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Ubuntu mit nützlichen Tweaking-Tools tunen

13.10.2014 | 14:03 Uhr |

Ubuntus Systemeinstellungen haben eine klare Aussage: Der Anwender soll sich um Wichtigeres kümmern und nicht am System schrauben. Etwas mehr darf’s dann aber doch sein: Bewährte Tools füllen die Lücke.

Verglichen mit Yast in Open Suse oder dem Kontrollzentrum von Linux Mint sind die Tuning-Möglichkeiten unter Ubuntu karg. Für Linux-Anfänger ist das gar nicht verkehrt, denn wer nicht herumschraubt, kann auch nichts kaputtmachen. Einige Optionen zum Individualisieren der Ubuntu-Oberfläche gibt es in den „Systemeinstellungen“ jedoch durchaus, den Rest besorgen Zusatz-Tools. Die unter Punkt 1 und 2 genannten Maßnahmen eignen sich auch für Neueinsteiger.

1. Kleine Unity-Nervereien abstellen

Die folgenden Unity-Eigenheiten können Sie mit Ubuntu-Bordmitteln beseitigen:

• Da die Starterleiste nicht viel Platz bietet, sind kleinere Symbole von Vorteil. Dies korrigieren Sie mit dem Schieberegler unter „Systemeinstellungen ➞ Darstellung ➞ Erscheinungsbild“.

• Die Dash-Suche zeigt standardmäßig Ergebnisse von Amazon und Ubuntu One. Um diese auf die reine PC-Suche einzuschränken, schalten Sie unter „Systemeinstellungen ➞ Sicherheit & Datenschutz ➞ Suche“ folgende Option ab: „Auch Online-Suchergebnisse verarbeiten“.

• Um die lästige Fehlerberichterstattung abzuschalten, ist ein winziger Eingriff in eine Systemdatei notwendig:

sudo gedit /etc/default/apport

Hier setzen Sie die einzige nicht auskommentierte Zeile „enabled=1“ auf „0“.

Reichhaltige Optionen: Das Unity Tweak Tool ist angesichts spärlicher Bordmittel fast unverzichtbar. Im Unterschied zu anderen Tools ist der Einsatz einfach und sicher.
Vergrößern Reichhaltige Optionen: Das Unity Tweak Tool ist angesichts spärlicher Bordmittel fast unverzichtbar. Im Unterschied zu anderen Tools ist der Einsatz einfach und sicher.

2. Tweak-Tools mit weitreichendem Umfang

Mit dem Gnome Tweak Tool (Deutsch: „Optimierungswerkzeug“) und dem Unity Tweak Tool stehen zwei bewährte Werkzeuge bei Fuß, um Unity auf die Sprünge zu helfen. Das Gnome Tweak Tool erwähnen wir nur aufgrund seiner Prominenz – tatsächlich ist es durch das spezialisiertere und optionsreichere Unity Tweak Tool unter Ubuntu obsolet: Installieren Sie Letzteres über das Software-Center oder mit

sudo apt-get install unity-tweak-tool

im Terminal.

Einstellungen, die deutlich über optische Anpassungen hinausgehen, finden Sie insbesondere unter „Fensterverwaltung“ und „System“. Hier richten Sie beispielsweise die Anzahl der virtuellen Desktops („Arbeitsflächen-Einstellungen“), die Funktion der „Aktiven Ecken“ oder das Einrastverhalten von verschobenen Fenstern ein. Unter „System“ definieren Sie Standardsymbole wie Papierkorb oder Netzwerk für den Desktop. Ein wichtiger Punkt ist ferner „Erscheinungsbild ➞ Schriften“, da Sie hier mit einer kleineren oder größeren „Standardschrift“ die Darstellung aller Menüs und Icon-Beschriftungen maßgeblich verändern.

So klappen die ersten Schritte mit Ubuntu

3. Konfiguration mit dem Dconf-Editor

Dconf nennt sich das Konfigurationssystem von Gnome-basierten Oberflächen wie Unity. Die maßgebliche Konfigurationsdatei ~/.config/dconf/user lässt sich mit dem Kommandozeilenprogramm „gsettings“ vollständig, mit dem grafischen Werkzeug „dconf-editor“ zu großen Teilen bearbeiten. Dieser Editor ist vorinstalliert, lässt sich andernfalls aber mit

sudo apt-get install dconf-editor

leicht nachrüsten.

Der hierarchische Aufbau hat gewisse Ähnlichkeiten mit der Windows-Registry. Lohnendes Ziel ist etwa „com ➞ canonical ➞ desktop“, wo Sie etwa unter „interface à scrollbar-mode“ die oft lästigen Scroll-Elemente im Dateimanager entsorgen (mit dem Wert „normal“). Unter „com ➞ canonical ➞ indicator“ bearbeiten Sie die Symbole in der Hauptleiste rechts oben. Aussehen und Verhalten vieler Programme tunen Sie unter „org ➞ gnome ➞ [Programm]“, so etwa auch den Dateimanager Nautilus. Durch einen Doppelklick auf einen Eintrag im Wertebereich kommen Sie in den Editiermodus, den Sie nach getaner Arbeit mit der Taste Return abschließen. Viele Einstellungen wirken sofort, einige erfordern eine Neuanmeldung. Da es sich oft um Boolesche Entscheidungen handelt und in anderen Fällen oft ein Angebot der möglichen Werte erscheint, ist die Bearbeitung kein Rätselspiel.

