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So klappt der Umstieg auf den IE9

21.03.2011 | 11:41 Uhr |

Wegen proprietärer IE6-Anwendungen scheuen viele den XP-Abschied. Doch mit der richtigen Strategie gelingt die Migration auf Windows 7 und IE9 oder IE8.

Mit dem neuen, abgespeckten Internet Explorer 9 strebt Microsoft wieder zurück auf die Erfolgsstraße und möchte Marktanteile gegen Firefox und Google Chrome zurückgewinnen. Doch viele Unternehmenskunden plagen sich derzeit mit ganz anderen Sorgen herum: Sie stecken immer noch fest in der Inkompatibilitätsfalle des Internet Explorer 6 und suchen händeringend nach einer vertretbaren Lösung, um die fast zehn Jahre alte Browser-Zumutung los zu werden. Insbesondere der früher oder später notwendige Umstieg auf Windows 7 erfordert zwingend einen Wechsel des Browsers, da der IE6 unter Windows 7 nicht mehr läuft. Laut Analystenschätzungen liegt der Marktanteil des Uralt-Browsers IE6 in deutschen Unternehmen noch immer bei 30 Prozent.

Schuld an der Misere ist eigentlich der große Erfolg von Windows XP, der damals dem Internet Explorer 6 zu einer dominierenden Marktposition verhalf. Microsoft nutzte diesen Umstand aus, und pushte den IE6 als proprietäre Anwendungsplattform für Unternehmen. Anstelle vermeintlich plattformunabhängiger Browser-Applikationen entstanden so weltweit abertausende von Geschäftsanwendungen, die regen Gebrauch von IE6-Spezialiäten bei Javascript, Active-X sowie der Java-Virtual-Machine machten. Als sich Microsoft später im Zuge seiner neue Firmenpolitik zu offenen Standards und Interoperabilität bekannte und mit dem IE7 erstmals einen Webstandard-konformen Browser präsentierte, lag das Kind schon im Brunnen: Ein Großteil der auf IE6 zugeschnittenen Applikationen läuft trotzt diverser Kompatibilitätsmodi nicht in den nachfolgenden Browsergenerationen. Über kurz oder lang müssen nun betroffene Firmen - nicht zuletzt wegen zwangsläufiger Sicherheitslücken eines Uralt-Browsers - reagieren und einen Weg aus dieser Sackgasse finden. Sogar Microsoft selbst propagiert neuerdings die Abkehr vom IE6 und bietet mit der Website "Internet Explorer 6 Countdown" eine Art Ausstiegsprogramm, das über die aktuelle Situation sowie Migrationsmöglichkeiten informiert.

Der IE6 ist in deutschen Unternehmen nach wie vor weit verbreitet.
Vergrößern Der IE6 ist in deutschen Unternehmen nach wie vor weit verbreitet.
© 2014

Nach wie vor liegt der weltweite Marktanteil des IE6 laut der Net-Applications-Statistik bei 11,3 Prozent. Über alle Versionen hinweg betrachtet gehört den Microsoft-Browsern aktuell 56,7 Prozent vom Kuchen, gefolgt von Firefox mit 21,7 und Google Chrome mit 10,9 Prozent. Bezogen auf den deutschen Markt lieferten die Analysten der Experton Group kürzlich aktuelle Zahlen, wonach bei den Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern immer noch 31 Prozent den Browser-Oldie einsetzen. 25 Prozent der IE6-Anwender planten innerhalb der nächsten 12 Monate einen Wechsel auf eine neuere Version des Internet Explorer, weitere zehn Prozent wollen auf einen andern Browser wechseln - zumeist auf Firefox. Die restlichen Unternehmen allerdings verweigern sich einer Migration oder wollen den Umstieg so lange wie möglich aussitzen.

Axel Oppermann, Senior Analyst bei der Experton Group
Vergrößern Axel Oppermann, Senior Analyst bei der Experton Group
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Interessant ist eine weitere Erkenntnis der Studie, wonach die tatsächlichen Kompatibilitätsprobleme weniger gravierend seien als allgemein angenommen. So gaben lediglich 20 Prozent der IT-Entscheider an, dass ihre Applikationen nicht mit einem neueren Browser liefen. Weitere 17 Prozent schätzen den Anpassungsaufwand als zu hoch ein. Die restlichen Befragten hingegen seien überzeugt, dass sich der Browser bewährt habe und sehen keine Veranlassung für Veränderung. Axel Oppermann, Senior Advisor bei Experton, hält das für sehr bedenklich: "Diese Einstellung ist nicht nur grob fahrlässig, sondern stellt Organisationen spätestens zum Ende des Lebenszyklus von Windows XP im Jahr 2014 vor Herausforderungen."

Unternehmen sollten unbedingt eine Migrationsplanung aufsetzen, rät der Experton-Mann. Neben strategischen Planungen gehöre dazu auch eine umfassende Testphase mit einer Shortlist von drei bis vier Browsern. Hierbei sollten neben Faktoren wie Sicherheit, Geschwindigkeit und Stabilität auch Themen wie Verteilung und Rechtemanagement in die Betrachtung einbezogen werden.

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