1821092

Versteckte Windows-Funktionen enthüllt und erklärt

22.11.2013 | 09:34 Uhr |

Nicht alle Funktionen von Windows 7 und 8 sind offensichtlich - manche muss man mit der Lupe suchen oder man findet sie erst nach einem Klickmarathon. Wir stellen einige der besten versteckten Windows-Funktionen vor.

Egal, ob Sie den Arbeitsspeicher durchchecken oder Ressourcenverwender finden wollen, Windows hat für viele Spezialaufgaben Tools an Bord, die man aber nicht gleich findet. Task-Manager & Ressourcenmonitor: Detaillierter Einblick in die PC-Aktivitäten

Versteckte Spalte "CPU-Zeit" im Taskmanager
Vergrößern Versteckte Spalte "CPU-Zeit" im Taskmanager

Den Task-Manager kennt fast jeder Windows-Nutzer. Er verrät vieles darüber, womit Ihr PC gerade beschäftigt ist. Weitgehend unbekannt ist jedoch die Option, sich anzeigen zu lassen, welche Prozesse die CPU seit dem letzten Windows-Start am stärksten belastet haben. Dazu wechseln Sie zur Registerkarte „Prozesse“. Klicken Sie zunächst auf „Prozesse aller Benutzer anzeigen“ und dann auf „Ansicht, Spalten auswählen“. Aktivieren Sie „CPU-Zeit“ und bestätigen Sie mit „OK“. Nun sehen Sie im Task-Manager die neue Spalte „CPU-Zeit“, nach der Sie durch Klick auf die Spaltenüberschrift sortieren.

Neben dem Task-Manager verfügen Windows 7 und 8 auch über den „Ressourcenmonitor“. Er zeigt die laufenden Prozesse und Unterprozesse noch deutlich detaillierter an. Zudem ist es möglich, den Ressourcenverbrauch eines Prozesses über einen Zeitraum von jeweils einer Minute zu beobachten. Den Ressourcenmonitor rufen Sie entweder durch Doppelklick auf Resmon.exe auf oder über den entsprechenden Button auf der Registerkarte „Leistung“ im Task-Manager. Im Ressourcenmonitor wechseln Sie zur Registerkarte „CPU“ und klicken auf die Spaltenüberschrift „Durchschnittliche CPU-Auslastung“, um danach zu sortieren.

Wenn diese Spalte nicht zu sehen ist, maximieren Sie das Fenster des Ressourcenmonitors. Nun sehen Sie, welche Prozesse die CPU in den letzten 60 Sekunden am stärksten belastet haben. Ignorieren können Sie den Eintrag „perfmon.exe“, das ist der vom Ressourcenmonitor genutzte Leistungsüberwachungs-Prozess. Die Registerkarte „Arbeitsspeicher“ zeigt an, welche Software am meisten RAM belegt. Wenn Sie mit einem Prozessnamen nichts anfangen können und auch die Spalte „Beschreibung“ nicht weiterhilft, stoßen Sie mit einem Rechtsklick und dem Befehl „Online suchen“ eine Internet-Suche an.

Der Ressourcenmonitor hilft Ihnen auch herauszufinden, welcher Prozess dafür sorgt, dass Ihre Festplatte mal wieder ohne ersichtlichen Grund hyperaktiv ist. Wechseln Sie hierfür zur Registerkarte „Datenträger“ und sortieren Sie nach der Spalte „Gesamt (B/s)“. Und über die Registerkarte „Netzwerk“ erfahren Sie, welche Programme gerade mit dem Heimnetz oder dem Internet kommunizieren und mit welcher Geschwindigkeit sie aktuell Daten senden und empfangen. Wenn Sie auf „TCP-Verbindungen“ klicken, sehen Sie zudem, mit welchen (Internet-)Servern beziehungsweise IP-Adressen ein Programm gerade eine Verbindung aufgebaut hat.

