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Steampunk-Design: Gewitterwarner im viktorianischen Stil

18.09.2016 | 08:44 Uhr |

Ein Messing-Dreibein, eine Glaskuppel, ein Elektronik-Bausatz und ein freies Wochenende: Ein Steampunk-Designer macht daraus einen Gewitterwarner im viktorianischen Stil.

"Ich bin ein „Bastler, ein „Erfinder“ und „Tüftler“ im positivsten Sinne. Ich bin überzeugt, dass nur im Team, im Miteinander und im Teilen von Wissen wahrlich Großes entstehen kann", sagt Steampunker Horatius Steam über sich. Es gibt etliche berühmte Menschen, die für ihn Vorbilder und Quelle der Inspiration sind, um eigene kreative Ideen umzusetzen. Was daraus entstanden ist, kann man auf seiner Website sehen.

Eines seiner Objekte ist ein Gewitterwarner im viktorianischen Stil.

Steampunk-Design: Gewitterwarner
Vergrößern Steampunk-Design: Gewitterwarner
© Horatius Steam

Der Gewitterwarner - oder was ein MW-Radiochip alles kann

Das Material und die Idee

In einem Einrichtungsladen bei uns im Ort gab es vor Weihnachten günstig Glaskuppeln zu kaufen. Dazu kam ein Messing-Dreibein von einer alten Lampe, das ich auf der FARK erstanden hatte. Ständig schwebte mir ein Gerät vor Augen, das aus dem Labor eines Wissenschaftlers à la „Die Zeitmaschine“ oder aus den Werkstätten des Kapitän Nemo entsprungen sein könnte. Und mit Wetter sollte es zu tun haben….

Beim Stöbern in einem Elektronikkaufhaus fiel mir ein Bausatz ins Auge. Ein Gewitterwarner. Dieses Gerät wurde von dem bekannten Autor Burkhard Kainka entwickelt und benutzt als Empfänger ein kleines, dreibeiniges FM–Radio-IC. Die gesamte Schaltung ist raffiniert und funktioniert sehr zuverlässig. Nur wollte ich eben kein Pappgehäuse in Buchform, sondern etwas Besonderes.

Als dann von einem guten Freund Messing-Abstandhalter den Weg zu mir fanden, war die Idee rund. An einem Wochenende entstand das „viktorianische“ Gerät.

Die Elektronik war schnell aufgebaut. Nähere Informationen dazu finden Sie hier , oder Sie bestellen sich den Bausatz gleich über Franzis oder Amazon.

Die Glaskuppel kam ohne Fuß, so dass ich erst eine Halterung für die Glaskuppel bauen musste, die auch noch auf den Messingfuß passen sollte. Ein paar MDF–Reste (mitteldichte Holzfaserplatte) wurden mit der Oberfräse geschnitten, gefräst und zusammengeleimt. Eine Schraube zentriert die Scheiben.

Zusammengeleimte MDF-Reste
Vergrößern Zusammengeleimte MDF-Reste
© Horatius Steam

Für die Aufnahme der LEDs benötigte ich einen „Messing“–Ring. Ich habe ihn aus MDF gefräst und mittels einer Zweischichttechnik „vermessingt“.

Auch der "Messing"-Ring besteht aus MDF
Vergrößern Auch der "Messing"-Ring besteht aus MDF
© Horatius Steam

Dazu wird das MDF zuerst mit Holzlasur gestrichen und kurz vor dem Trocknen Messingfarbe darübergestrichen. Die Ränder dürfen ruhig etwas rau bleiben, so entsteht der Eindruck von gebrauchtem Messing. Die Löcher nehmen später die LEDs auf, die die Warnstufen des Gewitterwarners anzeigen.

Der Batteriekasten, und die Bodenplatte wurden mit Echtholz furniert und das Furnier mit Holzöl behandelt.

