15.06.2009, 10:30

Alexandra Mesmer

Unerwünschte Nebenwirkungen

Personalabbau durch Altersteilzeit

Altersteilzeit sendet die falschen Signale aus: Anstatt älteren Beschäftigten einen sanften Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen hilft das Gesetz, Personal abzubauen und zu verjüngen.
2009 läuft die Förderung der Altersteilzeit aus. Wenn es nach dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht, sollte die Förderung nicht verlängert werden. Einer Studie des IAB zufolge hält die Altersteilzeit-Regelung von 1996 nicht, was sie verspricht.
Nur jeder zehnte Altersteilzeitbeschäftigte arbeitet demnach in Teilzeit weiter und reduziert über den gesamten Zeitraum seine Arbeitszeit auf 50 Prozent. Die Mehrheit der Betroffenen entscheidet sich für das so genannte Blockmodell: Dabei arbeiten die Betroffenen in der ersten Hälfte des Zeitraums wie gehabt weiter, nur zu geringeren Bezügen. In der zweiten Hälfte werden sie dann freigestellt und scheiden demnach früher aus dem Berufsleben aus.
Dadurch verfehlt das Gesetz allerdings sein ursprüngliches Ziel, wie die IAB-Arbeitsmarktforscherin Susanne Wanger warnt: "Nicht der vorzeitige Ausstieg aus dem Erwerbsleben, sondern der lange Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit sollte gefördert werden."Dazu kommt, dass die meisten Unternehmen die Altersteilzeit nutzen, um Personal abzubauen. So verzichteten zwei Drittel der Firmen auf die staatliche Zuschüsse, um den Arbeitsplatz des älteren Mitarbeiters mit einem Arbeitslosen zu besetzen oder einen Auszubildenden zu übernehmen. Denjenigen Betrieben, die die Förderung in Anspruch nahmen, zahlte die Bundesagentur für Arbeit seit 1996 insgesamt mehr als 8,5 Milliarden Euro.
Ende 2007 befanden sich 540.000 Beschäftigte zwischen 55 und 64 Jahre in Altersteilzeit. Vor allem in Großbetrieben mit ausgeprägter Tarifbindung wie im verarbeitenden Gewerbe und der öffentlichen Verwaltung ist die Altersteilzeit verbreitet. Allein auf die Betriebe mit mehr als 1.000 Beschäftigten entfällt ein Drittel der Altersteilzeitbeschäftigten. In Betrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern finden sich dagegen nur knapp 15 Prozent aller Personen in Altersteilzeit, obwohl dort fast 40 Prozent aller älteren Arbeitnehmer beschäftigt sind. Auch die ursprünglich angepeilte Zielgruppe, Beschäftigte mit hohen körperlichen Belastungen, erreicht das Gesetz nicht. Diese könnten sich die Altersteilzeit schlichtweg nicht leisten, so Arbeitsmarktforscherin Wanger.
Der Artikel stammt von unserer Schwesterzeitschrift computerwoche.de.
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