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Mit Ubuntu in den Alltag einsteigen

11.10.2014 | 09:26 Uhr |

Ubuntu installieren – und sofort loslegen: Wir zeigen Ihnen, wie Sie Standardaufgaben, die Sie bisher unter Windows erledigt haben, problemlos auch mit Ubuntu angehen.

Mit der installierten Software nach dem erfolgreichen Ubuntu-Setup sind Sie für alle wesentlichen Aufgaben gerüstet. Es gibt für die ganze multifunktionale Einsatzbreite eines PCs oder Notebooks pragmatisch einfache, gute bis exzellente Software. Der folgende Überblick orientiert sich an konkreten und typischen Aufgaben, die Sie bislang unter Windows erledigt haben und nun unter Ubuntu ausführen wollen.

Für jeden Dateityp die richtige Software: Neben einer globalen Einstellung in den „Systemeinstellungen“ lassen sich über „Eigenschaften - Öffnen mit“ detailliert Dateitypen zuweisen.
Vergrößern Für jeden Dateityp die richtige Software: Neben einer globalen Einstellung in den „Systemeinstellungen“ lassen sich über „Eigenschaften - Öffnen mit“ detailliert Dateitypen zuweisen.

1. Benutzerdateien sämtlicher Couleur nutzen

Ob auf dem lokalen Ubuntu-Rechner oder irgendwo im Netz: Jeder hat Dokumente und Medien aller möglichen Formate herumliegen, die er auch unter einem neuen System nutzen will. Die folgende Zusammenstellung zeigt, mit welcher Software Sie welche Dateiformate unter Ubuntu nutzen können. Um vorgegebene Systemstandards umzustellen, gibt es zwei Optionen: Unter „Systemeinstellungen ➞ Details ➞ Vorgabe-Anwendungen“ können Sie grobe Zuordnungen treffen, etwa für „Musik“ den Banshee-Player. Zielgenauer verwenden Sie nach Rechtsklick auf einen Dateityp die Option „Eigenschaften ➞ Öffnen mit“, wählen im Dialog das gewünschte Programm und danach „Als Vorgabe festlegen“.

Microsoft-Office-Dokumente: Das standardmäßig installierte Libre Office lädt und bearbeitet alle Dateien, die mit altem und neuem Microsoft Office erstellt wurden (97 bis 2013). Einzige Ausnahme sind Access-Datenbanken. Bei den jüngeren Microsoft-Komponenten wie Word und Excel gibt es außerdem einige Format- und Chart-Funktionen, die Libre Office nicht adäquat darstellt. Bei nur lesender Nutzung sind diese kleinen Inkompatibilitäten kein Problem, bei der Weiterbearbeitung müssen Sie aber gegebenenfalls nachbessern. Definitiv nicht kompatibel sind VBA-Makroprojekte.Insgesamt bietet Libre Office eine sehr gute Office-Suite mit einer klassischen (statischen) Menüführung und einem durchsichtigen Vorlagenkonzept. Die Suite gibt es auch für Windows, sie zeigt aber unter Linux, dass sie dort zu Hause und deutlich flinker ist.

RTF, Text, PDF, HTML, EPUB: Während für das RTF-Format erneut Libre Office (Writer) zuständig ist, lesen Sie puren Text mit dem Editor Gedit. Für PDF-Dateien ist das Standardprogramm „Dokument-Betrachter“ zuständig, eigentlich Evince. Bei PDFs wie für manches Textformat eignet sich auch ein Browser wie Firefox (Standard) oder Chrome (nachinstallierbar). Für HTML-Dateien ist der Browser Standard. Für EPUB-Bücher ist kein Standardprogramm installiert: Die große Lösung ist das Nachrüsten des kostenlosen Calibre, für gelegentliches Lesen reicht aber eine Erweiterung für Firefox oder Chrome.

Bildformate: Als Viewer für alle Bildformate ist der „Bildbetrachter“ voreingestellt – eigentlich Eog (Eye of Gnome). Dieser Viewer genügt für alle Alltagsansprüche, F5 startet eine Diashow, F9 blendet eine Thumbnail-Übersicht des aktuellen Bildordners ein. Eog ist ein reiner Viewer, der Bilder allenfalls drehen kann. Standardmäßig installiert ist darüber hinaus Shotwell mit einfachen Bearbeitungsfunktionen, das ebenfalls als Standard-Viewer in Betracht kommt. Anspruchsvolle Bildbearbeitung leistet Gimp, das alle verbreiteten Bildformate beherrscht, also auch PSD-Photoshop oder Postscript (PS und EPS).

