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Triple Play: TV, Internet und Telefon aus einer Hand

23.05.2015 | 10:22 Uhr |

Kombinierte Angebote für Fernsehen, Internet und Telefon sind praktisch, andererseits soll Triple Play soll nicht zu teurem „Triple Pay“ werden. PC-WELT entschlüsselt Technik und Tarife.

Ein Provider und damit nur ein Ansprechpartner, mehr Sender und mehr Möglichkeiten: Mit solchen Argumenten versuchen DSL- und Kabelanbieter Kunden von ihren kombinierten Angeboten für Internet, Telefonie und Fernsehempfang zu überzeugen. Im Fachjargon heißt diese Bündelung Triple Play , wörtlich übersetzt mit „dreifaches Spiel“.

Vor Jahren war die Euphorie um Triple Play in der Branche groß, doch davon ist wenig geblieben. Viele Verbraucher bleiben bei dem, was sie gewohnt sind und was meist gut funktioniert. Diejenigen, die über Satellit (DVB-S) fernsehen, stellen zudem die Kostenfrage. Wer einmal in die Satellitenanlage und den Receiver investiert hat, muss schon überzeugende Gründe für den Umstieg zu einem Dienst wie Fernsehen über das Internet (IP-TV) haben, der jeden Monat Kosten verursacht. Anders verhält es sich beim digitalen terrestrischen Fernsehen, bei DVB-T sind die Senderauswahl nun einmal klein und die Auflösung gering.

Nur wenige Anbieter: Triple Play versus IP-TV

Streng genommen ist zwischen Triple Play und dem TV-Empfang über das Internet zu unterscheiden. Der erste Begriff bezeichnet die Angebotsbündelung, der zweite die Technik. Bei DSL-Providern mit zusätzlichem IP-TV-Angebot bedeutet beides letztlich das gleiche. Anders bei den Kabelanbietern, die längst auch schnelles Internet inklusive Telefonanschluss vorhalten. Im Ergebnis gibt es zwar auch hier alle drei Inhalte aus einer Hand, technisch funktioniert die TV-Übertragung allerdings anders.

IPTV: TV-Inhalte an jedes Gerät im Netzwerk streamen

Nun wird die Sache noch komplizierter. Bedeutete IP-TV bis vor kurzem tatsächlich meist Triple Play, gibt es Internet-Fernsehen aber auch „entbündelt“. Neben Zattoo hat sich mit Magine zum einen ein weiterer Anbieter etabliert. Noch wichtiger aber ist, dass sich IP-TV mit dem Vormarsch von Smart-TVs und Settopboxen wie Videoweb, Apple TV, Chromecast , Fire-TV auch im Wohnzimmer unkompliziert nutzen lässt. Es genügen die entsprechende App und ein x-beliebiger Internet-Zugang – ob per Kabel, DSL oder Glasfaser ist völlig egal. Wenn also Inhalte, Qualität, Ausfallsicherheit und Preis stimmen, stellt dies die bisherige Triple-Play-Bündelung in Frage.

TV, Internet und Telefon aus einer Hand bieten nicht nur einige DSL-Provider, sondern auch die Betreiber der TV-Kabelnetze. Im Bild die Angebote von Kabel Baden-Württemberg.
Vergrößern TV, Internet und Telefon aus einer Hand bieten nicht nur einige DSL-Provider, sondern auch die Betreiber der TV-Kabelnetze. Im Bild die Angebote von Kabel Baden-Württemberg.

Die Unternehmen, die Triple Play anbieten, lassen sich an einer Hand abzählen. Nach der Übernahme von Alice durch O2 und dem Ende von Alice TV bleiben als echte Triple-Play-Provider nur noch die Deutsche Telekom und Vodafone. Daneben existieren mit Unitymedia / Kabel Baden-Württemberg und Kabel Deutschland zwei Kabelnetzbetreiber. Das war es neben einigen regionalen Unternehmen wie Tele Columbus auch schon.

Benötigt man dagegen nur einen klassischen DSL-, VDSL- oder Kabelanschluss, ist die Providerauswahl ungleich größer. Es kann sich also auch finanziell lohnen, ein günstige Doppel-Flatrate zu buchen und zusätzlich monatlich sieben oder zehn Euro für den uneingeschränkten Magine- oder Zattoo-Empfang auszugeben – vorausgesetzt man hat die erforderliche smarte Hardware. Als Minimalinvestition eignet sich der Chromecast-Stick von Google. Die 35-Euro-Hardware passt per HDMI an praktisch jeden Fernseher und zeigt das TV-Bild über Zattoo.

