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Verschlüsselt mit dem Smartphone chatten

09.06.2014 | 09:45 Uhr |

Wie privat sind Kurznachrichten noch in Zeiten von staatlicher Überwachung? Wer sich schützen möchte, dem stellen wir eine Auswahl an kodierten Handy-Messengern vor.

Seit Anfang Juni 2013 nehmen die Schlagzeilen bezüglich des NSA-Skandals kein Ende. Umso nachdenklicher müssen uns die vorhandenen Sicherheitslücken gängiger Messenger wie Whatsapp machen. Was viele nicht wissen: Es besteht keinerlei Notwendigkeit, gerade das angreifbare Whatsapp für private Unterhaltungen zu nutzen. Verschlüsselte Chatprogramme sind auf dem Vormarsch und stehen den gängigen Messengern in puncto Bedienungsfreundlichkeit, Design und Funktionsvielfalt in nichts nach. Auch Zusatz-Apps, die E-Mails, SMS oder andere Nachrichten separat verschlüsseln, stehen zur Verfügung.

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Symmetrische und asymmetrische Verfahren der Verschlüselung

Grundsätzlich gibt es zwei gängige Verschlüsselungsverfahren: das asymmetrische und das symmetrische Kryptosystem:

Bei der asymmetrischen Verschlüsselungsvariante erstellt jeder Nutzer sein eigenes Schlüsselpaar. Dieses besteht aus einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel. Für die Kommunikation müssen beiden Partner ihre jeweils öffentlichen Codes austauschen. Wie dieser Austausch vonstatten geht, ist - anders als beim symmetrischen Verfahren - unwichtig, da der öffentliche Schlüssel nicht geheim ist. Um eine Nachricht auszutauschen, verschlüsselt der Sender mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers den Text, der ihn wiederum mit seinem privaten Code dechiffriert.

Bei der symmetrischen Variante verwenden beide Partner für die Ver- beziehungsweise Entschlüsselung denselben Code. Fällt dieser Schlüssel einem Unbefugten in die Hände, kann dieser auf die Unterhaltung zugreifen. Sie sollten den Schlüssel also hüten wie Ihren Augapfel. Hieraus entsteht das Problem des Schlüsselaustauschs: Die einzige Möglichkeit, um die sichere Kommunikation zu gewährleisten, ist ein persönliches Treffen. Manche Messenger bieten für den Tausch das asymmetrische Verfahren an. Für die spätere Kommunikation greifen die Anbieter wieder auf das symmetrische Kryptosystem zurück, da dieses wesentlich schneller ist.

Bei beiden Kryptoverfahren handelt es sich End-to-End-Verschlüsselungen: Die Nachricht wird auf dem Gerät des Senders verschlüsselt und erst auf dem Gerät des Empfängers entschlüsselt. Die Daten sind somit über alle Übertragungsstationen auf dem kompletten Weg kodiert.

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Messenger Apps: Achten Sie auf Sicherheitslücken!

Mittlerweile stehen zahlreiche angeblich sichere Nachrichtendienste wie Threema, My Enigma, Whistle.im, Kontalk oder Hike zur Verfügung. Bei der Wahl sollten Sie jedoch einige Kriterien beachten: Um welche Verschlüsselungsvariante handelt es sich? Wie sicher lassen sich neue Kontakte hinzufügen? Ist der Messenger für möglichst alle Betriebssysteme wie Android, iOS, Windows und Blackberry verfügbar, da sonst nicht alle Ihre Freunde mitmachen können? Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, hat AndroidWelt zwei Apps für Sie genauer untersucht.

Das kostenlose My Enigma ist für Android, iOS und Blackberry verfügbar. Leider weist es einige Sicherheitslücken auf.
Vergrößern Das kostenlose My Enigma ist für Android, iOS und Blackberry verfügbar. Leider weist es einige Sicherheitslücken auf.

My Enigma: Die kostenlose Anwendung My Enigma nutzt eine symmetrische Verschlüsselung. Der gemeinsame Schlüssel von Sender sowie Empfänger wird automatisch erstellt und auf dem Server gespeichert. Der Account selbst wird über die Telefonnummer abgesichert. Leider werden alle Kontakte automatisch mit dem Telefonbuch synchronisiert. Wie sicher diese Variante ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Vorteilhaft ist, dass die Anwendung bereits Android, iOS und Blackberry unterstützt. An einer Windows-Variante wird gearbeitet. Außerdem können Sie verschlüsselte SMS-Nachrichten versenden, falls der Zugang zum Internet fehlt. Verschicken können Sie Fotos, Sprachmemos und Videos.

