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Diese Linux Software sollte auf Ihrem PC nicht fehlen

01.11.2016 | 09:31 Uhr |

Software für Linux gibt es reichlich, aber nicht alles ist wirklich nützlich. Welche Programme auf Ihrem PC keinesfalls fehlen sollten, erfahren Sie in den folgenden Artikeln, die essenzielle Toolboxen für wichtige Einsatzzwecke zusammenstellen.

Im Softwarerepositorium von Ubuntu 14.04 befinden sich mehr als 50.000 Programmpakete. Viele sind jedoch sehr speziell und nur für wenige Nutzer von Interesse. Einen großen Teil der Pakete machen Programmbibliotheken in unterschiedlichen Versionen aus, die von mehreren Anwendungen gemeinsam genutzt und bei Bedarf automatisch installiert werden. Zieht man diese komplett ab, bleibt letztlich nur eine dreistellige Anzahl von allgemeinem Interesse übrig. Und in der Tat: Einige davon dürfen auf keinem Rechner fehlen.

Für die Artikel haben wir die nützlichsten Programme ausgewählt.

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1. Synaptic: Software suchen und installieren

Ubuntu und Linux Mint bieten zahlreiche nützliche Programms zur bequemen und vor allem sicheren Installation über die Paketverwaltung des Systems an. Die Pakete sind geprüft sowie digital signiert und damit vor Manipulationen geschützt. Bei Ubuntu ist das Softwarecenter die erste Anlaufstelle für die Suche nach neuer Software. Fortgeschrittene Ubuntu-Nutzer werden jedoch eher zu Synaptic greifen, das bei Linux Mint die Standard-Paketverwaltung ist. Synaptic arbeitet schneller und ermöglicht eine gezieltere Paketauswahl. Meist genügt die Eingabe eines Suchbegriffs in das Eingabefeld unter „Schnellauswahl-Filter“. Oder Sie klicken auf die Schaltfläche „Suche“ und tippen den Suchbegriff ein. Über das Auswahlfeld darunter lässt sich der Bereich auf „Name“ oder „Beschreibung und Name“ eingrenzen. Per Klick auf „Einstellungen -> Paketquellen“ gelangen Sie zum Fenster „Anwendungen & Aktualisierungen“. Auf der Registerkarte „Andere Programme“ lässt sich festlegen, welche Repositorien die Paketverwaltung berücksichtigt.

2. Dateimanager: Die besten grafischen Desktoptools

Dateien kopieren, löschen, verschieben gehört zu den täglichen Handgriffen am PC. Der Dateimanager ist daher mit das wichtigste Programm. Je nachdem, welche Distribution und Desktopoberfläche installiert ist, zeigt sich standardmäßig etwa Nautilus (Ubuntu Unity), Dolphin (KDE) oder Nemo (Cinnamon/Linux Mint).

Nautilus und Nemo bieten praktische Erweiterungen, etwa um die Größe von mehreren Bildern zu ändern oder Prüfsummen von Dateien zu berechnen. Außerdem lassen sich in beide Dateimanager Scripts einbinden und starten. Über das Kontextmenü können Sie dann etwa Ordner schnell packen oder Audiodateien konvertieren. Für Nemo gibt es eine Erweiterung, über die sich ein Terminalfenster im Dateimanager einblenden lässt, das automatisch über cd in den jeweils geöffneten Ordner wechselt.

Installation: Grundsätzlich lassen sich Nautilus, Nemo und Dolphin unter allen Desktopumgebungen beziehungsweise Ubuntu-Varianten installieren. Die nötigen Pakete sind in den Standardrepositorien enthalten.

In Nemo können Sie unter Linux Mint ein Terminalfenster integrieren.
Vergrößern In Nemo können Sie unter Linux Mint ein Terminalfenster integrieren.

3. Midnight Commander: Dateimanager im Terminal

Dateimanager wie Nautilus oder Nemo erledigen auf dem Desktop die wichtigsten Aufgaben. Maximale Geschwindigkeit erreichen Sie jedoch in einem Terminalfenster mit dem Midnight Commander. Vor allem beim Fernzugriff über SSH auf Server oder PCs, wo kein Desktop zur Verfügung steht, zeigt dieses Tool seine Stärken: Mit dem Hotkey Alt-. (Punkt) blenden Sie versteckte Dateiobjekte schnell ein und aus. Die Taste Esc gefolgt von Enter setzt den gerade markierten Ordner-oder Dateinamen in die Kommandozeile ein. Die wichtigsten Operationen lassen sich über die F-Tasten steuern, deren Bedeutung die untere Leiste erläutert. F5 beispielsweise kopiert das aktuell markierte Element in das im jeweils anderen Panel eingestellte Zielverzeichnis. Über F3 rufen Sie einen Dateibetrachter auf, über F4 einen Editor. Bei der ersten Verwendung von F4 werden Sie gefragt, welchen Editor Sie nutzen möchten. Zur Auswahl stehen unter anderem Nano und Mcedit. Wenn Sie das später ändern wollen, löschen Sie die Datei „.selected_editor“. Beim nächsten Aufruf über F4 fragt Sie Midnight Commander erneut nach dem Editor.

