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Terminal-Browser: Mit Linux-Kommandos ins Internet

05.08.2015 | 13:09 Uhr |

Das Internet im Terminal als Text- und Link-Wüste ist gewiss kein Szenario für den Nutzeralltag. Aber in Pannensituationen und für spezielle Aufgabenstellungen ist es sehr hilfreich zu wissen, wie Sie mit dem Terminal ins Internet kommen.

Es gibt eine Reihe textbasierter Browser für das Terminal, die unter Linux entweder standardmäßig vorinstalliert sind oder sich schnell nachinstallieren lassen. Da es hier um schnelle Hilfe in Ausnahmesituationen geht und nicht um eine generelle Übersicht, bleiben wir hier bei der favorisierten Alternative Elinks . Elinks ist zwar meistens nicht Standard, aber mit dem gleichnamigen Paketnamen in wenigen Sekunden nachgerüstet (ähnlich Lynx). W3m ist auf vielen Distributionen zwar bereits vorhanden, bietet aber nicht den Umfang und relativen Bedienkomfort.

Browser im sicheren Kiosk-Modus ausführen - so geht's

Wann Sie einen Text-Browser brauchen

Für den Einsatz eines textbasierten Browsers finden sich bis heute Argumente, die zwar nicht falsch, aber nicht mehr zeitgemäß sind: Natürlich ist der Webzugang sicherer, insofern er kein Javascript und Flash ermöglicht und sich sämtliche Cookies bestätigen lässt. Natürlich sind solche Browser auch schneller und der Ressourcenbedarf deutlich niedriger, weil alle grafischen Elemente einschließlich der Schriften und Schriftgrößen entfallen dürfen. Trotzdem wird kaum ein Benutzer im Alltag einen bunten, klickfreundlichen Browser gegen diese Vorteile gegen eintauschen wollen. Aber es gibt Situationen, wo ein purer Text-Browser und eine gewisse Übung in seiner Bedienung echte Lebenshilfe bedeutet:

  • Linux läuft, aber die grafische Oberfläche nicht. Und Sie benötigen Infos aus dem Web, um entweder genau dieses Problem zu beheben, oder auch andere Infos.

  • Das WLAN oder Mobilnetz ist so miserabel, dass jedes gesparte Download-Kilobyte zählt.

  • Der Linux-Server hat keinen Desktop, und ein größerer Download soll gleich dort an Ort und Stelle landen und nicht erst auf einer Zwischenstation wie dem SSH-Fernwartungsrechner.

  • Sie möchten Webseiten systematisch scannen und diese nur dann mit dem normalen Browser besuchen, wenn sich der Inhalt geändert hat.

Webmailer im Textbrowser Elinks: Was erst mal gewöhnungsbedürftig aussieht, ist im Notfall hochwillkommen und zumindest beim Lesen von Mails fast komfortabel.
Vergrößern Webmailer im Textbrowser Elinks: Was erst mal gewöhnungsbedürftig aussieht, ist im Notfall hochwillkommen und zumindest beim Lesen von Mails fast komfortabel.

Zum Aufrufen des Browsers geben Sie einfach elinks ein oder schon auf Kommandozeile die gewünschte Adresse mit – etwa:

elinks google.de

Die Navigation auf der im Textmodus angezeigten Website erfolgt über die Cursor-Tasten Cursor-unten und Cursor-oben von Link zu Link und zu den Eingabefeldern. Text wird dabei übersprungen. Mit der Eingabetaste aktivieren Sie einen Link und wechseln somit die Webseite.

Eingabetaste auf Eingabefeldern aktiviert das Feld und ermöglicht danach die Texteingabe – so etwa bei Google. Die Cursor-Tasten rechts/links haben eine völlig andere Funktion: Sie gehen zur nächsten Webadresse oder zurück zur letztgenutzten. Wenn Sie im Text blättern wollen, nutzen Sie die Leertaste oder die Tasten Bild auf/ab.

