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Ubuntu - So sparen Sie Strom mit Bordmitteln

02.08.2015 | 16:44 Uhr |

Eine Basisausstattung für die Energieverwaltung liefert jede Linux-Desktop-Distribution standardmäßig mit. Sofern diese Funktionen einwandfrei arbeiten, sind sie meist ausreichend für ökonomisches Arbeiten und lange Akkulaufzeiten.

Das Standard- Ubuntu mit Unity-Oberfläche, ähnlich Xubuntu und Lubuntu sowie Linux Mint beschränken sich auf wenige und sehr einfache Engergiesparoptionen, die aber mit Bildschirmabschaltung und dem S3-Suspend-Modus („Bereitschaft“) das größte Einsparpotenzial besitzen. Bevor Sie aber mit dem Ausschöpfen Ihres Energie-Spar-Potentials beginnen, sollten Sie wissen, welche stromsparenden Zustände Linux von Haus aus überhaupt mitbringt.

So sparen Sie Strom mit Ubuntu und Linux Mint

Unter den Systemeinstellungen (Ubuntu: unity-control-center; Linux Mint: cinnamon-settings) bieten die bekanntesten Desktop-Systeme das Applet „Leistung“ beziehungsweise „Energieverwaltung“. Unter Ubuntu geht es hier ausschließlich um den Timer für den Bereitschaftsmodus (S3, Suspend to RAM). Nach der angegebenen Frist geht der Rechner in stromsparende Bereitschaft, sofern in dieser Frist keine Input-Aktivität festgestellt wurde (Maus und Tastatur).

Für die Helligkeitsregelung, die sich ebenfalls deutlich auf den Stromverbrauch auswirkt, hat Ubuntu/Unity in den Systemeinstellungen sein Extra-Applet „Helligkeit und Sperren“. Neben einem allgemeinen Helligkeitsregler gibt es die nützliche Option „Bildschirm abdunkeln“, ferner auch hier wieder einen Timer für das Abschalten des Displays bei Inaktivität. In der Regel wird man für den Bereitschaftsmodus eine längere Wartezeit ansetzen als für das Abschalten des Displays.

In Linux Mint sind beide Optionen – Bereitschaft und Monitorabschaltung – auf der Seite „Energieverwaltung“ an Ort und Stelle. Andere Linux-Oberflächen bieten vergleichbare grafische Zentralen, sehr übersichtlich etwa der xfce4-power-manager für XFCE , der nach Installation als „Energieverwaltung“ im Startmenü zu finden ist. Das einschlägige Tool powerdevil5 für KDE („Systemeinstellungen > Erweitert > Energieverwaltung“) ist mit Abstand das Werkzeug mit den differenziertesten, aber auch kompliziertesten Einstellungsmöglichkeiten.

Der Effekt der Maßnahmen: Im S3- Modus („Bereitschaft“) verbrauchen Notebooks und PCs nur noch minimale 0,5 bis ein Watt die Stunde. Und die Leistungsaufnahme zwischen einem maximal hellen Notebook-Display und einem maximal abgedunkelten unterscheidet sich um drei bis vier Watt, das sind satte 25 Prozent bezogen auf den typischen Verbrauch eines Notebooks insgesamt. Der genaue Wert hängt natürlich nicht zuletzt von der Größe des Bildschirms ab. Wer es auf seinem Notebook genau wissen möchte, kann im Netzbetrieb mit einem einfachen Strommessgerät nachmessen (ab zehn Euro), im Akkubetrieb geht es noch bequemer mit dem Linux-Tool Powerstat.

Tipp: Weitere Stellschrauben zum Strom-Sparen finden Sie eventuell unter BIOS .

Zustand des Akkus unter Linux erfragen

Der Akku-Indikator im Ubuntu-Hauptpanel kann mehr, als es auf den ersten Blick erscheint. Wenn Sie das Symbol anklicken, dann den obersten Menüeintrag „Akku“ nochmal anklicken, erscheint das Fenster „Energiestatistiken“. Diese Statistiken sind alternativ auch über das Dash („Energie“) oder im Terminal mit gnome-powerstatistics erreichbar. Neben vielen eher belanglosen Infos zeigt „Laptop-Akku > Details“ die beiden Werte „Energie (Design)“ und „Energie wenn vollständig geladen“. Der erste ist ein idealer Referenzwert, der zweite zeigt die reale Akkuladekapazität. Ist die Differenz an dieser Stelle gravierend, sollten Sie den Nachkauf eines neuen Akkus erwägen.

Diese Werte sind auch auf der Kommandozeile mit

upower –monitor-detail  

zu erfragen und damit auch auf anderen Linux-Systemen verfügbar. Die Ausgabe ist hier englischsprachig und als „energy-full“ (real) und „energyfull- design“ (ideal) angegeben. Das Kommando-Tool upower ist meist Standard oder zumindest aus den Repositories abrufbar.

