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Ubuntu: Sechs praktische Tipps zum Desktop-Tuning

27.04.2015 | 12:24 Uhr |

Der Ubuntu Standard-Desktop heißt Unity, und der geizt bekanntlich mit Einstellungsoptionen. Mit zusätzlichen Tools und einigen Tricks lässt sich aber auch ein Ubuntu-Desktop individuell anpassen.

Tipp 1: So entfernen Sie die Online-Suchergebnisse

Hauptmerkmal der Unity-Oberfläche ist die Starterleiste am linken Rand. Das oberste Icon in der Starterleiste ruft die Dash-Startseite auf. Tippen Sie einen Suchbegriff ein, um weitere Anwendungen zu finden. Die Suche berücksichtigt nicht nur die tatsächlichen Programmnamen, sondern auch beschreibende Namen und Synonyme. Geben Sie beispielsweise „akt“ für „Aktualisierung“ ein. Im Suchergebnis taucht dann die „Aktualisierungsverwaltung“ auf. Sie können aber auch nach „upd“ für „Update“ suchen und sehen dann ebenfalls die „Aktualisierungsverwaltung“.

Die Suche bezieht jedoch, was viele Nutzer stört, auch Online-Quellen mit ein. Nach einem Klick auf „Suchergebnisse filtern“ sehen Sie, woher die Ergebnisse stammen, beispielsweise von Amazon oder Ebay. Per Klick auf die Schaltfläche können Sie einzelne Quellen einbeziehen oder ausschließen.

Wer grundsätzlich nicht möchte, dass Suchanfragen an Online-Anbieter weitergeleitet werden, kann die Funktion deaktivieren. Sie finden Sie unter „Systemeinstellungen -> Sicherheit & Datenschutz -> Suche“. Setzen Sie hier den Schalter hinter „Auch Online-Suchergebnisse verarbeiten“ auf „Aus“. Die Änderung gilt erst ab der nächsten Anmeldung.

In den Filteroptionen tauchen danach immer noch einige Online-Dienste auf. Um auch diese zu entfernen, geben Sie im Terminal die folgenden zwei Befehle ein:

wget www.pcwelt.de/z8q6 -O Find Scopes.sh chmod 775 FindScopes.sh

aus (das „-O“ ist ein Großbuchstabe). Starten Sie das Script mit

./FindScopes.sh

Es durchsucht die Dateien unter „/usr/share/unity/scopes“ und gibt die Dateinamen aus. Die Scope-Dateien enthalten die Infos für die Suchfunktion. Öffnen Sie das Script mit

gedit FindScopes.sh

im Editor. Setzen Sie ein Kommentarzeichen („#“) vor die Zeile, die mit „find“ beginnt, und entfernen Sie es andererseits vor „#gesettings“. Die Angaben hinter „gsettings“ enthalten bereits eine Standardliste mit Scope-Dateien. Ergänzen Sie die Liste mit den Namen aus der zuvor durchgeführten Suche, und entfernen Sie umgekehrt alle aus der Liste, die Sie behalten möchten. Danach speichern Sie das Shell-Script und starten es erneut, um die Einstellungen anzuwenden.

Das Ganze lässt sich auch mit dem grafischen dconf-editor erledigen, wobei Sie aber die Einträge manuell vornehmen müssen. Das Tool ist über das Software-Center schnell installiert. Navigieren Sie im Baum zu „com -> canonical -> Unity -> Lenses“. Unter „disabled-scopes“ tragen Sie alle unerwünschten Suchquellen ein und schalten diese damit ab.

Wer die Scopes jemals wieder vermissen sollte, kann den Ubuntu-Standard mit dem Terminal-Befehl

gsettings set com.canonical.Unity.Lenses disabled-scopes "[]"

jederzeit wiederherstellen.

Diese Ubuntu-Desktop-Varianten gibt es

Tipp 2: Unity-Desktop als universelle Ablage

Starter auf dem Desktop: Kopieren Sie einfach die gewünschte Starter-Datei aus dem Verzeichnis „/usr/share/applications“ mit Strg-C und Strg-V auf den Desktop.
Vergrößern Starter auf dem Desktop: Kopieren Sie einfach die gewünschte Starter-Datei aus dem Verzeichnis „/usr/share/applications“ mit Strg-C und Strg-V auf den Desktop.

