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Know-How

Versteckte Kniffe in Linux-Software nutzen

11.10.2014 | 09:01 Uhr |

Open-Source-Projekte sind selten lückenlos dokumentiert – wenn überhaupt. Im Funktionsumfang vieler Programme warten deshalb noch verborgene Schätze auf ihre Entdeckung.

Libre Office Calc: Ansichtssache: Formeln oder Ergebnisse anzeigen

Welche Werte in einer Tabelle sind statisch, welche sind berechnet? In der Standardansicht zeigt Libre Office Calc die Werte von Formeln an. Die Formel selbst gibt es erst in der oberen Eingabezeile zu sehen, wenn die jeweilige Zelle unter dem Auswahlrechteck liegt.

Zur Kontrolle mehrerer Formeln in einer Tabelle eignet sich eine andere Ansicht von Libre Office Calc, die Formeln im Klartext anzeigt und Werte mit Farben versieht. Gehen Sie auf „Extras -> Optionen -> Libre Office Calc Ansicht“, und markieren Sie rechts bei den Einstellungen unterhalb von „Anzeigen“ die Punkte „Formeln“ und „Werte hervorheben“. Ab jetzt zeigen Zellen nicht mehr das Ergebnis, sondern die Formel selbst an. Zudem ist der Inhalt von Zellen je nach Typ farblich markiert. Statische Werte sind blau, Formeln grün.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2014

Linux Mint 16: Das beste Ubuntu! Warum Linux Mint zum Desktop-Favorit vieler Linux-Anwender aufgestiegen ist, wie Sie es installieren und richtig einstellen - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 2/2014 .

Noch nützlicher wird diese alternative Ansicht, wenn sie sich bei Bedarf schnell aktivieren und deaktivieren lässt. Dies gelingt am besten mit einer Abkürzung in der Werkzeugleiste. Dazu gehen Sie auf „Extras Anpassen“, wählen im Feld „Symbolleiste“ den Eintrag „Standard“ und klicken darunter neben der Liste „Befehle“ auf „Hinzufügen“. Calc präsentiert jetzt eine Liste aller möglichen Menübefehle und unter „Ansicht Formel anzeigen“ auch die Funktion zur Darstellung von Formeln. Markieren Sie den Eintrag, und gehen Sie auf „Hinzufügen“. Die neu hinzugefügte Schaltfläche schaltet zwischen Formel und Werteansicht hin und her.

Upload in die Dropbox: Mit dem Webdienst von jotform.com erstellen Sie HTML-Formulare, über die Dateien direkt in den Cloud-Speicher von Dropbox oder Google Drive hochgeladen werden.
Vergrößern Upload in die Dropbox: Mit dem Webdienst von jotform.com erstellen Sie HTML-Formulare, über die Dateien direkt in den Cloud-Speicher von Dropbox oder Google Drive hochgeladen werden.

Google Drive und Dropbox: Empfangsdienst im Web für Dateien

Von Kollegen und Bekannten größere Dateien einzusammeln, ist nicht einfach: Die einen schicken Links zu Dropbox, Google Drive oder anderen Cloud-Diensten. Andere versuchen, die Datei per Mailanhang zu schicken, was prompt an der Größe scheitert. Ein Formular-Service im Web, der Dateien über ein Upload-Formular direkt an Ihr Konto bei Dropbox oder Google Drive schickt, erleichtert allen und sich selbst das Einsammeln.

Auf http://www.jotform.com erstellen Sie ein einfaches Upload-Formular, das Sie auf Ihrer eigenen Homepage per Javascript einbinden oder einfach direkt mit einer eigenen Webadresse erreichen können. Eine eigene Webseite ist also nicht nötig. Die Uploads landen automatisch in einem angegebenen Verzeichnis bei Dropbox oder von Google Drive. Der Dienst von jotform.com ist kostenlos, erfordert nur die Registrierung per E-Mail-Adresse und nimmt bis zu 100 MB Daten entgegen. Wer mit größeren Datenmengen hantieren will, muss für 10 GB eine monatliche Gebühr zu 9,95 US-Dollar oder ein jährliches Abo zu 45 US-Dollar berappen. Nach der Anmeldung bei jotform.com gehen Sie im Formulareditor auf „Formular erstellen“. Es gibt bereits einige Vorlagen für Datei-Uploads oder ein leeres Formular. In einem leeren Formular wählen Sie links in den Formular-Werkzeugen die Elemente „Überschrift“ und „Datei-Upload“, um die einfachste Form eines Datei Uploads zu erstellen. In der Editorleiste klicken Sie auf „Setup & Einbindung Einbindungen“, wo Sie festlegen, was mit hochgeladenen Dateien passieren soll. Unter „Document Sharing“ gibt es Schnittstellen zu Google Drive und Dropbox.