Musikformate: Installierter Standard-Player ist Banshee, der alle Audioformate abspielt, eine Medienverwaltung mitbringt und zudem CDs rippen kann. Der Alleskönner bietet Zugriff auf Last.fm, sammelt Podcasts ein und integriert Internetradiosender. Im lokalen Netz spielt Banshee auch mit UPnP-Servern.

Videos und DVD: Als Standard-Player ist Totem („Videos“) installiert und voreingestellt. Totem spielt im Prinzip alle Formate ab, besitzt aber nicht annähernd die Fehlertoleranz und den Funktionsumfang von Videolan Client. Der VLC spielt selbst da ab, wo Totem mit „stream errors“ abbricht und sollte aus den Paketquellen nachinstalliert werden („ sudo apt-get install vlc “) sowie als Standard-Player arbeiten. Mit aktiviertem libdvdread4 spielt VLC auch DVDs.

Alles für Web und Mail: Der „Internet“-Filter des Dash zeigt hier die vorinstallierten Standards sowie einige Nachinstallationen wie Filezilla, Pidgin und Zenmap.
Vergrößern Alles für Web und Mail: Der „Internet“-Filter des Dash zeigt hier die vorinstallierten Standards sowie einige Nachinstallationen wie Filezilla, Pidgin und Zenmap.

2. Internet, Mail und Remotedesktop

Als wichtigste Internetprogramme sind Firefox als Browser, Thunderbird als Mail-Client und Empathy als Messenger vorinstalliert. Sofern Sie keine anderen Vorlieben haben, besteht wenig Anlass dazu, diese Standards zu ändern. Firefox und Thunderbird sind unter Windows völlig identisch zu bedienen und erfordern keinerlei Umstellung. Wer den alternativen Messenger Pidgin unter Windows nutzt, hat diesen unter Ubuntu mit „sudo apt-get install pidgin“ rasch nachinstalliert und kann ihn statt Empathy verwenden.

Als Remotedesktop dient der Vino-Server und zur Konfiguration die Vino-Preferences, die Sie im Dash auch als „Freigabe der Arbeitsfläche“ finden. Die Einstellungen sind recht einfach, unter „Sicherheit“ sind Passwort und Zugriffsbestätigung zu empfehlen. Als Zugriffs-Client ist Remmina dabei („Zugriff auf entfernte Arbeitsflächen“), das jedoch keineswegs auf den Vino-Server eingeschränkt ist. Verwenden Sie als Übertragungsprotokoll „VNC“, wenn Sie auf den freigegebenen Desktop eines Ubuntu-PCs zugreifen, hingegen das RDP-Protokoll für den Remotedesktop eines Windows-Rechners. Als „Server“-Angabe ist immer die IP-Adresse zu empfehlen. Der unter Windows beliebte Teamviewer ist übrigens auch als Linux-Variante erhältlich. Ein FTP-Client ist nicht vorinstalliert, wohl weil der Dateimanager Nautilus diese Rolle übernehmen kann. Filezilla, das exakt wie unter Windows funktioniert, ist aber auf Wunsch in Sekunden nachgerüstet.

Diese Ubuntu-Varianten gibt es

3. Die interessantesten Zubehörprogramme

Mit Brasero ist ein Multimedia-Tool zum Brennen von Daten-, Audio- und Video-CDs sowie DVDs vorinstalliert. Es kann auch ISO-Images bootfähig auf optische Datenträger brennen. Zum Erstellen bootfähiger USB-Datenträger gibt es den „Startmedienersteller“ (usb-creator-gtk). Dieses Tool ist keine Empfehlung, sondern sollte durch Unetbootin ersetzt werden. Für gepackte Archive aller Art gibt es die Archivverwaltung (File-Roller). Das Programm beherrscht Linux-typische Archive wie TAR und GZ ebenso wie RAR, ZIP, 7Z oder auch ISO-Images und Windows-CAB-Dateien. Das System-Tool Baobab („Festplattenbelegung analysieren“) bietet Diagramme zur Darstellung der größten Ordner und damit einen guten Überblick über Platzverschwender. Seahorse oder „Passwörter und Verschlüsselung“ versammelt zentral alle Netzwerk- und Internetkennwörter (vom Browser). Es ist damit die erste Anlaufstelle, wenn Sie ein Kennwort vergessen haben.

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