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So nutzen Sie das Mediencenter XBMC (Kodi) optimal

15.07.2016 | 09:05 Uhr |

Weil Kodi so viele Funktionen bietet und auf zahlreichen Plattformen läuft, hat sich das kostenlose Mediacenter-Tool schlechthin etabliert. Unsere Tipps dazu finden Sie hier.

Wenn größere Sammlungen von Fotos, Videos und Musikdateien für alle Geräte im Netzwerk zur Verfügung gestellt werden sollen, kann sich die Einrichtung eines zentralen Mediencenters lohnen. Solche Speziallösungen helfen bei der Organisation der Sammlung und sorgen für attraktive Präsentation und komfortable Benutzung. Wenn Sie nur gelegentlich auf Ihrem Linux-Rechner gespeicherte Medien auf anderen Geräten wiedergeben, sollten Sie auch kleinere Alternativen wie Mini DLNA oder Mediatomb in Betracht ziehen. Der Aufwand der Einrichtung ist bei großen Medienzentralen nicht zu unterschätzen, wie das prominente Beispiel des Mediencenters XBMC/Kodi zeigt.

Grundlagen: Kodi als Streaming-Client und -Server

Das XBMC/Kodi-Mediencenter besticht durch seine Erweiterbarkeit durch Hunderte von Add-ons. Trotzdem ist es keine All-in-one-Lösung für alle Belange des Home-Streamings: In der Rolle als Medien-Client, also als Abspielstation für Musik, Bilder, lokale Videos und Mediatheken sowie Video-Channels im Web lässt Kodi keine Wünsche offen. Kodi spielt, vergleichbar nur mit dem VLC Mediaplayer, wirklich alle geläufigen Musik- und Videoformate und zeigt außerdem alle Bildformate. Ferner bindet Kodi neben lokalen Festplatten auch alle LAN-Ressourcen und Geräte-Server ein, die unter „Quelle hinzufügen“ als UPnP-Devices, NFS-Netzwerk, Windows-Netzwerk und HD-Homerun-Geräte (TV-Tuner) auftauchen, um hier nur das Wichtigste zu nennen. Kodi/XBMC kann Medien von all diesen Quellen in die Mediensammlungen unter „Videos“, „Filme“, „Musik“ aufnehmen und dann an dieser Stelle zum Abspielen anbieten.

Über „Videos ➞ Add-ons ➞ Mehr…“ lässt sich ferner das lokale Angebot des Heimnetzes um alle namhaften Online-Mediatheken (ARD, ZDF, Arte), Nachrichten-Channels (Tagessschau, N24, Spiegel) und Video-Portale (Youtube) erweitern. Das Auswählen und „Aktivieren“ solcher Add-ons ist die Angelegenheit von wenigen Sekunden. Nicht zuletzt dient Kodi auch als Abspiel-Client für Live-TV, also für das aktuelle Fernsehprogramm („System ➞ Einstellungen ➞ Live-TV ➞ Aktivieren“). Der Eintrag „Live-TV“ im Hauptmenü erscheint erst, wenn diese Funktion aktiviert ist. Für diese Client-Rolle müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. Kodi unterstützt die dafür notwendige Hardware in Form von TV-Karten oder DVB-USB-Sticks nicht selbst, sondern ist auf eine zusätzliche Recorder-Software wie Mythtv oder DVB Link angewiesen. Die Verbindung zwischen Kodi und dem Personal Video Recorder (PVR) wie etwa dem genannten Myth­tv besorgt dann ein PVR-Add-on für die jeweilige Recorder-Software. Übrigens ist es nicht immer selbstverständlich, ein XBMC/Kodi mit funktionierenden PVR-Add-ons aus den Standard-Paketquellen der Distribution zu beziehen.

