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Steam-OS: Gaming auf Basis von Debian

26.05.2014 | 12:01 Uhr |

Valve will in das Wohnzimmer und macht Microsofts Xbox und Sonys Playstation Konkurrenz. Allerdings geht Steam-OS dabei einen offeneren Weg. Hier folgt der Stand der Dinge.

Valves Steam-Client für Linux gibt es seit knapp über einem Jahr. Nun legt der Spielehersteller mit dem Linux-basierten Spielebetriebssystem Steam-OS nach. Es gab lange Spekulationen, dass Steam-OS auf Ubuntu basieren werde. Wie sich nun erwiesen hat, trifft das nicht zu: Stattdessen dient Debian 7 „Wheezy“ als Unterbau von Steam-OS. Valve stellt sich durch die Wahl des Debian-Universums auf die Schultern eines Giganten. Debian ist zwar konservativ, aber eine der stabilsten Distributionen schlechthin.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2014

Linux Mint 16: Das beste Ubuntu! Warum Linux Mint zum Desktop-Favorit vieler Linux-Anwender aufgestiegen ist, wie Sie es installieren und richtig einstellen - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 2/2014 .

Vom Steam-Client zu Steam-OS

Der Steam-Client ist für den Einsatz auf einem Desktop-Computer ausgerichtet. Ungefähr zeitgleich mit dem Steam-Client für Linux wurde auch die Oberfläche „Big Picture“ eingeführt. Diese ähnelt der einer Konsole und ist speziell für den Einsatz im Wohnzimmer vorgesehen. Spätestens seit Big Picture war klar, wohin Valve zielt, und die Gerüchte um ein Spiele- und Multimedia-Betriebssystem sowie eine eigene Spielekonsole verdichteten sich. Ebenso war klar, dass diese Steam-Konsole auf Linux basieren würde. Sieht man sich diese Entwicklung rückblickend an, plante Valve eigene Konsolen (Steam Machines) mit Linux-basiertem Steam-OS wahrscheinlich schon bei der Herausgabe des Steam-Clients für Linux.

Downloads bändigen: Während der Entwicklung des Steam-Clients wurde die Funktion hinzugefügt, Updates zu terminieren und ihre Bandbreite zu beschränken.
Vergrößern Downloads bändigen: Während der Entwicklung des Steam-Clients wurde die Funktion hinzugefügt, Updates zu terminieren und ihre Bandbreite zu beschränken.

Fortschritte beim Steam-Client: Die Software zum Zugang zu Valves Spieleplattform bringt in der Zwischenzeit Funktionen mit, die das Leben wesentlich angenehmer machen. Zum Beispiel können Sie bei Spiele-Updates die Internet-Bandbreite limitieren. Ferner lässt sich eine Tageszeit festlegen, wann Spiele-Updates erlaubt sind. Früher konnte man zwar einstellen, dass sich Spiele nicht automatisch aktualisieren dürfen, aber um diese zu spielen zu können, musste man letztlich doch das Update abwarten. Lange Zeit war es ein Ärgernis, dass sich aktualisierende Spiele einfach die komplette Bandbreite unter den Nagel rissen.

Die Oberfläche Big Picture brachte bereits einen Webbrowser mit sich. Der nächste logische Schritt ist da in der Tat eine komplette Multimedia-Station mit eigenem Unterbau. Mit Steam-OS auf der zugehörigen Hardware, einer Steam Machine, spielen Sie dann auch Videos ab und zeigen Ihre Bilder aus dem Urlaub her.

PC-Kaufberatung für den optimalen Gaming-PC

Spiele-System Steam-OS: Pro & Contra

Hinter Debian GNU/Linux steckt keine kommerzielle Firma, wie das bei Ubuntu und Canonical der Fall ist; Valves Betriebssystem ist frei verfügbar. Somit kann sich jeder aus herkömmlichen PC-Komponenten eine eigene Steam Machine bauen. Hinweise dazu finden Sie auf der Projektseite zu Steam-OS. Valve arbeitet eng mit Hardware- Herstellern wie Nvidia oder AMD zusammen, um den Anwendern die optimale Geschwindigkeit hinsichtlich Grafik-Performance zu bieten. Somit hat Steam-OS schon allein aufgrund der Treiberverbesserungen Vorteile gegenüber einem normalen Desktop-Linux. Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe verlangte Steam-OS allerdings neuere Hardware mit UEFI Boot.

