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Tipps und Tricks zum Linux-Desktop

03.11.2013 | 15:31 Uhr |

Neben Gnome und Unity finden Sie hier auch viele Tipps zu KDE: Kubuntu und Open Suse sind zwei prominente Vertreter der KDE-Desktop-Umgebung und haben neue Funktionen im Gepäck.

KDE

Smartphones: Zugriff über MTP mit KDE

Wer ein Smartphone oder Tablet mit Android an einen Linux-PC per USB anschließt, bekommt erst mal keinen Zugriff auf die dort gespeicherten Dateien. Denn Android nutzt schon seit Version 3.x für den Dateiaustausch das Protokoll MTP (Media Transfer Protocol), das sich nicht als gewöhnliches USB-Speichermedium am System anmeldet. Linux kann daher nicht ohne Hilfsmittel auf diese Datenträger zugreifen.

Android-Gerät in Dolphin: KDE versteht sich ab Version 4.10 auf das Media Transfer Protocol (MTP) und macht beim Zugriff auf diese Geräte den Umweg über andere Programme oder Treiber überflüssig.
Vergrößern Android-Gerät in Dolphin: KDE versteht sich ab Version 4.10 auf das Media Transfer Protocol (MTP) und macht beim Zugriff auf diese Geräte den Umweg über andere Programme oder Treiber überflüssig.

TIPP: Ab KDE 4.10, das beispielsweise beim aktuellen Kubuntu und Open Suse mit an Bord ist, wird der Datenaustausch mit Android-Geräten deutlich einfacher. Denn die neue Version der Desktop-Umgebung versteht sich auf das Media Transfer Protocol und erkennt angeschlossene MTP-Geräte automatisch. Dazu bietet die KDE-Input/Output-Schnittstelle (KIO) ein neues virtuelles Dateisystem an, damit alle KDE-Programme MTP nutzen können.

Die Unterstützung für das Protokoll ist damit nicht an einen bestimmten Dateimanager gebunden, sondern funktioniert unter KDE mit allen Programmen, die mit KIO umgehen können. Nach der Verbindung des Android- Geräts informiert KDE ab Version 4.10 rechts im Panel, dass ein „Tragbarer Medienspieler“ erkannt wurde.

Das angeschlossene Gerät taucht nun auch im Dateimanager Dolphin und in den Dateidialogen von KDE in der Seitenleiste als „Tragbarer Medienspieler“ auf; Sie können von dort wie bei jedem anderen Laufwerk Dateien öffnen und speichern. Tut sich nichts, obwohl KDE in der neuesten Version vorliegt, dann kontrollieren Sie, ob das Paket kio-mtp installiert ist, und rüsten Sie es mit dem Paketmanager nach, falls es nicht vorhanden ist. Dies gelingt in Kubuntu mit dem Befehl sudo apt-get install kio-mtp , den Sie in einem Terminal-Fenster eingeben. Bei manuellen Installationen von KDE muss das Paket auf diese Weise manuell nachgerüstet werden

Für ältere Versionen von Kubuntu, etwa 12.04 LTS und 12.10, gibt es eine elegante Möglichkeit, die MTPFähigkeiten von KDE nachträglich zu ergänzen, auch wenn die Desktop-Umgebung in einer niedrigeren Versionsnummer als 4.10 vorliegt. Ein PPA bietet als inoffizielles Repository die benötigten maßgeschneiderten Pakete an. Geben Sie in einem Terminal-Fenster das Kommando

sudo apt-add-repository

ppa:philschmidt/ppa-kio-mtpdaily

ein, um das Repository aufzunehmen, und installieren Sie dann mit den beiden Befehlen

sudo apt-get update

sudo apt-get install kio-mtp

die Unterstützung für MTP in KDE.

KDE

Kompakte Fenster: Menüleisten auslagern

Neue Einstellungen für KDEAnwendungen: Wo die Menüleiste von Programmen unter KDE erscheinen soll, legt diese Einstellung ab Version 4.10 der Desktop-Umgebung fest. Voraussetzung ist das Paket appmenu-qt.
Vergrößern Neue Einstellungen für KDEAnwendungen: Wo die Menüleiste von Programmen unter KDE erscheinen soll, legt diese Einstellung ab Version 4.10 der Desktop-Umgebung fest. Voraussetzung ist das Paket appmenu-qt.