Netzwerkfunktionen: Der MC bietet in den Menüs „Links/Rechts“ Funktionen für den Zugriff auf SSH-, SFTP und FTP-Server. Nach Auswahl einer „Shell-Verbindung“ geben Sie wie bei SSH auf Kommandozeile Servername oder IP-Adresse an, optional bereits mit dem gewünschten User (etwa „root@192.168.1.10“).

Nach Eingabe des Kennworts zeigt der Midnight Commander wieder seine beiden Fensterhälften und Sie kopieren bequem Dateien zwischen dem lokalen und dem entfernten System. Bei den Menüpunkten „FTP-Verbindung“ und „SFTP link“ verfahren Sie entsprechend.

Installation: Der MC ist in allen Linux-Distributionen verfügbar. ( https://www.midnight-commander.org/ )

Midnight Commander vereinfacht die Dateiverwaltung auf der Kommandozeile.
Vergrößern Midnight Commander vereinfacht die Dateiverwaltung auf der Kommandozeile.

4. Alternative Desktopumgebungen nutzen

Mit der Installation eines Linux-Systems entscheiden Sie sich auch für eine bestimmte Oberfläche, etwa Unity (Ubuntu) oder Cinnamon (Linux Mint) . Darauf sind Sie aber nicht festgelegt. Sie können mehrere Desktopumgebungen installieren und dann die gewünschte Arbeitsfläche wie etwa KDE, LXDE, XFCE oder Gnome auf dem Anmeldebildschirm auswählen. Dank Metapaketen sind Desktops und deren Abhängigkeiten ohne große Umstände eingerichtet.

Lese-Tipp: KDE - Die beliebte Desktop-Umgebung im Überblick

Bei der Installation einer weiteren Desktopumgebung werden zahlreiche Pakete heruntergeladen und beim ersten Start legt jede Variante eigene Konfigurationsdateien an oder ändert bestehende Einstellungen. Der Eingriff in das System ist umfangreich und nicht immer vollständig rückgängig zu machen. Es ist daher empfehlenswert – wie vor allen größeren Änderungen am System –, wenigstens ein Backup der Dateien im Home-Verzeichnis oder besser des gesamten Systems zu erstellen (-> Punkt 5).

Nach der Installation weiterer Desktopumgebungen wählen Sie eine aus.
Vergrößern Nach der Installation weiterer Desktopumgebungen wählen Sie eine aus.

5. Backuptools: Dateien und System sichern

Backups sind lästig, aber nötig. Persönliche Dateien im Home-Verzeichnis sollten Sie regelmäßig sichern, das komplette System wenigstens vor größeren Änderungen. Für die persönlichen Daten ist bei Ubuntu standardmäßig ein Tool installiert, das Sie per Suche im Dash nach „Datensicherungen“ finden. Linux-Mint-Nutzer rufen ein ähnliches Tool im Menü über „Systemverwaltung -> Datensicherungswerkzeug“ auf.

Lese-Tipp: Systemback - Backups für Ubuntu und Mint anlegen

Das komplette System lässt sich über ein Werkzeug wie Clonezilla sichern. Damit erstellen Sie ein Imagebackup der kompletten Festplatte. Für regelmäßige Backups empfehlen wir Timeshift . Es erstellt Momentaufnahmen des Dateisystems, die bei Zurückspielen einen vorherigen Zustand wiederherstellen. Die Home-Verzeichnisse sind standardmäßig ausgeschlossen, lassen sich aber über „Settings -> Advanced -> Include“ dem Backup hinzufügen. Der erste Sicherungspunkt ist immer ein komplettes Backup der Systemverzeichnisse und mit einigen Gigabyte recht groß. Die weiteren Wiederherstellungspunkte sind dann aber deutlich kleiner, da Timeshift nur noch die Unterschiede zum vorherigen Sicherungspunkt speichert.

Timeshift für regelmäßige Backups. Nur geänderte oder neue Dateien benötigen Speicherplatz.
Vergrößern Timeshift für regelmäßige Backups. Nur geänderte oder neue Dateien benötigen Speicherplatz.