Der Text-Browser Elinks hat den Anspruch eines vollwertigen Browsers und bietet nach Taste Esc ein ziemlich umfangreiches Menü ein. Hier lässt er sich unter „Setup -> Language“ auch auf Deutsch umstellen oder farblich aufhübschen („Einstellungen -> Terminaleinstellungen“). Elinks kann auch mit mehreren Tabs umgehen. Um davon zu profitieren, ist aber der Menüweg eher umständlich, und Sie sollten sich besser einige Tasten merken: Taste „t“ und nachfolgende URL-Eingabe ist der einfachste Weg, einen neuen Tab zu öffnen. Mit der Taste „<“ können Sie zwischen Tabs wechseln, und mit Taste „c“ schließen Sie den gerade aktiven Tab. Wer sich mit Hotkeys gar nicht anfreunden kann, sollte sich zumindest den Aufruf des Tab-Menüs mit Taste „e“ merken. Auch das erlaubt den Tab-Wechsel mit „Nächste Ansicht“, ist aber umständlicher.

Eine recht komfortable Lesezeichenverwaltung gibt es im Menü unter „Tools“ („Werkzeuge“) oder nach Taste „s“. Am einfachsten ist es aber, Elinks eine lokale oder noch besser eine im Internet gepflegte Bookmark-Sammlung als einziges Lesezeichen anzubieten und damit die Lesezeichenpflege dem Standard-Browser zu überlassen.

Selbstverständlich beherrscht Elinks auch Downloads. Dazu drücken Sie nach Anspringen eines Links die Taste „d“ und geben im dann angezeigten Textfenster den gewünschten Download-Pfad an, standardmäßig das home-Verzeichnis.

Eine für den puren Text-Download ebenso geeignete Methode wie für die Überprüfung auf geänderte Webseiten ist die Umleitung einer URL in eine Textdatei (Beispiel):

elinks eineseite.de/Impressum > out.txt

Dann ruft Elinks die Seite ab, zeigt sie aber nicht an, sondern schreibt den Inhalt in die Ausgabedatei. Diese lässt sich dann mit einem einfachen diff –q out.txt older.txt leicht auf Änderungen vergleichen. Somit können Sie Elinks neben einem normalen Browser als Vorkoster einsetzen, der Ihnen bei beobachteten Webseiten die unveränderten wegfiltert.

Den kompletten Surf-Verlauf erhalten Sie mit Taste „h“ oder „Werkzeuge -> Umfassender Verlauf“. Mit Taste „q“ oder über das Menü mit „Datei -> Beenden“ können Sie Elinks beenden. Die hier genannten Hotkeys und Menüs genügen völlig für eine Basisbedienung im Notfall. Den tatsächlichen Umfang dieses Browsers können sie aber nicht einmal andeuten. Wer sich über den Notfall hinaus für den Einsatz von Elinks interessiert, erhält unter http://elinks.or.cz/documentation ausführliche Anleitung.

Textbasierter Mail-Client Alpine: Die Software kann alles rund um POP und IMAP, ist aber trotz gewisser Menüführung nicht ganz einfach einzurichten.
Vergrößern Textbasierter Mail-Client Alpine: Die Software kann alles rund um POP und IMAP, ist aber trotz gewisser Menüführung nicht ganz einfach einzurichten.

Textbasierte Mail-Clients

Das Konto eines Webmailers wie Google Mail oder GMX lässt sich natürlich auch mit Elinks nutzen. Je nach Anbieter wird dabei eventuell automatisch eine einfache HTML-Ansicht angeboten. Mails zu lesen ist dort recht komfortabel, Mails zu verfassen etwas umständlicher. Die Navigation in die richtigen Felder erfolgt wieder mit Cursor-oben/unten und jeweils mit Eingabetaste bei jedem Formularfeld.

An andere Mailkonten ohne Browser-Zugriff kommen Sie mit einem textbasierten Mail-Client wie Alpine (überall verfügbar mit gleichnamigem Paketnamen). Der ziemlich komplexe Client bietet ein „Main Menu“, wo Sie unter „Setup -> (C) Config“ einen SMTP-Ausgangs-Server einstellen, ferner unter „Setup -> (L) CollectionsLists“ Ihre POP- oder IMAP-Adressen eintragen.

Der dortige Eintrag „Server“ muss außer dem Kennwort alle Zugangsdaten in einer Zeile enthalten – in der Form:

imap.strato.de:993/ssl/user=sepp@meineseite.de

Danach wird das Kennwort abgefragt. Die Mails sind dann im Hauptmenü unter „Folder List“ zugänglich.

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