1563056

Outlook.com oder Gmail? Die besten Freemailer im Vergleich

28.08.2012 | 12:12 Uhr |

Redmond prescht nach vorn: Mit Outlook.com bietet Microsoft einen kostenlosen Webmail-Dienst an, der mit innovativen Features, einfacher Bedienung und feiner Optik brilliert. Ist Outlook.com vielleicht besser als Googles Gmail?

Die Anwender wissen die neue Aufmachung offenbar zu schätzen: Laut Microsoft haben sich in den ersten zwei Wochen seit Marktstart schon mehr als zehn Millionen Nutzer registriert. Wir haben Microsofts neuen Webmailer Outlook.com mit dem Platzhirschen Gmail und vier weiteren Freemail-Angeboten verglichen. Unsere Feature-Tabelle zeigt alle wichtigen Merkmale, die von Anbieter zu Anbieter deutlich variieren. Die übrigen Kriterien sind bei allen Webmail-Diensten überwiegend ähnlich oder identisch. Wesentliche Sicherheitsfunktionen wie Viren- und Spam-Schutz oder die verschlüsselte Anmeldung weisen alle Webmail-Dienste auf.

Mail-Dienst

Gmail

Outlook.com

GMX FreeMail

Web-Adresse

www.gmail.com

www.outlook.com

www.gmx.net

ehemalige Bezeichnung(en)

Google Mail

Hotmail; Windows Live Hotmail

kostenlose primäre E-Mail-Adresse(n) pro Account

1 (gmail.com)

1 (outlook.com)*

2 (gmx.net oder gmx.de)*

kostenlose E-Mail-Aliase

bis zu 30 pro Account

bis zu 15 pro Account (max. 5 pro Jahr anlegbar)

keine*

Speicherplatz für E-Mails

10 GB kostenlos

unbegrenzt**

1 GB kostenlos (erweiterbar auf 1,5 GB**)

maximale Größe für Dateianhänge

25 MB

25 MB bzw. 300 MB***

20 MB

zusätzlicher Speicherplatz für Dateien, Dokumente

Google Drive: 5 GB kostenlos, mehr gegen Bezahlung*

SkyDrive: 7 GB kostenlos, mehr gegen Bezahlung****

GMX Media Center: 1 GB kostenlos, mehr gegen Bezahlung***

Konto-Zugriff per POP und IMAP

POP und IMAP

derzeit nur POP, IMAP wird möglicherweise integriert

nur POP, kein IMAP

kostenloser SMS-Versand

über Google Mail-Chat, unbegrenzt viele SMS

wird nicht angeboten

10 SMS/Monat****

mobile Anwendungen (Apps)

Android, iPhone, iPad, Windows Mobile

derzeit keine

Android, iPhone

kostenpflichtige Upgrades

z.B. Google Apps for Business für 5 US-Dollar/Nutzer/Monat: 25 GB Speicherplatz für E-Mails, individuelle E-Mail-Adresse, 24/7-Kunden-Support, Verfügbarkeitsgarantie von 99,9%, "Mobile Device Management" und mehr

derzeit keine Angebote

GMX ProMail für 2,99 Euro/Monat: 5 GB Speicherplatz für E-Mails, 50 SMS pro Monat kostenlos, "Profi-Sicherheitsschutz", Fax-Funktion; GMX TopMail für 4,99 Euro/Monat: 10 GB Speicherplatz für E-Mails (dynamische Erweiterung auf unbegrenzten Speicherplatz), 100 SMS pro Monat kostenlos, "Rundum-Sicherheitspaket", "Multi-Fax-Paket"

Bemerkungen

*5 GB kostenlos für Dokumente, Dateien – zusätzliche 25 GB für 2,49 US-Dollar/Monat, zusätzliche 100 GB für 4,99 US-Dollar/Monat

