf und sind technisch eng verwandt. Während sich mit ADSL in der Variante ADSL2+ in Deutschland Anschlüsse mit 16 bis 18 MBit/s (1 MBit/s im Upload) realisieren lassen, sind mit VDSL 25 MBit/s (5 MBit/s im Upload) bis 50 MBit/s (10 MBit/s im Upload) möglich. Und das, obwohl VDSL technisch gesehen weitestgehend identisch mit ADSL2+ ist. Woher also der Geschwindigkeitsunterschied?

Innenansicht eines Kabelverzweigers mit VDSL-Technik: VDSL
ermöglicht 50 MBit/s über den Telefonanschluss, ist aber nur in
einigen Gebieten verfügbar.
Vergrößern Innenansicht eines Kabelverzweigers mit VDSL-Technik: VDSL ermöglicht 50 MBit/s über den Telefonanschluss, ist aber nur in einigen Gebieten verfügbar.
© Telekom

Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die maximal erreichbare Übertragungsrate überwiegend von der Länge der Telefonleitung zwischen dem DSL-Modem zu Hause und der DSL-Gegenstelle des Providers abhängt. Die Gegenstellen für ADSL (DSLAMs) sind in den allermeisten Fällen in der Vermittlungsstelle untergebracht, in der auch die Telefonleitung Ihres Anschlusses endet. Die Vermittlungsstellen gehören zwar der Telekom, dürfen von den Wettbewerbern aber mitgenutzt werden. Pro Stadt oder Stadtteil gibt es jedoch meist nur ein bis zwei Vermittlungsstellen. DSL mit den vollen 16 MBit/s ist aber in der Regel nur über eine Entfernung von circa vier Kilometern möglich. Wenn Sie weiter weg wohnen, sinkt die Bandbreite erheblich.

Das ist auch bei VDSL nicht anders. Deshalb werden hier die Kunden, die weiter als ein paar hundert Meter von einer Vermittlungsstelle entfernt wohnen, über Outdoor-DSLAMs angeschlossen. Auf diese Weise rücken die DSL-Gegenstellen näher an die Kunden heran – und zwar in die Kabelverzweiger, die an vielen Straßenecken stehen. Die Outdoor-DSLAMs selbst sind über Glasfaserleitungen mit der Vermittlungsstelle und darüber mit dem Internet verbunden.

Die Probleme: Die Aufrüstung von rund 300 000 Kabelverzweigern, die es in Deutschland gibt, ist sehr kostenintensiv. Die Telekom, der die allermeisten gehören, hat sich deshalb erst einmal einige davon herausgepickt. Seit zwei bis drei Jahren stagniert der Ausbau etwas. Vermutlich, weil die Telekom und die anderen Anbieter erkannt haben, dass VDSL keine langfristige Zukunftstechnologie ist, da sich drei- und vierstellige Megabit-Raten nur mit TV-Kabeln, Glasfaser und gegebenenfalls LTE erreichen lassen. Der VDSL-Ausbaustatus lässt sich über telekom.de/vdsl abfragen. Mitbewerber, die ebenfalls VDSL anbieten, vermarkten entweder die Telekom-Technik unter eigenem Namen oder sie mieten nur Kapazitäten im Kabelverzweiger, stellen eigene auf oder versorgen lediglich Kunden, die in unmittelbarer Nähe zur Vermittlungsstelle wohnen.

Abgesehen von dem noch nicht besonders weit gediehenen Ausbau von VDSL gibt es einen weiteren Tiefschlag: Die Telekom erlaubt Highspeed-Surfen nur mit Limits. Bei VDSL 25 drosselt sie ab 100 GB übertragenem Datenvolumen und bei VDSL 50 ab 200 GB für den Rest des Monats die Geschwindigkeit auf 6 MBit/s im Download und 0,5 MBit/s im Upload. Nur die Anwender, die VDSL zusammen mit dem „Entertain“-Paket buchen, das auch Fernsehen über den Anschluss ermöglicht, sind von dieser Drosselung nicht betroffen.

Samstag den 01.09.2012 um 10:15 Uhr

von Daniel Behrens

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (11)
  • Feuerfux 20:11 | 20.08.2012

    Ist mir schon klar, aber hier ging es ja um Otto Normaluser.

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  • mike_kilo 16:57 | 19.08.2012

    vertrau keiner 'Cloud' und du schwebst auf Wolke 7


    btw: > http://www.pcwelt.de/forum/cloud-computing/448564-box-dropbox.html

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  • Feuerfux 15:41 | 19.08.2012

    Zitat: mike_kilo
    Yep, 100 MBit/s im Upload .
    Aber wer brauchts als Otto Normaluser?


    Bei solchen Bandbreiten werden Cloud-basierte Dienste doch erst nutzbar. Datenbackups und -synchronisation dauern ansonsten bei größeren Datenmengen ewig. Und das ist definitiv etwas was man Otto Normaluser schmackhaft machen kann, wenn es einfach zu bedienen ist. Das ab Traffic x gedrosselt wird steht ja nur im Kleingedruckten.

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  • aurum 18:29 | 18.08.2012

    Ich würde die Leitung sofort buchen, wenn sie denn verfügbar wäre ...

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  • dnalor1968 20:36 | 16.08.2012

    Ja, wird wahrscheinlich als Verkaufsargument genommen, um die Kundschaft damit zu ködern.

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