09.04.2008, 17:04

Panagiotis Kolokythas

Report

Töten lernen

Der Psychologie-Dozent und ehemalige US-Army-Offizier Dave Grossman sieht diese Verknüpfungen zwischen Spielen und Armee nicht so gelassen. In seinem Buch Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht schreibt er, "die verbesserte Technologie erlaubt Soldaten inzwischen, mit Computersimulatoren zu üben – zu lernen, wie und wohin sie schießen sollten, wie sie sich in möglicherweise tödlichen Kampfsituationen bewegen müssen, wie sie Feinde von Kameraden unterscheiden können, und – am wichtigsten – sie lernen zu töten." Diese Simulatoren seien nun in Form von Video- und Computerspielen in den Haushalten.
Als Beispiel nennt er den so genannten "Multipurpose Arcade Combat Simulator", der die Hardware eines C64 oder SNES verwendet und im Grunde auf einem simplen Lightgun-Shooter für das Super-Nintendo basiert. Dabei zielen Rekruten mit einem nachgebauten M16-Gewehr auf einen Bildschirm und müssen wie auf einer Schießbahn auf Ziele feuern. Schon allein diese Konstellation entfernt sich weitgehend vom Spielerlebnis vorm Monitor oder Fernseher, wo sich Maus und Gamepad als starke Abstraktionsebene zwischen Spieler und virtuelles Geschehen schieben. Einem internen Bericht der Army zufolge diente der Simulator zudem nur als Trainingshilfsmittel für Anfänger, um deren Ergebnisse auf dem echten Schießstand zu verbessern. Das Schießen mit scharfer Munition ("live fire") könne der Simulator ausdrücklich nicht ersetzen, heißt es in dem Papier, genausowenig wie einen ausgebildeten Lehrer. Solche Einwände lässt Grossman nicht gelten. Für ihn sind alle Ego-Shooter "killing simulators": "Die wichtigste Funktion von Doom besteht darin, den Willen zum Töten auszubilden, indem der Tötungsakt so oft wiederholt wird, bis er ganz natürlich wirkt."
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