Mediacenter XBMC (Kodi) auf dem Raspberry Pi einrichten

In der Rolle als Medienserver, also als UPnP/DLNA-Server, hat Kodi seine Grenzen. Unter „System ➞ Einstellungen ➞ Dienste“ ist UPnP (Universal Plug and Play) schnell aktiviert. Das bedeutet, dass andere Geräte im Netzwerk wie Smart-TVs oder Musikplayer auf Tablets oder PCs das XBMC/Kodi automatisch als Server erkennen und dessen Musik- und Videobibliothek anzeigen. Eine Bildbibliothek kann das Mediencenter per UPnP derzeit allerdings nicht bieten. Und ob das Ergebnis bei Film und Musik zufriedenstellt, ist ungewiss: Am besten steht es um Videos und Filme. Bei Musiksammlungen aus heterogenen Quellen sind die Metadaten oft fehlerhaft oder sie fehlen ganz. Da Kodi (wie jeder UPnP-Server) beim Schreiben der Datenbank auf diese Metadaten angewiesen ist, ist das Resultat für den zugreifenden UPnP-Client oft mangelhaft. Das Problem mangelhafter Metadaten ist für die Server-Rolle gravierend, bei der Client-Rolle als Abspielstation vergleichsweise unbedeutend, weil der Zugriff unabhängig von den Metadaten auf Ordner- und Dateiebene erfolgen kann.

Zusammenfassung: XBMC/Kodi ist uneingeschränkt zu empfehlen, wenn Sie die Software an einem PC mit großem Bildschirm als Abspielzentrale nutzen. Oder – noch besser – als Abspielzentrale an einem PC oder Mini-PC neben dem TV-Gerät, das direkt per HDMI angeschlossen ist. Es versammelt alles unter einer Oberfläche, was am Rechner, im Netz und als Internet-Stream verfügbar ist. Für komfortable Bedienung sorgen WLAN-Fernsteuerungen für Android- und Windows-Mobilgeräte, zusätzlich gibt es eine universale Remote-Bedienung für beliebige Browser. Als UPnP-Server eignet sich Kodi vor allem für Videos und Filme. Beim Musik-Streaming hängt das Ergebnis erheblich vom Zustand der Metadaten ab. Stammen diese nicht aus homogener Quelle, fällt viel Korrekturarbeit mit externen Tools an. Ein Tipp: Erledigen Sie dies besser vor der Einbindung der Medien: Kodi ist bei der Neuerstellung von Mediendatenbanken fix, aber bei der Aktualisierung bestehender Datensätze relativ langsam. Bilder und Live-TV kann Kodi über das Netzwerk nicht anbieten.

Praxis: Die XBMC-Grundkonfiguration

XBMC/Kodi gibt es als System und als Software : Xbmcbuntu ist ein eigenständiges Ubuntu-basiertes Betriebssystem. Diese Variante hat den Nachteil, dass Sie dann den PC nur noch als Mediencenter nutzen können oder für andere Aktivitäten umbooten müssen. Sie hat den weiteren Nachteil, dass Änderungen etwa bei den Netzwerkeinstellungen den manuellen Eingriff in Konfigurationsdateien auf der Konsole erfordern. Auf einem gut ausgestatteten PC kann XBMC problemlos als Software-Paket nebenher laufen. Damit bleibt der PC auch für andere Aufgaben benutzbar, und Sie haben für Konfigurationsänderungen ein komfortables System wie etwa Ubuntu als Basis. XBMC steht in den Paketquellen vieler Distributionen zur Verfügung und kann etwa unter Ubuntu im „Software-Center“ oder mit

sudo apt-get install xbmc

nachinstalliert werden. Beim ersten Start von XBMC über das Ubuntu-Menü präsentiert sich die Oberfläche zunächst in englischer Sprache. Von daher ist eine der ersten Aktionen die Umstellung auf „Deutsch“. Dies erledigen Sie über „System ➞ Settings ➞ Appearance ➞ International“, indem Sie auf „German“ umstellen und Region und Tastaturbelegung entsprechend festlegen. Wenn Sie Kodi auf einem Desktop-PC betreiben, können Sie unter „System ➞ Video-Hardware“ den „Anzeigemodus“ von „Vollbild“ auf „Fenstermodus“ umstellen. Dient ein Fernseher als Monitor, lässt sich das Bild über „Video kalibrieren“ optimal einstellen. Ebenfalls zu den ersten Einrichtungspflichten gehört es, unter „System ➞ Einstellungen ➞ Darstellung“ die etwas nervigen RSS-Newsfeeds abzuschalten.

