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Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

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Test: Discover Pro, Active Info Display, Car-Net im VW Passat

24.07.2015 | 16:18 Uhr |

In den Passat hat Volkswagen alles reingepackt, was der Konzern bei Internet, Smartphone-Integration, Navigation, Sprachsteuerung, Unterhaltung und Mirrorlink zu bieten hat. Wir machen den Test. Und finden nur eine Schwäche.

Discover Pro heißt das leistungsfähigste Infotainment- und Navigationssystem, das Volkswagen für den VW Passat anbietet. Über die Car-Net-Dienste kann man auf dem Discover Pro verschiedene Internet-Angebote empfangen, unter anderem Echtzeitverkehrsinformationen von TomTom. Und mit dem Active Info Display hat der Fahrer einen zusätzlichen Bildschirm direkt vor sich im Armaturenbrett.

Hinweis 24. Juli 2015 : In unserem Testwagen war noch kein Head-Up-Display verbaut . Dieses konnten wir somit nicht testen.

Unterschiede zum bisherigen Discover Pro

Der grundsätzliche Aufbau des Discover Pro (2. Generation) ähnelt stark dem des Discover Pro im Golf GTD. Denn die GTI- und GTD-Versionen des Golf waren die ersten Volkswagen-Modelle mit den Car-Net-Diensten aus dem Internet. Neu hinzugekommen gegenüber dem Golf GTD in unserem damaligen Test ist aber zum Beispiel der Support für Mirrorlink, wie wir es bereits aus dem VW Polo kennen - das Ganze läuft unter dem Oberbegriff App-Connect, den Volkswagen auf der CES in Las Vegas vorgestellt hat.

Unser Testwagen.
Vergrößern Unser Testwagen.
© VW

Mit Mirrorlink lässt sich der Bildschirm eines Android-Smartphone auf das Discover Pro spiegeln. In diesem Modus werden dann aber nur bestimmte, ausgewählte Apps angezeigt. Die Darstellung des Smartphones-Bildschirms und der Apps wird dabei für die Benutzung im Auto optimiert.

Ein weiterer Unterschied zum Discover Pro aus dem GTD: Der Passat besitzt einen beeindruckenden zweiten Bildschirm namens „Active Info Display“ im Cockpit direkt vor dem Fahrer - hier orientiert sich VW am Audi TT.

Von der ebenfalls in Las Vegas auf der CES 2015 vorgestellten Gestensteuerung ist im Passat dagegen noch nichts zu finden. Dieses Bedienkonzept ist für die Automobil-Branche neu und wird erst langsam erschlossen, zum Beispiel mit dem ab Herbst verkauften 7er BMW.

VW zeigt Gestensteuerung und App Connect

Testbasis

Unser Testwagen war ein Passat Variant 1,4 Liter 110 KW (150 PS) TSI ACT 7-Gang-DSG mit Discover Pro, Active Info Display und Car-Net. Der Listenpreis für den Passat liegt bei knapp über 52.000 Euro.

Preis: Im Premium-Segment angesiedelt

Wie schon beim Golf GTD und dessen Kombination aus Discover Pro und Car-Net für 3000 Euro langt VW auch beim Passat für das Infotainmentsystem heftig hin. Das Navigationssystem "Discover Pro" lässt sich VW mit 2180 Euro bezahlen; für das Active Info Display im Cockpit des Armaturenbretts direkt vor dem Fahrer werden noch einmal 500 Euro fällig.

DAB+-Radio-Sender
Vergrößern DAB+-Radio-Sender

Das Connectivity-Paket kostet 175 Euro zusätzlich, der digitale Radioempfang DAB+ noch einmal 235 Euro. Die Sprachbedienung ist bei Discover Pro bereits im Preis enthalten (einzeln kostet die Sprachbedienung 215 Euro). Das Multifunktions-Lederlenkrad schlägt mit 155 Euro zu Buche.

Karussellansicht mit Car-Net.
Vergrößern Karussellansicht mit Car-Net.

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Im Preis von „Discover Pro“ ist das Car-Net-Dienstepaket „Guide & Inform Plus“ für 12 Monate enthalten. Anschließend müssen Sie dafür bezahlen. Die Verlängerung für ein Jahr kostet 79 Euro. Für drei weitere Jahre muss der Nutzer 135 Euro bezahlen.

