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Die richtige Software für DLNA-Streaming

16.05.2015 | 10:16 Uhr |

Smartphones, Tablets und Streaming-Sticks mit Android haben kein Problem, sich mit einem DLNA-Server zu verbinden. Aber auch der Linux-Desktop schafft das mit den gewohnten Playern wie VLC, Rhythmbox, Totem und Amarok.

Die heute verbreitete Streaming-Technik, die Geräte und Programme verschiedener Hersteller im lokalen Netzwerk miteinander kommunizieren lässt, ist DLNA. Streaming bedeutet, dass die Medien einem Gerät im Netzwerk und dessen Abspielprogramm nicht als komplette Datei vorliegen. Stattdessen erfolgt die Übertragung als kontinuierlicher Datenfluss aus dem Netzwerk.

DLNA ist kein Protokoll, sondern eine Spezifikation der Arbeitsgruppe Digital Living Network Alliance (DLNA) für Software und Geräte, die bestimmte Netzwerkprotokolle und Dateiformate beherrschen müssen. Die dazu verwendete Protokollfamilie ist Universal Plug and Play (UPnP), das ursprünglich von Microsoft erdacht wurde und seit 2008 ein zertifizierter Standard ist. Auf der Transportschicht arbeitet es sowohl mit TCP/IP als auch mit dem zustandslosen UDP. Die Datenaustausch auf Anwendungsebene ist über HTTP geregelt und über das Prozess-Kommunikationsprotokoll SOAP (Simple Object Access Protocol). Es handelt sich bei UPnP also um keine obskure Geheimwissenschaft: Auch Audio- und Videoplayer unter Linux beherrschen das Protokoll, das meist per Plug-in für eine Verbindung zum DLNA-Server sorgt.

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DLNA/UPnP-fähige Audioplayer unter Linux

Als Abspiel-Client der Audio- und Videoinhalte von DLNA/UPnP-Servern eignen sich diverse Player. Zu welchem Sie greifen, ist letztlich eine Frage des Geschmacks und des gewünschten Funktionsumfangs.

Multitalent im Netzwerk: VLC ist unschlagbar, was die Unterstützung von Videoformaten angeht, und daher ideal, wenn der verwendete DLNA-Server nicht transcodieren kann.
Vergrößern Multitalent im Netzwerk: VLC ist unschlagbar, was die Unterstützung von Videoformaten angeht, und daher ideal, wenn der verwendete DLNA-Server nicht transcodieren kann.

VLC: Der Videolan Client wurde von Anfang an als netzwerkfähiger Player konzipiert und bekam schon mit Version 0.8.4 Unterstützung für UPnP/DLNA-Server im Netzwerk. VLC hat gegenüber anderen Playern einen ganz wesentlichen Pluspunkt: Während viele andere Player noch zusätzliche Codecs benötigen, um verschiedene Medienformate abspielen zu können, ist VLC von Haus aus gut mit Codecs ausgestattet. VLC spielt nahezu alles ab, was ihm vorgesetzt wird.

Das ist gerade dann vorteilhaft, wenn ein DLNA-Server wie Readymedia ohne Transcodier-Fähigkeiten zum Einsatz kommt. Zudem ist VLC in den verbreiteten Distributionen schnell installiert. In Debian/Ubuntu/Mint liegt das Paket in den Standard-Repositories und ist mit

sudo apt-get install vlc

ohne Umstände installiert. Fedora-Anwender finden Pakete über die externen Paketquellen von RPM Fusion , und für Open Suse liefern die VLC-Entwickler selbst ein einfach nachgerüstetes Repository . Damit VLC zum DLNA-Player wird, gehen Sie auf „Ansicht ➞ Wiedergabeliste“ oder drücken dafür Strg-L. Links oben zeigt die Liste unter „Lokales Netzwerk“ den Punkt „Universal Plug’n’Play“, und ein Doppelklick darauf öffnet den Dateibrowser für DLNA-Inhalte. Einziger Nachteil bei großen Sammlungen: VLC will erst alle Inhalte einlesen, bevor er die Medien anzeigt.

