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Systemkameras - ein Überblick

30.09.2013 | 10:00 Uhr |

Jeder große Kamerahersteller hat eine Systemkamera im Sortiment. Die meisten bringen zudem regelmäßig neue Modelle. Um sich in diesem hart umkämpften, aber dennoch rückläufigen Markt hervorzutun, müssen die Hersteller mit neuen Funktionen wie WLAN beim Konsumenten punkten. PC-WELT gibt einen Überblick über die aktuelle Marktlage.

Laut einer Meldung des Interessenverbands der japanischen Fotoindustrie CIPA (Camera and Imaging Products Association) haben die japanischen Kamerahersteller – darunter Canon, Nikon, Panasonic und Sony – zwischen Januar und März 2013 nur etwa drei Millionen spiegellose Systemkameras ausgeliefert. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Million Geräte weniger.

Ein möglicher Grund dafür ist die Preisentwicklung. Aktuelle Systemkameras kosten etwa 300 Euro mehr als noch vor einigen Jahren. Damit gelangen sie langsam aber sicher in den Bereich der semi-professionellen Spiegelreflexkameras. Für die Hersteller macht dieser Preisanstieg durchaus Sinn: Fujifilm, Olympus, Panasonic und Samsung stellen keine Spiegelreflexkameras (DSLRs) mehr her, so dass sie hier mit den Systemkameras kompensieren müssen. Canon und Nikon, deren Systemkameras preislich eher im Mittelfeld liegen, produzieren weiterhin DSLRs und konzentrieren sich hier vor allem aufs teure Profisegment.

Eine Sonderstellung nimmt Sony ein, die mit ihren Systemmodellen im unteren wie im oberen Preissegment vertreten sind. Der Hersteller bietet aber auch Spiegelreflexkameras in beiden Bereichen an und ist auf dem Gebiet der (teuren) Vollformatkameras äußerst umtriebig.
 
Preis: Oberklasse ist im Kommen

Betrachtet man die aktuellen Modelle von Canon, Fujifilm, Nikon, Olympus, Panasonic, Samsung und Sony, fällt dabei auf, dass die Standard-Kits mit einem Objektiv mittlerweile im Schnitt bei 800 Euro liegen. Doch lohnen sich diese Mehrkosten? Kommt drauf an. Bei den günstigeren Modellen müssen Sie auf jeden Fall Abstriche beim Gehäusematerial machen: Ob Ihnen jedoch ein Plastikbomber weniger gut in der Hand liegt als ein edles Metallgehäuse, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Wirklich klapprig ist keins der günstigeren Gehäuse.

Die Samsung NX300 kommt beispielsweise in einem wertigen Metallgehäuse.
Vergrößern Die Samsung NX300 kommt beispielsweise in einem wertigen Metallgehäuse.
© Samsung

Bildqualität: Hohe Auflösung bürgt nicht für Qualität

Die meisten aktuellen Systemkameras setzen einen 16-Megapixel-Sensor ein. Hier tanzen nur die Canon EOS-M mit 17,9 Megapixeln, Samsung NX300 und die Samsung Galaxy NX mit jeweils 20 Megapixeln sowie die Sony NEX-7 mit stolzen 24 Megapixeln nach oben aus der Reihe. Nikon hält dagegen den Ball flach und verwendet bei der Nikon 1 V2 sowie der J3 einen 14,2-Megapixel-Sensor.

Was die Größe der Bildsensoren angeht, so setzen Olympus und Panasonic seit Jahren auf das Micro-Four-Third-Format, bei dem spezifizierte Sensoren von 17,3 x 13,0 Millimetern Größe zum Einsatz kommen. Canon, Samsung und Sony verbauen dagegen die größeren APS-C-Sensoren mit etwa 23,5 x 15,6 Millimeter Fläche. Einzig Nikon geht hier wieder einen eigenen Weg und stattet seine Nikon-1-Modelle mit einem 13,2 x 8,8 Millimeter kleinen Sensor aus – passend zur geringeren Auflösung.

Nikon stattet seine 1-Serie mit verhältnismäßig kleinen Bildsensoren aus.
Vergrößern Nikon stattet seine 1-Serie mit verhältnismäßig kleinen Bildsensoren aus.
© Nikon

Einen Rückschluss auf die Bildqualität beziehungsweise auf die effektive Auflösung oder das Rauschverhalten kann man aus der Sensorauflösung jedoch nicht ziehen. Hier spielen das verwendete Objektiv und die verarbeitende Elektronik eine entscheidende Rolle.

Handhabung: Immer mehr HD-Displays

Nahezu alle aktuellen Systemkameras haben ein 3-Zoll-Display – seit einigen Jahren ist diese Größe nun schon Standard. Ausnahmne bilden hier die Samsung NX300 , deren Bildschirm 3,3 Zoll, also 8,41 Zentimeter in der Diagonale misst, sowie die Samsung Galaxy NX mit ihrem gigantischen 4,8-Zoll-Display, das 12,2 Zentimeter in der Diagonale misst.

