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Ein sparsames Linux für ältere Hardware

30.06.2014 | 13:01 Uhr |

Wo bisher ein XP gedient hat, liegt oft Hardware mit schwachen CPUs und magerer RAM-Ausstattung zugrunde. Für ältere Geräte und Notebooks eignet sich minimalistisches Linux, das keineswegs minimalistisch aussehen muss.

Ab einer CPU der Pentium-III-Klasse oder AMD Athlon und einem Arbeitsspeicher ab 512 MB (theoretisch ab 256 MB) finden Sie in jedem Fall eine Linux-Distribution, die Windows XP leistungstechnisch ersetzen kann. Generell kommt alles mit den schlanken XFCE- und LXDE-Desktops schwächeren Rechnern entgegen. Die betreffenden Ubuntu-Varianten sind Xubuntu (mit XFCE) sowie das noch schlankere Lubuntu (mit LXDE). Auch ein Linux Mint gibt es mit LXDE. Noch Ressourcen-schonender arbeiten Bodhi Linux und Precise Puppy Linux.

Abgesehen von Puppy Linux basieren alle genannten Systeme auf Ubuntu, verwenden dessen komfortablen Installer und können auch dessen Software-Repositories nutzen – dies mindestens per apt-get auf Kommandozeile, zum Teil mit grafischen Tools. Darüber hinaus gab und gibt es einige Ubuntu-basierte Systeme für schwache Hardware und kleine Displays, die inzwischen entweder eingestellt oder veraltet sind: Dazu gehören Easy Peasy 1.6, Fuduntu 2013.1, Joli-OS 1.2 und Ubuntu Netbook Edition 10.10. Sofern diese vier Distributionen nicht explizite Auffrischung durch neue Versionen erfahren, sollten Sie diese besser links liegen lassen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 3/2014

So klappt der Umstieg von XP zu Linux, Videoüberwachung mit Raspberry Pi einrichten, das beste Linux für jeden PC - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 3/2014 .

Risikoloses Lubuntu und Mint LXDE

Wenn Sie XP auf älterer Hardware pragmatisch, schnell und ohne Lernaufwand ersetzen wollen, sind Lubuntu 13.10 und Linux Mint 16 LXDE erste Wahl: Lubuntu läuft notfalls schon mit 256 MB RAM, bei besser ausgestatteten Rechnern nimmt sich dieses System etwa 300 MB ab Start, als CPU reicht ein Pentium III. Linux Mint 16 LXDE hat ähnlich moderate Hardware-Anforderungen, darf aber im Vergleich zu Lubuntu die attraktivere Oberfläche beanspruchen. Beide Systeme sind nicht nur sehr genügsam, sondern bieten mit konservativem Desktop mit Hauptleiste inklusive Startmenü jedem XP-Nutzer auf Anhieb eine neue Heimat. Es kommt hinzu, dass die Distributionen eine zwar anspruchslose, aber vollständige Softwarea-Ausstattung mitbringen. Nach der Installation können Sie sofort loslegen.

Infos und Download zu Lubuntu: www.lubuntu.net
Infos und Download zu Mint LXDE: www.linuxmint.com

Alte PCs und Laptops mit Puppy Linux fit machen

Anpassungsfähiges Xubuntu

Das nicht mehr ganz so schlanke Xubuntu 13.10 (oder 12.04 LTS) sollte sich mit 512 MB RAM und einer CPU ab Pentium IV zufriedengeben. Auf besser ausgestatteter Hardware nimmt es sich aber ab Start bereits circa 400 MB. Für ordentliche Reserven bei der Software ist daher 1 GB RAM zu empfehlen – also noch im Rahmen der typischen Netbook-Ausstattung. Frisch installiertes Xubuntu zeigt zunächst kaum Vorzüge gegenüber dem schlankeren Lubuntu oder Mint LXDE. Der exzellente XFCE-Desktop offenbart seine Überlegenheit erst bei genauerem Hinsehen: Zum XFCE-Feinschliff gehört das zusätzlich nach Rechtsklick am Desktop stets verfügbare Anwendungsmenü oder das Drag & Drop von Dateien mit rechter Maustaste und folgendem Kontextmenü, wie Sie es unter Windows kennen. Im Hauptmenü unter „Einstellungen“ finden Sie zahlreiche Angebote, Themes, Dateimanager-Verhalten oder die Fensteroptik einzustellen. Die Anpassungsmöglichkeiten für Symbolleisten, Desktop und Dateimanager sind unerschöpflich detailliert, und dies nicht nur optisch. Xubuntu eignet sich besonders für etwas erfahrenere Nutzer, die sich die Oberfläche gerne optimal und individuell anpassen.