Bei der Auswahl müssen Sie jotform.com über „Authenticate“ noch den Zugriff auf den jeweiligen Cloud-Speicher gestatten. Danach legen Sie fest, in welchen Ordner die Datei abgelegt werden soll. Um die URL zu einem Formular zu bekommen, gehen Sie in der Übersicht „Meine Formulare“ auf „Mehr Formular ansehen“. Die angezeigte URL können Sie dann für Uploads weitergeben. Das Javascript-Statement für die Darstellung des Formulars auf der eigenen Webseite bekommen Sie über „Mehr Formular einbinden“.

Hinweis: Da jotform.com vollen Zugriff auf Dropbox und Google Drive verlangt, ist es empfehlenswert, ein eigenes Konto dafür abzustellen.

Mehr praktische Tricks für Linux-Software

Geht in die Verlängerung: Die Erweiterung „History Master“ erlaubt eine längere Liste zuletzt benutzter, also gespeicherter Dokumente in Libre Office.
Vergrößern Geht in die Verlängerung: Die Erweiterung „History Master“ erlaubt eine längere Liste zuletzt benutzter, also gespeicherter Dokumente in Libre Office.

Libre Office: Mehr Einträge für zuletzt benutzte Dokumente

Die Programme von Libre Office klappen im Dateimenü eine Liste der zuletzt benutzten Dokumente aus. Diese Liste mit maximal zehn Einträgen müssen sich alle Programme der Office-Suite teilen. Das kann dazu führen, dass die Anzahl der Dokumente bei der Arbeit an größeren Projekten nicht aus reicht, um auch alle Dateien anzuzeigen.

Wie viele Plätze die Liste der zuletzt benutzen Dokumente hat, kann die Erweiterung „History Master“ festlegen. 

Die Erweiterung „History Master“: Wie man sieht, ist den Entwicklern die Übersetzung ins Deutsche stellenweise nicht gelungen. Am Funktionsumfang ist aber nichts auszusetzen.
Vergrößern Die Erweiterung „History Master“: Wie man sieht, ist den Entwicklern die Übersetzung ins Deutsche stellenweise nicht gelungen. Am Funktionsumfang ist aber nichts auszusetzen.

Ursprünglich wurde diese Erweiterung für Open Office entwickelt, allerdings funktioniert sie bis hin zur aktuellen Version von Libre Office. Zur Installation laden Sie die Datei „ HistoryMaster-1.1.1.oxt “ herunter und gehen in einer beliebigen Komponente von Libre Office auf „Extras Extension Manager“. Dort wählen Sie „Hinzufügen“ und dann die heruntergeladene Datei. Nach der Bestätigung der angezeigten GNU Public License ist die Erweiterung installiert. Bevor sie aktiv ist, müssen aber noch alle Instanzen von Libre Office geschlossen werden. Nach dem Neustart eines der Office-Programme finden Sie unter „Extras Add-Ons History Master“ einen Einstellungsdialog, in dem Sie mit der nicht korrekt nach Deutsch übersetzen Option „Taille der Liste“ die Anzahl der Einträge erhöhen können. 

Die Erweiterung kann hier übrigens auch jene Dokumente selektiv löschen, die nicht mehr auf den Datenträger vorhanden sind.

History Master 1.1.1: Erweiterung für Libre Office und Open Office. Legt die Anzahl zuletzt benutzter Dokumente fest. Download unter http://extensions.services.openoffice.org/en/project/HistoryMaster (130 KB), GNU Public License.