Über „Videos ➞ Dateien ➞ Videos hinzufügen ➞ Suchen“ beziehungsweise „Musik ➞ Dateien ➞ Quelle hinzufügen ➞ Suchen“ füllen Sie dann Ihre Medienbibliotheken. Sie finden in dem Dialog „Nach einer neuen Quelle suchen“ alle lokalen Datenträger und Netzwerkressourcen. Wählen Sie beispielsweise „Windows-Netzwerk (SMB)“ für eine Windows-Freigabe oder für einen NAS-Server. Über „Root-Dateisystem“ navigieren Sie zu Ordnern, die sich auf der lokalen Festplatte befinden. Externe Laufwerke finden Sie in der Regel unter „/media“.

Nachdem Sie eine Quelle hinzugefügt haben, erscheint mit „Inhalte festlegen“ ein für Bewegt-Medien entscheidender Dialog. Unter „Dieser Ordner beinhaltet“ haben Sie die Wahl zwischen „Filme“, „Serien“ und „Musikvideos“. Der Eintrag „Filme“ im Hauptmenü erscheint erst, wenn mindestens eine Datenquelle als Datentyp „Film“ definiert wurde. Abhängig von der Auswahl, lädt Kodi dann Cover-Bilder und Beschreibungen von unterschiedlichen Online-Diensten. Nach einem Klick auf „Einstellungen“ sollten Sie hinter „Bevorzugte Sprache“ den Wert auf „de“ festlegen, damit die Informationen in deutscher Sprache erscheinen. Die Online-Abfrage erfolgt, sobald Sie den Dialog „Inhalte wechseln“ abschließend mit „Ja“ bestätigen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2015

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Praxis: Die Einstellungen im Netzwerk

Über „System ➞ Einstellungen ➞ Dienste“ aktivieren Sie die nötigen Server-Funktionen für das Netzwerk: UPnP: Das ist der entscheidende Netzwerkdienst. Unter „UPnP“ schalten Sie am besten alle drei Optionen ein, um damit XBMC/Kodi einerseits zum Streaming-Server zu machen („UPnP Server aktivieren“), und um andererseits mit Kodi auch Medien von anderen UPnP-Servern abspielen zu können („UPnP Renderer aktivieren“). Die dritte Option kann Client-Rechner im Netz schneller über neue Medien informieren, denn Linux- wie Windows- Clients führen ihrerseits eine Datenbank über die Medienbibliothek des Kodi-Servers.

Der entscheidende Unterschied zur Freigabe auf Dateisystem-Ebene: UPnP-Clients benötigen keine Anmeldung beim Server und haben keine Zugriffsrechte auf Dateiebene. Der Inhalt kann abgespielt oder angezeigt werden – aber eben nicht mehr. Das Bereitstellen von Medien via UPnP benötigt daher auch kein Samba-Netzwerkprotokoll.

Webserver: Kodi bringt einen eingebauten Webserver mit und kann über einen Browser von jedem beliebigen Netzwerkgerät aus gesteuert werden, sofern Sie an dieser Stelle die Option „Steuerung über HTTP zulassen“ einschalten. Diese Option dient ausschließlich der Fernsteuerung: Der Client-Rechner spielt also die im Browser angezeigten Medien nicht selbst ab, sondern am Kodi-Rechner. Zu den Steuerungsmöglichkeiten gehört auch ein Remote-Control, mit dem Sie auf einem virtuellen Tastenfeld durch die Konfiguration des Centers navigieren können. Der aktivierte Webserver ist auch die Voraussetzung, um Kodi mit einem Smartphone oder Tablet zu steuern. Wenn Sie den Webserver aktivieren, können Sie optional „Benutzername“ und „Kennwort“ festlegen. Im Hausnetz ist dies nicht notwendig.

Fernsteuerung: Dieser Dienst ermöglicht die Remote-Steuerung mit Smartphone oder Tablet. Es genügt nach unserer Erfahrung die erste Option „Steuerung über lokale Programme zulassen“, um im eigenen WLAN das XMBC mit Mobilgeräten zu steuern.

Weitere Netzeinstellungen: „Zeroconf“ ist eine Komfortfunktion, die eine automatische Erkennung des Mediencenters etwa durch Android- oder iOS-Apps erlaubt. Zeroconf funktioniert aber nicht überall und ist entbehrlich, wenn Sie XBMC/Kodi eine feste IP zuweisen. „SMBClient“, also der Zugriff auf Windows und Samba-Freigaben, muss in der Regel nicht näher konfiguriert werden. „AirPlay“ ist nur notwendig, wenn im Netz ein weiterer Medienserver mit Apples Air Play arbeitet und XBMC dessen Medien abspielen soll. Dabei kann es sich um einen Mac-OS-Rechner handeln oder um ein Windows mit iTunes.