*eine vorhandene Adresse mit der Endung live.de, hotmail.de oder hotmail.com wird bei der Umstellung von Windows Live Hotmail auf Outlook.com übernommen – Neuregistrierungen sind nur mit der Endung outlook.com möglich; **Microsoft wirbt mit "praktisch unbegrenzter Speicherplatz"; ***bis zu 25 MB große Dateien werden direkt verschickt, größere als Download-Link für den SkyDrive (max. 300 MB); ****7 GB kostenlos für Dokumente, Dateien – zusätzliche 20 GB für 8 Euro/Jahr, zusätzliche 50 GB für 19 Euro/Jahr, zusätzliche 100 GB für 37 Euro/Jahr

*neben 2 Hauptadressen können kostenlos drei weitere Adressen mit so genannten "Fun-Domains" genutzt werden, z.B. Alpenjodel.de oder Wolke7.net, aber keine E-Mail-Aliase; **1 GB Speicherplatz erweiterbar auf 1,5 GB bei Download und Aktivierung des kostenlosen Tools GMX MailCheck; ***z.B. 20 GB für 1,99 Euro/Monat; ****mit kostenlosem "Plus-Upgrade", das bei der Anmeldung bestellt werden kann

Mail-Dienst

iCloud

Web.de

Yahoo Mail

Web-Adresse

www.icloud.com

www.web.de

http://de.mail.yahoo.com

ehemalige Bezeichnung(en)

MobileMe

kostenlose primäre E-Mail-Adresse(n) pro Account

1 (me.com)

1 (web.de)

2 (yahoo.de, yahoo.com, ymail.com oder rocketmail.com)

kostenlose E-Mail-Aliase

bis zu 3 pro Account

keine

beliebig viele, aber nur für Mail-Empfang*

Speicherplatz für E-Mails

5 GB insgesamt kostenlos, mehr gegen Bezahlung*

12 MB kostenlos (erweiterbar auf 500 MB*)

unbegrenzt

maximale Größe für Dateianhänge

20 MB

4 MB

25 MB bzw. 2 GB**

zusätzlicher Speicherplatz für Dateien, Dokumente

5 GB insgesamt kostenlos, mehr gegen Bezahlung*

Web.de Online-Speicher: 1 GB kostenlos, mehr gegen Bezahlung**

wird nicht angeboten

Konto-Zugriff per POP und IMAP

POP und IMAP

nur POP alle 15 min, kein IMAP

POP und IMAP

kostenloser SMS-Versand

wird nicht angeboten, Alternative: iMessage**

wird nicht angeboten

wird nicht angeboten

mobile Anwendungen (Apps)

iPhone, iPad***

Android, iPhone

Android, Blackberry, iPhone, iPad, Symbian

kostenpflichtige Upgrades

derzeit keine Angebote

Web.de Club für 5 Euro/Monat: unbegrenzter Speicherplatz für E-Mails, Dateianhänge bis 50 MB, IMAP, 19 zusätzliche E-Mail-Adressen, monatlicher Gratis-Film in der Online-Videothek maxdome, kostenloses Kreditkarten-Doppel (Visa und Mastercard) und viele weitere Extras

Yahoo Mail Plus für 15 Euro/Jahr: Account bleibt auch ohne regelmäßige Anmeldung immer aktiv (beim kostenlosen Angebot muss man sich mindestens einmal aller 4 Monate anmelden), außerdem stehen zusätzliche Filterfunktionen für E-Mails zur Verfügung

Bemerkungen

*5 GB kostenlos für E-Mails, Dokumente, Dateien – zusätzliche 10 GB für 16 Euro/Jahr, zusätzliche 20 GB für 32 Euro/Jahr, zusätzliche 50 GB für 80 Euro/Jahr; **iMessage: kostenloser Nachrichtenversand zwischen iOS- und Mac-OS-Geräten; ***vollständige Integration in die iOS-Anwendungen Adressbuch, Kalender, Kontakte, Mail und Notizen

*12 MB Speicherplatz erweiterbar auf 500 MB bei Download und Aktivierung des kostenlosen Tools Web.de MailCheck; **z.B. 20 GB für 1,99 Euro/Monat