6. Aufgaben planen mit Gnome-Schedule

Desktopanwender, die einen Aufgabenplaner brauchen, sich aber nicht mit der Crontab beschäftigen möchten, können Aufgaben mit einem grafischen Tool planen: Gnome-Schedule bringt die Konfiguration für Crontab in Form leicht verdaulicher Menüs auf den Desktop. Nach dem Aufruf von Gnome-Schedule präsentiert es eine Übersicht aller bereits festgelegten Aufgaben in einer Tabelle mit Typ (crontab oder at), Zeiten, Befehlsvorschau und Beschreibung. Eine neue Aufgabe fügen Sie mit „Neu“ hinzu. Der Konfigurationsdialog dazu bietet für Cronaufgaben eine gut lesbare Übersetzung des internen Zeitformats: Sie können hier mit den Zeitangaben für Minute, Stunde, Tag, Monat und Wochentag experimentieren und sehen unten sofort, welche Auswirkungen dies hat.

Auch interessant: Autostarts und Cronjobs - Automatische Programmstarts für Linux

Übrigens: Geplante Aufgaben laufen immer im Benutzerkontext und die entsprechende Konfigurationsdatei wird für jeden Benutzer im Verzeichnis „/var/spool/cron/tabs/“ gespeichert. Um eine übergreifende Aufgabe festzulegen, die mit root-Recht laufen soll, müssen Sie Gnome-Schedule als root aufrufen. Dies gelingt mit dem Befehl:

gksudo gnome-schedule

„gksudo“ ist das Pendant von „sudo“ für Desktopanwendungen.

Unity Tweak Tool ermöglicht die Konfiguration zahlreicher Optionen.
Vergrößern Unity Tweak Tool ermöglicht die Konfiguration zahlreicher Optionen.

7. Tools für das Desktoptuning

Was Unity unter den „Systemeinstellungen“ anbietet, genügt für eine Basiskonfiguration mit Monitorsetup, Druckereinrichtung, Spracheinstellung, Energieverwaltung, Benutzerverwaltung. Das Unity Tweak Tool bietet weitere Einstellungen.

Optionen, die über optische Anpassungen hinausgehen, finden Sie insbesondere unter „Fensterverwaltung“ und unter „System“. Hier richten Sie etwa die Anzahl der virtuellen Desktops („Arbeitsflächen-Einstellungen“), die Funktion der „Aktiven Ecken“ oder das Einrastverhalten von verschobenen Fenstern ein. Unter „System“ definieren Sie Standardsymbole wie Papierkorb oder Netzwerk für den Desktop. Ein wichtiger Punkt ist ferner „Erscheinungsbild -> Schriften“, um mit einer kleineren oder größeren „Standardschrift“ die Darstellung aller Menüs und Iconbeschriftungen zu ändern.

Gnome-Einstellungen: Wer einen Gnome-Desktop verwendet, kann viele sonst verborgene Einstellungen über das Gnome Tweak Tool ändern. In der Regel ist es bereits installiert und Sie finden es über eine Suche nach „Optimierungswerkzeug“. Nach einem Klick auf „Arbeitsoberfläche“ können Sie etwa Symbole wie „Persönlicher Ordner“ oder „Netzwerk-Server“ auf der Oberfläche einblenden und auch das Hintergrundbild ändern. In der Rubrik „Fenster“ lassen sich die Titelleisten-Knöpfe „Minimieren“ und „Maximieren“. Praktisch ist auch die Rubrik „Erweiterungen“, über die Sie Erweiterungen für die Gnome-Shell installieren oder verwalten.

Windows-Software: Nur die Anwendungen mit weißem Hintergrund laufen stabil in Playonlinux.
Vergrößern Windows-Software: Nur die Anwendungen mit weißem Hintergrund laufen stabil in Playonlinux.

8. Virtualisierung und Fremdsysteme

Nicht immer steht eine Software auch für Linux zur Verfügung. Es bietet sich dann an, Windows in einer virtuellen Maschine zu verwenden und hier die gewünschte Software zu nutzen. Als Virtualisierungssoftware ist Virtualbox in allen Standard-Paketquellen enthalten, ist dort aber meist nicht ganz aktuell und lässt Funktionen vermissen wie etwa die Unterstützung von USB-Geräten. Der Hersteller Oracle ( www.virtualbox.org ) stellt jedoch eigene Linux-Repositorien bereit, über die sich die aktuelle Version einrichten lässt.

Auch interessant: Wir zeigen Ihnen wie Virtualisierung unter Linux funktioniert

Alternative: Für den Start von Windows-Programmen unter Linux eignet sich auch Wine, das Windows-Funktionen unter Linux nachbildet. Am einfachsten gelingt die Installation von Windows-Software über Playonlinux. Diese Verwaltungsoberfläche für Wine war ursprünglich auf Spiele beschränkt, sorgt aber auch bei anderer Software für eine bequeme Konfiguration. Die Softwareauswahl für Wine ist jedoch begrenzt. Oft funktionieren nur ältere Programmversionen problemlos. Sehen Sie auf www.playonlinux.com nach, ob die benötigte Software unterstützt wird.

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