Batteriekasten und Bodenplatte wurden mit Echtholz furniert
Vergrößern Batteriekasten und Bodenplatte wurden mit Echtholz furniert
© Horatius Steam

Hier sieht man auch die unteren Halterungen für die „Leuchtröhren“ und die Messingsäulen, die den Oberbau halten werden. Sehr schön zu sehen ist auch die Ausfräsung, die die Glaskuppel aufnehmen soll.

Die LEDs werden in Leuchtröhren versteckt. Ein Kollege im Forum hatte die Idee, Trinkhalme zu verwenden, um das grelle Licht der LEDs zu streuen. Die drei „Leuchtröhren“ aus Trinkhalmen signalisieren die Warnstufen des Gewitterwarners.

Leuchtröhren aus Trinkhalmen
Vergrößern Leuchtröhren aus Trinkhalmen
© Horatius Steam

Die Leitungen zu den LEDs sind im oberen Ring versteckt. Dort befinden sich auch die LEDs und strahlen aus den Messingröhrchen in die Trinkhalme. Das rote Material ist Vulcanfiber, ein Werkstoff, den Sie aus Ihren Wasserhähnen kennen. Dort dichtet er die Verbindung zwischen Duschkopf und Schlauch ab. Er lässt sich auch in Platten beziehen und ist ein toller Werkstoff, um Geräte damit zu bauen.

Die Elektronik des Gerätes findet in der zweiten Etage Platz. Der Piezo–Beeper, der Blitze akustisch signalisiert, ist freitragend über der Schaltung platziert.

Die Elektronik des Gewitterwarners
Vergrößern Die Elektronik des Gewitterwarners
© Horatius Steam

In der dritten Etage befindet sich die LED, die das Auftreten von elektrischen Entladungen signalisiert. Hier wurde ein „Diamant“ aus dem Bastelladen angebohrt und die LED in ihm versteckt.

Wird ein Blitz gemessen, leuchtet der Kristall grün auf.

er "Diamant" leuchtet grün, wenn ein Blitz gemessen wird
Vergrößern er "Diamant" leuchtet grün, wenn ein Blitz gemessen wird
© Horatius Steam

Wichtig bei diesem Projekt war mir sichtbare Technik. Der Betrachter soll sehen, wie das Gerät im Inneren aussieht. Gleichzeitig wollte ich moderne Elektronik, alte und neue Werkstoffe mit dem Design der viktorianischen Ära verbinden. Aus diesem Grund habe ich auch PVC-isolierte Leitungen benutzt und die Leitungen sichtbar gemacht.

Das kleine Radio-IC ist fast baugleich mit dem MK484 oder dem ZN414. Die ICs waren für Billig-Radios gedacht. Wer nach diesen Begriffen sucht, wird im Internet schnell fündig und man kann ganz einfach ein Radio aufbauen. In Deutschland sind zwar fast alle Mittelwellensender abgeschaltet worden, jedoch lassen sich nachts ausländische Sender gut hören.

Von Horatius Steam haben wir bereits den Wingman vorgestellt, ein Radio im Steampunk-Design.

Tipp der Redaktion:

Sie finden noch weitere Objekte im Steampunk-Design auf unserer Website, und zwar

Das Meliora Jukebox-Grammophon von Dan Aetherman

Machina Nostalgica: Le bassin fantome von André Kahlke

Das viktorianische Klangrohr von Leander Lavendel

Weitere Links:

Steampunk-Forum

Kleine Basteleien von Burkhard Kainka auf pcwelt.de:

Autonomer Miniroboter

Das magische Auge

Energie in der Wohnung ernten

Das Variometer

Analoges Lauflicht

Das Gammastrahlen-Mikrofon

Multi-LED-Blitzer

Hinweis für alle Bastler:

Wenn auch Sie ein kreatives Projekt entwickelt haben oder vielleicht sogar einer der Maker der Steampunk-Szene sind, schreiben Sie uns. Wir würden Ihre Konstruktionen, nützlich, fantastisch perfekt oder einfach nur schräg, gern auf www.pcwelt.de/hacks vorstellen. Schreiben Sie an Birgit Götz - hacks@pcwelt.de.

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