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Takwak TW 700 im PC-WELT-Praxistest

05.06.2013 | 11:11 Uhr |

Outdoor-Navi, GPS-Gerät, Smartphone und Walkie Talkie in einem Gerät – kann das gut gehen? PC-WELT hat den Allrounder Takwak TW 700 einem umfangreichen Praxistest unterzogen.

549 Euro sind für ein GPS-Gerät ein stolzer Preis, zumal das Takwak TW 700 seit dem Marktstart Ende 2012 nicht im Preis gefallen ist. Da muss das Outdoor-Navi schon Außergewöhnliches bieten, wenn selbst das Top-Modell unter den GPS-Geräten, das Montana 650t von Garmin, rund 50 Euro günstiger ist.

Und in der Tat steckt in dem Gerät des Dachauer Unternehmens Takwak GmbH eine Zusammenstellung, die bisher einzigartig ist. Denn neben einem GPS-Gerät für den harten Einsatz draußen mit Navigationsoption zum Wandern und Radfahren ist auch ein Smartphone auf Android-Basis, ein barometrischer Höhenmesser mit Kompass sowie ein Funkgerät integriert. Die Walkie-Talkie-Funktion spart gerade im Ausland nicht nur teure Roaming-Gebühren, sie funktioniert innerhalb von rund drei Kilometern ganz ohne Mobilfunknetz – denn das gibt es selbst in den Alpen keineswegs überall.

Takwak TW 700: alles und nichts

Das Outdoor-Navi Takwak TW 700 mit dem 3,5 Zoll großen Bildschirm ist äußerst robust und etwas klobig, liegt aber dennoch gut in der Hand.
Vergrößern Das Outdoor-Navi Takwak TW 700 mit dem 3,5 Zoll großen Bildschirm ist äußerst robust und etwas klobig, liegt aber dennoch gut in der Hand.

So gut die Idee, sämtliche Funktionen in nur einem einzigen Gerät zusammenzupacken, so ist dies dem Hersteller nur bedingt gelungen. Äußerlich gleicht der Alleskönner auf den ersten Blick einem nicht mehr ganz aktuellen Smartphone. Das Gerät entspricht mit den Größenabmessungen von 131 x 66,5 mm etwa dem Galaxy S3 , ist mit 20 Millimetern Stärke aber mehr als doppelt so dick und wiegt mit 208 Gramm auch fast das Doppelte. Dafür ist es sehr robust und wird von einem mit 2.700 mAh vergleichsweise großen Lithium-Ionen-Akku mit Strom versorgt. Damit hält das wasserdichte und staubgeschützte Outdoor-Navi bei voll aufgedrehter Displaybeleuchtung im Navigationsmodus gut sieben Stunden durch, bei heruntergedimmtem Licht sogar etwas mehr als zehn Stunden.

Fragen und Antworten zum Takwak TW 700  

Keine Chance: Der Bildschirm des Takwak TW 700 reagiert auf Druck und lässt sich so im Prinzip auch mit Handschuhen bedienen. In der Praxis scheitert das aber an den kleinen Schaltflächen.
Vergrößern Keine Chance: Der Bildschirm des Takwak TW 700 reagiert auf Druck und lässt sich so im Prinzip auch mit Handschuhen bedienen. In der Praxis scheitert das aber an den kleinen Schaltflächen.

Mit einem modernen Smartphone kann das Takwak dennoch in keiner Weise konkurrieren: Der 3,5 Zoll große Bildschirm löst nur 320 x 480 Pixel auf und arbeitet nicht wie sonst üblich kapazitiv, sondern reagiert nur auf Druck. Eine resistive Anzeige bietet sogar prinzipiell den Vorteil, dass sie sich auch mit Handschuhen steuern lässt, was gerade beim Outdoor-Einsatz nützlich sein kann. In der Praxis aber scheitert die Bedienung mit Handschuhen an den vielfach viel zu kleinen Schaltflächen, so dass die Trägheit des druckempfindlichen Displays mehr Nach- als Vorteile bietet.