Tolerierbare Differenz: Die „Energiestatistiken“ oder das Kommandowerkzeug upower zeigen die reale Ladefähigkeit des Akkus und den idealen Referenzwert.
Vergrößern Tolerierbare Differenz: Die „Energiestatistiken“ oder das Kommandowerkzeug upower zeigen die reale Ladefähigkeit des Akkus und den idealen Referenzwert.

Suspend und Hibernate testen und nutzen

Von den beiden effektiven Schlafzuständen „Bereitschaft“ (Suspend to RAM, S3 mit minimalem Stromverbrauch) und „Hibernate“ (Suspend to Disk, S4 ohne Stromverbrauch) bieten Ubuntu und Mint offiziell lediglich die „Bereitschaft“ in den Systemeinstellungen an. Nun kann es aber sein, dass der Rechner diese „Bereitschaft“ gar nicht unterstützt und nach dem Aufwachen der Bildschirm schwarz bleibt. Damit dies nicht mit wichtigen geöffneten Daten geschieht, sollten Sie die Funktion immer erst testen, bevor Sie sie aktivieren. Dabei können die Terminal-Befehle

pm-is-supported –-suspend  pm-is-supported --hibernate  

helfen und per Exit-Code mitteilen, ob der Rechner diese Zustände unterstützt. Ist der Exit-Code (zu erfragen mit nachfolgendem „echo $?“) gleich „0“, wird der abgefragte Zustand unterstützt, bei Exit-Code „1“ hingegen nicht. Ein positiver Exit-Code 0 heißt aber vorerst nur, dass das Notebook oder der PC den Energiezustand im Prinzip beherrschen. Gewissheit erhalten Sie, indem Sie die Zustände einfach manuell erzwingen und dann das Gerät wieder aufwecken. Dies erledigen Sie ohne geöffnete Daten und Programme, sodass auch bei Misserfolg keine Daten verlorengehen. Der Terminal-Befehl mit root-Rechten

sudo pm-suspend 

löst die „Bereitschaft“ aus. Wenn das Notebook danach per Tastendruck erfolgreich startet, können Sie diesen Ruhezustand in den Systemeinstellungen unbesorgt aktivieren. Der Befehl

sudo pm-hibernate  

erzwingt ein Suspend to Disk, was auf die Swap-Partition erfolgt und daher eine solche voraussetzt. Mit diesem zweiten Befehl (sofern das Aufwachen gelingt) können Sie auf der Kommandozeile ein Hibernate erreichen, was Ubuntu und Co. an der Oberfläche nicht mehr anbieten. Außerdem ist es eine gute, wenn auch beim Aufwachen etwas langsamere Alternative, wenn ein Notebook den Bereitschaftsmodus nicht unterstützt.

Strommessgerät: Wem die Mittel der Software- Analyse nicht ausreichen, erhält ab zehn Euro ein Messgerät. Das abgebildete Voltcraft-Gerät ist mit 35 Euro relativ teuer, aber vorbildlich exakt.
Vergrößern Strommessgerät: Wem die Mittel der Software- Analyse nicht ausreichen, erhält ab zehn Euro ein Messgerät. Das abgebildete Voltcraft-Gerät ist mit 35 Euro relativ teuer, aber vorbildlich exakt.

Troubleshooting des Suspend-Modus („Bereitschaft“)

Wenn der Befehl pm-is-supported --suspend dem Gerät die betreffende Fähigkeit bescheinigt, der praktische Versuch aber dennoch scheitert, helfen meistens kleine Nachbesserungen. Ein typisches Symptom ist das hörbare Aufwachen des Rechners aus der Bereitschaft, wonach aber der Bildschirm schwarz bleibt. Hier hilft der Wechsel zu einem proprietären Grafiktreiber: In Ubuntu verwenden Sie „Systemeinstellungen > Software & Aktualisierungen > Zusätzliche Treiber“, unter Linux Mint das Applet „Systemeinstellungen > Gerätetreiber“. Machen Sie nach der Installation des Treibers erst einen Neustart, bevor Sie die „Bereitschaft“ über das Sitzungsmenü von Ubuntu oder im Hauptmenü von Linux Mint testen.

Ein weiterer möglicher Grund für das Scheitern des grafischen X-Servers beim Aufwachen sind Desktop-Effekte, die mit dem beliebten Zusatz-Tool Ccsm (CompizConfig-Settings-Manager) aktiviert wurden. Wer das Stromsparen priorisiert, sollte die Effekte schrittweise abschalten und den Erfolg testen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 3/2015

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