Das bieten Magenta Zuhause Entertain und Vodafone TV

Wie sehen nun die Entertain-Angebote von der Deutsche Telekom und Vodafone TV genau aus? Bei der Telekom heißen die DSL-/VDSL-Tarife inzwischen Magenta Zuhause S, M und L, entsprechend einer Downloadrate von 16, 50 und 100 MBit/s. Die Preise starten bei 34,95 Euro im Monat. Zu dieser Doppel-Flatrate lässt sich ein TV-Paket hinzubuchen, hier stehen zwei Pakete zur Wahl. Entertain für 9,95 Euro Aufpreis pro Monat bietet rund 100 Sender , darunter die wichtigsten privaten. Die öffentlich-rechtlichen und einige weitere werden in HD ausgestrahlt. Für nochmals fünf Euro mehr, also für 14,95 Euro, erhält man zusätzlich RTL, Sat1, Pro7 und Co in HD-Auflösung.

Die Provider listen im Internet auf, welche Sender in ihren IP-TV- bzw. Triple-Play-Angeboten zu welchen Preisen in welcher Auflösung übertragen werden.
Vergrößern Die Provider listen im Internet auf, welche Sender in ihren IP-TV- bzw. Triple-Play-Angeboten zu welchen Preisen in welcher Auflösung übertragen werden.

Zusätzlich haben Entertain-Kunden Zugriff auf rund 16.000 Filme und Serien der Videoload-Videothek , auf die TV-Mediatheken, einen elektronischen Programmführer (EPG), einen  Programm-Manager zum Programmieren von Aufnahmen – unterwegs auch per App – und die Möglichkeit, das laufende Programm anzuhalten und später fortzusetzen (Timeshift). Nutzen lässt sich alles über den „Media Receiver 303“ mit 500 GByte großer Festplatte, für den die Telekom weitere 4,95 Euro Miete berechnet. Wer bereits einen IP-TV-Receiver hat, deaktiviert die Miete bei der Bestellung. Inklusive Receiver kostet Triple Play bei der Telekom mindestens rund 50 Euro.

Mit 29,95 Euro pro Monat ist der einfache DSL-Anschluss (16 MBit/s) mit Doppel-Flat bei Vodafone fünf Euro günstiger als bei der Telekom, 50 MBit/s VDSL sind mit 39,95 Euro wieder gleich teuer. Zehn Euro Aufpreis pro Monat kostet hier das Basisfernsehpaket, dafür bekommt der Kunde 80 Programme (davon 29 in HD), einen digitalen Videorekorder mit 320-GB-Festplatte, EPG, zeitversetztes Fernsehen sowie Zugriff auf eine Online-Videothek mit rund 8.000 Filmen und Serien. Das Aufrufen verpasster Sendungen über TV-Mediatheken fehlt dagegen. Im Ergebnis ist das günstigste Angebot also etwa zehn Euro billiger als bei der Telekom, da Vodafone keine Miete für den Receiver verlangt. Bei beiden Anbietern kann man – natürlich aufpreispflichtig – Sky-Pakete mit Fußball, Filmen und zusätzlichen Sendern dazu ordern.

Unbefriedigend verliefen diverse Verfügbarkeitstests bei Vodafone. Selbst in der Münchener Kernstadt war es teilweise nicht möglich, einen 16.000er-DSL-Anschluss zu buchen. Entweder wurde man auf 6.000 KBit/s heruntergestuft, alternativ wurden VDSL 50 oder ein Kabelanschluss der Tochter Kabel Deutschland angeboten.

Die TV-Angebote bei den Kabel-Providern

Die beiden Kabel-Provider Unitymedia Kabel BW und Kabel Deutschland teilen sich das Bundesgebiet de facto auf: Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen einerseits, die restlichen Bundesländer andererseits. In der Praxis ist die Sache auch hier komplizierter, weil lokal zahlreiche kleinere Kabelanbieter operieren. Cablesurf und Tele Columbus sind da nur zwei Beispiele.

Zudem haben viele Wohnungsgesellschaften und Eigentümergemeinschaften zum Teil langfristige Verträge mit einer Kabelfirma geschlossen. Mieter oder Eigentümer sind daran gebunden, einfach zur Konkurrenz zu wechseln geht also nicht. Selbst benachbarte Wohnblocks können unterschiedliche Versorger haben. Als Bewohner muss man gegebenenfalls beim Vermieter oder Verwalter nachfragen, auch Internet-Vergleichsportale helfen da nicht weiter.

Sogar der Provider selbst, hier Kabel Deutschland, ist online nicht immer sofort in der Lage, eine verbindliche Verfügbarkeitsprüfung abzugeben.
Vergrößern Sogar der Provider selbst, hier Kabel Deutschland, ist online nicht immer sofort in der Lage, eine verbindliche Verfügbarkeitsprüfung abzugeben.

Diese Einschränkung vor Augen soll dennoch ein Blick auf Triple Play bei den Kabel-Providern folgen. Bei Kabel Deutschland kostet das günstigste Kombipaket („Basis 25“) mit einem 25-MBit-Anschluss 34,90 Euro im Monat. Voraussetzung ist ein Kabelanschluss, für den unter Umständen zusätzlich zu zahlen ist. Die weitere Tarifauswahl ist groß und reicht bis zu „Premium 200“ für knapp 90 Euro – und selbst da kann man diverse Optionen hinzubuchen. Die komplette Preisübersicht gibt es wieder im Web .