4. Konfiguration mit dem Werkzeug CCSM

Ubuntu nutzt als Fenster-Manager die Komponente Compiz. Für diesen Fenster-Manager gibt es das Tuning-Werkzeug Compiz Config Settings Manager (CCSM), das Sie mit

sudo apt-get install compizconfig-settings-manager

im Terminal oder auch in der Software-Zentrale nachinstallieren können. Das Tool bietet zahllose Einstellungen zum Aussehen und Verhalten von Fenster, Arbeitsflächen, Starterleiste, Maus und Tastatur. Unerfahrene Benutzer handeln sich im Handumdrehen größere Probleme ein, indem sie unverzichtbare GUI-Elemente abschalten. Für den Pannenfall sollte man sich schon mal den Gang zur virtuellen Konsole (Strg-Alt-F1) und den Befehl

unity --reset

vormerken. Wer ganz sicher gehen will, bleibt besser beim unter Punkt 2 genannten „Unity Tweak Tool“, das eine Teilmenge der CCSM-Optionen bietet.

Wir nennen hier nur einige Beispiele der CCSM-Optionen:

  • Unter „Ubuntu Unity Plugin ➞ Launcher“ setzen Sie neben „Launcher Icon Size“ die Größe der Symbole in der Starterleiste fast nach Belieben (Minimum ist 8 Pixel).

  • Unter „Ubuntu Unity Plugin ➞ Menus“ stellen Sie unter anderem eine Ausblendzeit („Fade-out-Duration“) für die Programmmenüs im Haupt-Panel ein. Eine Einblendzeit ist nicht sinnvoll (allerdings möglich), weil Sie beim „Mouse over“ das Menü normalerweise sofort nutzen möchten.

  • Unter „Arbeitsfläche ➞ Expo > Verhalten“ (und „Erscheinung“) lässt sich das Umschalten auf andere Arbeitsflächen detailliert anpassen (Animation, Perspektive und weitere Effekte).

  • Unter „Effekte ➞ Animations“ definieren Sie Effekte und Deformationen für alle Fensteraktionen wie Öffnen, Schließen, Minimieren oder Fokusänderung. Wer damit immer noch nicht zufrieden ist, der darf die Effekte auf der Registerkarte „Effect Settings“ auch noch individuell anpassen.

Diese drei Systemzentralen bietet Ubuntu

Erweiterte Kontextmenüs: Das spezialisierte Zusatz-Tool Nautilus-Actions bearbeitet ausschließlich das Kontextmenü-Angebot des Ubuntu-Dateimanagers.
Vergrößern Erweiterte Kontextmenüs: Das spezialisierte Zusatz-Tool Nautilus-Actions bearbeitet ausschließlich das Kontextmenü-Angebot des Ubuntu-Dateimanagers.

Dateimanager-Tuning

Ubuntus Dateimanager Nautilus zeigt nach Rechtsklick die wichtigsten Standardoptionen für Ordner und Dateien. Das Erweitern der Kontextoptionen ist nicht vorgesehen, aber mit einem grafischen Tool sehr wohl möglich. Mit

sudo apt-get install nautilus-actions

installieren Sie das Bastlerwerkzeug und starten es mit dem Befehl

nautilus-actions-config-tool

Für erste Versuche empfiehlt es sich, nur die absolut notwendigen Registerkarten „Aktion“ und „Befehl“ zu verwenden: Unter „Aktion“ muss nur das oberste Kästchen „Eintrag im Auswahl-Kontextmenü anzeigen“ aktiviert und ein Name („Kontextbezeichner“) definiert sein. Unter „Befehl“ geben Sie den kompletten Pfad zum gewünschten Programm ein, „Parameter“ sind je nach Programm sinnvoll bis notwendig.

Neben dem Arbeitsordner sollten Sie stets die Variable „%d“ eintragen, da viele Programme ohne diese Angabe die Arbeit verweigern. Unter „Basisnamen“, „MIME-Typen“, „Ordner“ lassen sich die Kontextmenüs gezielt filtern: Wird für ein Menü etwa als Basisname „*.zip“ eingestellt, so erscheint die Menüoption nur bei Zip-Dateien. Eine wichtige globale Option finden Sie unter „Bearbeiten ➞ Einstellungen“: Dort lässt sich ein „Basismenü“ für die selbsterstellten Optionen anlegen oder eben nicht. Das Basismenü fasst alle eigenen Menüs in einem Hauptpunkt „Nautilus-Actions“ zusammen, andernfalls landen die zusätzlichen Optionen einzeln im Kontextmenü. Für einige wenige Einträge ist die zweite Möglichkeit die einfachere.

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