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Matroska - nicht nur für Raubkopien

05.04.2011 | 11:50 Uhr |

In der Tausch-Szene im Internet lösen Matroska-Videos gerade die beliebten AVI-Dateien ab. Dabei ist am Container-Format MKV nichts Anrüchiges: Auch für den legalen Einsatz bietet es viele Vorteile.

Wer sagt, dass Geschichte sich nicht wiederholt? Nur ein gutes Jahrzehnt zurück verteufelte die Musikindustrie MP3. Denn das Kompressionsverfahren war und ist die technische Basis für den illegalen Musiktausch im Internet. Aber die MP3-Benutzer haben sich durchgesetzt. Deshalb kann man heute hoch komprimierte Musikstücke in guter Klangqualität ganz offiziell im Internet kaufen und über kleine mobile Abspielgeräte hören – man ist nicht mehr auf unhandliche Audio-CDs angewiesen.

Heute kann die Filmindustrie das Matroska-Format nicht leiden. Denn in den einschlägigen Internetforen werden sogar HD-Filme im platzsparenden Dateiformat MKV getauscht. Mittlerweile gibt es sogar erste Abspielgeräte, die auch Matroska-Video wiedergeben. Es sieht ganz so aus, als würde Matroska das MP3 der Filme: Höchste Zeit also, sich mit MKV zu beschäftigen.

1. Multimedia-Container für Video, Ton und Untertitel


Matroska ist in erster Linie als Videoformat bekannt. Denn in den dunkleren Ecken des Internets finden sich Tausende Filme, zur Zeit noch meist illegale Raubkopien, als Matroska-Videodateien, erkennbar an der Datei-Endung MKV. Dabei ist Matroska gar kein Videoformat im eigentlichen Sinne, sondern ein Container-Format für Multimedia-Dateien. Den Unterschied versinnbildlicht schon der Name: Der Begriff Matroska erinnert nicht zufällig an die Matrjoschkas, jene bekannten russischen Puppenfiguren aus Holz, die sich ineinander stecken lassen.

Denn ähnlich wie diese ist das Dateiformat ein Behälter. Und zwar für mehrere Inhalte: MKV-Dateien enthalten mindestens eine Filmspur, dazu Ton- und Untertitelspuren. Die bei solchen Dateien verwendeten Kompressionsverfahren („Codecs“) sind nicht festgelegt, sondern nahezu beliebig wählbar.Die Unterscheidung zwischen Videoformat und Container für Videoformate ist auch für die Benutzer wichtig: Nur so lässt sich verstehen, warum der Computer die eine MKV-Datei abspielt, eine andere aber nicht. Im ersten Fall kennt das Abspielprogramm oder das Betriebssystem alle nötigen Codecs für die Wiedergabe, im zweiten nicht .

2. Container-Konkurrenz: MKV gegen AVI & Co.
Es gibt noch etliche weitere vermeintliche Videoformate, die eigentlich „nur“ Container sind. Allen voran AVI-Dateien: Die meisten Filme, die sich derzeit (illegal) aus dem Internet laden lassen, gibt es im AVI-Container. Die Technik dazu existiert seit Windows-3.1-Tagen. AVI-Container können neben der Videospur bis zu zwei Audiospuren enthalten. Auch zusätzliche Untertitelspuren sind theoretisch mit „verpackbar“, haben sich aber praktisch nie durchgesetzt. Mit dem Aufkommen der hoch aufgelösten Filme mit Bildformaten von 1280 x 720 oder sogar 1920 x 1080 Punkten ist AVI aber an seine Grenzen gelangt. Denn es speichert mit den Nutzdaten auch recht viele zusätzliche Daten für die interne Verwaltung.

... und sogar von per Netzwerkanschluss (links unten) verbundenen Computern ab. Preis: rund 350 Euro.
Vergrößern ... und sogar von per Netzwerkanschluss (links unten) verbundenen Computern ab. Preis: rund 350 Euro.
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MKV hat da mehrere Vorteile, die nicht nur gegenüber AVI, sondern auch gegenüber kommerziellen Containern wie MPEG und VOB gelten. MKV
• benötigt weniger Daten für die Eigenverwaltung und liefert damit kleinere Dateien bei gleich guter Qualität,
• kann Untertitel leichter integrieren,
• erlaubt auch Menüstrukturen, wie man sie von DVD oder Blu-Ray-Discs kennt,
• verträgt praktisch alle wesentlichen Audio- und Video-Codecs, während bei anderen Containern nur eine kleine Auswahl an Codecs möglich ist. Ein nicht unerheblicher Vorteil heißt aber: Freiheit. Denn Matroska ist ein so genanntes Open-Source-Projekt, dessen Programmcode offen liegt und von ehrenamtlichen Mitarbeitern erarbeitet wurde.

Dadurch kann nahezu jeder mitmachen und Matroska verbessern. Und: Es fallen keine Lizenzgebühren an. Das freut vor allem Hardware-Hersteller. Die müssen für ihre Geräte, die DVDs oder Blu-ray-Videos abspielen, entsprechende Lizenzen teuer kaufen. Die Matroska-Wiedergabe lässt sich dagegen problemlos einbauen, denn das Containerformat und sogar wichtige Codecs wie Xvid und x264 lassen sich legal und kostenlos in die Hardware integrieren. Wohl vor allem deswegen gibt es schon Dutzende Abspielgeräte für MKV-Filme, darunter sogar etliche Blu-ray-Spieler.

3. Matroska, die Codecs und die Akzeptanz
Im Internet und bei den Videofans ist Matroska längst eine große Nummer. Denn durch die Unterstützung modernster Codecs ist es das ideale Archivformat für Filme in allen Auflösungsstufen. Bei der Masse der Nutzer dagegen ist Matroschka noch recht unbekannt. Das liegt sicherlich zum einen daran, dass die meisten DVD- und Blu-ray-Videos nicht legal ins MKV-Format zu kopieren sind. Zum anderen fehlt aber noch komfortable Schnitt- und Herstellungs-Software, die die Möglichkeiten von Matroska ausreizt. Doch schon jetzt lohnt es, eigene TV- oder Camcorder-Aufnahmen ins MKV-Format zu wandeln – entweder zusammen mit dem AVC- (kommerziell) oder dem x264-Codec (frei). Dadurch lassen sich Filme platzsparender speichern als mit jedem anderen Container-Format. Tipps zur nötigen Software finden Sie im Kasten oben.

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