Nach Gnome 3 und Unity beginnt nun auch KDE in der Version 4.10 damit, Menüleisten aus Anwendungen zu entfernen und platzsparend in einer globalen Leiste anzuzeigen. Die KDE-Entwickler bleiben dabei aber ihrer Philosophie treu und überlassen die Kontrolle erfreulicherweise den Anwendern, die diese Funktion selbst erst aktivieren müssen.

TIPP: In der aktuellen Version von KDE findet sich in den Systemeinstellungen unter „Erscheinungsbild von Anwendungen fi Stil fi Feineinstellungen“ die neue Option „Menüleistenstil“. Zur Auswahl stehen hier vier Einstellungen für Menüleisten von Programmen:

In Anwendung: Diese Option ist weiterhin der Standard. Er zeigt die Menüs von Anwendungen wie gewohnt in deren eigenem Fenster an, unterhalb der Titelleiste.

Randexistenz: Mit der Einstellung „Menüleiste am oberen Bildschirmrand“ zeigt KDE die Programm-Menüs in einer Zeile am Rand, wenn man mit der Maus darüberfährt.
Vergrößern Randexistenz: Mit der Einstellung „Menüleiste am oberen Bildschirmrand“ zeigt KDE die Programm-Menüs in einer Zeile am Rand, wenn man mit der Maus darüberfährt.

Titelleistenknopf: Für besonders kompakte Fenster bietet sich dieser Stil an. Dabei spart sich KDE die Menüleiste in Programmfenstern und blendet stattdessen ganz links in der Titelleiste einer KDE-Anwendung ein neues, dezentes Icon ein. Erst bei einem Klick darauf klappt sich das Menü vertikal nach unten aus. Die Einstellung ist platzsparend, aber auch klick-intensiv.

Menüleiste am oberen Bildschirmrand: Speziell bei kleinen Notebookbildschirmen bietet diese Option ein globales Anwendungsmenü, das sich nach dem Vorbild von Unity und neueren Gnome-Versionen am oberen Bildschirmrand versteckt. Es genügt, den Mauszeiger an den oberen Rand zu schieben, um zu einem aktiven Programmfenster die Menüleiste dort einzublenden.

Elegant: Die Desktop-Umgebung KDE erlaubt ab Version 4.10 die Reduktion eines Anwendungsmenüs auf ein ausklappendes Icon rechts in der Titelleiste des Programmfensters.
Vergrößern Elegant: Die Desktop-Umgebung KDE erlaubt ab Version 4.10 die Reduktion eines Anwendungsmenüs auf ein ausklappendes Icon rechts in der Titelleiste des Programmfensters.

Nur exportieren: Diese Einstellung zeigt die Menüleiste nicht direkt über KDE an, sondern überlässt es anderen, vom Anwender installierten Widgets, die Leiste abzubilden. Da aktuell passende Widgets erst in einer Betaversion vorliegen, wird die Option erst in Zukunft relevant. Falls alle diese Optionen fehlen, obwohl KDE in einer brandneuen Version vorliegt, dann fehlt lediglich das Paket appmenu-qt, das erst noch nachinstalliert werden muss. Bei den KDE-affinen Linux-Distributionen Open Suse und Kubuntu ist es zwar vorinstalliert, bei der nachträglichen Einrichtung von KDE müssen Sie das Paket aber noch selbst holen. Bei Ubuntu gelingt dies im Terminal-Fenster mit dem Kommando

sudo apt-get install appmenu-qt

Open Suse 12.3 und Fedora 18 stellen das Paket namensgleich über ihre jeweiligen Paketmanager bereit.

Kubuntu

Gnome-Tools unter KDE: Separate Menüs

Generell funktioniert der Umzug der Menüleiste in KDE 4.10 bei allen Programmen, die das Qt-Toolkit von KDE nutzen. Was aber, wenn eine Software für Gnome geschrieben ist und seine Oberfläche auf GTK3 aufbaut? In Kubuntu 13.04 können Sie das Fensterverhalten von Gnome-Anwendungen manuell anpassen, damit deren Menüleiste in KDE auch am oberen Bildschirmrand erscheint.

Gnome-Menüleisten in Kubuntu: Anwendungsmenüs am oberen Bildschirmrand lassen sich in Kubuntu mit dieser Einstellung auch für Gnome-Programme unter KDE aktivieren.
Vergrößern Gnome-Menüleisten in Kubuntu: Anwendungsmenüs am oberen Bildschirmrand lassen sich in Kubuntu mit dieser Einstellung auch für Gnome-Programme unter KDE aktivieren.

