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Tipps für den Ubuntu-Dateimanager

30.05.2014 | 10:34 Uhr |

Der Dateimanager ist in jedem Betriebssystem der Dreh- und Angelpunkt im Nutzeralltag. Wie Sie unter Ubuntu mit Ordnern, Laufwerken, Dateien und Netzwerken arbeiten, zeigt dieser Beitrag.

Der Standard-Dateimanager unter Ubuntu nennt sich auf deutschen Systemen schlicht „Dateien“, sein eigentlicher Programmname ist „Nautilus“. Er wirkt minimalistisch: Sein „Menü“ verdient den Namen kaum, das Hauptfenster zeigt eine (optionale) Navigationsspalte und das eigentliche Dateifenster. Gerade für Linux-Neueinsteiger ist Nautilus aber wegen seiner Schlichtheit eine gute Wahl, zumal er unter der Haube dann doch weit mehr kann, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

1. Die Ordnerstruktur auf Linux-Systemen

Unter Linux gibt es keine Laufwerksbuchstaben, vielmehr werden alle Medien, Festplatten und Partitionen in einem Mount-Punkt (Ordner) in das Dateisystem eingehängt. Dies geschieht bei internen und externen Partitionen sowie bei optischen Medien automatisch. Selbstverständlich lädt Ubuntu dabei auch NTFS- und FAT32-Medien. Die gemounteten Laufwerke zeigt der Dateimanager in der Navigationsspalte unter „Geräte“. Wenn Sie mit der Maus auf einen Geräte-Eintrag fahren, ohne zu klicken, erfahren Sie auch den jeweiligen Mount-Punkt, etwa /media/[Kontoname]/[Bezeichnung]. Mit eingeblendeter Navigationsspalte – die sich mithilfe der Taste F9 ein- und ausschalten lässt – ist es daher nicht nötig, das Mount-Verzeichnis aufzusuchen: Alle Daten sind über die Geräteliste zu erreichen.

In den Ordnern zeigt Nautilus („Dateien“) unterhalb der Titelleiste den Pfad anhand der Brotkrümelnavigation wie der Windows-Explorer. Die übergeordneten Verzeichnisse sind also je einzeln per Mausklick erreichbar. Um einen Pfad als Textadresse zu kopieren oder einzufügen, nutzen Sie die wichtige Tastenkombination Strg-L. Über die Taste Esc in der Adresszeile kehren Sie zur Breadcrumb-Darstellung zurück. Benutzerdateien und sonstige kontospezifische Dateien (etwa Mail, Browser, Office) befinden sich ausnahmslos im Ordner /home/[Kontoname]. Viele dieser Ordner und Dateien sind versteckt mit führendem Punkt im Namen, lassen sich aber mit der Tastenkombination Strg-H jederzeit ein- oder ausblenden.

Weitere wichtige Ordner unterhalb vom Root-Verzeichnis (/) wie /bin, /sbin, /boot, /etc oder /lib sind für das funktionierende System essentiell, aber aus Anwendersicht nicht von Belang. Im Ernstfall können erfahrene Nutzer dort Bootmanager-, Netzwerk- oder Mount-Einstellungen manuell korrigieren. /media/[Konto] ist das übliche Mount-Verzeichnis für Datenträger, und unter /usr/share/applications finden Sie in Form von Link-Dateien (*.desktop) alle Programme versammelt, die das Dash oder alternative Menüs suchen und darstellen. Wer sich über sämtliche Tools auch der Kommandozeile informieren will, findet diese unter /usr/bin und /usr/sbin.

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2. Arbeiten mit Dateien und Ordnern

Kopieren, Verschieben und Löschen mit Nautilus ist einfach. Sie markieren mit den Tasten Strg (selektive Auswahl) oder Umschalt (zusammenhängende Auswahl) die Dateiobjekte und verwenden nach Rechtsklick die gewünschte Funktion im Menü. Beim Drag & Drop zwischen zwei geöffneten Nautilus-Fenstern können Sie mit gedrückter Umschalttaste das Verschieben erzwingen. Das Gleiche gilt bei der Strg-Taste für das Kopieren. Diese Tasten zu kennen, ist wichtiger als unter Windows, weil Nautilus kein Drag & Drop mit rechter Maustaste (und folgendem Kontextmenü) beherrscht. Mit den Tasten Strg-T oder nach einem Klick auf das Zahnradsymbol rechts oben und „Neuer Reiter“ laden Sie einen neuen Tab: Auch zwischen Tabs funktioniert Drag & Drop – nämlich auf die Titelleisten der Registerkarten.

Beim Löschen mit der Taste Entf verwendet der Dateimanager standardmäßig den Papierkorb. Es lohnt sich, unter „Dateien ➞ Einstellungen ➞ Verhalten“ die Konfiguration aufzusuchen und „Einen Löschbefehl bereitzustellen, der den Papierkorb umgeht“ und endgültig löscht. Dieser zusätzliche Befehl erscheint als „Löschen“ im Kontextmenü. Beim Doppelklick auf eine Datei, deren Inhaltstyp bekannt ist, wird diese mit dem Standardprogramm geöffnet. Nach Rechtsklick und „Öffnen mit“ werden Ihnen bei vielen Dateitypen weitere Programme angeboten oder Sie können selbst danach suchen.