Auch bei den Telefonfunktionen ist das Outdoor-Handy nicht auf der Höhe der Zeit: Android läuft darauf in der veralteten Version 2.3.3 und spätestens, nachdem der Hersteller Ende März 2013 beim Amtsgericht München Insolvenz angemeldet hat, ist auch so schnell nicht mit einem Update zu rechnen. Zudem fehlt der für Smartphones mit dem Google Betriebssystem typische Zugang zum Play Store , Apps lassen sich nur über das Portal Android Pit installieren. Schließlich fehlt sogar ein UMTS-Modul, die Datenverbindung wird also auf langsamem GPRS-Niveau abgewickelt. Da kann sich der Hersteller das GSM-Modul gleich ganz sparen, schließlich wird kein Besitzer eines iPhones oder modernen Android-Gerätes solche Rückschritte akzeptieren.

Bedienung und Lieferumfang

Dagegen überzeugt das Bedienkonzept: Nach ein paar Einstellungen bei den Telefon- und Smartphone-Funktionen kann es sofort losgehen. Die Navigations-App TWO (TW Outdoor) mitsamt Karten von Deutschland, Österreich, Schweiz, Norditalien und Großbritannien ist bereits vorinstalliert. Zudem lassen sich die kostenlosen Open-Street-Map-Karten von der gesamten Welt aufs Gerät laden, alternativ stehen von einige Gebieten die kostpflichtigen Magic-Maps-Karten zum Kauf zur Verfügung.

Mit Knapp 20 Euro ist die Fahrradhalterung nicht ganz billig, dafür ist sie wie das Takwak TW 700 selbst ebenfalls sehr stabil.
Vergrößern Mit Knapp 20 Euro ist die Fahrradhalterung nicht ganz billig, dafür ist sie wie das Takwak TW 700 selbst ebenfalls sehr stabil.
© Takwak

Den Einstieg erleichtert auch das gut 100 Seiten starke gedruckte Handbuch , das ebenso wie ein Netzladegerät, ein Headset, ein USB-Kabel, eine 4 GByte große Micro-SD-Karte mit dem vorinstalliertem Kartenmaterial, eine Tasche, eine Universalhalteschale wie ein Gutschein zum Kauf eines Ausschnitts einer topografischen Karte zum Lieferumfang gehört. Weiteres Zubehör gibt es dagegen nur gegen Aufpreis: So kostet ein zweiter Akku 24,90 Euro, die äußerst stabile Auto- beziehungsweise Fahrradhalterung jeweils 19,90 Euro und das 12-Volt-Ladegerät fürs Auto nochmals 12,90 Euro.

Positiv hervorzuheben sind auch die gut gemachten Einführungsvideos auf der Webseite des Herstellers , die insbesondere GPS- und Smartphone-Neulingen die Scheu nehmen sollen. So kommt man mit der Routenplanungs-App auch sofort zurecht. Ziel eintippen, Routing-Option (Fußgänger, Fahrrad oder Auto) eingeben und gegebenenfalls noch ein Profil (kürzeste Route, schnellste Route, Rennrad, Tourenrad oder Mountainbike) festlegen – mit einem Fingertipp auf „Navigation starten“ berechnet das Takwak die Route. Vorausgesetzt, das GPS-Gerät hat bereits die Satellitensignale gefunden. Denn bis zum sogenannten GPS-Fix, also der Zeit zum Lokalisieren nach dem Einschalten, vergehen mitunter mehrere Minuten. Das nervt nicht nur, da ist die Konkurrenz auch deutlich schneller.

Die Gesamtbedienung ist Android-typisch. Wer schon einmal ein Handy mit dem Google-Betriebssystem benutzt hat, kommt auch damit irgendwie zurecht – wohlgemerkt mit allen Android-typischen Menü-Untiefen. Negativ fällt der bereits erwähnte drucksensitive und damit reaktionsträge Bildschirm auf. Wie stark sich dies in der Praxis bemerkbar macht, wird deutlich, wenn man einige andere Funktionen über eine der sieben großen mechanischen Tasten auf und am Gerät aufrufen kann. Das ist deutlich einfacher.

Die Navigation in der Praxis

Kernfunktion ist und bleibt – trotz aller zusätzlichen Features – die GPS-Lokalisierung mit Kartendarstellung und die Navigation im Gelände. Da das Kartenmaterial vollständig auf der Micro-SD-Karte geladen ist, benötigt man für die Navigation keine Mobilfunkverbindung. Damit fallen auch keinerlei Verbindungs- oder Roaming-Gebühren an.

Ansonsten aber stellt sich beim Takwak TW 700 auch das Routing als enttäuschend dar. Das betrifft weniger die an manchen Stellen durchaus verbesserungswürdige Streckenwahl an sich, sondern gleich mehrere andere Aspekte. Punkt eins ist wie erwähnt der ungewöhnlich langsame GPS-Fix. Nicht befriedigend gelöst ist zweitens die Zieleingabe, denn hier stehen ausschließlich das Eintippen einer Adresse – sowie umständlich über Umwege – die Auswahl eines zuvor manuell gesetzten Wegpunktes zur Verfügung. Doch Points of Interest wie beispielsweise eine Berghütte lassen sich nicht als Ziel auswählen!

Mit Knapp 20 Euro ist die Fahrradhalterung nicht ganz billig, dafür ist sie wie das Takwak TW 700 selbst ebenfalls sehr stabil.
Vergrößern Mit Knapp 20 Euro ist die Fahrradhalterung nicht ganz billig, dafür ist sie wie das Takwak TW 700 selbst ebenfalls sehr stabil.

Punkt drei betrifft das „dynamische Routing“, wie man es vom Auto-Navi kennt: Hat man versehentlich die vorhergesehene Route verlassen, berechnet das Gerät eine neue. Während diese Funktion bei neueren Outdoor- und Fahrradnavigationsgeräten wie dem Garmin 810 , dem Falk Lux 32 und dem Mio Cyclo 505 Standard ist, fehlt sie beim Takwak schlicht. Neben einem Ausrufezeichen meldet das Display „XXX Meter abseits“. Wie man aber wieder auf den richtigen Weg kommt, sagt es nicht. So bleibt dem Anwender nur, die Routenberechnung manuell neu zu starten.

Fahrrad-Navis Falk Lux 32 und Mio Cyclo 505 HC im Test

Viertens schließlich fehlt die Sprachansage von Abbiege- und anderen Hinweisen wie im Auto. Vielmehr gibt es zusätzlich zu den gut sichtbaren Richtungspfeilen auf dem Bildschirm nur einen Warnton, bei dem man immerhin einstellen kann, wie weit vor der eigentlichen Aktion er ertönen soll.

Schließlich kann man sich vom Takwak anhand eines zuvor auf dem Gerät gespeicherten Tracks navigieren, das heißt entlangführen lassen. Allerdings führte der dazu auf der Hersteller-Seite verlinkte Tourenplaner mit einer Fehlermeldung ins Leere. Selbstverständlich kann man auf die vielen anderen GPS-Portale im Netz wie GPSies zurückgreifen und Tracks von dort herunterladen und auf das TW 700 übertragen.

Enttäuschendes Fazit: Die Schwächen überwiegen

Die Akkulaufzeit ist mit rund zehn Stunden großzügig bemessen und auch das Display hinterlässt unter fast allen Lichtverhältnissen einen positiven Eindruck. Selbst bei starkem Sonnenschein lässt sich die Anzeige noch passabel ablesen.

Die Streckenführung ist im Allgemeinen gut gewählt. Doch wehe, man kommt vom richtigen Weg ab: Da hilft nur eine manuelle Neuberechnung der Route zum Ziel.
Vergrößern Die Streckenführung ist im Allgemeinen gut gewählt. Doch wehe, man kommt vom richtigen Weg ab: Da hilft nur eine manuelle Neuberechnung der Route zum Ziel.

Von dem innovativen All-in-one-Ansatz und der einfachen Bedienung abgesehen kann das Takwak TW 700 in keiner Testdisziplin richtig überzeugen. Mit 550 Euro ist es nicht nur ziemlich teuer, der resistive Touchscreen und der langsame Kartenaufbau sorgen auch für eine schwache Performance. Erhebliches Verbesserungspotenzial gibt es schließlich beim Routen und Navigieren, wenn die Navigations-App ab und an abstürzt und das dynamische Routing grundsätzlich fehlt.

Über diese Schwächen kann die zuverlässige Track-Aufzeichnung, das integrierte Funkgerät oder die Gruppennavigation nicht hinwegtrösten. Doppelsets einfacher Walkie Talkies gibt es selbst von Markenherstellern wie Motorola schon ab 40 Euro , die beiden zum Miteinandersprechen notwenigen Takwak-Modelle schlagen dagegen mit über 1.000 Euro zu Buche. Und die Gruppennavigation zu beweglichen Zielen mag für den Einsatz von Rettungsteams interessant sein, für den Durchschnittsanwender ist sie ohne Belang.

 

 

 

 

 

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