TIPP: Der Mix mehrerer Programme von KDE und Gnome auf dem Desktop ist keine Seltenheit, schließlich wählt man benötigte Anwendungen nach ihrer Funktion aus und nicht nach ihrem zugrunde liegenden Toolkit. Gnome-Anwendungen ignorieren aber zahlreiche KDE-Einstellungen. In Kubuntu 13.04 gibt es einen Trick, um die Menüleisten von Gnome-Programmen an den oberen Rand zu verschieben. Installieren Sie dazu die Pakete für die Menüleisten von Unity mit diesem Kommando:

sudo apt-get install appmenu-gtk3 appmenu-gtk

Anschließend legen Sie mit dem weiteren Befehl

mkdir ~/.config/gtk-3.0

ein neues Verzeichnis an und legen dann dort mittels

touch ~/.config/gtk-3.0/settings. ini

die benötigte Konfigurationsdatei für Gnome-Programme an. Dann öffnen Sie diese neue Datei mit einem Texteditor Ihre Wahl und geben Ihr folgenden Inhalt:

[Settings]

gtk-shell-shows-menubar=1

Mehr ist nicht zu tun. Nach dem Abspeichern der Datei verstecken Gnome- Programme ihre Menüleiste und zeigen diese am oberen Rand an, sofern in KDE diese Einstellung gesetzt ist. Falls die Datei „settings.ini“ schon existiert, können Sie sich das Anlegen der Datei übrigens sparen und brauchen unterhalb des Abschnitts „[Settings]“ nur den Eintrag gtk-shellshows- menubar=1 zu ergänzen. Um das normale Verhalten von Gnome- Anwendungen wiederherzustellen, brauchen Sie diese Zeile nur wieder zu entfernen.

Unity

Anwendungsmenü klassisch für Unity

Viele kontroverse Änderungen, die moderne Desktop-Umgebungen wie Unity umgesetzt haben, sind letztlich Gewöhnungssache. Eine Neuerung, an die sich wenig Anwender schmerzlos gewöhnen können, ist das Fehlen eines klassischen Anwendungsmenüs bei Ubuntu Unity.

Traditionelles Anwendungsmenü für Unity: Classic Menu Indicator ist eine Erweiterung für das Unity-Panel, um der Desktop-Umgebung zu einem klassischen Menü zu verhelfen. Hier zeigen sich übrigens auch Wine-Programme einzeln.
Vergrößern Traditionelles Anwendungsmenü für Unity: Classic Menu Indicator ist eine Erweiterung für das Unity-Panel, um der Desktop-Umgebung zu einem klassischen Menü zu verhelfen. Hier zeigen sich übrigens auch Wine-Programme einzeln.

TIPP: Ubuntu setzt mit Unity die Liste der favorisierten Programme in den Launcher auf die linke Seite des Bildschirms. Alles andere ist über die Dash-Übersichtsseite auffindbar – wenn auch manchmal erst nach langer Suche. Wer damit partout nicht zurechtkommt, aber auf die sonstigen Vorzüge von Unity nicht verzichten will, bekommt nun ein klassisches Anwendungsmenü im Stil von Gnome 2 nachgeliefert: Der Classic Menu Indicator ist eine Erweiterung für das obere Unity-Panel, die der Entwickler Florian Diesch   zur bequemen Installation ab Ubuntu 12.04 über ein PPA anbietet. Dieses inoffizielle Repository fügen Sie in Ubuntu in einem Terminal-Fenster mit

sudo add-apt-repository

ppa:diesch/testing

hinzu und installieren dann den Classic Menu Indicator mit diesen zwei Befehlen:

sudo apt-get update

sudo apt-get install classicmenuindicator

Um die Erweiterung in Betrieb zu nehmen, führen Sie Classic Menu Indicator über den Ausführen-Dialog (Alt- F2) aus. Außerdem wird die Erweiterung nach der Installation auch automatisch nach der Anmeldung gestartet. Das Menü zeigt sich als kleines, rundes Symbol recht im Infobereich des Unity-Panels. Ein Klick darauf klappt die Liste der installierten Anwendungen nach Kategorien geordnet aus. Zudem gibt es Abkürzungen zu Elementen der Systemsteuerung, die in „Persönlich“, „Hardware“ und „System“ unterteilt sind. Besonders praktisch ist der Classic Menu Indicator bei der Verwendung von Wine, denn installierte Windows-Anwendungen zeigen sich hier schön übersichtlich mit Programmnamen in ihrem eigenen Untermenü.

