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Ubuntu 14.10 „Utopic Unicorn“ im Überblick

27.02.2015 | 12:09 Uhr |

Ubuntu begeht das Jubiläum mit einer unauffälligen Ausgabe 14.10, die nur Detailverbesserungen bietet. Ist Ubuntu weiterhin mit der Selbstsuche beschäftigt?

Das neue Ubuntu ist dem im April erschienenen Vorgänger 14.04 LTS mit Langzeit-Support auf den ersten Blick so ähnlich, dass man meinen könnte, man hätte die falsche DVD eingelegt. Und auch auf den zweiten Blick geizt Ubuntu 14.10 mit bemerkenswerten Neuerungen. Aus „Utopic Unicorn“ (visionäres Einhorn) ist trotz anfänglicher Pläne, hier mit dem auf eigene Faust entwickelten Display-Server Mir/Xmir neue Technologie zu präsentieren, ein recht zahmer Gaul geworden. Der Wechsel zum neuen Display-Server und zu Unity 8 ist abermals verschoben.

Ubuntu-Anwender bekommen also ein solides Update mit neun Monaten Unterstützung in Form von Updates, das aber gegen ein bis 2019 gepflegtes 14.04 LTS antreten muss.

Der Desktop wird Nebensache

Das zurückhaltende Ubuntu 14.10 zeigt wieder deutlich, dass der Linux-Desktop nicht mehr im Zentrum der aktuellen Ubuntu-Entwicklung steht, die sich stattdessen neue Geschäftsfelder erschließen will. Denn es ist kein Geheimnis, dass sich das Geschäft mit dem Linux-Desktop für Canonical, der Firma hinter Ubuntu, noch nicht lohnt. Der südafrikanische Gründer Mark Shuttleworth, der 1999 seine vorherige Firma Thawte für eine halbe Milliarde US-Dollar an die Zertifizierungsstelle Verisign verkaufte, muss Verluste aus dem operativen Geschäft weiterhin mit seinem Privatvermögen ausgleichen. Dies geht aus dem letzten Geschäftsbericht hervor, der Canonical im vergangenen Jahr ein Defizit von 21 Millionen US-Dollar bescheinigte. Und obwohl es kein Ultimatum gibt, kann das Verlustgeschäft nicht zehn Jahre so weitergehen. Es gibt nicht nur um rote Zahlen: Mark Shuttleworth merkte an, dass Canonicals Server- und Cloud-Business durchaus gut läuft und dass die Firma profitabel wird, sobald er sie auf diese Bereiche zusammenstreicht. Der Ehrgeiz will aber etwas anderes, als ein kleinerer Red-Hat-Klon zu sein. Ubuntu soll in den nächsten Versionen den Sprung auf Smartphones und Tablets schaffen, um mit Android, Apple iOS und Windows Phone zu konkurrieren. In diese Pläne investiert Canonical derzeit den Großteil seiner Mittel. Der Schlüssel dazu ist Unity 8, das sowohl auf Desktop-PCs als auch auf Mobilgeräten die gleiche Arbeitsumgebung bieten soll und zusammen mit Ubuntu 14.10 in einer separaten Vorabversion vorgestellt wurde.

Diese Ubuntu-Linux-Varianten gibt es

Aktualisierte Pakete und Programme

In der regulären Version 14.10 ist von diesen Anstrengungen noch nichts zu sehen. Der Desktop bleibt bei Unity 7, das immerhin einige Fehler bereinigt und mit hochauflösenden Bildschirmen besser zurechtkommt. Der Dash-Starter zeigt weiterhin standardmäßig Suchergebnisse aus Online-Shops mit an. Der Wechsel zum Display-Server Mir mit der Kompatibilitätsschicht Xmir hat nicht stattgefunden, und Ubuntu bleibt vorerst bis zur Ausgabe 16.04 beim herkömmlichen Xorg. An Neuerungen kann Ubuntu 14.10 diverse aktualisierte Programmpakete vorweisen, die der halbjährliche Entwicklungszyklus auf den jeweils neuesten Stand gebracht hat: Der Linux-Kernel ist auf Version 3.16 gebracht, die im August erschien und bereits Unterstützung für Intels Broadwell-Chips sowie für erste Nvidia-Grafikchips der Maxwell-Serie enthält. Interessant für Notebooks ist ein neuer Synaptic-Treiber für Touchpads, der Probleme mit hängenden Mauszeigern behebt. Ein willkommenes Update ist Libre Office 4.3.2, das für viele Linux-Anwender die wichtigste Basis für die tägliche Arbeit ist. Die Browser Firefox und Chrome liegen in der neuesten Version vor, und als Mailprogramm ist Thunderbird 31.2 vorinstalliert. Als Mediaplayer dient Rhythmbox 3.03, und Videos spielt das Programm Gnome Videos 3.10.1 ab, das früher unter dem Namen Totem bekannt war.