In die Starterleiste sind neue Programme schnell aufgenommen. Dazu suchen Sie die gewünschte Anwendung über das Dash und ziehen sie auf die Leiste. Per Drag & Drop sortieren Sie die Icons um, und über den Kontextmenüpunkt „Aus Starter entfernen“ löschen Sie sie wieder. Anders steht es mit dem Ubuntu-Desktop: Der ist erst einmal komplett leer, und offiziell bietet Unity keine einfache Möglichkeit, hier Verknüpfungen zu Programmen oder Ordnern anzulegen.

Über den Dateimanager Nautilus lassen sich aber Verknüpfungen erstellen und auf den Desktop verschieben. Klicken Sie einen Ordner oder eine Datei mit der rechten Maustaste an, und wählen Sie im Kontextmenü „Verknüpfung anlegen“. Die Verknüpfung entsteht in dem Verzeichnis, in dem Sie sich aktuell befinden. Verschieben Sie sie mit der Maus auf den Desktop.

Programmstarter auf dem Desktop: Programmstarter bestehen aus einer Textdatei mit der Endung .desktop. Einige dieser Dateien liegen bereits im Verzeichnis „/usr/share/applications“. Um sie auf den Desktop zu befördern, kopieren Sie die gewünschte Datei im Dateimanager Nautilus mit der Tastenkombination Strg-C, gehen dann zum Desktop und fügen sie dort mit Strg-V ein. Ist auf Ihrem System keine .desktop-Datei vorhanden, hilft das Tool Arronax weiter. Es ist im Repository von Ubuntu nicht vorhanden. Deshalb installieren Sie es über die folgenden drei Zeilen im Terminal:

sudo add-apt-repository ppa:diesch/testing sudo apt-get update sudo apt-get install arronax

Starten Sie das Tool Arronax dann über die Dash-Suche. Füllen Sie mindestens die Felder hinter „Titel:“ und „Befehl:“ aus.

Bei „Befehl“ reicht meist der Programmname, etwa „gedit“ oder „firefox“. Sollte das nicht funktionieren, suchen Sie die ausführbare Datei über die Schaltfläche „Auswählen“. Per Klick auf die graue Schaltfläche auf der linken Seite suchen Sie nach einer Datei für das Icon, die Sie beispielsweise unter „/usr/share/icons“ oder „/usr/share/pixmaps“ finden.

Tipp 3: Weitere Themen für die Unity-Oberfläche

Neue Icons: Die runden Symbole für die Starterleiste und die Desktop-Icons verhelfen Ubuntu zu einem völlig neuen Erscheinungsbild.
Vergrößern Neue Icons: Die runden Symbole für die Starterleiste und die Desktop-Icons verhelfen Ubuntu zu einem völlig neuen Erscheinungsbild.

Ubuntu bietet nur drei Desktop-Themes. Weitere Themes lassen sich aber nachinstallieren. Installieren Sie weitere Themes über das Ubuntu Software Center mit „Gtk+ themes from Shimmer Project“ nach. Die Suche nach „shimmer“ genügt. Das Paket enthält die Themes Albatros, Bluebird, Greybird, Numix und Orion. Zum Einbinden benötigen Sie nach deren Installation das Unity Tweak Tool . Gehen Sie dort auf „Thema“ und wählen Sie das gewünschte aus. Die Änderung sehen Sie sofort nach dem Mausklick. Weitere Themes und Icon-Sammlungen erhalten Sie von https://numixproject.org . Das Repository richten Sie im Terminal über die folgenden drei Zeilen ein:

sudo add-apt-repository ppa:numix/ppa sudo apt-get update sudo apt-get install numix-gtktheme numix-icon-theme numixicon-theme-circle numix-icontheme-bevel

Nach einem Neustart des Unity Tweak Tools gehen Sie auf „Thema“ und wählen „Numix“ in der Liste. Wechseln Sie auf die Registerkarte „Symbole“, und stellen Sie hier beispielsweise „Numi-circle“ ein.

