07.07.2006, 01:48

Hans-Christian Dirscherl

Surfen auch in dunklen Ecken

Manchmal gibt es einen guten Grund, sich in die gefährlicheren Zonen des Webs zu wagen. Doch dort ist das Risiko groß, sich fiese Schädlinge einzufangen – außer Sie kennen die richtigen Tricks.

Eigentlich sind Sie vorsichtig. Doch jeder landet mal in den dunkleren Ecken des Internets – und sei es aus Neugier. Vielleicht brauchen Sie auch einfach kurzfristig Ersatz für Ihre verlorene Seriennummer, um eine Arbeit abschließen zu können. Warez-Sites und ähnliche Adressen sind häufig mit Viren und Spyware verseucht, die sich auf jede erdenkliche Weise in Ihr System einschleusen wollen. Am besten ist es deshalb, wenn Sie nicht mit Ihrem Hauptsystem online gehen, sondern mit einer zweiten Installation.
Eine sichere Lösung ist ein virtuelles System, das Sie etwa mit dem kostenlosen, englischsprachigen VM-Ware Player einrichten. Damit können Sie auf Ihrem PC einen virtuellen Rechner betreiben. Sie installieren auf diesem ein eigenes Betriebssystem, das völlig getrennt vom Hauptsystem arbeitet.
Sicher surfen per Live-CD
Eine Alternative zu Virtualisierungs-Software sind Live-Systeme. Dabei starten Sie etwa Linux von einer CD und gehen über dieses System online. Live-Systeme haben allerdings zwei Nachteile: Sie müssen den PC neu booten, und die Konfiguration des Internet-Anschlusses ist unter Umständen kompliziert. Trotzdem sind Live-Systeme für viele Anwender interessant: Die Hardware-Anforderungen sind meist gering, sie laufen also auch auf älteren Rechnern. Ein empfehlenswertes Live-System ist das englischsprachige Damn Small Linux – abgekürzt „DSL“. Es bietet alles, was man zum Surfen benötigt – trotzdem ist diese Linux-Distribution nur 50 MB groß.
DSL kommt als ISO-Datei, die Sie mit einem beliebigen Brennprogramm auf CD brennen. Danach starten Sie Ihren Rechner mit der CD im Laufwerk neu. Eventuell müssen Sie dafür die Bootreihenfolge im Bios verändern. Wie das geht, verrät das Handbuch des PCs oder der Hauptplatine. Nach dem Start von DSL kommt die Konfiguration des Online-Zugangs. Automatisch geschieht das nur, wenn Sie einen Router mit DHCP-Server besitzen und die Zugangsdaten zum Provider im Router gespeichert sind. In jedem anderen Fall müssen Sie Ihren Online-Anschluss in DSL konfigurieren. Da sich das Live-System diese Einstellungen aber standardmäßig nicht merkt, müssten Sie sie jedes Mal erneut eingeben. Deshalb ist es praktischer, DSL auf einem USB-Stick zu installieren, da sich dort alle Einstellungen speichern lassen.
Mini-Linux für den USB-Stick
Auch in der installierten Variante verbraucht DSL nur rund 50 MB. Damit passt das Live-System schon auf einen 64 MB großen Stick. Voraussetzung ist, dass Sie DSL von CD gestartet haben. DSL bietet kein Startmenü wie Windows. An die Programme kommen Sie über das Kontextmenü, das sich bei einem Rechtsklick auf den Desktop öffnet.
Für die Installation wählen Sie „Apps, Tools, Install to USB Pendrive“ und dort je nach Anforderung „For USB-ZIP Pendrive“ oder „For USB-HDD Pendrive“ – je nachdem, welches Format Ihr PC booten kann.
Online gehen: Wenn Sie nun Ihren PC mit DSL vom USB-Stick gebootet haben, richten Sie einen DSL Online-Anschluss über das Kontextmenü des DSL-Desktops ein. Das geht mit „System, Net Setup, DSL/PPPoE, PPPoEConf“. Den Modem-Anschluss konfigurieren Sie über „System, Net Setup, dialupPPP“. Es öffnet sich jeweils ein Assistent, der Sie durch die Konfiguration führt.
Dieser Artikel ist ein kleiner Ausschnitt aus dem Sicherheitsspecial der PC-WELT 8/2006, die jetzt am Kiosk liegt.
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