Gnome

Tastenkonflikt: Alt-Taste abschalten

Traditionell ist die linke Alt-Taste unter Gnome ein Modifikator, um zusammen mit der gedrückten linken Maustaste das gerade aktive Fenster zu verschieben. Andere Anwendungen, etwa Blender oder Spiele unter Wine, kommen mit dieser Tastenbelegung oft ins Gehege, da hier die Taste Alt verbunden mit Mausklick eine andere Funktion hat.

Altes Problem: Die Alt-Taste dient bei gedrückter Maustaste dazu, Fenster zu verschieben. Wenn diese Belegung mit Programmen kollidiert, schalten Sie das Verhalten in Gnome 3 im abgebildeten dconf-editor ab.
Vergrößern Altes Problem: Die Alt-Taste dient bei gedrückter Maustaste dazu, Fenster zu verschieben. Wenn diese Belegung mit Programmen kollidiert, schalten Sie das Verhalten in Gnome 3 im abgebildeten dconf-editor ab.

TIPP: In Gnome 3 lässt sich diese in vielen Fällen eher unpraktische Maus-Tastatur-Kombination mit Hilfe von dconf-editor abschalten. Um die Taste freizugeben, installieren Sie aus dem Paketmanager zuerst das Paket dconf-editor und starten dieses Konfigurations-Tool über den gleichlautenden Programmnamen. Windows- Anwender dürften sich bei der Optik des Tools an den Registry-Editor erinnert fühlen. Navigieren Sie links in der Spalte in der aufklappenden Struktur auf „org -> gnome -> desktop -> wm -> preferences“ . Hier finden Sie den Eintrag „mouse-button-modifier“, der standardmäßig den Wert „<Alt>“ enthält. Klicken Sie den Eintrag doppelt an und ändern Sie die Tastenzuweisung auf etwas anderes – beispielsweise auf „<Super>“ , was für die Windows-Taste auf der Tastatur steht. Sehr praktisch ist diese Änderung auch für jene Anwender, die Photoshop mit Wine unter Linux verwenden.

KDE

Lancelot: Alternatives Menü für KDE

Große Bildschirme bieten viel Platz für großzügige Anwendungsmenüs. KDE bietet das K-Menü, das sich in Distribution wie Open Suse und Kubuntu standardmäßig im ausführlichen „Kick-off“-Stil zeigt. Die Größe können Sie aber nicht verändern, und bei vielen installierten Programmen wird das Menü unübersichtlich.

KDE-Klassiker in neuem Gewand: Der Anwendungsstarter Lancelot ersetzt in KDE als nachrüstbares Plasma-Widget das traditionelle K-Menü und eignet sich besonders bei hohen Auflösungen und großen Bildschirmen.
Vergrößern KDE-Klassiker in neuem Gewand: Der Anwendungsstarter Lancelot ersetzt in KDE als nachrüstbares Plasma-Widget das traditionelle K-Menü und eignet sich besonders bei hohen Auflösungen und großen Bildschirmen.

TIPP: Ein Klassiker für KDE ist der Programmstarter Lancelot, der im KDE-Panel ein alternatives Anwendungsmenü anzeigt, dessen Größe sich frei verändern lässt. Mittlerweile ist das Programm als schickes Plasma- Widget wiedergeboren und erlaubt die bequeme Einrichtung mit vielen Optionen. In Kubuntu installieren Sie das Widget mit dem Kommando sudo aptget plasma-widget-lancelot . In der KDE-Version von Open Suse 12.3 ist es bereits vorinstalliert und findet sich ansonsten in der grafischen Paketverwaltung von Yast als plasma-addonslancelot. Zur Verwendung klicken Sie im KDE-Panel auf das Symbol der Cashew- Nuss und dann auf „Miniprogramme hinzufügen“, wo Sie das neue Menü als „Lancelot-Programmstarter“ finden und auf die gewünschte Stelle des Panels ziehen können. Das alternative Menü ziehen Sie im ausgeklappten Zustand auf die passende Größe und konfigurieren es mit einem Rechtsklick auf das neue Symbol weiter. Hier können Sie beispielsweise eine eigene Tastenkombination festlegen und das Menü automatisch bei der Berührung mit der Maus aufklappen lassen.

Gnome/Unity

Auto-Login: Schlüsselbund- Passwort stört

Auf einem Desktop-PC, an den sich nur ein Benutzer anmeldet, erscheint die Eingabe von Benutzername und Passwort zur Anmeldung umständlich. Gnome und Unity bieten deshalb den automatischen Login unter „Systemeinstellungen -> Benutzer“ ganz ohne Passworteingabe zur Anmeldung. Trotzdem zeigt sich beim Start einiger Programme weiterhin der Dialog „Anmeldeschlüsselbund entsperren“, der auf die Eingabe des Passworts wartet.