Test: Internet und Navigation im rasenden Öl-Brenner

App-Connect kostet noch einmal 205 Euro extra. Die für den Internetempfang nötige Mobiltelefon-Schnittstelle Premium kostet 475 Euro und für das optionale Soundsystem "DYNAUDIO Confidence” müssen noch einmal 1300 Euro berappt werden. Somit sind wir bei 5225 Euro für das Infotainmentsystem, wobei man sich die 1300 Euro für das Soundsystem vielleicht sparen kann, weil beim Discover Pro standardmäßig schon acht Lautsprecher dabei sind. Diese dürften vielen Autofahrern genügen. Womit wir bei 3925 Euro für das komplette Infotainmentsystem ohne das zusätzliche Sound-System liegen.

Discover Pro inkl. Sprachsteuerung und Car-Net: 2180 Euro Active Info Display: 500 Euro  Connectivity-Paket: 175 Euro DAB+: 235 Euro Multifunktions-Lederlenkrad: 155 Euro Car-Net-Verlängerung für ein Jahr: 79 Euro. Für 3 Jahre: 135 Euro App-Connect: 205 Euro Mobiltelefon-Schnittstelle Premium: 475 Euro Soundsystem "DYNAUDIO Confidence”: 1300 Euro  Gesamt: 3925 Euro (mit Extra-Sound-System: 5225 Euro) 

Hardware I: 8-Zoll-Farb-Touchscreen, CD-Laufwerk und DAB+

Wie schon im Golf GTD verbaut Volkswagen auch im Passat einen großen Touchscreen im Armaturenbrett über der Mittelkonsole. Dieser 8-Zoll-Farb-Touchscreen ist der Kernbestandteil des Infotainment-Navigationssystems "Discover Pro" (20,3 cm Bildschirm-Diagonale). Der Touchscreen lässt sich grundsätzlich gut ablesen, bei direkter Sonneneinstrahlung verschlechtert sich die Lesbarkeit aber deutlich. Der Bildschirm reagiert flott auf Fingereingaben und erkennt diese auch korrekt. Für die Soundausgabe sind standardmäßig beim Discover Pro acht Lautsprecher vorhanden, in unserem Testwagen gibt es sogar zehn Lautsprecher dank des optionalen Soundsystems "DYNAUDIO Confidence”.

Galerie: Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick

Dazu kommen ein AM-/FM-&DAB+-Radio und ein CD-/DVD-Laufwerk, das VW wie auch beim Golf GTD und Audi bei den Connect-Modellen im Handschuhfach verbaut. Dort verkleinert es natürlich den verfügbaren Platz.

Video: Audi TT mit 12-Zoll-Display im Test

Den grundsätzlichen Aufbau des Touchscreens haben wir seinerzeit beim Golf GTD ausführlich beschrieben, deshalb hier nur in aller Kürze: Links und rechts des Touchscreens sind Menütasten für Radio, Telefon, Sprachsteuerung (gibt es auch per Lenkradtaste), Navigation, Verkehrslageinformationen (gut, dass es dafür eine eigene Taste gibt), Bordcomputer mit Verbrauchsanzeige und die Menü-Taste, mit der Sie den Startbildschirm mit der Karussellansicht aller Funktionen aufrufen. Über die Karussellansicht gibt es zum Beispiel die Car-Net-Dienste und auch Mirrorlink.

Das Discover Pro und rechts daneben das Handschuhfach mit dem CD-Laufwerk und dem SIM-Kartenslot.
Vergrößern Das Discover Pro und rechts daneben das Handschuhfach mit dem CD-Laufwerk und dem SIM-Kartenslot.

Unterhalb des Displays befindet sich der Annäherungssensor. Er erkennt, wenn sich eine Hand dem Bildschirm nähert und fährt dann am unteren Bildschirmrand eine Menüleiste mit Befehlen/Optionen für das aktuell gewählte Menü aus. Das ist sehr praktisch.

Discover Media im VW Polo im Test

Links vom Bildschirm unterhalb der Menütasten befindet sich der Ein-/Ausschalter mit dem Lautstärkeregler und rechts unten vom Bildschirm ein weiterer Dreh-Drückknopf, mit dem man zum Beispiel in die Karte ein- und auszoomen oder Menüpunkte auswählen kann.

Internet im Auto: Audi Connect & MMI im Test

Hardware II: Anschlussfreudig

Eine Festplatte ist ebenfalls verbaut, außerdem befinden sich im Handschuhfach unterhalb des CD-/DVD-Laufwerks auch die Slots für die SIM-Karte und zwei SD-Karten-Slots. AUX-In- und USB-Schnittstellen sind ebenfalls vorhanden und zwar am hinteren Ende der Mittelkonsole unter der Armablage. Neben der zur Discover Pro gehörenden Sprachsteuerung ist auch das Multifunktions-Lederlenkrad ein wichtiges Ausstattungsmerkmal: Es stellt für Telefonie, Multifunktionsdisplay/Bordcomputer, Radio/CD/Audio-Streaming, Lautstärke, Sprachsteuerung und für das ACC bequeme Lenkradtasten bereit.

