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Der Unity-Desktop - Grundlagen und Tricks

19.10.2014 | 15:41 Uhr |

Die „Unity“-Oberfläche ist eine Eigenentwicklung von Ubuntu und in Linux-Kreisen umstritten. Windows-Umsteigern kommt ihre puristische Übersichtlichkeit aber durchaus entgegen.

In Benutzeroberflächen steckt eine Menge Philosophie und Usability-Forschung. Unity ist ästhetisch überzeugend. Es zeigt aber wirklich nur das Allernötigste, nimmt dadurch sich und das System zurück und priorisiert die produktive Software. Das ist gut für Einsteiger, für pragmatisches Arbeiten, aber auch generell für Zweitgeräte wie etwa Netbooks mit begrenzten Aufgaben. Auf den folgenden Seiten erklären wir die wesentlichen Bedienelemente der Ubuntu-Standardoberfläche.

Die Starterleiste: Aufgaben und Anpassungen

Auffälligstes Merkmal von Unity ist die Starterleiste auf der linken Seite des Bildschirms. Ähnlich wie unter Windows ist diese Leiste eine Kombination aus Taskleiste und Favoritenleiste: Sie zeigt alle derzeit offenen Programme, die mit einem (Programm läuft im Hintergrund) oder zwei grauen Markern (Programm ist aktiv im Vordergrund) gekennzeichnet sind. Zusätzlich enthält die Starterleiste aber auch Verknüpfungen zu den wichtigsten Programmen. Standardmäßig sind hier unter anderem das „Ubuntu Software Center“, der Dateimanager („Dateien“), einige Libre-Office-Komponenten, Browser sowie die „Systemeinstellungen“ anzutreffen.

Unity-Starterleiste und globales Menü: Laufende Programme erhalten im Starter kleine graue Marker. Das Menü des Programms im Vordergrund erscheint dann oben im Haupt-Panel.
Vergrößern Unity-Starterleiste und globales Menü: Laufende Programme erhalten im Starter kleine graue Marker. Das Menü des Programms im Vordergrund erscheint dann oben im Haupt-Panel.

Das Dashboard: Das oberste Symbol in der Starterleiste mit dem Ubuntu-Logo öffnet das Dashboard, kurz Dash. Das Dash-Symbol ist fix und auch positionell unverrückbar. Es handelt sich dabei um die Suchzentrale für Programme und Dateien. Was Sie jeweils suchen wollen, können Sie am unteren Rand des Dash-Fensters über Lupen („Lenses“) filtern, die zu „Anwendungen durchsuchen“ oder zu „Suche nach Musik“ führen. Schneller als das Filtern über die „Lenses“ ist es meist, rechts auf das Dash-Symbol zu klicken und im aufklappenden Auswahlmenü den Filter zu setzen – beispielsweise auf „Anwendungen“. Noch schneller ist die Tastenkombination Windows-Taste und Taste A, um eine Programmsuche zu starten. Für die konkrete Suche tippen Sie dann oben in das Suchfeld den Namen oder einen Namensteil ein. Wenn Sie einen Gesamtüberblick über alle aktuell installierten Programme haben wollen, klicken Sie ohne Sucheingabe auf die Rubrik „Installiert … Weitere Ergebnisse anzeigen“.

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Anpassungen: Was Sie im Starter für unnötig halten, klicken Sie rechts an und wählen „Aus Starter entfernen“. Wenn Sie umgekehrt Neues hinzufügen möchten, starten Sie das betreffende Programm (über das Dashboard). Als laufender Task erscheint es nun im Starter, und nach Rechtsklick auf das Symbol können Sie es „Im Starter behalten“. Für größere Umbauten öffnen Sie eine Anwendungsübersicht im Dashboard und ziehen die gewünschten Programme einfach mit der Maus in den Starter.

Sitzungsmenü: Ganz rechts oben im Haupt-Panel finden Sie alle Optionen zum Systemabschluss und einen schnellen Link zu den wichtigen „Systemeinstellungen“.
Vergrößern Sitzungsmenü: Ganz rechts oben im Haupt-Panel finden Sie alle Optionen zum Systemabschluss und einen schnellen Link zu den wichtigen „Systemeinstellungen“.