Lesezeichen nach Rechtsklick: Die Ordnerfavoriten zeigt Nautilus auch im Ubuntu-Starter.
Vergrößern Lesezeichen nach Rechtsklick: Die Ordnerfavoriten zeigt Nautilus auch im Ubuntu-Starter.

3. Einstellungen, Lesezeichen und Sushi-Erweiterung

Im Menü „Dateien ➞ Einstellungen“ bietet Nautilus eine überschaubare Anzahl von Konfigurationsvorgaben. Das meiste – Listenansicht, Listenspalten, Symbolansicht – können Sie auch im Hauptfenster über die Schaltflächen rechts oben steuern. Die Größe der Objekte ist mit den Hotkeys Strg-+ und Strg-- bequem zu regeln. Lediglich die Registerkarten „Verhalten“ und „Vorschau“ verdienen einen genaueren Blick.

Favoriten: Die „Lesezeichen“ in der Navigationsspalte bieten einen schnellen Weg zu den wichtigsten Ordnern, Medien und Webservern. Um ein neues Lesezeichen anzulegen, gehen Sie in das gewünschte Verzeichnis, klicken rechts oben auf das Zahnradsymbol und wählen „Lesezeichen für diesen Ordner anlegen“. Schneller geht es allerdings mit dem Hotkey Strg-D. Außerdem gibt es noch den Menüpunkt „Datei ➞ Lesezeichen“, um die Ordnerfavoriten zentral zu verwalten.

Erweiterte Vorschau: Die Vorschaukompetenz von Nautilus ist überschaubar, denn sie gilt nur für Bilder. Die empfehlenswerte Erweiterung Sushi spielt dagegen auch schnell mal eine Musikdatei an und zeigt PDFs, Text, Bilder und Videos: einfach die gewünschte Datei markieren und die Leertaste drücken, zum Beenden der Sushi-Vorschau erneut die Leertaste drücken. Sushi ist am schnellsten im Terminal (Strg-Alt-T) mit dem Befehl

sudo apt-get install gnome-sushi 

installiert.

Server-Verbindungen als Lesezeichen: Der Ubuntu-Dateimanager bindet interne und externe Netzwerkressourcen ein. Später genügt ein Mausklick.
Vergrößern Server-Verbindungen als Lesezeichen: Der Ubuntu-Dateimanager bindet interne und externe Netzwerkressourcen ein. Später genügt ein Mausklick.

4. Mit Nautilus Netz- und Webressourcen einbinden

Ganz groß erweist sich Nautilus bei der Einbindung von Samba- und Windows-Freigaben, von (S)FTP-, Webdav- und SSH-Servern. Geben Sie zunächst über das Menü „Dateien à Mit Server verbinden“ die Verbindungsdaten ein, also die „Serveradresse“ und danach die abgefragten Kontodaten (Benutzername und Passwort). Wählen Sie bei den Passwortoptionen „Nie vergessen“, wenn Sie die Ressource oft benötigen – das erspart später die Eingabe der Kontodaten. Dann zeigt der Dateimanager die Netzressource im Hauptfenster, und mit Strg-D legen Sie auf Wunsch ein neues „Lesezeichen“ an. Für die Netzwerkprotokolle gelten folgende Regeln: Bei Windows- und Samba-Freigaben verwenden Sie „smb://[Rechner]/[Freigabename]“. Statt [Rechner] funktioniert immer auch die IP-Adresse. Bei FTP-Servern stellen Sie „ftp://“ voran, gefolgt vom FTP-Server-Namen oder seiner Internet-IP. Analoges gilt für Webdav („dav://“) und SSH („ssh://“).

Alternative Dateimanager

Es ist technisch problemlos, neben Nautilus einen alternativen Dateimanager zu verwenden wie etwa Nemo, Thunar, Pcmanfm, Krusader, Gnome Commander. Hingegen sollten nur erfahrene Anwender den Standard-Dateimanager umdefinieren. Der Standard wird dem System durch Konfigurationsdateien mitgeteilt, und unter Ubuntu heißt die wesentliche Datei nautilus-home.desktop unter usr/share/applications. Wenn Sie hier in die Zeile

exec=nautilus %U

statt „nautilus“ etwa „nemo“ oder „gnome-commander“ einsetzen, wird dieser ab sofort zum Standard. Voraussetzung ist natürlich die vorherige Installation des Programms. Da sich das Standardprogramm in eine Reihe weiterer Konfigurationsdateien einträgt, ist der Eingriff nicht klinisch sauber und kann bei einigen Funktionen zum Parallelbetrieb zweier Dateimanager führen.

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