Firefox: Der Browser als Notizblock

Eine schwergewichtige Textverarbeitung ist nicht nötig, um bei Recherchen im Web einige Texte und Bilder in Notizen festzuhalten. Moderne Browser wie Firefox, Chrome und Chromium unterstützen Data-URLs, die das Browser-Fenster in einen HTML-Editor verwandeln.

Um mit einer Data-URL einen Editor für Notizen zu improvisieren, öffnen Sie ein neues Tab im Browser und geben als Adresse

data:text/html, <html contenteditable>
Notizen Im Browser: Mit dieser URL in der Adresszeile werden Firefox, Chrome und Chromium zu einem HTML-fähigen Notizblock. Die Dateien können ausdrucken und als PDF oder HTML-Dokument speichern.
Vergrößern Notizen Im Browser: Mit dieser URL in der Adresszeile werden Firefox, Chrome und Chromium zu einem HTML-fähigen Notizblock. Die Dateien können ausdrucken und als PDF oder HTML-Dokument speichern.

ein. Es handelt sich um die Definition einer Data-URL, die ein Editorfeld für HTML-Inhalte als Ressource einbettet. Der Browser interpretiert diese Definition aus der Adresszeile wie angegeben als „text/html“ und öffnet im Tab das Element „<html contenteditable>“. Das liefert einen fensterfüllenden Editor für Text und Bilder – ein idealer Notizblock für Schnipsel von Webseiten, die Sie dort mit „Kopieren“ und „Einfügen“ ablegen können. Zudem brauchen Sie nur einen Tab im Browser wechseln, ohne zu einem anderen Programmfenster zu springen. Da dieser improvisierte Editor HTML versteht, bleiben auch Textformate und Bilder erhalten. Um HTML-Angaben wegzufiltern und reinen Text aus der Zwischenablage zu übernehmen, hilft die Tastenkombination Strg-Umschalt-C.

Die Notizen können Sie am Ende über die Druckfunktion des Browsers in einer PDF-Datei speichern, da alle gängigen Linux-Distributionen einen Pseudo-Drucker für die Ausgabe nach PDF vorinstalliert haben. Oder Sie speichern die Notiz so, dass Sie sie später weiterbearbeiten können. Firefox und Chrome/Chromium bieten beim Speichern als Format „Webseite, komplett“ und „Webseite, nur HTML“ an.

Der Unterschied ist, dass erstere Funktion auch die enthaltenen Bilder speichert. Andernfalls werden die Bilder bei „nur HTML“ online geladen.

Die neuesten Software-Finessen für Linux

Bedienung über den Browser: VLC bringt einen internen optionalen Webserver mit. Mit anderen Geräten im Netzwerk kann der Player dann einfach mit einem Browser ferngesteuert werden.
Vergrößern Bedienung über den Browser: VLC bringt einen internen optionalen Webserver mit. Mit anderen Geräten im Netzwerk kann der Player dann einfach mit einem Browser ferngesteuert werden.

VLC: Browser-Fernsteuerung für VLC

Für einen PC, der als Mediaplayer für Musik oder Videos dient, ist eine Fernsteuerung nützlich, um nicht bei jeder kleinen Unterbrechung aufspringen zu müssen. Der populäre VLC hat dazu eine oft übersehene Lösung mit an Bord.

Den Video LAN Client (VLC) können Sie auch über das Netzwerk beziehungsweise WLAN bedienen, von einem beliebigen PC, Notebook, Tablet oder Smartphone aus. Dazu ist nicht mal eine App nötig, denn es genügt ein gewöhnlicher Webbrowser. VLC bringt einen eingebauten Webserver mit, der eine minimale Oberfläche zur Steuerung des Players zeigt. Standardmäßig ist der Server deaktiviert und zudem durch eine Whitelist erlaubter IPAdressen geschützt. Um diese Liste zu editieren, öffnen Sie die Datei „/usr/share/vlc/lua/http/.hosts“ als root in einem Texteditor, in Ubuntu und Co beispielsweise mit dem Befehl

sudo -H gedit /usr/share/vlc/lua/http/.hosts

Tragen Sie hier die IP-Adressen oder die Adressbereiche ein, für die der Zugriff auf VLC erlaubt werden sollen. Um beispielsweise alle Teilnehmer im Heimnetzwerk mit den IP-Adressen 192.168.1.1 bis 192.168.1.254 zu erlauben, geben Sie 192.168.1.0/24 ein.