Tipp 4: Desktop mit Systemwerkzeugen konfigurieren

Sparsame Optionen: Unter „Erscheinungsbild“ können Sie nur den Bildschirmhintergrund und die Größe der Startersymbole festlegen sowie zwischen drei Themes wählen.
Vergrößern Sparsame Optionen: Unter „Erscheinungsbild“ können Sie nur den Bildschirmhintergrund und die Größe der Startersymbole festlegen sowie zwischen drei Themes wählen.

Was Ubuntu standardmäßig für die Konfiguration zu bieten hat, rufen Sie über das Zahnradsymbol in der Starterleiste auf. In den „Systemeinstellungen“ legen Sie wichtigsten Einstellungen für Desktop, Maus und Tastatur fest.

Klicken Sie in der Rubrik „Persönlich“ auf „Darstellung“. Hier können Sie das Hintergrundbild, das Desktop-Thema und die Größe der Symbole in der Starterleiste einstellen.

Auf der Registerkarte „Verhalten“ lässt sich über die Option „In der Titelleiste des Fensters“ die Menüposition von der Menüleiste am oberen Bildschirmrand in das Anwendungsfenster verlagern. Klicken Sie auf „Alle Einstellungen“, um zur Übersichtsseite zurückzukehren.

Nach einem Klick auf „Helligkeit und Sperren“ können Sie das Verhalten der automatischen Bildschirmsperre konfigurieren. Hinter „Bildschirm abschalten, wenn inaktiv für:“ stellen Sie bei Bedarf eine längere Zeitspanne ein, oder Sie deaktivieren die Sperre, indem Sie den Schalter auf „Aus“ setzen. Unter „Alle Einstellungen“ gelangen Sie auch zur Konfiguration von „Maus und Touchpad“ und „Tastatur“. Bei „Tastatur“ sehen Sie auf der Registerkarte „Tastaturkürzel“ alle verfügbaren Tastenkombinationen. Um eine zu ändern oder neu zuzuweisen, klicken Sie den gewünschten Eintrag an und drücken eine Tastenkombination. Eine schnelle Übersicht mit allen Tastaturkürzeln erhalten Sie übrigens auch, indem Sie die Windows-Taste – im Ubuntu-Jargon „Super“-Taste – gedrückt halten.

Ubuntu ohne Unity: Xubuntu und Kubuntu

Tipp 5: Desktop-Tuning mit Unity Tweak Tool

Mehr Konfigurieren: Unity Tweak Tool bietet umfangreiche Optionen, die Sie in den Ubuntu-Systemeinstellungen vergeblich suchen.
Vergrößern Mehr Konfigurieren: Unity Tweak Tool bietet umfangreiche Optionen, die Sie in den Ubuntu-Systemeinstellungen vergeblich suchen.

Von Haus aus bietet Ubuntu nur wenige Optionen für die Konfiguration des Desktops. Mit einem zusätzlichen Tool haben Sie deutlich mehr Einstellmöglichkeiten: Das Unity-Tweak-Tool ist unter Ubuntu in der Regel unentbehrlich. Das Unity Tweak Tool bietet zahlreiche Optionen, um das Aussehen und Verhalten des Unity-Desktops anzupassen. Installieren Sie es über das Ubuntu Software Center nach.

Das Konfigurationswerkzeug zeigt eine ähnliche Optik wie die Ubuntu- Systemeinstellungen und ist auch ähnlich zu bedienen. Einstellungen, die deutlich über optische Anpassungen hinausgehen, finden Sie insbesondere unter „Fensterverwaltung“ und „System“. Hier richten Sie etwa die Anzahl der virtuellen Desktops („Arbeitsflächen-Einstellungen“), die Funktion der „Aktiven Ecken“ oder das Einrastverhalten von verschobenen Fenstern ein.

Unter „System“ definieren Sie Standardsymbole wie Papierkorb oder Netzwerk für den Desktop. Ein wichtiger Punkt ist ferner „Erscheinungsbild -> Schriften“, da Sie hier mit einer kleineren oder größeren „Standardschrift“ die Darstellung aller Menüs und Icon-Beschriftungen maßgeblich verändern.