Wiederkehrende Aufforderung: Ist in Unity oder Gnome das automatische Log-in aktiviert, muss der Gnome-Schlüsselbund separat entsperrt werden.
Vergrößern Wiederkehrende Aufforderung: Ist in Unity oder Gnome das automatische Log-in aktiviert, muss der Gnome-Schlüsselbund separat entsperrt werden.

TIPP: Linux-Systeme sind für den Mehrbenutzerbetrieb ausgelegt, und dazu gehört, dass Benutzer die vertraulichen Daten von anderen Benutzerkonten auf dem System nicht lesen können. Zu diesem Zweck bieten Gnome und das darauf basierende Unity einen Schlüsselbund als Passwort- Safe, in dem gespeicherte Kennwörter von Programmen untergebracht sind. Nach der Anmeldung wird der Safe im Hintergrund mit dem eingegebenen Passwort geöffnet – der Anwender bekommt davon nichts mit. Bei der automatischen Anmeldung ohne Passwort bleiben die Schlüsselbunde aber zunächst geschlossen. Dies macht sich dann bemerkbar, wenn ein Programm Zugriff auf gespeicherte Passwörter verlangt. Dies ist etwa der Dateimanager Nautilus, wenn dort Netzwerkverbindungen mit Anmeldedaten hinterlegt sind, aber auch der Browser Google Chrome (und Chromium) und der Network Manager speichern ihre Passwörter im Gnome- Schlüsselbund. Der Schlüsselbund lässt sich aber auch ohne Passwort öffnen. Dies bedeutet aber auch, dass Sie auf den verschlüsselten Passwortspeicher von Gnome verzichten müssen. Denn es gilt auch hier die übliche Faustregel „Sicherheit = 1 / Bequemlichkeit“.

Um das Passwort vom Schlüsselbund zu entfernen, starten Sie die Hilfsanwendung Seahorse, etwa über die Eingabe seahorse im Ausführen- Dialog. Gehen Sie in Seahorse in der Menüleiste auf „Ansicht“ und aktivieren Sie dort „Nach Schlüsselbund“, um die Liste aller Passwort-Speicher in einer Seitenleiste anzuzeigen. In der Seitenleiste klicken Sie rechts auf „Anmeldung“ und dann auf „Passwort ändern“. Zuerst geben Sie jetzt zum Entsperren das gewohnte Anmeldepasswort ein. Im darauf folgenden Dialog „Wählen Sie ein neues Passwort für den Schlüsselbund“ lassen Sie beide Passwort-Felder leer und klicken gleich auf „Weiter“. Gnome informiert Sie, dass ab jetzt ihre Passwörter unverschlüsselt gespeichert werden, was auf Einzelplatz-PCs allerdings kein großes Risiko ist. Ab sofort entsperrt sich der Schlüsselbund ohne weitere Nachfragen bei der automatischen Anmeldung.

Wenn Ihnen diese Einstellung zu unsicher ist, aber zumindest der Network Manager nicht dauernd mit Passwort- Rückfragen bei der Verbindung an ein WLAN stören soll, dann können Sie dessen Passwort-Aufforderung auch gezielt abstellen, ohne den Gnome-Schlüsselbund anzutasten. Gehen Sie dazu im Symbol des Network Manager über dessen Kontextmenü auf „Verbindungen bearbeiten“ und dort auf „Funknetzwerke“. Die Einstellungen zu einem WLAN öffnen Sie per Doppelklick. Ganz unten aktivieren Sie die Option „Für alle Benutzer verfügbar“. Mit dieser Einstellung kommen WLAN-Kennwörter nicht in den Gnome-Schlüsselbund und die Verbindung funktioniert ohne Passwort- Rückfragen.

Dateiverwaltung

Nautilus: Vorlagen für neue Dateitypen

Dokumente, Bilder, Textdateien – auf dem Desktop haben Sie meistens mit den gleichen Dateitypen zu tun. Praktisch wäre es deshalb, die immer wieder benötigten Typen schnell im Dateimanager zu erstellen. Nautilus, der Dateimanager von Gnome, bietet aber keine entsprechende Funktion mehr an. Das Kontextmenü ist bei Gnome 3.6 fast leer, und bei Unity gibt es im vorhandenen Menüpunkt „Neues Dokument anlegen“ nur den Eintrag „Leeres Dokument“.

