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Ubuntu 14.10 Alpha im Vorab-Test

25.08.2014 | 13:01 Uhr |

Seit Ende Juni 2014 ist die erste Alphaversion von Ubuntu 14.10 verfügbar. Wir haben diese für Sie genauer unter die Lupe genommen und zeigen den Fahrplan bis zum Final Release im Oktober.

Die kommende Ubuntu-Version trägt den Namen „Utopic Unicorn“. Es handelt sich bei Ubuntu 14.10 um keine LTS-Variante, und entsprechend kurz ist die Support-Zeit bis Juli 2015 eingeplant. Trotz allem sollen mit dem kommenden Release einige neue Funktionen in Ubuntu implementiert werden, die wichtige Änderungen für die Zukunft mit sich bringen sollen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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Der Fahrplan im Einzelnen

Canonical hat im Wiki von Ubuntu den Zeitplan für das Release 14.10 bekanntgegeben. Die für den 26. Juni angekündigte erste Alphaversion wurde pünktlich zum Download bereitgestellt. Bis zum Final Release am 23. Oktober gibt es noch eine Reihe von weiteren Zwischenversionen – unter anderem

  • Beta 1 am 28. 08.

  • Final Beta am 25.09.

  • Release Candidate am 16.10.

Wer sich vorab über den Entwicklungsstand informieren will, hat offenen Zugriff auf die Images der Daily-Builds für die unterschiedlichen Varianten. Die Hauptseite lautet http://cdimage.ubuntu.com/ , darunter finden sich alle offiziellen Ubuntu-Varianten wie Kubuntu, Ubuntu Gnome oder Lubuntu. Aufgrund des frühen Entwicklungsstands eignen sich diese Daily-Builds noch nicht für den Produktiveinsatz.

Wenn Sie über den Stand der Dinge jederzeit brandaktuell informiert werden möchten, können Sie sich in die Mailingliste eintragen , welche die Entwickler für Veröffentlichungen nutzen.

Die Ubuntu-Shell Unity im Überblick

Ubuntu auf allen Geräten: Das primäre Ziel der Entwicklung ist eine gemeinsame Oberfläche und Software-Plattform für mobile und stationäre Geräte.
Vergrößern Ubuntu auf allen Geräten: Das primäre Ziel der Entwicklung ist eine gemeinsame Oberfläche und Software-Plattform für mobile und stationäre Geräte.

Projekt Konvergenz: System für alle Geräte

Im Vorfeld gab es zahlreiche Spekulationen, welche Neuerungen das „Utopische Einhorn“ mit sich bringen wird. Ende April 2014 kamen die ersten Gerüchte über eine neue Oberfläche für den Desktop auf. Canonical plant, die mobile und die Desktop-Welt unter einem Dach zu vereinen. CEO Mark Shuttleworth hatte Ende 2013 einen ersten Ausblick gegeben und eine Umsetzung ab 14.10 als möglich erachtet. Die Anpassungen sollen nicht nur die Oberfläche betreffen, sondern deutlich weiter gehen. Ziel von Ubuntu ist es, alle zentralen Anwendungen sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Smartphone und dem Tablet zu haben. Alle, die einen Blick auf die ersten Umsetzungen werfen möchten, sollten sich das Video auf dem „ Ubuntu Contributor Channel “ ansehen. In der Entwickler-Mailingliste von Ubuntu hat Robert Ancell, bei Canonical als Projektleiter für den Display-Server Mir verantwortlich, eine entsprechende Diskussion über dieses Thema angestoßen und 14.10 als Startpunkt für dieses Vorhaben definiert. In seiner Erklärung sind auch die wesentlichen Ziele für die Anpassungen unter der Oberfläche formuliert – ein zunehmender Abbau des Gnome-Erbes:

  • Der primäre root-Prozess gnome-session soll durch upstart und systemd ersetzt werden.

  • Das Policy Kit zur Verwaltung der Benutzerrechte soll ebenso in die Unity- Shell verlagert werden wie das Management für den Bildschirmschoner.

  • Der unity-settings-daemon hat sich zwar vom ursprünglichen gnome-settings-daemon bereits abgenabelt, soll aber vollständig durch eigene Dienste ersetzt werden.

  • Die grundlegenden Anwendungen innerhalb des Desktop-Stacks, die oftmals noch aus der ererbten Gnome-Welt stammen, sollen schrittweise durch neue Anwendungen ersetzt werden, welche bereits dem Konvergenz-Ansatz folgen.

