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So kommen Sie an gesperrte US-Sites

04.06.2008 | 16:30 Uhr |

Viele Web-Dienste sind auf die USA beschränkt. Doch das Internet ist für alle da: Unser Beitrag zeigt, wie Sie Sperren für regionale Angebote umgehen.

Europäische Multimedia-Nutzer wurden in in letzter Zeit mehrfach enttäuscht. So hatte etwa der amerikanische Musikdienst Pandora auch hierzulande regen Zuspruch, doch seit November 2007 gibt es dort nurmehr eine "Sorry"-Seite zu sehen: Aus lizenzrechtlichen Gründen könne man den Zugriff nicht gestatten, aber man bemühe sich um den Aufbau eines Angebotes auch außerhalb der USA. Adobes Media-Player verzichtete auf eine solche Entschuldigung, als er Mitte April sein Angebot sang- und klanglos einstellte: Statt der Original-US-TV-Serien erscheint seitdem ein schwarzer Bildschirm, zuweilen von der akustischen Mitteilung unterlegt, dass der Inhalt "nicht verfügbar" sei.

Der Grund: Lizenzen für die Ausstrahlung der meisten Sendungen erwerben die Sender meist nicht weltweit, sondern in der Regel nur für eine bestimmte Region. Anhand Ihrer IP-Adresse stellen die Anbieter fest, von wo aus Sie zugreifen, und verweigern europäischen PCs den Zugriff, denn sonst würden sie sich einer Lizenzverletzung schuldig machen. Wenn Sie sich allerdings IP-technisch als Amerikaner ausgeben, ist das Problem gelöst: Die Sender erfüllen ihre Auflagen, so dass die Rechteinhaber nichts beanstanden können. Sie erhalten die gewünschten Musik- und Videodateien, verstoßen dabei aber nicht gegen ein Gesetz.

Musik: Zugriff über Tor
Der einfachste Weg, die eigene IP-Adresse zu verschleiern, ist ein Proxy, über den Sie auf den Server des Anbieters zugreifen. Ein reiner HTTP-Proxy genügt hier nicht, da die Flash-Player innerhalb des Browsers den Stream ebenfalls per Proxy beziehen. Sie müssen also einen so genannten Socks-Proxy finden. Für Stream-Musik, also etwa Pandora, eignet sich das Tor-Netzwerk. Installieren Sie zunächst als Proxy Tor . Die Bestandteile Privoxy und Torbutton benötigen Sie dabei nicht unbedingt - Sie können sie bei der Installation abwählen. Wichtig sind das Hauptprogramm Tor sowie Vidalia, eine GUI, mit der Sie Tor steuern können. Wählen Sie am Ende die Option "Installierte Anwendungen jetzt starten" aus. Passen Sie Tor so an, dass sich der letzte Knoten vor dem Server-Zugriff garantiert in den USA befindet. Dazu starten Sie die grafische Oberfläche Vidalia und wählen "Netzwerk betrachten". In der linken Spalte sind alle vorhandenen Server aufgeführt. Durch einen Klick auf den Kopf der zweiten Spalte sortieren Sie sie nach Land und scrollen hinunter, bis Sie bei den mit der amerikanischen Flagge gekennzeichneten US-Servern angekommen sind. Davor befindet sich jeweils die Anzeige für die Geschwindigkeit. Interessant sind nur die mit drei Punkten vor der Flagge - alles andere ist zu langsam. Öffnen Sie nun die Datei "%appdata%\Vidalia\torrc" mit dem Editor, tragen Sie auf eine neue Zeile das Schlüsselwort "ExitNodes" ein und dahinter, durch Kommata getrennt, die Namen der Server, also etwa

ExitNodes desync, jalopy, ...

Zusätzlich legen Sie folgende Zeile an:

StrictExitNodes 1

Letztere zwingt Tor dazu, nur diese Server als Exit-Knoten zu verwenden. Stoppen Sie Tor nach dem Speichern der Datei, und starten Sie das Tool neu.

Das Tor-Netzwerk ist recht langsam. Für den Audio-Stream reicht es zwar, doch Ihren gesamten Web-Verkehr werden Sie nicht darüber abwickeln wollen, das würde lange Wartezeiten bedeuten. Hier hilft die Firefox-Erweiterung Foxyproxy : Sie regelt die Verwendung von Proxies abhängig von bestimmten URL-Mustern. Sie können also damit festlegen, Tor nur auf bestimmten Web-Seiten zu verwenden. Nach der Installation von Foxyproxy werden Sie gefragt, ob die Erweiterung für den Gebrauch mit Tor konfiguriert werden soll - antworten Sie hier mit "Ja", bei der anschließenden Frage nach Privoxy mit "ohne". Für den zu verwendenden Port bestätigen Sie den Standardwert 9050.

Im nächsten Dialog legen Sie das URL-Muster fest, bei dem die Aufrufe über Tor geleitet werden sollen: Klicken Sie auf die Schaltfläche "Neues Muster", geben Sie unter "Name des Musters" einen beliebigen Namen ein - also etwa für Pandora "Pandora-Website" - und unter "URL oder URL-Muster" "*pandora.com/*". Nach dem Neustart von Firefox klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Fuchs-Symbol unten rechts in der Statuszeile und wählen aus dem Kontextmenü den Punkt "Verwende Proxies entsprechend ihrer konfigurierten Muster und Prioritäten". Entsprechend geben Sie auch Muster für andere Web-Seiten an. Dabei werden Sie feststellen, dass die Tor-Bandbreite für Video-Dienste nicht ausreicht: Mehr als untaugliches Geruckel erhalten Sie nicht.

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