Einen WLAN-Hotspot kann Discover Pro ebenfalls bereit stellen. Darüber können Tablets oder Notebooks ins Internet gehen.

Das Active Info Display direkt vor dem Fahrer zeigt auch eine Navigationskarte an, die sich noch vergrößern lässt.
Vergrößern Das Active Info Display direkt vor dem Fahrer zeigt auch eine Navigationskarte an, die sich noch vergrößern lässt.

Hardware III: Multifunktionsanzeige "Premium" mit dem Active Info Display

Ein zweiter Bildschirm im Cockpit vor dem Fahrer ist bei modernen Autos nichts Ungewöhnliches. Allerdings handelt es sich dabei in der Regel um kleine Mini-Displays mit dem optischen Charme einer Spiele-Konsole aus den 1980ern. Ganz anders ist dagegen das zweite Display, die so genannte Multifunktionsanzeige "Premium" mit dem Active Info Display, im Passat gestrickt: Es handelt sich dabei um das aus dem Audi TT bekannte nicht-Touch-fähige 12,3-Zoll-Farbdisplay (31 cm Bildschirmdiagonale), in dem unter anderem die Navigationskarte eingeblendet werden kann.

Das Active Info Display.
Vergrößern Das Active Info Display.

Anders als im Audi TT gibt es aber noch einen zweiten Bildschirm, nämlich den 8-Zoll-Touchscreen, in der Mitte des Armaturenbrettes. Insofern bietet der VW Passat in Sachen Bildschirmausstattung mehr als der Audi TT.

Active Info Display, dieses Mal ohne Karte.
Vergrößern Active Info Display, dieses Mal ohne Karte.

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In einem Punkt hinkt das Active Info Display seinem Gegenstück im Audi TT aber hinterher: Für die Navigation steht nur die gewohnte stilisierte Kartenansicht zur Verfügung, nicht die aus dem Audi TT bekannte Google-Earth-Ansicht. Letztere gibt es aber durchaus auch im Passat, nur an anderer Stelle. Dazu später mehr.

CD-/DVD-Laufwerk im Handschuhfach und darunter der SIM-Kartenslot.
Vergrößern CD-/DVD-Laufwerk im Handschuhfach und darunter der SIM-Kartenslot.

Die Multifunktionsanzeige Premium wird über die Lenkradtasten bedient. Neben der ins Auge stechenden Navigations-Karte bietet das Active Info Display auch diverse andere Informationen wie beispielsweise Reichweite, Radiosender, Reifenluftdruck und einen Überblick über die Fahrerassistenzsysteme. Links und rechts von dem Active Info Display befinden sich der Drehzahlmesser und der Tachometer. Die Navigations-Karte im Active Info Display lässt sich genauso wie im Audi TT vergrößern und zwar per Druck auf die OK-Taste rechts im Lenkrad. Das Active Info Display ist mehr oder weniger blendfrei untergebracht und lässt sich immer gut ablesen.

Navigationskarte des Active Info Displays fiel aus

Kurz vor Testende fiel für einige Stunden die Kartenansicht im Active Info Display aus: Die Navigationskarte lieferte nur noch einen grau-schwarzen Hintergrund. Die übrigen Funktionen des Active Info Display funktionierten zwar noch, allerdings teilweise verlangsamt. Nach einem Tag Ruhe meldet sich die Karte wieder zurück zum Dienst.

Discover Media im VW Polo im Test

Konkurrenzumfeld: Premium- und Volumen-Klasse

Beim Vergleich des Discover Pro mit ähnlichen Infotainmentsystemen anderer Automobil-Hersteller muss man einen Spagat machen. Denn preislich und vom Funktionsumfang liegt Discover Pro auf dem Niveau von Audi Connect, BMW ConnectedDrive, Mercedes-Benz Comand-Online oder dem Lexus-System. Doch eigentlich spricht Volkswagen als Volumen-Hersteller die Zielgruppe an, die sich auch für InCar-Lösungen von Ford , Opel , Toyota oder Mazda interessiert, die wiederum jedoch viel günstiger sind.

Touchscreen im Auto - Vorteile und Nachteile

Vergleich: Discover Pro vs. Systeme der Premium-Hersteller

Legt man rund 4000 Euro für das Discover Pro mit Car-Net, Active Info Display, DAB+ und weiteren Extras ohne das Soundsystem DYNAUDIO Confidence zugrunde, dann liegt man sogar über dem Preis von Audi Connect, BMW ConnectedDrive oder Comand-Online (zum Vergleich siehe auch die in diesem Testbericht eingebauten Bildergalerien und Test-Videos der konkurrierenden Systeme).