Vorlagen nachlegen: Bevor sich dieses Kontextmenü mit Einträgen füllt, ist es nötig, alle gewünschten Dateivorlagen im Unterordner „Vorlagen/Templates“ des Home-Verzeichnisses anzulegen.
Vergrößern Vorlagen nachlegen: Bevor sich dieses Kontextmenü mit Einträgen füllt, ist es nötig, alle gewünschten Dateivorlagen im Unterordner „Vorlagen/Templates“ des Home-Verzeichnisses anzulegen.

TIPP: Auch wenn sich Gnome und Unity zugeknöpft zeigen: die Möglichkeit, neue Dokumente im Dateimanager anzulegen, gibt es weiterhin. Allerdings ist der Mechanismus bei den meisten Distributionen nicht schlüsselfertig eingerichtet. Es obliegt den Anwendern, dafür erst eigene Vorlagen zu erstellen, die sich dann automatisch im Kontextmenü von Nautilus zeigen. So legen Sie beispielsweise eine Libre-Office-Text-Vorlage an: Erstellen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis das Unterverzeichnis „Vorlagen“ beziehungsweise „Templates“ bei englischsprachigen Linux-Distributionen. Ein entsprechendes Verzeichnis ist aber meist bereits vorhanden. In dieses Verzeichnis kommen nun alle gewünschten Vorlagendateien. Für eine ODFVorlage starten Sie den Libre Office Writer und speichern eine leere Datei mit dem Namen „ODF Dokument. odt“ im Vorlagen-Verzeichnis. Ab sofort steht in Nautilus per Rechtsklick in den Vorlagen der neue Eintrag „ODF Dokument“ zur Verfügung. Genauso verfahren Sie mit allen anderen gewünschten Dateitypen, die Sie als Vorlage haben möchten. Der Dateiname wird generell zum Namen der Vorlage im Kontextmenü.

In Gnome 3.6 und wohl auch in den folgenden Versionen verhält sich Nautilus äußerst bockig und zeigt zunächst keine Vorlagen an. Schuld daran ist ein Bug in der Standardkonfiguration von Gnome, der aber leicht behoben ist: Öffnen Sie die Datei „~/.config/userdirs. dirs“ mit einem beliebigen Texteditor und ändern Sie dort die Definition des Eintrags „XDG_TEMPLATES_ DIR“ auf das korrekte Verzeichnis:

XDG_TEMPLATES_DIR="$HOME/ Vorlagen

Ab sofort zeigt sich Gnome 3.6 kooperationsbereit und präsentiert auch wieder den gewohnten Menüpunkt.

Fensterverwaltung

Analyse-Tool: Wem gehört das Fenster?

Bei vielen Programmfenstern auf dem Desktop ist klar, zu welchem Programm sie gehören und wie der Name der ausgeführten Programmdatei lautet. Bei verwaisten Fenstern, bei denen nicht klar ist, zu welchem Programm sie gehören, hilft ein Trick bei der Identifizierung.

Was steckt hinter dem Fenster? Das Tool xprops identifiziert per Mausklick auf ein Programmfenster das verantwortliche Programm – hier „libreoffice-writer“.
Vergrößern Was steckt hinter dem Fenster? Das Tool xprops identifiziert per Mausklick auf ein Programmfenster das verantwortliche Programm – hier „libreoffice-writer“.

TIPP: Der Weg vom Fenster zum tatsächlichen Namen des dahinterstehenden Programms klappt bei allen Desktop-Umgebungen und führt zunächst in ein Terminal-Fenster. Geben Sie dort das Kommando

xprop | awk '/CLASS/'

ein. Daraufhin verwandelt sich der Mauszeiger in ein Fadenkreuz, mit dem Sie jetzt das gewünschte Fenster anklicken. Zurück im Terminal erscheint jetzt die Ausgabe der Details zum angeklickten Fenster in einer Zeile. Der letzte Eintrag in der Zeile gibt den tatsächlichen Programmnamen an, etwa

WM_CLASS(STRING) = "VCLSalFrame", "libreoffice-writer"

In diesem Beispiel ist wäre also „libreoffice- writer“ das zugehörige Programm. Der auf diese Weise ermittelte Name ist nützlich, um Programme in Zukunft direkt über den Ausführen- Dialog zu starten oder um hängengebliebene Anwendungen mittels killall <name> zu beenden.

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