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So rechnet sich das grüne Rechenzentrum

Datenzentren baut man nicht alle Tage, auch nicht als Anbieter von Hosting-Lösungen. Allerdings ist ein Neubau die ideale Gelegenheit, um das Thema Green IT gründlich zu berücksichtigen, wie das Beispiel von Host Europe zeigt.

Von Christian Egle

Der Bau eines neuen Rechenzentrums wurde von Host Europe erstmals im November 2005 diskutiert. Nachdem ein geeigneter Standort gefunden war, fiel im Mai 2006 die endgültige Entscheidung für den Neubau. Bis zum Spatenstich im August waren die Planungen abgeschlossen und die Aufträge an die einzelnen Dienstleister vergeben. Der erste Testserver ging kurz vor Heiligabend online, von Februar bis Mai 2007 migrierte Host Europe dann rund 1000 Live-Systeme seiner mehr als 100.000 Kunden.

Ganz zu Anfang musste Host Europe – wie jeder andere Bauherr auch – eine Grundsatzentscheidung fällen: Soll ein Generalunternehmer beauftragt werden oder sind ausreichend Know-how und Kapazitäten im eigenen Unternehmen vorhanden, um in eigener Regie zu bauen? Host Europe entschied sich für den Bau in eigener Verantwortung, da kein Generalunternehmer eine wirklich überzeugende Lösung zu einem angemessenen Preis präsentierten konnte. Entweder waren die Generalunternehmer fest verbunden mit nur einer Baufirma oder ihre Angebote waren signifikant teurer als eine eigene Umsetzung.

Eine Frage der Infrastruktur

Zwei Faktoren waren bei der Beurteilung eines geeigneten Rechenzentrumsstandorts entscheidend: Stromversorgung und IP-Anbindung. Rechenzentren benötigen ziemlich viel Strom rund um die Uhr. Normalerweise sind die erforderlichen bis zu 2000 KVA Strom für ein mittelgroßes Rechenzentrum in Gewerbegebieten über den normalen Verteilerring verfügbar, aber es kommt auch nicht selten vor, dass ein Unternehmen die Aufrüstung des Stromnetzes selbst teuer bezahlen muss.

Da die Netze in den Händen der großen Energieversorger liegen, ist deren Preispolitik maßgeblich. Bei fehlenden Kapazitäten auf dem vorhandenen Netz muss man mit mindestens 400 Euro je Meter Kabellänge bis zum nächsten Umspannwerk rechnen – zuzüglich einer Bauverzögerung von 12 bis 18 Monaten. Selbst wenn genug Strom vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass der Strom ohne Zusatzkosten zur Verfügung gestellt wird. Für die Aufrüstung der Hauseinspeisung ist in der Regel mit Kosten in Höhe von 50 bis 75 Euro je zusätzlich benötigtem KVA zu rechnen.

Schnelle Internet-Anbindung

Neben der Energieversorgung ist für ein Rechenzentrum eine erstklassige IP-Außenanbindung der zweite wichtige Faktor bei der Standortwahl – und dieser Anschluss muss auch noch redundant verfügbar sein. Hierbei gilt es zu beachten, dass es dafür in den Städten meist mehr als einen Anbieter, aber auch Wegerechte auf den Straßen gibt. Ist die gewählte Straßenseite bereits durch einen Carrier belegt, so kann es beim Genehmigungsverfahren zu Komplikationen kommen.

Am besten sollte ein Standort gewählt werden, der entlang der großen "IP-Rennstrecken" in Europa liegt, damit für die IP-Anbindung auch auf Dauer vertretbare Konditionen zu erzielen sind. Alle Leitungskosten sollten doppelt kalkuliert werden, da ansonsten die Redundanz fehlt. Wenn die notwendigen Kabel nicht selbst verlegt werden können, sollte frühzeitig mit dem lokalen Carrier über einen Hausanschluss verhandelt werden, da es sonst zu kostspieligen Überraschungen und Verzögerungen kommen kann.

Bei der Planung der Grundfläche gilt bei Rechenzentren die Faustregel: Für je 100 Quadratmeter Stellfläche müssen weitere 50 Quadratmeter Versorgungsräume für USV, Batterie, Notstrom-Dieselaggregat und dergleichen einkalkuliert werden. In dieser Rechnung sind die Außenflächen für die Rückkühler noch nicht enthalten. Dieses Verhältnis von Nutz- und Versorgungsfläche gilt auch für größere Rechenzentren. Nur unterhalb von 400 Quadratmeter Nutzfläche ändert sich die Relation und wird deutlich schlechter.

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