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Praxis: Der Zugriff auf die XBMC-Medien

Mit den aktivierten Netzwerkdiensten erkennt jeder UPnP-Renderer das Mediencenter. Eine Xbox wird den Linux-Server mit XBMC/Kodi ebenso finden wie ein Smart-TV bei der Quellensuche („Source“-Taste) oder ein Windows-Mediaplayer unter „Andere Medienbibliotheken“, ebenso ein Android-Player auf dem Smartphone (unter „Geräte in näherer Umgebung“ oder sinngemäß). Auch Tablets mit iOS oder Windows RT bieten UPnP-kompatible Player als Apps.

Probleme bereiten unter Umständen Apple-Geräte, obwohl Mac-OS X und Linux gar nicht so verschieden sind. Aber der Medienplayer iTunes weigert sich, mit solchen einfachen Freigaben zusammenzuarbeiten. Immerhin gibt es den VLC Mediaplayer, der auch auf dem Mac läuft. Ideal ist VLC als UPnP-Client allerdings nicht: Er erkennt zwar ein XBMC und zeigt es in der Wiedergabeliste unter „Lokales Netzwerk ➞ Universal Plug’n’Play“ an, aber er bietet die Wiedergabe erst an, wenn er alle Medien des XBMC via Netzwerk eingelesen hat. Dies kann je nach Größe der Mediensammlung dauern. Unter Linux sind nicht alle Player UPnP-tauglich, jedenfalls nicht standardmäßig: Ein empfehlenswerter Player, der den Zugriff auf die XBMC/Kodi-Medien beherrscht, ist Banshee, jedoch muss UPnP über „Bearbeiten ➞ Einstellungen ➞ Erweiterungen“ dort explizit aktiviert werden.

Praxis: Fernbedienung des Mediencenters

Während UPnP-Player die Medien des XBMC auf dem jeweils lokalen Gerät abspielen (Smart-TV, Tablet, PC), lässt sich das Mediencenter auch von außen zu steuern, um die Medien auf dem XBMC-Rechner abzuspielen. Wie schon oben bei den Netzwerkeinstellungen angesprochen („Webserver“), können Sie dafür jedes Gerät verwenden, auf dem ein Browser läuft: Die Eingabe der IP-Adresse des XBMC genügt. Der „Webserver“ bleibt aber immer ein Notnagel: Die deutlich komfortablere Fernbedienung verspricht eine passende App für iPhone, Android oder Windows Phone: Suchen Sie im jeweiligen Store nach „xbmc“ oder genauer nach dem „Official XBMC Remote Control“. Auch für Tablets mit Windows RT gibt es kostenlose (XBMC Commander) und kostenpflichtige Varianten.

Eine Alternative zur XBMC Remote-App ist die App Yatse, die für Android-Geräte und Windows-Clients mit Touchscreen verfügbar ist. Yatse ist in Sachen Komfort der offiziellen XBMC-App klar überlegen. Es erlaubt eine vollständige Steuerung des Mediencenters. Die Oberfläche ist nahezu komplett ins Deutsche übersetzt. Mit Hilfe der Fernbedienung navigieren Sie als erstes zu einer der Hauptrubriken und steuern anschließend mittels der Pfeiltasten an die gewünschte Stelle.

Egal auf welchem Gerät und mit welcher App: Die Remote-App muss die IP-Adresse und die Zugangsdaten des XBMC/Kodi-Servers kennen. Sofern dies nicht automatisch funktioniert (Zeroconf), finden Sie die einschlägige Stelle in der Remote-App unter „Settings“ oder „Einstellungen“. Damit die Fernsteuerung dann nachhaltig funktioniert und Sie nicht immer die IP des XMBC/Kodi-Rechners in der App umstellen müssen, empfiehlt sich statt der automatischen IP (via DHCP-Server) eine feststehende IP-Adresse für den Rechner, auf dem das Mediencenter läuft. XBMC/Kodi bietet dafür keinen Konfigurationspunkt, aber die feste IP können Sie mühelos im darunter liegenden Linux-System in den Systemeinstellungen unter „Netzwerk ➞ IPv4“ einstellen.

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