Der bewährte Linux-Client für die Steam-Spieleplattform wird weiter gepflegt: Somit können Sie natürlich weiterhin unter Linux spielen, ohne Ihren Rechner gleich in eine spezialisierte Steam Machine umzuwandeln. Für den Einsatz dieses Steam-Clients unter Linux empfiehlt Valve übrigens weiterhin Ubuntu als Systembasis.

Steam für das Wohnzimmer: Big Picture gleicht in seiner Oberfläche und Haptik einer typischen Spielekonsole. Sie haben schnellen Zugriff auf alle Spiele.
Vergrößern Steam für das Wohnzimmer: Big Picture gleicht in seiner Oberfläche und Haptik einer typischen Spielekonsole. Sie haben schnellen Zugriff auf alle Spiele.

Kritik und Lob: Valve plädierte immer wieder dafür, dass Spiele nicht auf ein Betriebssystem beschränkt sein sollen. Namentlich Valves Mitgründer und ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter Gabe Newell kritisierte Microsoft öffentlich: Die Windows-Macher versuchten, die Anwender in goldene Käfige zu sperren, und für das SpieleÖkosystem sei insbesondere Windows 8 eine Katastrophe. Nun kommt ähnliche Kritik von der Open-Source-Seite auf Valve zurück: Steam sei ebenfalls eine Box in einer Box und der Anwender in das Valve-System eingezäunt.

Linux-Vater Torvalds hingegen hält Steam-OS für eine gute Sache. Er ist der Meinung, dass Valve damit Linux auf dem Desktop generell voranbringen wird. GNU-Gründer Richard Stallmann hat die mit DRM versehenen Steam-Spiele als unmoralisch bezeichnet. Im selben Atemzug sagte er jedoch, dass kommerzielle Spiele immerhin besser bei Linux als bei Windows aufgehoben seien.

Inzwischen haben sich auch schon viele Spielehersteller zu Steam-OS bekannt. Interessanterweise sprechen sie von „Steam-OS“ und nicht von „Linux“ in ihren Ankündigungen. Dennoch werden die entsprechenden Spiele allgemein für Linux auf den Markt kommen. Viele Anwender halten heute nur noch wegen einigen Spieletiteln an Windows fest und nutzen dafür eine Dual-Boot-Konfiguration. Steam-OS könnte diesen Umstand maßgeblich ändern.

Piixl’s Jetpack: Dieses flache Gerät können Sie hinter einen Flachbildfernseher schrauben.
Vergrößern Piixl’s Jetpack: Dieses flache Gerät können Sie hinter einen Flachbildfernseher schrauben.
© piixl.com

Steam Machines gegen Xbox und Playstation

Steam Machines (früher Steambox), also Hardware mit Steam-OS, sind in Planung. Wie erwähnt, lassen sich für diese Spielekonsolen handelsübliche PC-Komponenten verwenden. Nach der Ankündigung von Steam-OS haben erste Hardware-Hersteller begonnen, am Design von Steam Machines zu arbeiten. Da diese Rechner vorrangig im Wohnzimmer ihren Platz finden sollen, muss das Aussehen stimmen. PiixL’s Jet will sich komplett unsichtbar machen: Der Rechner ist flach und mit einem Vesa-Standard ausgestattet. Somit können Sie diesen hinten an einem Flachbildfernseher anschrauben, und die Steam Machine ist aus dem Blickfeld.

Für die Benutzung des Steam Controllers ist kein separater Treiber notwendig. Somit lässt sich der innovative Controller auch an jedes beliebige Desktop-Linux anschließen und dort verwenden. Das ist für Spieler interessant, die doch lieber am bewährten Steam-Client auf dem Home-Computer festhalten.

Die Vorstellung des Steam Controllers hat Erstaunen ausgelöst. Bei Game-Controllern kannte man bisher links und rechts Steuerknüppel. Valve setzt auf klickbare Dual-Trackpads, und davon profitiert die Genauigkeit der Steuerung, wie Tests bestätigen. Die Auflösung des Steam Controllers entspricht der einer Desktop-Maus. In der Mitte des Controllers befindet sich ein hochauflösendes Touchpad. Das Eingabegerät präsentiert sich gegenüber dem Computer als Tastatur und Maus. Spieler und die Steam-Community dürfen vorgefertigte Konfigurationen anlegen und diesen ihren Lieblingsspielen zuweisen. Beispiele für solche Konfigurationen dienen etwa dem schnellen Speichern, schnellen Laden oder situativen Screenshots. Mit dem Steam Controller lassen sich sogar Echtzeitstrategiespiele komfortabel kontrollieren.

