21.07.2012, 07:12

Alexander Roth

VoIP in der Praxis

VoIP: So klappt der Umstieg von ISDN auf Internet-Telefonie

Umstieg auf VoIP – ein Erfahrungsbericht ©iStockphoto.com/Georgi Anchev

Nur noch per Internet telefonieren? Wie ist das, wenn man sich hier rein auf das Web verlässt? PC-Welt hat einer kleinen Firma über die Schulter geschaut, die ihre ISDN-Anlage rauswarf und jetzt komplett per Voice-Over-IP telefoniert.
Zumindest in einem Punkt lässt sich Tobias Kollewe als „typischer deutscher Mittelständler“ bezeichnen: Der Vorstand der Aachener Agentur AIXhibit AG ist vorsichtig, was die Cloud angeht. Kollewe sagt gegenüber der PC Welt: „Wir haben die Cloud - auch als Internetagentur - immer mit kritischem Auge betrachtet, auch wegen der rechtlichen Belange. Investitionen ins Web werden von uns daher ausgiebig geprüft.“ Dennoch hat er für seine Firma einen Schritt gewagt, der ungewöhnlich ist für seine Zunft. Alle Mitarbeiter der AIXhibit AG telefonieren mittlerweile exklusiv via VoIP.

Zurückhaltung bei VoIP

Zwar boomt VoIP bereits in den USA, und glaubt man dem Branchenverband Bitkom und allen weiteren großen Marktforschern, wird es vermutlich nicht mehr lange dauern, bis auch in Deutschland Telefonie per Internet ein gewöhnlicher Vorgang der Geschäftskommunikation ist. Es ist aber noch selten, dass kleine Firmen in Deutschland unternehmensrelevante Teile ihrer IT ins Internet auslagern.
Studien zufolge haben in Deutschland gerade mal 20 Prozent aller Firmen mit unter 50 Mitarbeitern überhaupt Cloudlösungen im Einsatz. Zwar ist die Tendenz steigend, doch nimmt Telefonie per Internet oder auch „Voice-over-IP“ hier keine Sonderrolle ein. Angaben der TK-Branche zufolge nutzen kleine Firmen immer noch vergleichsweise selten entsprechende Dienste – vor allem nicht exklusiv.
Welche Schritte hat die Agentur AIXhibit AG vollzogen, um jetzt rein per Internet telefonieren zu können? Wie verhält es sich mit den Kosten und Gefahren? PC-Welt ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Wie definiert sich VoIP-Telefonie?

Es ist ganz simpel: Jegliche Sprachübertragung im Internet nennt sich bereits P-Telefonie oder Voice- Over-IP. Für Ein- und Ausgabe der Sprache werden nur Mikrofon und Lautsprecher benötigt, welches Gerät dabei zum Einsatz kommt, ist völlig egal, solange es eben Internetfähig ist. Denkbar sind Notebooks, PCs oder spezielle VoIP-Telefone für die einfachere Handhabe. Auch normale Telefone sind denkbar, diese müssen aber erst um einen speziellen Adapter erweitert werden. Mit Smartphones und iPads lässt sich ebenfalls per VoIP telefonieren, hierfür wird eine entsprechende, meist kostenlose App eines VoIP-Anbieters benötigt.

Schnelles Internet ist Pflicht

Reibungslose Internettelefonie bedingt eine schnelle Internetverbindung via DSL oder Kabel, doch auch Mobilfunk-Standards wie 3G können zunehmend das Protokoll übertragen. Hier stemmen sich die Mobilfunk-Anbieter aber immer öfter dagegen, indem sie technische Blockaden zur Unterbindung von VoIP einrichten – schließlich vermiesen sie sich ihr übriges Geschäft damit. Denn VoIP – und damit auch internationale Telefonie per Web - ist natürlich kostenlos (abgesehen von den jeweiligen Internetgebühren).
Gebührenpflichtig wird es erst, wenn man auf seinem VoIP-Gerät auch von ISDN-Telefonen angefunkt werden möchte und andersherum. Hier treten zunehmend Anbieter auf den Markt, die entsprechende Services anbieten. In Deutschland ist einer der bekanntesten Dienstleister der von Microsoft gekaufte Dienst Skype. Firmen wie Placetel oder Sipgate machen zudem per groß angelegter Werbe-Kampagnen von sich reden.
Die Annonce war verlockend
Genau eine solche Annonce lockte Tobias Kollewe im Jahr 2010. Der Firmenchef hatte „mal wieder Ärger mit dem zuliefernden ISDN-Anbieter. Überhöhte Gebühren, Telefonausfälle, inkompetente Hotline-Mitarbeiter, das übliche Programm.“ Kollewe sah das erwähnte Schnupperangebot des Düsseldorfer VoIP-Anbieters Sipgate und fand sich bald danach auf der Webseite des Anbieters wieder, rief zur Absicherung schnell noch dessen Hotline an, weil er sich unsicher war, welche Geräte er wählen sollte,  und schlug zu: Er bestellte zwei VoIP-Telefone und den „Schnuppertarif“.

VoIP-Vorteil: Flexibilität

Es sei ihm darum gegangen, für seine Firma eine Telefonie-Lösung zu finden, die skalierbar ist – allein in den vergangenen Jahren wuchs  die AIXhibit AG, die Kunden Dienstleistungen rum um das Internet wie Webdesign, Onlineshops oder Suchmaschinen-Marketing anbietet, um zahlreiche Mitarbeiter. „ISDN-Anlagen lassen sich nur verhältnismäßig schwer erweitern, während VoIP-Verträge durchaus flexibler sind“, so sein Credo.

VoIP-Vorteil: Kosten

Weitere Gründe sah Kollewe im geringen Risiko, das er einging – Sipgate bietet wie die meisten seiner Wettbewerber monatlich kündbare Verträge an – sowie die Kosten. „Wir haben es im Vorhinein berechnet und es hat sich jetzt nach zwei Jahren bestätigt: VoIP-Telefonie kommt uns im Vergleich zur analogen Telefonie auch von den Tarifen her etwas günstiger. Zudem kostet  die Hardware weniger als ISDN-Geräte und wir sparen uns komplett das Geld für die Telefonanlage selbst.“

VoIP-Telefone nicht zwingend notwendig

Aber warum hat er damals überhaupt VoIP-Hardware bestellt? Man braucht doch für VoIP eigentlich nur die Headsets für vorhandene Firmen-PCs? „Natürlich war es nicht zwingend nötig, VoIP-Telefone zu bestellen. Doch nachdem wir die beiden Geräte angeschlossen ausprobiert hatten, zeigte sich schnell, dass man eben zum Telefonieren etwas in der Hand braucht. Das haben auch unsere Mitarbeiter dann so gewollt, als wir ihnen die neue Telefonie vorstellten. Wir haben allerdings jetzt auch einen Mitarbeiter im Homeoffice, der lediglich einen USB-Telefonhörer einsetzt.“
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