Das Haupt-Panel: Aufgaben und Anpassungen

Die eher unscheinbare schmale Leiste am oberen Bildschirmrand ist das Haupt-Panel, das eine Reihe von wichtigen Aufgaben erfüllt. Fundamental ist ganz rechts das Sitzungsmenü, das alle Optionen des Systemabschlusses bietet – vom „Sperren“ über „Abmelden“ bis „Bereitschaft“ und „Herunterfahren“. Darüber hinaus kommen Sie hier zu den „Systemeinstellungen“, die aber standardmäßig auch im Starter vertreten sind. Neben dem Sitzungsmenü folgt im rechten Teil des Haupt-Panels eine Reihe wichtiger Indikatoren wie beispielsweise die Zeitanzeige mit Kalender, die Lautstärkeregelung mit integrierter Steuerung des Standard-Players, der Messenger-Status mit Mail-Integration oder auch der Netzwerkstatus mit WLAN-Auswahl.

Anwendungsmenüs: Auf der linken Seite zeigt das Haupt-Panel den Namen des aktiven Vordergrundprogramms an. Sobald Sie den Mauszeiger in diesen Bereich bringen, erscheint dort das Programmmenü der aktiven Anwendung. Diese Ubuntu-Eigenheit ist nicht nur für Windows-Umsteiger gewöhnungsbedürftig, sondern hat auch viele Linux-Nutzer irritiert. In den Programmfenstern erscheint hingegen kein Menü. Ist man einmal mit der Tatsache vertraut, dass Programmmenüs ungeachtet der Position des Programmfensters immer oben links zu finden sind, kann man diese Ubuntu-Spezialität als Vereinfachung sehen.

Anpassungen: Diese Indikatoren im rechten Bereich lassen sich sinnvoll erweitern. Allerdings bietet Ubuntu das in seinem typischen Purismus nicht von sich aus an – etwa über das Panel selbst. So gibt es ein klassisches, in Kategorien sortiertes Menü („classicmenu-indicator“), einen einfachen Systemmonitor („indicator-multiload“) oder eine Wetteranzeige („indicator-weather“). Sie können im Ubuntu-Software-Center nach „indicator“ suchen oder namentlich bekannte Erweiterungen auf der Kommandozeile nachinstallieren.

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Voreingestellte Tastenkombinationen

Unity bietet nützliche Tastenkombinationen. Wenn Sie etwa die Windows-Taste (unter Linux: „Super“-Taste) länger gedrückt halten, erscheint eine Übersicht dieser Standard-Hotkeys. Ein kurzes Drücken der Super-Taste öffnet zum Beispiel das Dashboard. Eine Reihe von Hotkeys setzen für die Dash-Suche vorab Filter – so führt beispielsweise Super-A direkt zu „Anwendungen suchen“, Super-F zur Dateisuche. Ein kurzer Druck auf die Alt-Taste öffnet das HUD-Suchfeld (Head-up-Display), das langfristig die Menüleiste ablösen soll. Das HUD ist keine allgemeine Suche, sondern bezieht sich auf die aktuelle Anwendung im Vordergrund. Ist also zum Beispiel die Tabellenkalkulation von Libre Office aktiv, zeigt das HUD nach der Eingabe von „format“ passende Menüoptionen dieses Programms wie etwa „Format à Zellen“ oder „Format à Formular“.

Erweiterte Optionen des Unity-Tweak-Tools

Die Stellschrauben der Unity-Shell sind sehr begrenzt. Das liegt im Konzept der Ubuntu-Macher (Canonical). Ähnlich den zusätzlichen Indikatoren in der Hauptleiste können aber nachinstallierte Tools die Optionen deutlich erweitern. An erster Stelle ist das Unity-Tweak-Tool zu nennen, dessen Programmpaket im Ubuntu-Software-Center bereitsteht oder in Sekunden über das Terminal installiert ist:

sudo apt-get install unity-tweak-tool

Das Tool bietet zahlreiche Optimierungen in puncto Optik, Fensterverhalten, Desktop-Symbole, Schriften, Privatsphäre und Desktop-Effekte.

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