Während sich jedoch bei der Displaygröße nicht viel getan hat, steigt die Auflösung der Bildschirme stetig an. Das dadurch schärfere und detailreichere Bild ist vor allem dann hilfreich, wenn das Display als Sucher zum Einsatz kommt. War vor einem Jahr noch eine Auflösung von 460 000 Bildpunkten Standard, liegt dieser mittlerweile bei 920 000 Pixel und mehr. Einen aktuellen Ausreißer bildet hier die Samsung NX300 mit 770 000 Bildpunkten.

Vergleichstest: Die derzeit besten Systemkameras

Ein weiterer Display-Trend ist die Möglichkeit, den Bildschirm aufzuklappen und vereinzelt auch zu drehen. Allerdings ist dies meist den höherpreisigen Kameraserien vorbehalten - etwa den G-Modellen von Panasonic oder der OMD-Geräten von Olympus.

Ein Trend auf dem Gebiet der Systemkameras sind Displays, die sich aufklappen und drehen lassen.
Vergrößern Ein Trend auf dem Gebiet der Systemkameras sind Displays, die sich aufklappen und drehen lassen.
© Panasonic

WLAN : Keine einheitlichen Funktionen

Ein Trend macht sich bei Systemkameras seit einiger Zeit bemerkbar: WLAN. Zwar gab es bereits 2005 Kompaktkameras mit integriertem WLAN-Chip. Durch die rapide Verbreitung von Smartphones und Tablets in den letzten Jahren macht die WLAN-Verbindung jedoch erst jetzt richtig Sinn. Allerdings kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen hinsichtlich der WLAN-Funktionalität:

Fujifilm bietet seine Fujifilm Camera Application kostenlos im Google Play Store an. Sie können dann Bilder kabellos aufs Smartphone oder Tablet bringen. Allerdings ist es nicht möglich, die Kamera via Mobilgerät fernzusteuern, und auch das Ablegen der Bilder in der Cloud wird derzeit noch nicht unterstützt.
 
Olympus benötigt für die WLAN-Verbindung die kostenlose Smartphone-App Olympus Image Share . Während der WLAN-Konfiguration scannen Sie mit ihr einen QR-Code auf dem Kamera-Display ab, um die Verbindung zwischen den beiden Geräten herzustellen. Sie können nun die Kamera fernsteuern, Fotos auf Ihr Smartphone importieren und darauf bearbeiten und neuen Bildern Geo-Daten hinzufügen.
 
Bei Panasonic laden Sie die Panasonic Image App per NFC: Sie halten einfach das Handy an die Kamera und gelangen so direkt zum App Store. Nach der Installation können Sie mit der App Ihre Bilder kabellos auf einen PC im gleichen WLAN oder in die Cloud übertragen. Außerdem lassen sich die WLAN-Modelle GF6 und die G6 vom Smartphone oder Tablet aus bedienen.
 
Samsung bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie Panasonic, benötigt dafür jedoch mehrere Apps, die Sie per NFC laden: So lassen sich mit Mobile Link Dateien austauschen, mit Samsung Smart Camera können Sie die Kamera vom Smartphone aus steuern, und Allshare Play verbindet die Kamera per DLNA etwa mit einem Fernseher.
 
Sony benutzt die WLAN-Verbindung seiner Kameras lediglich dazu, Apps aus dem hauseigenen PlayMemories-Store auf die Kamera zu laden. Die angebotenen Apps finden Sie im Menü unter Applikation und dann im Unterpunkt PlayMemories Camera Apps. Um eine App herunterzuladen, benötigen Sie ein Konto beim Sony Entertainment Network.

Fazit: Abwägen, was wichtig ist

Aktuelle Systemkameras richten sich an Anwender, die zumindest über Grundkenntnisse in der Fotografie verfügen. Denn Einsteiger in diese Kameraklasse sowie Fotoneulinge werden kaum 800 Euro und mehr für eine Systemkamera ausgeben. Für dieses Geld bekommen Sie eine schnelle Kamera mit vielen Funktionen und überwiegend guter Bildqualität. Günstigere Modelle verzichten dagegen auf Extras wie WLAN und sind meist langsamer, was die Arbeitsgeschwindigkeit und den Serienbildmodus angeht. Daher sollten Sie vor dem Kauf abwägen, welche Ausstattungsmerkmale Ihnen wichtig sind.

Kaufberatung Systemkameras

Noch ein Tipp: Falls Ihnen die derzeitigen Systemkameramodelle zu teuer sind, werfen Sie doch einen Blick auf die Vorgängermodelle. Die haben vielleicht das eine oder andere Ausstattungsmerkmal weniger und sind womöglich minimal langsamer. Ihr Preis macht diese Kameras jedoch sehr attraktiv. Und die Bildqualität hat sich in den vergangenen Jahren kaum gesteigert.

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