Günstig und flexibel: IP-TV über Zattoo und Magine

3Play SMART 50 für 33 Euro monatlich umfasst bei Unitymedia Kabel BW 50 MBit/s schnelles Internet mit Festnetz-Flatrate und mehr als 80 TV-Sender, davon acht in HD. Ein einfacher Receiver ist im Preis inkludiert, ein Gerät mit Festplatte zum Aufnehmen inklusive Timeshift-Option kostet zusätzlich sieben Euro Miete. Eine Online-Videothek fehlt in der günstigsten Option, die gibt es erst in den teureren Paketen 3play Plus 120 (40 Euro) und 3play Premium 200. Die Pakete in Hessen und NRW sind identisch, die Paketpreise von Unitymedia liegen minimal unter denen von Kabel BW.

Fazit: deutliche Preisunterschiede, Kabel-Provider nur eingeschränkt zu nutzen

Bei Triple Play über das Kabelnetz ist die Wahl systembedingt eingeschränkt. Ein günstiges Angebot nützt also wenig, wenn es daheim nicht verfügbar ist. Andererseits erhält man hier für 30 bis 35 Euro pro Monat mit 25 bzw. 50 MBit/s durchaus schnelle Internet-Anschlüsse mit Festnetz-Flatrate und einem TV-Angebot ohne Haken.

Ab monatlich 40 bzw. 50 Euro ist Triple Play bei den DSL-Providern etwas teurer, außerdem gibt es zu diesem Preis nur einen 16.000er-Anschluss. Wer einen schnelleren Zugang möchte, zahlt noch mehr. Dafür hat man mit Video-on-Demand, zeitversetztem Fernsehen, der Videorekorder-Funktion über den Festplatten-Receiver und weiteren Funktionen auch mehr Komfort.

Deutsche Telekom

Kabel BW/Unitymedia

Kabel Deutschland

Vodafone

Produktbezeichnung

Entertain

3 Play

Kombipaket

Vodafone TV

Mindestvertragslaufzeit / Kündigungsfrist

2 Jahre /
1 Monat

2 Jahre /
2 Monate

2 Jahre /
12 Wochen

2 Jahre /
3 Monate

Anschlussgeschwindigkeit

16 bis 100 MBit/s

50 bis 200 MBit/s

25 bis 200 MBit/s

16 bis 100 MBit/s

Zugangstechnik

DSL/VDSL

TV-Kabel

TV-Kabel

DSL/VDSL

Gesamtpreis für Triple Play (monatlich)

ab 44,90 Euro

ab 33 Euro

ab 34,90 Euro

ab 39,95 Euro

Aufpreis TV-Paket (monatlich)

ab 9,95 Euro

ca. 10 Euro

5 Euro

10 Euro

Zahl der TV-Sender / davon in HD

100 / 23

86 / 8

65 / 16 (weitere per Smartcard)

80 / 29

Receiver / Receiver-Miete (monatlich)

optional / 4,95 Euro

ja / enthalten

ja / enthalten

ja / enthalten

Sky zubuchbar (zuhause / mobil)

ja / ja

ja / nein

ja / ja

ja / ja

Inhalte Online-Videothek / davon in HD

16.000 / 4.000

6.000 / k.A. (gegen Aufpreis)

3.500 / k.A. (gegen Aufpreis)

8.000 / 1.000

Receiver mit Festplatte (Videorekorder)

ja (mit HDD-Receiver, 500 GByte Festplatte)

ja (mit HDD-Receiver, 500 GByte Festplatte, 7 Euro Aufpreis)

ja (mit HDD-Receiver, 320 GByte Festplatte, 7 Euro Aufpreis)

ja (320 GByte Festplatte)

Zeitversetztes Fernsehen (Timeshift)

ja (mit HDD-Receiver)

ja (mit HDD-Receiver, 7 Euro Aufpreis)

ja (mit HDD-Receiver, 7 Euro Aufpreis)

ja

TV unterwegs (Aufpreis monatlich)

verfügbar (6,95 Euro)

enthalten (mobil nur wenige Sender)

eingeschränkt (nur WLAN)

verfügbar (ca. 4 Euro, nur in Verbindung mit Vodafone-Flatrates)

Mediathek

ja

nein

ja

nein

EPG

ja

ja

ja

ja

Zusatzangebote / Besonderheiten

Entertain-Premium mit mehr HD-Sendern (5 Euro Aufpreis)

Kabelanschluss erforderlich, zusätzliche HD-Sender gegen Aufpreis

Kabelanschluss erforderlich, Premium-Paket mit mehr HD-Sendern (10 Euro Aufpreise)

Ausländische TV-Pakete (ab 5,95 Euro Aufpreis)

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