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Neue Technik – alte Gefahren

12.05.2013 | 08:55 Uhr |

Technikneuheiten sollen begeistern und den Markt erobern. Dabei bleiben Sicherheitsaspekte in vielen Fällen auf der Strecke und werden erst zum Thema, wenn spektakuläre Exploits die Runde machen.

Im Vordergrund neuer Technik stehen deren Möglichkeiten und Funktionen. Etwa, was sie bieten, um uns die Arbeit zu erleichtern, netter zu unterhalten oder Informationen hilfreich zu verknüpfen. Sicherheit steht dabei nicht an erster Stelle. Weder Hersteller noch Anwender überlegen sich zuerst, ob sich eine Technologie in künftigen Bedrohungsszenarien als sicher genug erweist, sondern es geht vielmehr darum, was sich damit Nützliches anstellen lässt.

Dies liegt nicht an vorsätzlicher Nachlässigkeit oder mangelnder Sorgfalt – Erfindergeist ist einfach mit Sicherheitsdenken nicht vollständig kompatibel, denn zu große Angst vor Risiken bremst Kreativität aus. Doch gibt es keinen Grund zu Pessimismus, Fortschritts- und Technikfeindlichkeit. Vielmehr ist – wie immer – eine gesunde Portion Skepsis angebracht, um neue Technologien sicher im Alltag einzusetzen. Die wenigsten Risiken sind völlig neu, sondern sie sind nur eine Wiederholung von alten Gefahren in neuer Form und lassen sich durch Vorsichtsmaßnahmen meistern.

Unbekannte Quellen erlauben: Das Risiko, sich dabei Malware durch Apps außerhalb von Google Play einzufangen, ist hoch.
Vergrößern Unbekannte Quellen erlauben: Das Risiko, sich dabei Malware durch Apps außerhalb von Google Play einzufangen, ist hoch.

1.) Android gerät unter Druck
Googles Betriebssystem basiert auf dem Linux-Kernel und hat damit die robuste Zugriffskontrolle über Dateien, Prozesse und Systemkomponenten von Unix geerbt. Apps für Android sind außerdem in einer Sandbox eingesperrt. Also eigentlich beste Voraussetzungen für ein System mit wenig Angriffsfläche. Allerdings wird die solide Basis von einem ganz einfachen Problem unterminiert: Android-Updates kommen für Smartphones viel zu selten und viel zu spät. Die Verantwortung für das massive Sicherheitsproblem liegt aber nicht bei Google, sondern bei Mobilfunkanbietern und Hardware-Herstellern. Laut einer Auswertung von Zugriffsstatistiken auf Google Play sind auf nur 30 Prozent aller Geräte aktuelle und damit sichere Android-Varianten ab Version 4.0 installiert.

Die besten Sicherheits-Apps für Android-Smartphones

Risiko minimieren: Um das eigene Android-Gerät zu überprüfen, bietet der Sicherheitsspezialist Duo Security eine App an, die Exploits für bekannte Sicherheitslücken auf dem Gerät testet. Das Start-up-Unternehmen ist vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium mitfinanziert und hat den kostenlosen Sicherheitsscanner X-Ray veröffentlicht. X-Ray steht dort als APK zur Installation bereit. Da die Applikation aber nicht von Google Play, sondern aus einer fremden Quelle stammt, müssen Sie im Android-System als Erstes in den Einstellungen unter „Anwendungen“ einen Haken bei „Unbekannte Quellen“ setzen.

Da der Entwickler von X-Ray vertrauenswürdig ist, entsteht dadurch in diesem Fall kein neues Sicherheitsproblem. Nach dem Start der App aktualisiert diese die Liste der bekannten Sicherheitslücken über eine Internetverbindung und testet dann alle Exploits für das Gerät. Das Ergebnis ist zumeist ernüchternd: Bei einem Test in der Redaktion fand X-Ray auf einem frisch gepatchten Asus Transformer Prime (Stand Dezember 2012) mit Android 4.1.1 mit „Gingerbreak“ einen funktionierenden Exploit.

Die App X-Ray weist nur auf das Problem hin und möchte Android-Anwender aufklären, bietet selber jedoch keine Lösung an. Denn diese müsste von den Geräteherstellern in Form von Android-Updates kommen. Anders als bei Windows setzen die Entwickler von Malware bei Android aber bislang darauf, dass Nutzer manipulierte Apps selber installieren. Wer ein verwundbares Gerät benutzt, der muss also bei der Installation von APKs aus fremden Quellen besonders vorsichtig sein oder besser ganz darauf verzichten. Hier gilt, was sich auch unter Windows bewährt: Die Installation von Software aus dubiosen Quellen ist tabu.

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