*Yahoo spricht von "Wegwerfadressen", die z.B. genutzt werden können, um Spam gezielt auszusortieren; **der Dienst YouSendIt kann direkt aus Yahoo Mail heraus genutzt werden, um Dateien bis 2 GB Dateigröße per Mail zu verschicken (Download-Link)

Werbewirksames Argument: Größe vom Speicherplatz

Große Unterschiede zeigen sich beim Speicherplatz, der für eingehende und gesendete E-Mails sowie Dateianhänge zur Verfügung steht. Wie Yahoo begrenzt auch Outlook.com diesen Speicherplatz nicht und übertrifft damit Gmail, das pro Account zehn GByte Mailspace bietet.

Ist dieser ausgeschöpft, wird man von Gmail aufgefordert, ältere oder besonders große E-Mails zu löschen, um für neue Nachrichten Platz zu schaffen. Allerdings wird das sehr selten notwendig sein. Die meisten Anwender reizen nur einen Bruchteil des Speicherplatzes aus. Selbst ein GByte wie bei GMX reicht in der Regel aus.

Nur Web.de bietet viel zu wenig Mail-Speicher: Zwölf MByte sind nicht mehr zeitgemäß. Zudem lassen sich mit Web.de auch nur maximal vier MByte große Dateien empfangen und verschicken, während die anderen Webmailer mindestens 20 MByte große Dateianhänge erlauben.

Wer die Wahl hat... Bei der Einrichtung eines GMX-Accounts stehen verschiedene Endungen zur Verfügung. Für nicht zahlende Nutzer allerdings nur gmx.net oder gmx.de.
Vergrößern Wer die Wahl hat... Bei der Einrichtung eines GMX-Accounts stehen verschiedene Endungen zur Verfügung. Für nicht zahlende Nutzer allerdings nur gmx.net oder gmx.de.

Doch Webmail-Dienste werben nicht nur mit Speicherplatz für E-Mails. Bis auf Yahoo bieten alle Dienste zusätzlich kostenlosen Speicherplatz für Dokumente und Dateien an. Bei Gmail ist das der erst dieses Jahr gestartete Google Drive ein fünf GByte großer Cloud-Speicher. Mit Gmail empfangene Dateianhänge in Form von Texten, Tabellen und Präsentationen lassen sich herunterladen oder gleich im Online-Office Google Docs öffnen. Ohne vorheriges Öffnen in Google Docs kann man sie jedoch nicht in Google Drive speichern.

Google Drive, Dropbox & Co: Welcher Cloud-Speicher bietet am meisten?

Doch auch mit Outlook.com ist es etwas umständlich, empfangene Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumente im sieben GByte großen SkyDrive abzulegen. Erst muss man im Symbol des E-Mail-Anhangs auf „Online anzeigen“ klicken, damit das Dokument angezeigt wird. Danach ist noch ein Klick auf „Im Browser bearbeiten“ nötig, woraufhin sich die passende App aus Microsofts Online-Office öffnet. Automatisch wird eine Kopie des Dokuments auf den SkyDrive hochgeladen. Sehr gut: Sobald man Änderungen am Dokument vorgenommen hat und dieses schließt, bietet Outlook.com die Möglichkeit, diese Änderungen an den Absender zu schicken.

Webmail per E-Mail-Programm: POP3 und IMAP

Je nach Webmail-Anbieter erhält man pro Account eine oder zwei primäre E-Mail-Adressen. Diese können im Browser oder mit jedem beliebigen E-Mail-Programm verwendet werden. Am komfortabelsten ist der E-Mail-Abruf mittels IMAP: Dabei verbleiben die Nachrichten nach dem Herunterladen am PC auf dem Mail-Server und lassen sich auch später wieder im Browser ansehen.