Allerdings bieten diese drei genannten Systeme keine zwei so hochwertigen Bildschirme wie Discover Pro (bei Audi wird sich das mit den nächsten Modell-Neuvorstellungen ändern, weil dann das Audi Virtual Cockpit das MMI-Display ergänzt). Andererseits fehlt beim VW-System aber der Controller auf der Mittelkonsole, der bei Audi, BMW und Mercedes sowie Lexus eine bequeme Bedienung des Infotainmentsystems ermöglicht.

Video: BMW ConnectedDrive im Test

Bei der Qualität der Sprachsteuerung, der flüssigen Bedienung und dem großen Funktionsumfang sowie den hochwertigen Echtzeitverkehrsinformationen ähneln sich die Systeme von Audi, BMW, Mercedes-Benz und VW sehr. Wobei sich die Nutzung der Internet-Dienste im VW dank separatem SIM-Karten-Slot deutlich einfacher gestaltet als im umständlichen Comand-Online von Mercedes-Benz, das insbesondere mit älteren Smartphones mitunter überhaupt nicht zurecht kommt, wenn es um die Nutzung von Internet-Diensten geht.

Video: Mercedes Comand Online im Test

So bleiben das Fehlen des Controllers auf der Mittelkonsole und das Vorhandensein von zwei großen Bildschirmen die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zwischen Discover Pro von VW und den Systemen der Premium-Hersteller. Qualitativ und preislich ist das Discover Pro durchaus ein Premium-System.

Vergleich: Discover Pro vs. Systeme der Volumenhersteller

Der hohe Preis dürfte aber viele Auto-Käufer abschrecken. Denn Infotainmentsysteme von Opel, Mazda oder Toyota kosten deutlich weniger. Insbesondere das MZD Connect im Mazda 3 bietet für rund 600 Euro ab der Ausstattungslinie Center-Line einen guten Funktionsumfang mit sehr guter Bedienbarkeit.

Bei den Vergleichen mit den meisten Infotainmentsystemen der Volumenhersteller muss aber beachtet werden, dass

1.) diese oft über keine CD- und so gut wie nie über DVD-Laufwerke verfügen,

2.) deren Bildschirme oft nur träge und ungenau auf Fingereingaben reagieren

3.) deren Spracherkennung mitunter besonders langsam reagiert oder eine schlechte Erkennungsquote aufweist.

4.) Zudem fehlen bei den meisten Volumen-Herstellersystemen exakte Online-Verkehrslageinformationen.

5.) Vor allem aber lässt das 8 Zoll große Discover Pro mit dem 12,3 Zoll großem Active Info Display alle Bildschirme der Konkurrenzen alt aussehen. Nicht nur, weil es sich um zwei Bildschirme handelt, sondern weil der Hauptbildschirm im VW mit 8 Zoll größer als die Bildschirme bei fast allen Konkurrenmodellen ausfällt.

Diese Vorteile, die das Discover Pro gegenüber den typischen Infotainmentsystemen der Volumenhersteller bietet, muss man fairerweise bei der Beurteilung des Preis-Leistungsverhältnisses berücksichtigen. Damit erscheint das Discover Pro schon nicht mehr so teuer.

Video: BMW i3 Rex im Praxistest

Koppelung mit dem Smartphone: Unkompliziert

Die Verbindung zwischen Smartphone und Discover Pro erfolgt per Bluetooth. Über die Bluetooth-Verbindung kann man telefonieren und Musik vom Smartphone auf das Discover Pro streamen.

Im Test klappt das reibungslos sowohl mit einem ganz aktuellen HTC One M9, als auch mit einem schon etwas älteren Nexus 4 und teilweise sogar mit einem betagten HTC Desire - bei dem Desire funktioniert aber nur das Audio-Streaming zuuverlässig. Die Telefonie über das Desire klappt dagegen plötzlich nicht mehr, das Discover Pro erkennt das Desire nicht mehr.

Grundsätzlich ist es auch möglich, über das via Bluetooth gekoppelte Smartphone die Car-Net-Dienste für das Discover Pro zu empfangen. Doch dann wird es kompliziert, weil dafür ein Smartphone mit „remote SIM Access Profile" (rSAP) nötig ist. Das hat sich in der Vergangenheit bei vielen Tests als Stolperstein erwiesen, beispielsweise bei Comand Online von Mercedes-Benz.

Galerie: Discover Pro, Active Info Display, Car-Net im VW Passat Bild für Bild: