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TV on Demand: Fernsehen auf Abruf

04.07.2015 | 08:33 Uhr |

Feste Sendezeiten, das ist „Fernsehen von gestern“. Abrufen und Aufnehmen der Sendungen sind die perfekten Alternativen. PC-WELT stellt alle Optionen für „TV on Demand“ vor.

Es gibt sie zwar immer noch, die Tagesschau um 20 Uhr und den Tatort am Sonntagabend um 20.15 Uhr. Doch immer weniger Menschen wollen sich nach dem starren Programmschema des linearen Fernsehens richten. Sie möchten eine Sendung vielmehr dann sehen, wann und wo es für Sie gerade passt. Musste man dazu früher im Voraus den Videorekorder programmieren, wenn man das Live-Programm verpasste, existiert heute ein ganzes Bündel von Möglichkeiten.

Zudem ist Fernsehen längst nicht mehr auf klassische TV-Geräte und den PC oder das Zuhause beschränkt. Das Programm lässt sich auch auf dem Smartphone und Tablet sehen, unterwegs per WLAN oder über das Mobilfunknetz. PC-WELT führt Sie durch den TV-Wirrwarr und stellt die verschiedenen Wege mit ihren Vor- und Nachteilen vor. Denn die Möglichkeiten unterscheiden sich je nach vorhandenen Geräten, deren Alter und Ausstattung sowie der Art des TV-Empfangs deutlich voneinander.

Programm direkt aufnehmen: USB-Recording und PVR-ready

Bleiben wir zunächst in den eigenen vier Wänden und beim „klassischen“ Fernsehgerät. Ist Ihr TV-Gerät weniger als fünf Jahre alt, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass Sie das Programm über eine USB-Buchse direkt auf einen Stick oder eine externe Festplatte aufzeichnen können. Die Funktion wird meist mit USB-Recording oder PVR-ready (PVR für Personal Video Recorder) bezeichnet, rund die Hälfte der aktuell erhältlichen Fernsehgeräte unterstützt die Aufnahme über USB. Sehen Sie bitte in der Anleitung Ihres Fernsehers nach, ob das USB-Recording bei Ihnen funktioniert.

In einigen Fällen lässt sich die Funktion auch nachträglich durch ein Up- oder Downgrade der Fernseher-Firmware bzw. durch eine modifizierte Firmware freischalten. Mehr Informationen dazu liefert unser Online-Ratgeber .

Nicht nur eine Frage des Preises: Etwa die Hälfte der aktuellen Fernsehgeräte unterstützt das Aufzeichnen über den USB-Ausgang, so auch das günstige Modell 32LB580V von LG.
Vergrößern Nicht nur eine Frage des Preises: Etwa die Hälfte der aktuellen Fernsehgeräte unterstützt das Aufzeichnen über den USB-Ausgang, so auch das günstige Modell 32LB580V von LG.
© LG

So bequem das direkte Aufnehmen am Fernseher ist, so hat es doch einen Nachteil: Die gespeicherten Inhalte werden bei so gut wie allen TV-Herstellern verschlüsselt und lassen sich deshalb nur auf dem betreffenden Fernseher abspielen, nicht dagegen am PC oder anderer Hardware. Bei Fernsehern von Samsung kann man die DRM-Sperre immerhin mithilfe des Tools DeSTRoi (Decrypt Samsung TV Recordings) des Hacking-Projektes SamyGo vergleichsweise einfach aushebeln. Ungeachtet der Verschlüsselungsfrage erlauben Fernseher mit PVR-Funktion meist auch zeitversetztes Fernsehen: Man muss also keineswegs warten, bis die gesamte Sendung aufgezeichnet ist, sondern kann beim Tatort bereits um 20.30 Uhr starten.

Festplatten-Recorder und DVB-X-Receiver als Zusatzgerät

Wer einen Fernseher ohne direkte Aufnahmeunterstützung besitzt, kann sich „wie früher“ einen Videorekorder in Form eines zusätzlichen Gerätes zulegen. Die Bezeichnungen dieser Geräte sind nicht einheitlich, mal heißen sie Festplatten-Recorder, DVD-Recorder, Festplatten-Receiver, digitale Satelliten- oder Kabel-Receiver oder ähnlich. Die Preise reichen von rund 50 bis zu 500 Euro.

Mobil fernsehen per Smartphone und Tablet

Wichtig sind an dieser Stelle zwei Aspekte: Zum einen muss der Recorder bzw. Receiver mindestens den geeigneten Tuner für den tatsächlich genutzten TV-Empfang haben, also einen DVB-T-, Kabel- (DVB-C) oder Satelliten-Tuner (DVB-S2). Zum zweiten müssen auch die Receiver genannten Modelle zumindest die Möglichkeit zum Einbau oder zum Anschließen einer Festplatte über USB bieten – denn ohne Speicheroption natürlich auch keine Aufnahmefunktion. Gerade günstige Modelle erlauben dies oft nicht.

Mit gut 300 Euro (ohne Festplatte) ist der digitale Sat-Receiver Duo 2 von Vuplus nicht ganz billig, dafür bietet er einen Twin-Tuner und viele Zusatzfunktionen.
Vergrößern Mit gut 300 Euro (ohne Festplatte) ist der digitale Sat-Receiver Duo 2 von Vuplus nicht ganz billig, dafür bietet er einen Twin-Tuner und viele Zusatzfunktionen.
© Vuplus

Beim Neukauf eines solchen Receivers bzw. Recorders empfehlen wir unbedingt ein Gerät mit Twin-Tuner , welcher das gleichzeitige Sehen eines Programms und Aufzeichnen eines anderen erlaubt. Nicht zu wechseln ist der Twin-Tuner mit einem Dual-Tuner (z.B. DVB-C und DVB-T) oder Triple-Tuner, die wahlweise ein Programm über DVB-T, Satellit oder Kabel zeigen.

Einen Sonderfall stellt IP-TV von der Deutschen Telekom , von Vodafone oder ganz neu von 1und1 dar. Hier mieten die Kunden ihren Receiver mit Aufnahmefunktion in aller Regel beim Provider gleich mit.

TV-Mediatheken: bequem, aber nur eine Woche abrufbar

Viele frei empfangbare Sender strahlen ihr Programm live auch im Internet aus, laufende Sendungen kann man also jederzeit am PC oder auf dem Smartphone bzw. Tablet sehen. Hat man eine Sendung verpasst, helfen vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern die jeweiligen Mediatheken der Fernsehanstalten weiter. Dort stehen die meisten Inhalte eine Woche lang nach der Live-Ausstrahlung zum Abruf, die Suche ist über Sendetag/-zeit, Titel oder Inhalte recht komfortabel.

Zu finden sind die Links zu den Mediatheken von ARD, ZDF, Phoenix, Arte, 3Sat und den Dritten Programmen einfach über die Internet-Seiten der Sender. Auf mobilen Endgeräten verwenden Sie die Mediatheken-Apps, die Sie über die App-Stores von Android, iOS und Windows Phone installieren. Alle Apps beschränken sich auf das Streamen, eine Download-Option zum lokalen Speichern bieten sie nicht.

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bieten komfortable Mediatheken-Apps für die gängigen Mobilgeräte, bei den Privatsendern (Mitte) ist das Angebot kleiner.
Vergrößern Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bieten komfortable Mediatheken-Apps für die gängigen Mobilgeräte, bei den Privatsendern (Mitte) ist das Angebot kleiner.

Die besten Ultra-HD-Fernseher im Test

So weit so gut, doch wie lassen sich die Mediatheken auf dem TV-Gerät im Wohnzimmer nutzen? Neuere Smart-TVs ermöglichen die Installation der Apps auf dem Gerät selbst, hier gibt es also keinerlei Problem. Unterstützt der Fernseher zumindest DLNA und ist über einen Netzwerk- bzw. WLAN-Anschluss ins Heimnetz eingebunden, lassen sich die Mediatheken-Inhalte vom Smartphone oder Tablet-PC über Hilfs-Apps wie BubbleUPnP oder den Plex Server auf den großen Bildschirm streamen.

Chromecast und Co.: Zusatzgeräte für ältere Fernseher

Ansonsten hilft eine Smart-TV-Lösung zum Nachrüsten, beispielsweise der nur 35 Euro teure Chromecast-Stick von Google, die Amazon-Box Fire TV bzw. Apple TV für jeweils knapp 100 Euro oder der bei Redaktionsschluss in Deutschland noch nicht erhältliche Fire TV Stick ebenfalls von Amazon. All diese Geräte werden per HDMI an den Fernseher angeschlossen, der Internet-Anschluss erfolgt per WLAN oder Netzwerkkabel. Fehlte die Chromecast-Unterstützung anfangs noch in vielen Apps, besteht dieses Manko inzwischen kaum noch. Hilfs-Apps wie Mediathek Cast verlieren deshalb an Bedeutung. Hier legen Sie, wie Sie alles aus dem Chromecast-Stick und aus Fire TV herausholen.

Weniger elegant, dafür aber günstig und funktional ist die Übertragung vom Mobil- auf das TV-Gerät per Kabel. Hier ist wegen verschiedener Standards wie MHL, Mobility Display Port und Slimport allerdings genau aufzupassen, welche Technik das eigene Mobilgerät unterstützt. Solche Kabeladapter zum Einstecken in den HDMI-Eingang am Fernseher kosten um 20 Euro.

Kabeladapter wie dieser mit Slimport-Unterstützung übertragen alle Smartphone-Inhalte vom Handy auf einen Fernseher mit HDMI-Anschluss – also auch Sendungen aus den Mediatheken.
Vergrößern Kabeladapter wie dieser mit Slimport-Unterstützung übertragen alle Smartphone-Inhalte vom Handy auf einen Fernseher mit HDMI-Anschluss – also auch Sendungen aus den Mediatheken.

Damit ist öffentlich-rechtliches Fernsehen auf Abruf vergleichsweise einfach möglich, sofern man die Inhalte innerhalb der 7-Tage-Frist anschaut und sich bei jugendgefährdenden Sendungen an die Sperrzeiten hält: FSK-16-Inhalte gibt es nicht vor 22 Uhr zu sehen, FSK-18-Inhalte nicht vor 23 Uhr. Wer Filme oder Serien aus dem Fernsehprogramm dauerhaft speichern möchte, erledigt dies mit StreamTransport . Vavideo Server und die neue 9er-Version MediathekView können das sogar vollautomatisch.

Weniger umfassend stellt sich das Mediatheken-Angebot der privaten TV-Sender dar. RTL bietet zwar auch Zugriff auf ältere Sendungen, verlangt aber jeweils 99 Cent für den 24-Stundenzugriff. Ähnlich ist es Vox , Abrufe von RTL 2 sind gratis, SAT1 zerlegt jede Sendung in zahlreiche Teile mit jeweils neuem Werbevorspann. Dieses Ärgernis gibt es bei Pro7 nicht.

Nicht viel größer als ein USB-Stick: Der Chromecast-Stick kostet etwa 35 Euro und verwandet jedes TV-Gerät mit HDMI-Anschluss in einen smarten Fernseher.
Vergrößern Nicht viel größer als ein USB-Stick: Der Chromecast-Stick kostet etwa 35 Euro und verwandet jedes TV-Gerät mit HDMI-Anschluss in einen smarten Fernseher.
© Google

Sendungen im Netz, IP-TV-Optionen und Spezial-Apps fürs Handy

Eine gute Anlaufstelle im Internet zum nachträglichen Abruf von TV-Inhalten ist das Web-Portal „ Sendung verpasst? “, das aktuell 30 öffentlich-rechtliche und private Sender umfasst. Hier lassen sich Inhalte nach diversen Kriterien suchen, z.B. nach Titeln, Genres, Sender und so weiter. Ein Klick auf den gesuchten Treffer spielt die Sendung gleich im Browser ab, zusammen mit dem schon genannten Tool StreamTransport eignet sich das Portal auch zum Herunterladen und Archivieren.

Als hilfreich bei der Suche nach Sendungen erweist sich die spezielle Suchmaschine für Medieninhalte Vavideo . Schließlich findet sich vieles natürlich auch auf YouTube.

Sendungverpasst.de heißt das Web-Portal, das verpasste Sendungen von 30 öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zeigt. Am PC lassen sie sich zudem einfach speichern.
Vergrößern Sendungverpasst.de heißt das Web-Portal, das verpasste Sendungen von 30 öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zeigt. Am PC lassen sie sich zudem einfach speichern.

Im Prinzip bieten auch die meisten Anbieter von IP-TV, also von Fernsehen über das Internet, eine Aufnahme- oder Abruffunktion. Beim genauen Blick auf die Möglichkeiten und Konditionen der einzelnen Provider wird es aber kompliziert. Denn nur bei Vodafone ist die Miete des Festplattenrekorders bereits in der monatlichen Grundgebühr enthalten, die Telekom und die Kabelanbieter Kabel Baden-Württemberg und Kabel Deutschland verlangen dafür zwischen fünf und sieben Euro monatlich extra.

Ähnlich verhält es sich bei reinen IP-TV-Dienste Magine: Die Abruffunktion für verpasste Sendungen steht erst ab Abo-Variante „Master“ für knapp sieben Euro pro Monat zu Verfügung, beim bekannteren Konkurrenten Zattoo fehlt sie ganz. Mehr zum Online-Fernsehen der Kabel- und DSL-Anbieter erfahren Sie hier , mehr über Zattoo und Magine hier .

Schließlich hat die Telekom ihr Entertain-Paket insofern aufgewertet, als sie gegen Zusatzgebühr eine „To go“-Option bietet, die das Ansehen aufgezeichneter Sendungen unterwegs auf dem Smartphone oder Tablet erlaubt. Dabei kann allerdings nur vom „Cloud Recorder“ gestreamt werden, eine Vorab-WLAN-Speicherfunktion existiert nicht. Ruft man eine (aufgezeichnete) Sendung unterwegs über das Mobilfunknetz ab, werden dabei erhebliche Daten übertragen. Das gleiche gilt für das Streamen via Magine oder Zattoo, wo selbst in der niedrigen Auflösung („für Mobilfunk“) pro Stunde über 400 MByte auflaufen.

Diesen Nachteil vermeidet die kostenlose Mobil-App DailyMe (Android und iOS). Sie bietet die Möglichkeit, auf dem Mobilgerät über WLAN Fernsehsendungen und -serien herunterzuladen, dort zu speichern und diese dann später auch ohne Internetverbindung anzusehen. Zudem kann man sich in der App sein persönliches Wunschprogramm zusammenstellen, das dann im WLAN automatisch geladen wird. Allerdings, und das ist der große Nachteil, umfasst DailyMe nur gut 20 Sender.

Die App DailyMe (Android, iOS und Windows Phone) lädt das Programm von gut 20 TV-Sendern aufs Smartphone, zum Abspielen ist keine Internet-Verbindung nötig.
Vergrößern Die App DailyMe (Android, iOS und Windows Phone) lädt das Programm von gut 20 TV-Sendern aufs Smartphone, zum Abspielen ist keine Internet-Verbindung nötig.

TV-Inhalte an jedes Gerät im Netzwerk streamen

Eine Alternative zum Aufnehmen und damit zum späteren Abspielen bleibt der eigene TV-Server, entweder auf einem PC oder einer Netzwerkfestplatte (NAS). Voraussetzung dazu ist ein geeigneter Tuner-Stick (DVB-T, DVB-C oder DVB-S2) sowie eine Software. DVBLink steht für Windows, Linux, diverse NAS-Systeme und -Hersteller sowie für den Platinenrechner Raspberry Pi zur Verfügung und kostet ca. 25 Euro.

Kostenlos sind der Plex Media Server und Media Portal Windows-Versionen auf DVD), die gespeicherten Inhalte lassen sich über DLNA auf vielen Fernsehern, über Apps (z.B. aMPdroid für Android oder iPiMP für iOS) sowie über Zusatzgeräte wie den Chromecast-Stick wieder abspielen. Ganz ohne Tuner-Hardware kommt man mit OnlineTV für ca. 17 Euro aus, die Software zieht sich das Fernsehsignal wie Zattoo aus dem Internet. Eine Aufnahmefunktion bietet das Windows-Programm auch.

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