Hinweis: Bei Fedora und Open Suse existiert die Datei „.hosts“ zunächst noch nicht.

Nach diesem Konfigurationsschritt muss der Server des VLC Media Player noch eingeschaltet werden. Diese Einstellung ist gut versteckt und findet sich unter „Extras -> Einstellungen“, wenn Sie dort erst „Einstellungen zeigen -> Alle“ aktivieren. Dann gehen Sie in der Liste der Optionen auf „Interface -> Hauptinterfaces“ und aktivieren die Klickbox „Web“. Aktiv wird diese Einstellung erst ab dem nächsten Start des Programms. Sobald der Player wieder läuft, können Sie die Fernsteuerung für VLC im Browser über die Adresse

[IP-Nummer]:8080

aus erreichen. Die IP-Nummer entspricht der lokalen Adresse des PCs im Netzwerk. Wenn Sie diese nicht kennen, rufen Sie den Networkmanager auf und lassen sich die Verbindungsdaten anzeigen. Alternativ können Sie die lokale IP Adresse auch in einem Terminal mit dem Befehl

ip addr show

herausfinden.

Apps direkt als APK herunter laden: Die Browser-Erweiterung „APK Downloader“ gibt sich gegenüber Google Play als Android-Gerät aus und speichert Apps als Download auf der Festplatte.
Vergrößern Apps direkt als APK herunter laden: Die Browser-Erweiterung „APK Downloader“ gibt sich gegenüber Google Play als Android-Gerät aus und speichert Apps als Download auf der Festplatte.

Chrome und Chromium: APK-Pakete von Google Play herunterladen

Android-Geräte, die mit einem Custom-ROM wie Cyanogen Mod betrieben werden, haben zunächst keinen Zugang zu Google Play. Für diese Smartphones und Tablets ohne Unterstützung von Google wäre es praktisch, Apps in Form von APKs von Google Play zu beziehen und dann manuell zu installieren.

Die Browser-Erweiterung „APK Downloader“ von Peter Wu holt kostenlose Apps aus dem App Store von Google auch als APK-Paket für die Sicherung auf der Festplatte. Das Open-Source-Tool gibt sich dazu als ein tatsächliches Android-Gerät aus, und Sie brauchen dazu neben dem Google-Konto vorab auch die Geräte-ID eines tatsächlichen Smartphones oder Tablets. Anonym funktioniert der Zugriff auf Google Play nicht. Einen einfachen und herstellerunabhängigen Weg, die Geräte-ID herauszufinden, liefert die kostenlose App „Device ID“ von Google Play .

Der „APK Downloader“ liegt als Erweiterung für den Google-Browser Chrome/Chromium vor. Zur Installation laden Sie dazu die Datei „apkdownloader-1.5.0.crx“ von der Entwickler-Webseite herunter, und dann gehen Sie im Browser auf „Einstellungen Erweiterungen“ oder direkt zur Adresse „chrome://extensions/“. In dieses Browser-Fenster ziehen Sie die heruntergeladene Datei der Erweiterung: Sie erhalten dann den Installationshinweis mit der Bestätigung von Zugriffsrechten für Browser-Tabs und das Google-Konto angezeigt, welche diese Browser-Erweiterung verlangt. Nach der Installation zeigt sich in der Adresszeile auf den Seiten von Google Play ein neues Symbol.

Bevor der Download funktioniert, muss es sich noch mit dem Google-Konto und der zugehörigen Android-Geräte-ID authentifizieren. Beim ersten Aufruf zeigt die Erweiterung ein Anmeldeformular dazu an.

Danach ist die Erweiterung schließlich einsatzbereit: Bei einem Klick auf das Symbol in der Adresszeile lädt Chrome/Chromium die gerade besuchte App von Google Play als Datei herunter.

APK Downloader 1.5.0: Erweiterung für Chrome/Chromium zum Download von APKs aus Google Play.

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