Powercfg: Voller Zugriff auf alle Energie- und Standby-Optionen

Die Energiesparoptionen von Windows lassen sich am bequemsten über die Systemsteuerung anpassen. Es gibt aber auch ein Kommandozeilen-Tool für diese Aufgabe. Es nennt sich Powercfg.exe und bietet einige weitergehenden Funktionen. So können Sie zum Beispiel mit dem Befehl

powercfg -h off

den Ruhezustands-Modus deaktivieren. Dadurch wird auch die voluminöse Hiberfil.sys gelöscht, in die Windows beim Herunterfahren in den Ruhezustand den Speicherinhalt schreibt. Die Hiberfil.sys liegt versteckt im Hauptverzeichnis der System-Festplatte und hat normalerweise die gleiche Größe wie Ihr Hauptspeicher, in aller Regel also mehrere Gigabyte. Sollten Sie den Ruhezustand zu einem späteren Zeitpunkt doch nutzen wollen, aktivieren Sie ihn wieder per

powercfg -h on

Mit dem Parameter -export lassen sich Energiespar-Profile exportieren und mit -import wieder importieren, zum Beispiel auf einem anderen PC oder nach einer Neuinstallation. Hinter -export setzen Sie einen frei wählbaren Dateinamen sowie die Identifikations-Kennung des gewünschten Profils. Die Kennung erhalten Sie mit dem Befehl -list. Hinter -import setzen Sie den Dateinamen des zu importierenden Profils. Wenn Sie es nicht als zusätzliches Profil importieren wollen, sondern ein bestehendes überschreiben wollen, fügen Sie hinter den Dateinamen ein Leerzeichen und dann die ID eines auf dem System vorhandenen Profils hinzu.

Systemwiederherstellung: Gelöschte Dateien und alte Versionen zurückholen

Gelöschte Dateien und alte Versionen wiederherstellen
Vergrößern Gelöschte Dateien und alte Versionen wiederherstellen

Windows legt in regelmäßigen Abständen sowie vor größeren Updates und manchen Programm-Installationen einen Wiederherstellungspunkt an. Dadurch lässt sich über das Tool „Systemwiederherstellung“ unter „Systemsteuerung -> System-> Computerschutz“ oder über die Rettungsoptionen der Installations-DVD Windows zu einem früheren Zustand zurückversetzen. Das ist aber noch nicht alles: In Windows 7 können Sie aus Wiederherstellungspunkten auch einzelne Dateien extrahieren.

Um zum Beispiel eine ältere Version eines Dokuments zurück zu zaubern, klicken Sie die aktuelle Version mit der rechten Maustaste an und wählen „Vorgängerversionen wiederherstellen“ aus dem Kontextmenü. Nun zeigt Windows alle älteren Versionen an, die in den Wiederherstellungspunkten enthalten sind. Markieren Sie einen Eintrag und wählen Sie entweder „Öffnen“, „Kopieren“ oder „Wiederherstellen“.  Um gelöschte Dateien wiederherzustellen, klicken Sie den Ordner mit der rechten Maustaste an und wählen wiederum „Vorgängerversionen wiederherstellen“. Sie sehen nun, zu welchen Zeitpunkten Windows die Ordner zuletzt gesichert hat. Wählen Sie einen Eintrag aus und klicken Sie auf „Öffnen“. Nun erscheint im Explorer eine virtuelle Ansicht des Ordners, die den Zustand des gewählten Zeitpunkts anzeigt. Von hier aus kopieren Sie die vermisste Datei in ein zweites Explorer-Fenster mit der Jetzt-Ansicht der Festplatte.

Falls Sie einen ganzen Ordner wiederherstellen wollen, klicken Sie das darüber liegende Verzeichnis beziehungsweise den Laufwerks-Eintrag mit der rechten Maustaste an, wählen „Vorgängerversionen wiederherstellen“ und gehen wie zuvor beschrieben vor.