Erfreulicher Neuzugang: Libre Office war in Ubuntu 14.04 noch in der Version 4.2 enthalten und macht in Ubuntu 14.10 den Sprung auf 4.3 mit vielen angenehmen Verbesserungen.
Vergrößern Erfreulicher Neuzugang: Libre Office war in Ubuntu 14.04 noch in der Version 4.2 enthalten und macht in Ubuntu 14.10 den Sprung auf 4.3 mit vielen angenehmen Verbesserungen.

Fazit: Unauffälliges Update

Der gewählte Codename „Utopic Unicorn“ war ein überzogenes Versprechen, dass diese Ubuntu-Ausgabe ein neues Kapitel eröffnen sollte. Es wollte Mir/Xmir einführen, ferner Teile des nächsten Desktops Unity 8 und das neue Init-System Systemd. Daraus wurde nichts: Die hochtrabenden Pläne haben sich offensichtlich nicht schnell genug umsetzen lassen, um daraus ein ausgereiftes Ubuntu 14.10 zu machen. Denn dabei handelt es sich bei dieser Ausgabe: Ein gewohnt stabiles Ubuntu, das halbgare, wenn auch interessante Entwicklungen erst mal außen vor lässt und stattdessen fit für den Desktop-Alltag ist. Diese Zurückhaltung wäre aber eher angemessen für eine LTS-Ausgabe mit Langzeitunterstützung. Und hier kann Ubuntu 14.10 nicht punkten, denn 14.04 LTS bleibt deutlich länger aktuell.

Die kleineren Änderungen werden für die allermeisten Anwender den Wechsel von 14.04 zu 14.10 nicht rechtfertigen können, da die Unterstützung für das reguläre 14.04 im kommenden April schon wieder endet. Auch bei den offiziellen Ubuntu-Varianten Kubuntu, Xubuntu und Lubuntu hat sich wenig getan.

Version 14.10 ist deshalb eine Ausgabe für Ubuntu-Fans, die sowieso jeden Versionsschritt mitmachen und ihre Systeme routinemäßig aktualisieren. Alle anderen sind weiterhin gut mit 14.04 LTS beraten, zumal dafür der neue Kernel 3.16 auch als optionales Paket-Update nachgereicht wird und PPAs (inoffizielle Repositories) auch neuere Versionen von Programmen wie Libre Office nachrüsten können.

Ubuntu Desktop Next

Ubuntu Desktop Next ist eine Vorschau auf Unity 8, das für die Paketquellen von Ubuntu 14.10 noch zu instabil und in Sachen Grafik-Hardware sehr wählerisch ist. Die Entwickler haben deshalb für Experimentierfreudige ein separates Live-System zusammengestellt, das den frühen Entwicklungsstand von Unity 8 zeigt. Das Live-System ist als ISO-Image verfügbar (32 Bit und 64 Bit, jeweils 1 GB). Zu viel darf man sich davon aber noch nicht erwarten. Ubuntu Desktop Next verlangt einen Grafikchip mit 3D-Fähigkeiten und läuft deshalb nicht im Virtualisierer Virtualbox. Auch mit Nvidia-Chips und Intel-CPUs mit integrierter GPU funktioniert Unity 8 nicht. Die beste Chance, das System zum Laufen zu bringen, bietet derzeit Vmware.

Die Vorabversion von Ubuntu Desktop Next in der Vmware: Die Oberfläche unterscheidet sich deutlich vom bisherigen Desktop und ist auf die Bildschirme von Tablets und Smartphones getrimmt.
Vergrößern Die Vorabversion von Ubuntu Desktop Next in der Vmware: Die Oberfläche unterscheidet sich deutlich vom bisherigen Desktop und ist auf die Bildschirme von Tablets und Smartphones getrimmt.

Ubuntu 14.10: Zwischenversion mit Support bis Juli 2015
Website: www.ubuntu.com
Dokumentation: https://wiki.ubuntu.com/UtopicUnicorn/ReleaseNotes

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