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Mit Samba in Ubuntu Freigaben einrichten

18.06.2014 | 13:01 Uhr |

Zugriffe auf Datenfreigaben im heimischen Netz sind Routine für Linux-Systeme. Wer nur den einen oder anderen Transferordner benötigt, hat keinen Konfigurationsaufwand.

Wer im lokalen Netzwerk mit einem Ubuntu-PC Daten austauschen will, der braucht die Komponente Samba. Das gilt für den Zugriff auf (Windows-)Freigaben wie für eigene Freigaben. Für den Zugriff auf andere Rechner ist Ubuntu standardmäßig konfiguriert, denn der Samba-Client ist ab Installation an Bord. Soll Ubuntu eine Server-Rolle übernehmen, also selbst Ordner freigeben, ist die Installation des Samba-Servers notwendig. Die wird aber komfortabel und automatisch angeboten, sobald Sie eine Freigabe-Aktion starten.

1. Der Zugriff auf freigegebene Daten

Der Zugriff auf andere Windows- oder Linux-Rechner oder NAS-Geräte gelingt sofort ab Standardinstallation. Verwenden Sie dazu den Dateimanager „Dateien“ (Nautilus) über die Starterleiste. Links unten in der Navigationsspalte sehen Sie den Eintrag „Netzwerk durchsuchen“, und ein Klick darauf zeigt die angeschlossenen Linux-Server und NAS-Geräte sowie den Eintrag „Windows-Netzwerk“. Hier finden Sie dann unterhalb der unter Windows eingestellten „Arbeitsgruppe“ die Windows-Rechner und deren Freigaben.

Zugriff auf Windows-PC: Voraussetzung ist eine „saubere“ Windows-Freigabe auf Benutzerebene. Schnickschnack wie die „Heimnetzgruppe“ versteht Ubuntu nicht.
Vergrößern Zugriff auf Windows-PC: Voraussetzung ist eine „saubere“ Windows-Freigabe auf Benutzerebene. Schnickschnack wie die „Heimnetzgruppe“ versteht Ubuntu nicht.

Beachten Sie, dass Ubuntu mit dem übergestülpten Konzept der „Windows-Heimnetzgruppe“ nichts anfangen kann. Ein Linux benötigt saubere Freigaben auf Benutzerebene. Diese erreichen Sie unter Windows, indem Sie über die „Eigenschaften“ eines Ordners die Registerkarte „Freigabe“ aufsuchen und mit der Schaltfläche „Erweiterte Freigabe“ die Berechtigungen für ein Benutzerkonto des Windows-Rechners ausstellen. Sie können auch „Jeder“ wählen – dann darf zwar nicht wirklich „jeder“ zugreifen, aber jedes auf dem Windows-System eingerichtete Benutzerkonto.

Sobald Sie das erste Mal mit dem Ubuntu-Dateimanager auf eine solche Windows-Freigabe klicken, erscheint der Dialog „Für […] wird ein Passwort benötigt“. Hier geben Sie beim Benutzernamen jenes Konto des Windows-Systems ein, für das Sie die Freigabe erlaubt haben. Ferner ist natürlich das Passwort gefragt. Das Feld „Domäne“ benötigt ebenfalls einen Eintrag: Hier geben Sie im privaten LAN immer den Rechnernamen (Host-Namen) des PCs an, auf den Sie zugreifen wollen. Die Anmeldeprozedur ersparen Sie sich künftig, indem Sie unten die Option „Nie vergessen“ wählen. Danach notiert Ubuntu die Anmeldedaten dauerhaft im „Schlüsselbund“ (gnome-keyring). Mit „Verbinden“ gehen Sie anschließend auf die Netzfreigabe.

Anmerkung zum „Schlüsselbund“: Alle gespeicherten Kennwörter im „Schlüsselbund“ können Sie mit dem System-Tool „Passwörter und Verschlüsselung“ (Seahorse) verwalten. Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt die automatische Anmeldung über den „Schlüsselbund“ bei einer LAN-Freigabe für zu unsicher halten, löschen Sie den betreffenden Eintrag einfach mit Seahorse aus der Liste. Windows-Freigaben auf Benutzerebene: Mithilfe von Benutzername (Windows-Konto), Domäne (Windows-Rechnername) sowie Passwort (des Windows-Kontos) erreicht Ubuntu dann die Freigabe.

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Automatisch zum Samba-Server: Beim Versuch, einen Ordner freizugeben, reagiert Ubuntu sofort mit der Nachinstallation der noch fehlenden Komponente.
Vergrößern Automatisch zum Samba-Server: Beim Versuch, einen Ordner freizugeben, reagiert Ubuntu sofort mit der Nachinstallation der noch fehlenden Komponente.

