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SteamOS - Die offene Entertainment-Zentrale für alle

22.05.2014 | 11:12 Uhr |

SteamOS ist ein kostenloses Betriebssystem auf Basis von Linux, das auf platzsparenden Multimedia-PCs zum Einsatz kommen und Spielekonsolen das Fürchten lehren soll. PC-WELT erklärt Ihnen, wie Sie SteamOS im Dual-Boot mit Windows installieren.

Platzsparende Wohnzimmer-PCs, die als Unterhaltungszentrale im Wohnzimmer fungieren, gibt es schon seit geraumer Zeit. Doch der amerikanische Spieleentwickler Valve (Half-Life, Portal) möchte die HTPCs (Home Theater Personal Computer) auf ein neues Level bringen.

SteamOS: Gratis-Betriebssystem für Gamer

Dafür soll unter anderem das von Valve entwickelte Betriebssystem „ SteamOS “ sorgen, bei dem es sich um eine Linux-Distribution auf Debian-Basis handelt. Natürlich ist hier auch das namensgebende Steam, die Online-Vertriebsplattform für Software, bereits nativ vorinstalliert. Und so kommen wir gleich zum ersten Vorteil gegenüber dem Platzhirsch Windows, denn Linux ist in all seinen Abwandlungen für jedermann kostenlos verfügbar. Ein zweiter Vorteil ergibt sich auch in Sachen Leistung. Das leichtere Debian-System kann vorhandene Hardware effektiver ausreizen, was in der Praxis in schnelleren Bildraten in Spielen resultiert.

Bei SteamOS ist die namensgebende Online-Vertriebsplattform für Spiele und Software bereits nativ vorinstalliert.
Vergrößern Bei SteamOS ist die namensgebende Online-Vertriebsplattform für Spiele und Software bereits nativ vorinstalliert.
© Valve

Vier Steam-Funktionen im Überblick

Wer aber glaubt, dass er einfach seine komplette Spiele-Bibliothek ohne Umwege auf einem SteamOS-System daddeln kann, den müssen wir leider enttäuschen. Die PC-Games müssen nämlich explizit zu Linux respektive SteamOS kompatibel sein. Bisher ist die Auswahl allerdings vergleichsweise klein, es befinden sich neben einer Handvoll bekannter Titel vor allem eher unbekannte Spiele unabhängiger Studios in der Liste.

Video: SteamMachine als Konsolen-Ersatz bauen

Um nicht noch einmal hunderte von Euro in den Kauf kompatibler Spiele zu stecken, bietet SteamOS das Feature „In-Home-Streaming“ an, mit dem sich auch Windows- und Mac-Spiele Ihres entsprechenden Rechners auf die Steam-Machine über das Heimnetzwerk übertragen und spielen lassen. Bisher ist diese Funktion noch nicht in der aktuellen Betaversion integriert, sondern steht nur einem handverlesenen Kreis an Testern zur Verfügung. Doch neben dem Streaming von Spielen sollen auch multimediale Dinge wie Musik, Filme und TV-Programme abrufbar sein. Valve steckt aktuell noch in Gesprächen mit Partnern, handfeste Informationen gibt es leider noch nicht. Im Betatest lässt sich bisher „Steam Music“ nutzen, bei dem es sich um einen Musik-Player handelt.

SteamOS bietet neben dem fröhlichen Daddeln auch noch vier weitere Hauptfunktionen.
Vergrößern SteamOS bietet neben dem fröhlichen Daddeln auch noch vier weitere Hauptfunktionen.

Um sich dem meist größeren TV-Bildschirm im Wohnzimmer anzupassen, erfolgt die Steuerung in Steam über den „Big Picture Mode“, der die Inhalte auf den großflächigen Fernseher optimiert. Außerdem sind Symbole und Navigationsschritte an Gamepads angepasst und einer Oberfläche für Spielekonsolen natürlich nicht unähnlich. Übrigens erkennen Sie Spiele, die sich einwandfrei mit Controllern spielen lassen, an einem kleinen stilisierten Gamepad, das sich in der Beschreibung befindet.

Familien freuen sich über folgende Funktionen: Die Familienbibliothek erlaubt es, Steam-Spiele abwechselnd untereinander zugänglich zu machen, niemals jedoch parallel. Die individuellen Spielfortschritte und Errungenschaften speichert die Steam-Cloud für jeden Nutzer einzeln ab. Als letztes gibt es noch die Familienansicht, um beispielsweise nicht jugendfreie Spiele vor dem jungen Sohnemann zu verstecken oder den Shop zu deaktivieren.

Installation und Dual-Boot mit Windows

Vor der Installation müssen wir Sie darauf hinweisen, dass sich SteamOS immer noch im Betastadium befindet, Fehler und Abstürze sind also nicht unüblich. Die aktuellste Version von SteamOS lässt sich unter www.pcwelt.de/nj78 herunterladen. Für einen reibungslosen Betrieb müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Ein AMD- oder Intel-Prozessor mit 64-Bit-Kompatibilität, mindestens 4 GB Arbeitsspeicher und 500 GB Festplattenspeicher neben einer Grafiklösung von AMD, Intel oder Nvidia.

Mittlerweile ist die Installation des Betriebssystems dank fortschreitender Entwicklung auch auf PCs mit klassischem BIOS möglich, ein Dual-Boot mit Windows wird nun ebenfalls unterstützt. Bisher verlangte SteamOS ein modernes UEFI-BIOS während sich keine Partitionen einrichten ließen und die Debian-Variante gleich ganze Festplatten löschte. Dennoch empfehlen wir, dass Sie vor der Installation ein Backup Ihrer Daten durchführen. Das funktioniert zum Beispiel recht einfach mit dem Programm „PC-WELT Backup Easy“, eine kostenlose Testversion steht unter www.pcwelt.de/gsfk bereit. PC-WELT übernimmt keine Haftung bei Schäden.

