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Ubuntu mit Virtualbox ausprobieren - so geht's

19.10.2015 | 14:00 Uhr |

Wer Ubuntu schon immer einmal (unter Windows) ausprobieren wollte, bekommt mit Virtualbox die Gelegenheit dazu. Wir zeigen wie.

Die Einsteigerfreundliche Linux-Distribution erwacht aus einem längeren Dornröschenschlaf. Die neue Version geht mit dem Wechsel des Init-Systems eine wichtige Baustelle an. Der Umbau verlief glatt, wird Desktop-Anwendern kaum auffallen, ist aber eine erhebliche Änderung an der Betriebssystembasis. Damit endet eine Phase der Stagnation, denn die letzten beiden Desktop-Ausgaben Ubuntus brachten kaum Neues – weder auf noch unter der Oberfläche.

Für Canonical, die Entwicklerfirma von Ubuntu, nimmt die Bedeutung des Linux-Desktops offensichtlich ab, und die Kräfte konzentrierten sich auf Ubuntu Touch für Mobiltelefone sowie auf die Server- und Cloud-Variante von Ubuntu . Das beschert dem Desktop, der Ubuntu einen ansehnlichen Erfolg bescherte, den Canonical aber finanziell nicht ausschöpfen konnte, eine zusehends schleppende Entwicklung. Hochgesteckte Ziele, wie der Display-Server Mir/Xmir und der neue Desktop von Unity 8, wurden immer wieder verschoben und sollen nun erst in der Version 16.04 im April nächsten Jahres ihr Debüt geben.

Ubuntu isoliert vom Host in einer virtuellen Maschine ausprobieren

In unserem Downloadarchiv finden Sie einen komplett vorinstallierten virtuellen Ubuntu-Rechner für Virtualbox samt Gasterweiterungen. Entpacken Sie das Archiv ubuntu.exe in ein Verzeichnis auf Festplatte. Starten Sie dann Virtualbox und Importieren Sie über „Datei -> Appliance importieren“ die virtuelle Maschine ubuntu.ova. Alle Einstellungen und die virtuelle Festplatte werden übernommen. Je nach Hardware-Ausstattung Ihres echten Computers sollten Sie im rechten Fensterbereich von Virtualbox den zugeteilten Arbeitsspeicher anpassen. Verwenden Sie nicht mehr als die Hälfte des verfügbaren RAMs für den virtuellen PC. Starten Sie dann den virtuellen Ubuntu-PC Melden Sie sich mit dem Benutzer „pcw“ und dem Passwort „pcwelt“ an.

Das bietet Ubuntu 15.04 "Vivid Vervet"

Keine neuen Menüs am Ubuntu-Desktop

Der Ubuntu-Desktop läuft mit dem bisherigen Xorg wie gewohnt. Ubuntu liefert auch in den Zwischenversionen ohne Langzeit-Support (LTS) keine halbfertigen Komponenten aus, nachdem Canonical-Chef Shuttleworth in einem Interview auf dem Mobile World Congress 2015 eingestanden hatte, dass der Umstieg von Gnome 2 auf Unity vor fünf Jahren überstürzt erfolgte und viele Fans vor den Kopf stieß. Neuerungen auf dem Desktop fallen deshalb wieder unspektakulär aus: Der Gnome-Unterbau von Unity 7.3 ist teilweise auf den Stand von Gnome 3.14 gebracht, ohne im Detail alle dessen kontroversen Änderungen bei den Gnome-Programmen zu übernehmen. So bleibt der Texteditor Gedit vorerst bei der Version 3.10, und der PDF-Betrachter Evince sowie der Dateimanager Nautilus haben Anpassungen erhalten, um Konflikte mit den neuen integrierten Gnome-Menüleisten zu umgehen.

Für die Einrichtung von Entwicklerwerkzeugen gibt es die Script-Sammlung umake in dem neuen Paket „ubuntudeveloper-tools-center“.
Vergrößern Für die Einrichtung von Entwicklerwerkzeugen gibt es die Script-Sammlung umake in dem neuen Paket „ubuntudeveloper-tools-center“.