Threema punktet nicht nur mit einem ausgeklügelten Verschlüsselungssystem, sondern auch mit einer ansprechenden und praktischen Benutzeroberfläche.
Vergrößern Threema punktet nicht nur mit einem ausgeklügelten Verschlüsselungssystem, sondern auch mit einer ansprechenden und praktischen Benutzeroberfläche.
Ihr öffentlicher Schlüssel steht bei Threema als praktischer QR-Code für den Austausch mit Ihren Freunden zu Verfügung.
Vergrößern Ihr öffentlicher Schlüssel steht bei Threema als praktischer QR-Code für den Austausch mit Ihren Freunden zu Verfügung.

Threema: Dieser Dienst kostet einmalig 1,60 Euro. Die Fülle an Funktionen sollte Sie aber für diesen Preis entschädigen. Threema setzt auf ein asymmetrisches Verschlüsselungsverfahren. Sie authentifizieren sich über Ihre Mailadresse sowie Ihre Telefonnummer und erstellen per Wischen über ein großes Zahlenfeld Ihr Schlüsselpaar. Der öffentliche Schlüssel wird als QR-Code auf Ihrem Smartphone hinterlegt. Für die Kontaktaufnahme mit anderen Nutzern bieten sich drei Möglichkeiten mit verschiedener Sicherheitsstufe. Die sicherste Variante ist das persönliche Treffen: Sie scannen mit dem Programm „Barcode Scanner“ den öffentlichen Schlüssel des Gegenübers ein. Mittlere Sicherheit erreichen Sie über die Synchronisierung Ihrer Kontakte. Am unsichersten ist die Suche nach der Nutzer-ID oder dem Pseudonym Ihres Partners. Mit dem Chatprogramm können Sie nicht nur Textnachrichten, sondern auch Fotos, Videos und Standortinformationen versenden. Für ein Maximum an Sicherheit kann der Zugang zur Anwendung zusätzlich mit einem Passwort geschützt werden. Bisher ist das Programm für Android und iOS erhältlich.

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Ergänzende Verschlüsselungs-Apps: Unpraktisch für Chats

Die Oberfläche von Secret Message Elite ist nicht nur unpraktisch, sondern auch nicht besonders hübsch anzusehen. Für einen Chat ist das Programm ungeeignet.
Vergrößern Die Oberfläche von Secret Message Elite ist nicht nur unpraktisch, sondern auch nicht besonders hübsch anzusehen. Für einen Chat ist das Programm ungeeignet.

Neben den verschlüsselnden Messengern gibt es auch Apps, die als Erweiterung zu herkömmlichen Chatprogrammen dienen. Ein Beispiel hierfür ist Secret Message Elite. Für die symmetrische Verschlüsselung von Nachrichten müssen sich die beiden Kommunikationspartner auf ein gemeinsames Passwort einigen. Im Programm geben Sie eine beliebige Nachricht ein, dann das Kennwort. Der Text wird daraufhin kodiert und über einen beliebigen Messenger wie Whatsapp oder SMS versendet. So weit, so praktisch. Nun muss leider der Empfänger den Datensalat aus seinem Messenger kopieren, in die Verschlüsselungs-App einfügen und dann mithilfe des Schlüssels dekodieren. Diese bedienungsunfreundliche Vorgehensweise macht eine flüssige Unterhaltung so gut wie unmöglich. Beim Versand von Bildern ist es nicht weniger kompliziert. Die Dateiformate der kodierten Fotos können Sie nur mit wenigen Programmen verschicken. In unserem Test klappte es nur mit verschiedenen Mail-Clients.

Fazit: Threema schlägt Whatsapp um Längen in puncto Sicherheit

Im Praxistest wurde eines schnell klar: Verschlüsselungs-Apps sind praktischer als Ergänzungs-Apps. Außerdem lohnt es sich, in eine möglichst sichere Anwendung wie Threema zu investieren. Zwar bleibt es fraglich, ob die App einen vollständigen Schutz vor Überwachung liefern kann. Dennoch: Überzeugen Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis vom Umstieg auf einen kodierten Messenger!

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