Infos und Download zu Xubuntu: http://xubuntu.org

Unglaublich sparsam: Bodhi begnügt sich mit 100 bis 150 MB und bietet einen eleganten Desktop – ein System für Nutzer, die sich auf Neues einlassen und kleine Mängel tolerieren.
Vergrößern Unglaublich sparsam: Bodhi begnügt sich mit 100 bis 150 MB und bietet einen eleganten Desktop – ein System für Nutzer, die sich auf Neues einlassen und kleine Mängel tolerieren.

Bodhi: Empfehlung für Bastler

Auch Bodhi Linux 2.4.0 basiert auf Ubuntu (aktuell auf 12.04), davon sieht man aber nichts. Bodhi nutzt als Oberfläche die Eigenentwicklung Enlightenment 17 (E17). Hier wird es hardware-technisch wirklich minimalistisch, nicht aber optisch-ästhetisch: Bodhi läuft angeblich schon mit 128 MB und einer 300-MHz-CPU. Auf unserem Test-Netbook mit einem GB RAM schlägt Bodhi nach der Anmeldung tatsächlich mit nur 103 MB zu Buche, mehr als 150 MB sind für das reine System nie zu messen. Mit 512 MB oder einem GB RAM hat Bodhi somit richtig Reserven für Browser und Anwendungen.

Was Bodhi noch spektakulärer macht: E17 ist ein ästhetisch ansprechender Desktop, der sich sogar noch verspielte Effekte leistet. Mit der „Einstellungskonsole“ lässt sich jedes winzige Systemdetail minutiös konfigurieren, Starterleiste „Engage“ und Hauptpanel („Shelf“) können Sie nach Belieben bestücken. Ein globales Startmenü ist beim Klick auf den Desktop jederzeit abrufbereit. Bodhi hat leider auch Nachteile: Die vorinstallierte Software bringt kaum das Mindeste mit. Neben Nachinstallationen muss der Bodhi-Nutzer auch Geduld mit einigen Ungereimtheiten in den unzähligen Einstellungsoptionen mitbringen.

Ein großer Mangel: Der E17-eigene Dateimanager kann keinen LAN-Zugriff. Daher ist es erste Pflicht, einen zusätzlichen Dateimanager zu installieren. Hier kommen nicht beliebige in Frage, da etwa Nautilus oder Nemo die Desktop-Arbeitsfläche verändern und das E17-Design empfindlich stören. Es bietet sich der schlanke pcmanfm an ( sudo apt-get install pcmanfm ).

Infos und Download zu Bodhi Linux 2.4.0: www.bodhilinux.com

Ausgereiftes Puppy Linux

Puppy Linux spielt in der Öko-Liga von Bodhi Linux und bietet eine Reihe von Varianten. Erste Wahl ist Precise Puppy 5.7.1, weil Sie damit die komplette Ubuntu-Software (12.04 LTS) nutzen können. Nach der Anmeldung benötigt Puppy circa 115 MB, bei der CPU reichen 400 MHz. Anders als Bodhi sieht man Puppy, das primär für den mobilen Einsatz auf USB- und CD-Medien konzipiert ist, den Sparkurs deutlich an. Installation und Einrichtung setzen etwas Erfahrung voraus: Einen separaten Beitrag dazu finden Sie im PDF-Booklet auf der Heft-DVD. Ungeachtet der pragmatischen Optik hat Puppy zehn Jahre Entwicklung hinter sich und ist neben Bodhi Linux der reifere Minimalist.

Infos und Download zu Puppy Linux: http://puppylinux.org

Voraussetzung PAE

Es ist ein eher theoretisches Problem: Die meisten der hier genannten Systeme wie Mint XFCE, Xubuntu, Lubuntu setzen eine CPU mit PAE voraus (Physical Address Extension). Diese Fähigkeit von 32-Bit-CPUs, mehr als vier GB RAM zu adressieren, wurde schon Mitte der 90er-Jahre beim Pentium Pro und AMD Athlon eingeführt. Das heißt, dass jede Hardware, auf der ein Windows XP lief und läuft, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine CPU mit PAE enthält. Doch selbst Uralt-CPUs werden noch unterstützt: Von Bodhi Linux gibt es eine Variante, die auch ohne PAE läuft ( www.bodhilinux.com ). Weitere Optionen für Uralt-CPUs sind Antix 13.2 ( http://antix.mepis.org ) und spezielle Varianten von Puppy Linux ( http://puppylinux.org ). Maßgebliches Stichwort ist jeweils „non-pae“.

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