Rhythmbox: Die bei vielen Distributionen mit Gnome -Desktop vorinstallierte Musikverwaltung ist ausgerechnet Rhythmbox , das mit DLNA und UPnP nichts am Hut hat. Es gibt aber unter Ubuntu 14.04/14.10 und Linux Mint 17/17.1 ein PPA, das DLNA in Rhythmbox nachrüstet. Sie aktivieren es in diesen Distributionen mit

sudo add-apt-repository ppa:fossfreedom/rhythmbox
sudo apt-get update

und holen sich dann eine aktualisierte Version von Rhythmbox und DLNA-Plug-ins mit den beiden folgenden Kommandos:

sudo apt-get install rhythmbox
sudo apt-get install grilo-plugins-0.2 grilo-plugins-0.2-mediascanner

Nach einem Neustart von Rhythmbox können Sie dann im Menü „Werkzeuge ➞ Erweiterungen“ den „Grilo Medien-Browser“ einschalten und bekommen in der Spalte links unter „Verteilt“ vorhandene DLNA-Server angezeigt.

Banshee: Auf anderen Distributionen empfiehlt sich der Player Banshee . Dessen UPnP-Client ist zwar nicht standardmäßig aktiv, aber im Menü „Bearbeiten ➞ Einstellungen ➞ Erweiterungen“ mit nur einem Klick abrufbereit.

Amarok: Dieser Player ist die Standard-Anwendung unter KDE und liefert eine üppige Anzahl funktionierender Plug-ins bereits mit. Unter anderem ist dort auch ein UPnP-Client enthalten, den Sie nur aktivieren müssen. Öffnen Sie dazu das Menü „Einstellungen ➞ Amarok einrichten ➞ Module“, und aktivieren Sie per Klick das Plug-in „UPnP-Sammlung“ ganz unten.

DLNA als Laufwerk: Djmount

Unter Umständen fehlt ausgerechnet stets benötigten Programmen die DLNA-/UPnP-Kompatibilität. Auch gibt es bei Linux-Bildbetrachtern bisher keine Möglichkeit, Bilder von einem DLNA-Server abzurufen.

Für Programme, die kein DLNA beherrschen: Das Tool Djmount hängt eine DLNA-Verbindung mittels Fuse wie ein Dateisystem ein. Das hilft auch, um Bilder auf einem DLNA-Server anzusehen.
Vergrößern Für Programme, die kein DLNA beherrschen: Das Tool Djmount hängt eine DLNA-Verbindung mittels Fuse wie ein Dateisystem ein. Das hilft auch, um Bilder auf einem DLNA-Server anzusehen.

Eine sehr nützliche Ergänzung, die jedes Linux-Programm DLNA-fähig macht, ist das Kommandozeilen-Tool Djmount . Es arbeitet mit den UPnP-Protokollen und kann den DLNA-Server mittels Fuse (Filesystem in Userspace) in einem Mountpunkt als Pseudo-Dateisystem verfügbar machen. Das bedeutet, dass sämtliche Programme auf Dateisystemebene auf die Inhalte des DLNA-Anbieters im Netzwerk zugreifen können.

In Debian/Ubuntu/Mint erfolgt die Installation des Tools mit

sudo apt-get install djmount

und bei Fedora über

sudo yum install djmount

Wer Open Suse nutzt, braucht zum Nachrüsten des Pakets den Build Service.Es gibt ein inoffizielles Paket zur einfachen Installation.

Für seine Arbeit braucht Djmount lediglich einen Mountpunkt im Home-Verzeichnis. Alles Weitere, wie die Suche nach DLNA-Anbietern im Netzwerk, erledigt das Tool im Hintergrund selbst. Mit den zwei Befehlen

mkdir ~/dlna
djmount ~/dlna

legen Sie den neuen Ordner „dlna“ im Home-Verzeichnis an und starten

Djmount mit diesem Ordner, den Sie jetzt mit einem beliebigen Programm oder Dateimanager öffnen können, um auf die Inhalte im Nur-Lese-Modus zuzugreifen. Bietet der sehr viele Dateien an, dann kann es einige Minuten dauern, bis alle Medien in der Ordnerstruktur auftauchen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2015

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