Valve stellt 14 Steam Machines vor

Steam Controller: Mit den innovativen klickbaren Dual-Trackpads spielen sich Echtzeitstrategiespiele wie mit der Maus.
Vergrößern Steam Controller: Mit den innovativen klickbaren Dual-Trackpads spielen sich Echtzeitstrategiespiele wie mit der Maus.
© steampowered.com

Chancen der Steam Machines mit Steam-OS

Der Konsolenmarkt ist hart umkämpft. Steam als Neuling einzustufen, wäre aber falsch. Steam hat eine riesige Community und Millionen von Anwendern. Valve ermutigt seine Spieler sogar, eigene Inhalte für Spiele zu schaffen, und stellt die notwendigen Tools dafür zur Verfügung. Zum Beispiel gibt es für Left 4 Dead 2 etliche von der Community geschaffene Levels, Spieler-Skins und so weiter.

Generell ist die Offenheit des Systems ein maßgeblicher Vorteil gegenüber Xbox und Playstation. Steam Machines lassen sich selbst aufrüsten, etwa durch den Einbau einer besseren Grafikkarte. Haben Sie eine Steam Machine im Wohnzimmer und einen Desktop, können Sie die Spiele auf beiden Geräten genießen. Das ist ein Verkaufsargument, das die Konkurrenten nicht bieten. Weiterhin hat man bei Valve den Eindruck, dass die Firma stark auf ihre Community eingeht und auf sie hört. Ob sich Steam-OS durchsetzen wird, muss man abwarten – die Voraussetzungen sind jedenfalls vielversprechend.

Von Steam-OS unterstützte Spiele

Immer noch gibt es längst nicht so viele Spiele für Linux wie für Windows. Allerdings ist inzwischen für wirklich jeden Geschmack etwas dabei. Es sind definitiv zu viele Titel, um alle in diesem Beitrag zu nennen, und wir picken nachfolgend nur einige Highlights heraus. Darüber hinaus haben verschiedene Hersteller hochqualitative AAA-Titel angekündigt, die Unterstützung für Steam-OS und somit Linux haben werden.

Left 4 Dead 2: Diese Zombie-Jagd ist ein sehr beliebtes Spiel. Die aktive Community hat bereits etliche Level und andere Erweiterungen geschaffen.
Vergrößern Left 4 Dead 2: Diese Zombie-Jagd ist ein sehr beliebtes Spiel. Die aktive Community hat bereits etliche Level und andere Erweiterungen geschaffen.

Tipp: Nicht alle Spiele sind auf Deutsch verfügbar. Erkundigen Sie sich vor einem Kauf genau, sofern deutsche Sprachunterstützung für einen Kauf entscheidend ist.

Valves Shooter: Natürlich hat Valve seine Kracher bereits portiert, und diese stehen für Steam-OS zur Verfügung. Fans von Counter Strike, Half-Life und Half-Life 2 können unter Linux um die Wette ballern. Wer lieber mit Freunden auf Zombie-Jagd geht, ist mit Left 4 Dead 2 gut bedient. Aber auch Portal, die erstklassige Mischung aus Shooter und Strategie, lässt sich schon auf Steam-OS spielen.

Andere AAA-Titel: Ein echter Hingucker ist Metro Last Light. Der postapokalyptische Shooter in Moskaus Ruinen wurde eigentlich nur mit Lob überhäuft. Rollenspiel-Fans dürfen sich nicht nur über Shadowrun Returns, Wasteland 2 und Project Eternity freuen. Auch Topware hat angekündigt, Two Worlds II für Steam-OS auszugeben. Wer lieber Fußballer virtuell über den Rasen scheucht, kann sich den Football Manager 2014 genauer ansehen.

Für Echtzeitstrategen ist Planetary Annihilation wohl Pflicht. Hier handelt es sich um einen geistigen Nachfolger des Klassikers Total Annihilation. Adventure-Fans werden sicherlich mit The Cave und The Book of Unwritten Tales glücklich sein. Stöbern Sie einfach im Steam-Universum. Sie finden garantiert einen passenden Zeitvertreib unter Steam-OS.

Steam-Spiele für Linux: http://store.steampowered.com/browse/linux/
Steam-OS: http://store.steampowered.com/steamos
Steam Controller: http://store.steampowered.com/livingroom/SteamController
Big Picture: http://store.steampowered.com/bigpicture
Piixl’s Jetpack: http://piixl.com/piixl-s-jetpack.html

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