1. Installationsschritt

Formatieren Sie den USB-Stick im FAT32-Format, NTFS funktioniert leider nicht.
Vergrößern Formatieren Sie den USB-Stick im FAT32-Format, NTFS funktioniert leider nicht.

Nachdem Sie sich die aktuellste Version heruntergeladen haben, empfehlen wir Ihnen, einen im FAT32-Format formatierten USB-Stick mit mindestens 4 GB Kapazität als Installationsmedium zu nutzen. Öffnen Sie die Zip-Datei und kopieren alle darin enthaltenen Daten auf den Stick.

2. Installationsschritt

Es ist komfortabler, bereits vorab Speicherlplatz für SteamOS zur Verfügung zu stellen.
Vergrößern Es ist komfortabler, bereits vorab Speicherlplatz für SteamOS zur Verfügung zu stellen.

Um einen Dual-Boot einzurichten, verkleinern wir unser Laufwerk C über die Windows-7-Datenträgerverwaltung: Dorthin gelangen Sie am schnellsten über die Tastenkombination Windows + R, geben anschließend „diskmgmt.msc“ ein und bestätigen mit Enter. Klicken dann mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Laufwerk und wählen „Volume verkleinern“. Valve empfiehlt mindestens 500 GB, allerdings kommen Sie auch mit weitaus weniger aus, wenn Sie nicht viele Spiele installieren möchten. Diese Schritte lassen sich übrigens auch bei der Installation von SteamOS ebenfalls durchführen, allerdings erwies sich diese Methode als komfortabler.

3. Installationsschritt

Wählen Sie unbedingt „Expert install“, um den Dual-Boot zu ermöglichen.
Vergrößern Wählen Sie unbedingt „Expert install“, um den Dual-Boot zu ermöglichen.

Schalten Sie nun Ihren PC aus und stöpseln den USB-Stick an den PC. Wählen Sie im BIOS Ihren USB-Speicher als Startmedium aus und wählen im folgenden Menü den Punkt „Expert Install“ aus, um parallel mit Windows booten zu können. Wählen Sie danach stets Ihre gewünschte Sprache aus und warten Sie, bis SteamOS Ihre Hardware erkannt hat.

4. Installationsschritt

Wählen Sie den vorab freigeräumten Speicherplatz für die Installation aus.
Vergrößern Wählen Sie den vorab freigeräumten Speicherplatz für die Installation aus.

Im Installationsschritt „Festplatte partitionieren“ wählen Sie Ihren in Schritt 1 erstellten Speicher aus, zu erkennen an der Größe und dem Zusatz „FREIER SPEICHER“. Klicken Sie auf „Weiter“, bestätigen Sie die Rückfrage und lassen den freien Speicher automatisch partitionieren. Im nächsten Fenster wählen Sie „Partitionierung beenden und Änderungen übernehmen“ an und fahren wie gewohnt mit „Weiter“ fort.

5. Installationsschritt

Linux-Neulinge lassen hier die beiden Software-Pakete am besten angewählt.
Vergrößern Linux-Neulinge lassen hier die beiden Software-Pakete am besten angewählt.

Während der Installation des Systems ploppt ein Fenster auf, das Ihnen zwei Software-Pakete zum Installieren vorschlägt. Wenn Sie eher ein Neuling in Sachen Linux sind, dann haken Sie beide an und bestätigen Sie mit „Weiter“.

6. Installationsschritt

Als letztes fragt Sie das Installationsprogramm, ob Sie den „GRUB Boot Loader“ installieren möchten, da Windows auf dem Datenträger erkannt wurde. Bestätigen Sie mit „Ja“, um zukünftig in einem Menü wählen zu können, welches Betriebssystem Sie starten möchten.

7. Installationsschritt

Fertig! Stecken Sie nun den USB-Stick vom Rechner ab und starten Sie den PC neu. Gleich nach dem BIOS wählen Sie SteamOS (nicht das Recovery), geben Ihre Account-Daten von Steam ein und finden sich im Big-Picture-Modus von Steam wieder. 

Vorab-Fazit zur Betaversion von SteamOS

Ein abschließendes Fazit zu ziehen wäre im Hinblick auf eine unfertige Betaversion natürlich alles andere als gerecht. Wer Linux kennt, der weiß bereits von der flüssigen Bedienbarkeit. Große Erwartungen sollten Sie aber nicht hegen, denn SteamOS ist nichts anderes als eine weitere Linux-Variante mit vorinstalliertem Steam. Außerdem sind von insgesamt über 2000 Spielen nur über 500 kompatibel zu SteamOS respektive Linux, die anderen und wirklich interessanten Funktionen wie „In-Home-Streaming“ konnten wir leider nicht testen. Doch die Grundgedanken von SteamOS und den zugehörigen Steam-Machines sind wegweisend in der Spielebranche: Ein freies Betriebssystem auf frei konfigurierbaren Computern, die sich noch in Jahren aufrüsten lassen, um stets die beste Leistung zu erhalten. Hinzu kommen die einfache Bedienbarkeit der Nutzeroberfläche und die stets flotte Performance. Sobald SteamOS seinen finalen Status erreicht hat, sollten auch Sie einen Blick riskieren – schließlich kostet es ja nichts.

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