2. Den Ubuntu-PC für Freigaben einrichten

Soll der Ubuntu-Rechner auch seinerseits Ordner für andere Netzgeräte bereitstellen, muss die Server-Komponente von Samba nachgerüstet werden. Das erledigt Ubuntu selbstständig, sobald Sie den ersten Freigabeversuch unternehmen: Klicken Sie mit dem Dateimanager auf „Persönlicher Ordner“ und im Folgenden mit der rechten Maustaste auf einen Unterordner wie beispielsweise „Dokumente“. Das Kontextmenü zeigt unter anderem den Eintrag „Freigabeoptionen“. Wenn Sie „Diesen Ordner freigeben“ wählen, verweist Ubuntu auf den fehlenden Netzwerkfreigabedienst, den Sie mittels der Schaltfläche „Freigabedienst einrichten“ nachinstallieren. Nach einer weiteren Meldung, die das Paket „Samba“ beim Namen nennt, erfolgt die Installation der Server-Komponente. Daraufhin ist eine Neuanmeldung am System erforderlich, und jetzt können Sie die Freigabe tatsächlich einrichten.

Zugriffsrechte festlegen: Standardmäßig haben nur Sie selbst über das Netzwerk Lese- und Schreibzugriff auf den Ordner. Wenn Sie das ändern wollen, setzen Sie ein Häkchen vor „Anderen erlauben, Dateien in diesem Ordner zu erstellen und zu löschen“ oder „Gastzugriff…“ und klicken Sie auf „Freigabe erstellen“. Als Nächstes bestätigen Sie über die Schaltfläche „Die Zugriffsrechte automatisch setzen“ die Rechteänderung auf Dateisystemebene. „Anderen erlauben…“ meint hier (ähnlich der Gruppe „Jeder“ unter Windows) alle Benutzer, die ein Konto auf dem Ubuntu-System besitzen. Der Gastzugriff ermöglicht den Zugriff ohne jede Authentifizierung.

Freigaben über den Ubuntu-Dateimanager sollten, wie beschrieben, den Sicherheitsansprüchen im Hausnetz genügen. Eine differenzierte Rechtevergabe ist hier allerdings nicht vorgesehen. Außerdem werden die Rechte nicht zurückgesetzt, wenn Sie eine Freigabeoption ändern. Wird etwa zuerst der Gastzugriff aktiviert, gibt es nur Lesezugriff auf den Ordner. Wenn Sie aber danach den Lese- und Schreibzugriff für „Andere“ erlauben, gilt dieser auch für Gäste.

3. Grafisches Tool für allgemeine Freigaben

Punkt 2 nannte als Beispielfreigabe nicht zufällig den Ordner „Dokumente“ unter /home. Genau wie unter Windows müssen nämlich bei Ubuntu die Netzrechte mit den lokalen Dateirechten übereinstimmen. Freigaben können also nur funktionieren, wenn der per Samba berechtigte Benutzer auch die lokalen Zugriffsrechte besitzt. Und das ist in der Regel nur im eigenen Home-Verzeichnis der Fall.

Wenn Sie Daten außerhalb von /home freigeben möchten, muss der Dateimanager Nautilus passen. Erfahrene Benutzer erledigen dies mit Terminal-Kommandos, Windows-Umsteiger fahren besser mit dem Paket system-config-samba. Das grafische Tool ist über das Software-Center zu finden oder im Terminal mit

sudo apt-get install system-config-samba

schnell installiert. Das Tool nennt sich unter deutschem Ubuntu „Samba-Server Konfiguration“ und vereinfacht das Freigeben. Für eine neue Freigabe gehen Sie auf „Datei ➞ Share hinzufügen“. Geben Sie hinter „Verzeichnis“ den Ordner an, den Sie freigeben möchten, und hinter „Freigabename“ die Bezeichnung für die Freigabe. Über die Klickboxen bestimmen Sie, ob die Freigabe beschreibbar und sichtbar sein soll. Auf der Registerkarte „Zugang“ bestimmen Sie, wer zugreifen darf.

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Samba und Konten

Unter der Haube ist das Zusammenspiel von Samba-Freigaben und Benutzerkonten nicht trivial, denn der Samba-Server verwaltet Benutzer und Kennwörter unabhängig von der Benutzerverwaltung des Systems. Die Linux-Distributionen Ubuntu, Debian und Linux-Mint sehen jedoch vor, die System- und Samba-Benutzerkonten automatisch zu synchronisieren und damit die Konfiguration zu erleichtern. Hier werden die Linux- und Samba-Passwörter synchronisiert, sobald sich der Benutzer nach einer Samba-Installation das erste Mal anmeldet.

Beachten Sie, dass nur das Systemverwalter-Konto, das Sie anlässlich der Installation erstellt haben, zur Freigabe via Samba berechtigt ist. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass ein Benutzerkonto zur Gruppe „sambashare“ gehören muss, wenn es Daten freigeben will. Das erste erstellte Konto ist unter Ubuntu automatisch Mitglied von „sambashare“. Selbstverständlich kann diese Gruppe weitere Konten aufnehmen, aber für den Hausgebrauch sollte das nicht nötig sein.

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