Eine weitere nützliche Einstellung sehen Sie nach einem Klick auf „Bildlauf“ unter „System“. Aktivieren Sie hier die Option „Rückwärtskompatibilität“. Die Bildlaufleiste wird dann nicht mehr rechts vom Fenster automatisch ein- und ausgeblendet, sondern ist dauerhaft am Fensterrand zu sehen. Viele Benutzer wünschen, dass sich die Schaltflächen für „Schließen“, „Minimieren“ und „Maximieren“ wie von anderen Systemen gewohnt am rechten statt am linken Rand des Fensters zeigen. Die betreffende Einstellung finden Sie nach einem Klick auf „Fensterbedienelemente“. Wählen Sie die Option „Rechts“. Diese Einstellung wirkt sich allerdings nur bis Ubuntu 13.04 aus. In späteren Versionen funktioniert das nicht mehr, weil die Schaltflächen hier anders erzeugt werden und die Position sich nicht mehr ändern lässt.

Starterleiste konfigurieren: Per Klick auf „Starter“ erreichen Sie die Einstellungen für die Unity-Starterleiste. Hier legen Sie beispielsweise die Transparenzstufe und die Hintergrundfarbe der Leiste fest. Auf den Registerkarten „Suchen“ lässt sich die Integration von Online-Quellen in die Dash-Suche ähnlich wie unter „Suche nach Programmen“ beschrieben konfigurieren. Entfernen Sie das Häkchen vor „Online-Quellen durchsuchen“, um die Suche auf lokale Dateien zu beschränken. Zusätzlich lässt sich hier auch „Mehr Empfehlungen anzeigen“ und „Kürzlich verwendete Anwendungen anzeigen“ deaktivieren.

Tipp 6: Schickes Starter-Dock oder klassisch einfaches Startmenü

Neue Starterleiste: Beim Duck-Launcher – hier in Kombination mit den Icons aus dem Numix-Theme – lassen sich die Farben fast beliebig anpassen
Vergrößern Neue Starterleiste: Beim Duck-Launcher – hier in Kombination mit den Icons aus dem Numix-Theme – lassen sich die Farben fast beliebig anpassen

Die Unity-Starterleiste sagt Ihnen generell nicht zu? Sie können alternativ einfach andere Programmstarter verwenden.

Wenn Sie einen einfachen, funktionalen Programmstarter bevorzugen, sollten Sie den ClassicMenu-Indicator nachinstallieren. Dieses Element für das Haupt-Panel oben finden Sie wie weitere Panel-Elemente im Ubuntu Software Center, indem Sie nach „indicator“ suchen. Nach der Installation des kleinen Tools melden Sie neu an. Über das neue Icon im Haupt-Panel am oberen Bildschirmrand rufen Sie ein kaskadierendes Menü auf, wie es von Gnome 2 her bekannt ist. Es zeigt alle installierten Programme und gliedert diese nach Kategorien wie „Büro“, „Multimedia“ oder „Internet“.

Duck-Launcher: Ein anspruchsvollerer Starter ist der Duck-Launcher für Ubuntu. Rufen Sie zuerst die Systemeinstellungen auf, und gehen Sie auf „Darstellung -> Verhalten“. Setzen Sie den Schalter hinter „Den Starter automatisch ausblenden“ auf „An“. Den Starter können Sie danach immer noch über die Windows-Taste einblenden. Öffnen Sie dann ein Terminal-Fenster und führen Sie die folgenden Befehlszeilen aus:

sudo add-apt-repository ppa:theduck/launcher sudo apt-get update sudo apt-get install duck-launcher

Starten Sie dann das Programm ducklauncher über die Dash-Suche (Win-Taste). Sie sehen jetzt eine neue Leiste am linken Bildschirmrand. Klicken Sie hier auf das „A“. Damit blenden Sie eine Programmübersicht ein. Tippen Sie einfach drauflos, um nach einem Programm zu suchen, oder scrollen Sie mit dem Mausrad durch die Liste. Per Klick auf das Zahnradsymbol gelangen Sie zu den Einstellungen des Docks. Hier lassen sich die Farben für Vorder- und Hintergrund der Leiste, die Breite sowie die Icon-Größe beliebig anpassen. Unter „Dock Apps“ bestimmen Sie per Mausklick, welche Programme in der Leiste auftauchen sollen. Nach einem erneuten Klick verschwinden sie wieder.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 1/2015

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