Voraussetzung dafür, dass Windows Wiederherstellungspunkte anlegt ist, dass die entsprechende Funktion eingeschaltet und ausreichend Speicherplatz dafür zugewiesen ist. Um die Einstellung zu überprüfen, öffnen Sie die Systemsteuerung und wählen „System -> Computerschutz“. Hier legen Sie pro Laufwerk fest, ob die Systemwiederherstellung aktiv sein soll und wie viel Speicherplatz für die Sicherungskopien zur Verfügung steht. Wenn der Platz eng wird, löscht Windows automatisch den jeweils ältesten Wiederherstellungspunkt.

Unter Windows 8 hat Microsoft die Funktion geändert. Sie heißt dort „Dateiversionsverlauf“ und ist als eigener Punkt in der Systemsteuerung zu finden. Allerdings müssen Sie den „Dateiversionsverlauf“ manuell einschalten. Zudem speichert er die Sicherungsoptionen nicht auf das Laufwerk beziehungsweise die Partition, auf der Windows installiert ist.

Ipconfig: Netzwerk-Adapter im Griff

Mit dem Kommandozeilen-Tool Ipconfig.exe erhalten Sie Informationen zu Ihren virtuellen und echten Netzwerkadaptern. Wenn Sie Ipconfig ohne Parameter aufrufen, sehen Sie die Bezeichnungen und die internen IP-Adressen der Netzwerkadapter. Mit dem Parameter -all erhalten Sie mehr Details. Dazu zählen die physikalische (gerätegebundene) „MAC“-Adresse, die IP-Adresse des Gateways (in der Regel Ihr Router) sowie die der DNS-Server. Bei Verbindungsproblemen können Sie versuchen, mit Ipconfig /renew sich vom Router eine neue interne IP-Adresse zuweisen zu lassen. Um die bei der automatischen IP-Konfiguration (DHCP) zugewiesenen Daten komplett zu löschen, benutzen Sie den Parameter /release.

„Windows-Speicherdiagnose“: Checkt den Arbeitsspeicher durch

Den Arbeitsspeicher auf Fehler prüfen
Vergrößern Den Arbeitsspeicher auf Fehler prüfen

Wenn sich Windows-Abstürze häufen, könnte dies auf ein Problem mit dem Hauptspeicher hindeuten. Um der Sache auf den Grund zu gehen, liefert Microsoft die „Windows-Speicherdiagnose“ mit. Um sie zu starten, doppelklicken Sie die Datei MdSched.exe. Da sich das RAM nicht im laufenden Windows-Betrieb überprüfen lässt, erhalten Sie einen Dialog, der Ihnen anbietet, die Analyse vor dem nächsten Windows-Start durchzuführen. Sie haben die Wahl, sofort einen Neustart mit anschließender  Speicherdiagnose auszulösen oder diese für den nächsten manuellen Neustart vorzumerken.

Systemstartreparatur: Booteinträge reparieren

Sollte Windows nach dem Einbau einer neuen Festplatte oder nach Partitionsänderungen nicht mehr hochfahren, liegt das meist daran, dass durch den Eingriff die Booteinträge nicht mehr stimmen. In dem Fall helfen meist die Reparatur-Funktionen der Windows-Installations-DVD. Nachdem Sie davon gebootet haben, bestätigen Sie die Spracheinstellungen mit „Weiter“. Im nächsten Schritt klicken Sie nicht auf den prominenten Button „Jetzt installieren“, sondern links unten auf den Text „Computerreparaturoptionen“. Bei Windows 7 belassen Sie es danach bei der Option „Verwenden Sie Wiederherstellungstools, mit denen sich Probleme beim Starten von Windows beheben lassen…“.

Bei Windows 8 klicken Sie auf „Problembehandlung -> Erweiterte Optionen -> Automatische Reparatur“. Falls Sie mehrere Windows-Versionen installiert haben, wählen Sie eine der angezeigten aus. Klicken Sie dann auf „Weiter“. Windows versucht daraufhin das Startproblem zu lokalisieren und zu reparieren. Dieser Vorgang kann durchaus eine halbe Stunde oder länger dauern. Sollte die Meldung erscheinen „Möchten Sie Ihren Computer mit der Systemwiederherstellung wiederherstellen?“, sollten Sie die Frage nur dann bejahen, wenn Sie keine Hardware- oder Partitionsänderungen vorgenommen haben. Denn eine Wiederherstellung zu einem früheren Systemzustand bringt in diesen Fällen normalerweise nichts.