Die Menüs der Programme zeigt Ubuntu weiterhin im oberen Hauptpanel an. In den zuvor veröffentlichen Betaversionen war angedacht, stattdessen Programmmenüs standardmäßig in der Titelleiste eines Fensters anzuzeigen. Diese Option gibt es schon seit Ubuntu 14.04. Weil diese Menüform aber noch nicht mit allen Programmen gut zusammenspielt, ließ Mark Shuttleworth diese Änderung an der Standardeinstellung in letzter Minute fallen. Über „Systemeinstellungen -> Darstellung -> Verhalten“ kann man die Option „In der Titelleiste des Fensters“ manuell aktivieren.

Das Anwendungsmenü von Programmen ist in Ubuntu ab Werk nicht in den Fenstertitel gewandert.
Vergrößern Das Anwendungsmenü von Programmen ist in Ubuntu ab Werk nicht in den Fenstertitel gewandert.

Systemd: Das neue Init-System von Ubuntu

Entscheidender Anstoß für Ubuntu, das Init-System nach Systemd zu wechseln, war eine entsprechende Ankündigung der Debian -Entwickler. Da Ubuntu viele grundlegende Pakete von Debian übernimmt, profitiert die Distribution unmittelbar von der Vorarbeit, die bereits von den Debian-Entwicklern geleistet wurde. Systemd ersetzt nun in Ubuntu bei Systemdiensten das Init-System Upstart, das bereits seit Ubuntu 6.10 (Veröffentlichung am 26. Oktober 2006) im Einsatz war. Auf Anwender, die Ubuntu als Server einsetzen, kommen damit einige Änderungen in der Diensteverwaltung per Kommandozeile zu, denn das neue Werkzeug zum manuellen Ein- und Ausschalten von Systemdiensten nennt sich jetzt systemctl. Desktop-Anwendern dürfte der Umbau kaum auffallen – abgesehen von den eventuell schnelleren Bootzeiten des Systems.

Das Werkzeug systemctl übernimmt in der Ubuntu-Kommandozeile wie in Fedora, Open Suse und Debian 8 den Start und Stopp von Diensten.
Vergrößern Das Werkzeug systemctl übernimmt in der Ubuntu-Kommandozeile wie in Fedora, Open Suse und Debian 8 den Start und Stopp von Diensten.

Aktualisierte Software in Ubuntu

Das vorinstallierte Repertoire von Anwendungen und die Paketquellen wurden während des halbjährlichen Entwicklungszyklus auf den neuesten Stand gebracht. Der Linux-Kernel arbeitet hier in Version 3.19, ein kleiner Sprung von Kernel 3.16 der vorherigen Ubuntu-Version, der sich vor allem durch eine im Detail verbesserte Hardware-Unterstützung bemerkbar macht. So gibt es eine bessere Lüfterregelung für Nvidia-Grafikkarten und neue Treiber für mehrere Touchpad-Modelle. Besitzer typischer Windows-Notebooks können sich über eine Steuerung der Bildschirmhelligkeit freuen. Libre Office ist in der Version 4.4.2 enthalten, für viele Desktop-Anwender neben dem Browser (hier Firefox 37) das wichtigste Werkzeug für die tägliche Arbeit. Thunderbird liegt in Version 31 vor, und als Mediaplayer sind Rhythmbox 3.1 sowie für Videos Totem 3.14.2 vorinstalliert. Alle Programme lassen sich via Online-Update auf den neuesten Stand bringen.

Ubuntu für Server und Cloud

Jenseits des Desktops kümmert sich Ubuntu jetzt mit drei Ausgaben um Server, Cloud-Instanzen und Mini-PCs. Ubuntu Server ist eine reguläre Variante der Distribution, installiert aber keine grafische Oberfläche und nutzt einen textbasierten Installer, der von Debian übernommen ist.

Neu ist seit Ubuntu 15.04 Snappy Core . Es handelt sich dabei um ein besonders kompaktes Ubuntu-System, das auf den Einsatz in der Cloud und auf Kleingeräten spezialisiert ist. Die Software-Verwaltung nutzt keine DEB-Pakete, sondern ein neues Paketformat namens Snappy. Dahinter steht ein Container-System, das Anwendungen samt Bibliotheken als Apps installiert, während der Betriebssystem-Kernel schreibgeschützt ist. Basissystem und Apps bleiben getrennt, und jede App kann auch leicht wieder entfernt werden, ohne andere Apps zu beeinflussen. Ubuntu Snappy Core gibt es für 64-Bit-Systeme und für die ARM-hf-Architektur, mit der etwa der Raspberry Pi 2 ausgestattet ist.

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