Doch Outlook.com bietet derzeit nur das POP3-Verfahren an – ein Nachteil gegenüber Gmail. Denn einmal per E-Mail-Programm heruntergeladene Mails befinden sich nach dem POP3-Abruf normalerweise nicht mehr auf dem Mail-Server. Immerhin hat Microsoft eine Funktion in Outlook.com integriert, die das Löschen von Mails durch das E-Mail-Programm verhindert. Sie lässt sich unter „Weitere E-Mail-Einstellungen / POP und Löschen heruntergeladener Nachrichten“ aktivieren.

In den Einstellungen von Outlook.com findet sich der Menüpunkt „E-Mail-Alias erstellen“, mit dem sich weitere Adressen zur primären E-Mail-Adressen einrichten lassen.
Vergrößern In den Einstellungen von Outlook.com findet sich der Menüpunkt „E-Mail-Alias erstellen“, mit dem sich weitere Adressen zur primären E-Mail-Adressen einrichten lassen.

F ür jeden Zweck: Alias- und Wegwerf-Adressen

E-Mail-Aliase sind alternative E-Mail-Adressen, die mit der oder den primären Adresse(n) verknüpft sind. Sie lassen sich vielfältig nutzen. Besitzt Herr Martin Müller, Jahrgang 1976, zum Beispiel die Adresse „martin.mueller@gmail.com“, bietet es sich für ihn an, auch Adressen wie „mmueller@gmail.com“ oder „mm76@gmail.com“ zu reservieren. Gmail erlaubt es, bis zu 30 solcher E-Mail-Aliase anzulegen – Outlook.com hingegen nur 15, wobei sich jedes Jahr höchstens fünf neue Adressen erstellen lassen. Hinten anstehen GMX und Web.de, die gar keine Aliase erlauben.

Einen anderen Weg als seine Konkurrenten geht Yahoo. Beim violetten Webmailer gibt es statt Aliasen so genannte Wegwerf-Adressen, von denen sich beliebig viele anlegen lassen. Man kann sie zum Beispiel fürs Anmelden bei Web-Diensten nutzen, denen man nicht seine richtige E-Mail-Adresse offenbaren will. Mit den Wegwerf-Adressen lässt sich allerdings nur Post empfangen – als Absender sind sie nicht zu gebrauchen. Benötigt man eine Webwerf-Adresse nicht mehr, ist sie mit einem Klick gelöscht.

Fazit: GMail und das neue Outlook.com liegen vorn

Der Vergleich zeigt: Outlook.com und Gmail sind sich ebenbürtig. Doch Microsofts Webmailer hat Chancen, in Zukunft, die Nummer eins zu sein. Clevere Funktionen wie die Sortierbarkeit von Mails nach Größe oder Gesprächsverlauf, die Integration von Sozialen Netzwerken (und demnächst auch Skype) sowie die Nutzung der Office-Web-Apps zum Bearbeiten von Dokumenten machen den neuen Webmailer stark. Nur die fehlende IMAP-Unterstützung ist ein echtes Manko. Dafür brilliert Outlook.com mit einer schicken Oberfläche im Look von Windows 8, die sich in unserem Test deutlich schneller als Gmail darstellte.

Andere Webmail-Dienste können Microsoft und Google nicht das Wasser reichen. Am wenigsten Web.de, das nicht nur altmodisch wirkt, sondern auch noch schwache Leistungswerte bietet. GMX und Yahoo Mail sind dagegen zweckmäßig, obwohl sie verglichen mit Outlook.com und Gmail etwas angestaubt wirken.

Apples Webmail-Dienst iCloud ist der Außenseiter im Vergleich. Der Dienst funktioniert gut, ist aufgrund der starken Integration in Mac OS allerdings nur für Apple-Besitzer sinnvoll nutzbar. iCloud gleicht Mails, Kontakte, Kalender und Notizen automatisch mit den jeweiligen Offline-Anwendungen von Mac OS ab. Mit den Apple-Anwendungen Pages (Textverarbeitung), Numbers (Tabellenkalkulation) und Keynote (Präsentationsprogramm) erstellte Dokumente lassen sich direkt in iCloud speichern und per Browser aufrufen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1563056