Unsere Hoffnung, von diesen Neuerungen bereits in der ersten Alphaversion konkrete Spuren zu sehen, hat sich aber nicht erfüllt: Die Oberfläche dieser Alpha ist noch ein 1:1-Abbild der aktuellen LTS-Version 14.04.

Ubuntu Touch: Das System für Smartphones und Tablets macht nur langsame Fortschritte. Daher wird die Zusammenführung mit dem Desktop-Ubuntu immer wieder verschoben.
Vergrößern Ubuntu Touch: Das System für Smartphones und Tablets macht nur langsame Fortschritte. Daher wird die Zusammenführung mit dem Desktop-Ubuntu immer wieder verschoben.

Unity 8 und Mir

Im Zuge der Konvergenz-Bemühungen soll der Display-Server Mir auch auf der Oberfläche von Mobiltelefonen und Smartphones Einzug halten. Ob dieses Ziel bereits mit Ubuntu 14.10 vollständig gelingen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt eher fraglich. Von Seiten Canonicals ist in verschiedenen Veröffentlichungen zu hören, dass mit Ubuntu 14.10 wichtige Migrationsschritte in diese Richtung unternommen werden.

Ist diese Umsetzung einmal vollzogen, bringt sie natürlich signifikante Vorteile mit sich: Die Entwickler können Großteile der Entwicklung einer App sowohl für mobile Geräte als auch auf dem Desktop einsetzen. Sie als Anwender haben dann die Gewissheit, Ihre gewohnte Software auf dem PC-Desktop wie auf mobilen Endgeräten nutzen zu können.

Die Migration wird zahlreiche Änderungen nach sich ziehen: Der heutige Dateimanager Nautilus ist für Mobilgeräte kaum tauglich und wird in jedem Fall ersetzt. Auch der Desktop wird sich noch einmal deutlich ändern. Microsoft hat dies mit dem zusätzlichen und umstrittenen Kachel-Bildschirm gelöst, und auch Apple hat mit dem Launchpad seinem Betriebssystem eine weitere Sicht auf die Apps hinzugefügt. Wie Ubuntu diese Herausforderung beantworten wird, ist derzeit noch völlig offen.

Dualboot von Windows und Ubuntu

Framework Qt: Das aktuelle Qt 5.3 hat zwar bereits in Ubuntu 14.10 Einzug gehalten, das bleibt aber bislang ohne sichtbare Auswirkung auf die enthaltene Software.
Vergrößern Framework Qt: Das aktuelle Qt 5.3 hat zwar bereits in Ubuntu 14.10 Einzug gehalten, das bleibt aber bislang ohne sichtbare Auswirkung auf die enthaltene Software.

Entwicklungs-Framework Qt 5.3

Während die Konvergenz-Aktivitäten noch in den Anfängen stecken, ist die Aktualisierung von Qt bereits recht weit vorangeschritten. In der aktuellen Alphaversion steckt bereits die allerneueste Version 5.3. Die Qt-Module stellen die Basis für zahlreiche andere Anwendungen, die auf der Programmiersprache C++ basieren. Das Framework bietet zahlreiche Bibliotheken und Widgets für die komfortable Entwicklung der grafischen Programmfunktionen. Konkret sichtbar ist die Integration von Qt 5.3 bislang nicht: Die enthaltene Ubuntu-Software unterscheidet sich nicht vom Vorgänger.

Änderungen in den Ablegern

Nicht nur innerhalb der Ubuntu-Hauptversion, sondern auch bei den darauf aufsetzenden Varianten wird es zu Veränderungen kommen: Bei Kubuntu, dem Ubuntu mit KDE als Desktop, wird an der Integration der neuen KDE-Software Plasma 5 gearbeitet. Aktuell wird die Alpha jedoch noch mit älterer, stabiler Plasma-Version ausgeliefert. Es ist jedoch bereits möglich, Plasma 5 nachzuinstallieren und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Das entsprechende Paket ist unter https://launchpad.net /~kubuntuppa/+archive/next verfügbar.

Bei anderen Ablegern gibt es aktuell noch keine weitreichenden Veränderungen, die ihren Weg in die aktuelle 14.10 Version gefunden haben. Bei aller Ungewissheit, wie und in welchem Tempo Canonical sein Ubuntu im Sinne des Konvergenz-Ziels ändern wird, geht auch mancher Ableger auf Distanz: So will das eher konservative Linux Mint dem Neun-Monats-Rhythmus von Ubuntu nicht mehr hinterherlaufen und sich vermehrt auf seine Eigenentwicklungen fokussieren.

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