Falls die automatische Korrektur der Booteinträge nicht funktioniert oder Sie von vornherein lieber selber Hand anlegen, drücken Sie nach dem Booten von der Windows-Installations-DVD Shift-F10, um ein Kommandozeilen-Fenster zu öffnen und geben Sie nacheinander die folgenden Befehle ein:

Bootrec /FixMBR
Bootrec /FixBoot
Bootrec /RebuildBCD

Netstat.exe: Wer ist mit Ihrem PC verbunden?

Sie möchten wissen, mit welchen Heimnetz- oder Internet-Servern Ihr PC gerade verbunden ist? Das Tool Netstat.exe listet alle Verbindungen, die über die Protokolle TCP oder UDP laufen, akribisch auf. Um bei den Servernamen nicht nur Kurzformen zu sehen, hängen Sie den Parameter -f an. Mit dem Parameter -b sehen Sie, welches Programm die jeweilige Verbindung aufgebaut hat. Damit sich die Anzeige automatisch aktualisiert, hängen Sie eine Zahl für den Intervall in Sekunden an. Um in dem Fall die Ausgabe abzubrechen, drücken Sie „Strg“-„C“ oder schließen das Eingabeaufforderungs-Fenster.

Net.exe: Auf Netzwerkfreigaben zugreifen

Um auf einen freigegebenen Ordner eines anderen PCs im gleichen Netzwerk zuzugreifen, gehen Sie am einfachsten den Weg über die „Netzwerkumgebung“. Wenn der gewünschte PC aber dort nicht auftaucht, können Sie es über die Eingabeaufforderung mit dem Tool „Net.exe“ probieren. Mit Net use \\Rechnername starten Sie den Verbindungsaufbau. Mit

Net view \\Rechnername

listet Windows alle freigegebenen Ordner des anderen PCs auf. Und mit

Net use X: \\Rechnername\Ordnername

weisen Sie dem Netzlaufwerk einen Laufwerksbuchstaben zu, in diesem Beispiel „X“. Wenn Sie den Parameter /Persistent:yes anhängen bleibt die Zuordnung auch nach einem Neustart erhalten. Mit

Net use /delete X:

heben Sie die Verknüpfung wieder auf.

Statt dem Namen des Rechners können Sie übrigens bei allen Befehlen auch dessen IP-Adresse eingeben. Das funktioniert meist zuverlässiger.

Shutdown: Herunterfahren per Kommandozeile

Windows herunterfahren per Kommandozeile
Vergrößern Windows herunterfahren per Kommandozeile

Mit der Shutdown.exe beenden Sie Windows von der Kommandozeile aus oder starten das System neu. Sie können auch eine Verknüpfung für diese Aktionen auf dem Desktop anlegen. Der Parameter /r löst einen Neustart aus, /s fährt den PC herunter. Die Option /l entspricht „Abmelden“ und /h dem Ruhezustand. Wenn Sie für den Neustart /g statt /r benutzen, werden nach dem Hochfahren alle Anwendungen gestartet, die beim Herunterfahren noch geöffnet waren.  Mit dem Zusatz „/f“ sorgen Sie dafür, dass Programme, die hängen geblieben sind, nicht das Herunterfahren verhindern.

Die Parameter /s, /r, /g und /f können mit /t kombiniert werden. Damit lässt sich die jeweilige Aktion vorausplanen: Wann sie ausgeführt werden soll, geben Sie als Sekundenwert hinter /t ein. Um ein geplantes Herunterfahren vor Ablauf der Frist wieder zurück zu nehmen, benutzen Sie Shutdown /a. Hier ein Beispielaufruf zum Neustart des PCs nach 60 Sekunden:

Shutdown /r /t 60
0 Kommentare zu diesem Artikel
1821092