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Sparsames Linux-Minisystem: Damn Small Linux

11.01.2015 | 09:16 Uhr |

Wenn es primär um Geschwindigkeit geht, dann ist ein Linux-Minisystem wie Damn Small Linux die erste Wahl. Auf die wichtigsten Internet- und Office-Anwendungen müssen Sie dabei nicht verzichten.

Die meisten Linux-Systeme sind keine Leichtgewichte. Live-CDs umfassen oft 700 MB und mehr und starten entsprechend langsam. Für die Installation oder gelegentliche Nutzung ist das zu verschmerzen, nicht aber für ein intensiv genutztes Zweitsystem. Dass es auch anders geht, beweist das Live-System Damn Small Linux oder kurz DSL. Die ISO-Datei ist gerade einmal 50 MB groß. Trotzdem ist alles dabei, was man fürs mobile Büro und Internet benötigt.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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1. Einsatzgebiet: sehr schnelles Surf- und Office-System

Damn Small Linux verwendet als Grundlage Knoppix , das wiederum auf Debian basiert. Die Verwandtschaft ist beim Start an den farbigen Bildschirmausgaben zu erkennen. DSL hat ursprünglich als Experiment begonnen – die Entwickler wollten ausprobieren, wie viele Desktop-Anwendungen man auf einer Live-CD mit 50 MB unterbringen kann. Nach und nach fand sich eine Community zusammen, die bei der Entwicklung mitwirkte. Das 50-MB-Limit ist bis heute geblieben.

Das Dateisystem wird aus einer komprimierten Image-Datei geladen. Der tatsächlich verfügbare Platz für System und Anwendungen beträgt daher gut 200 MB. Um mit dieser Größe auszukommen, mussten die Initiatoren des Projekts einige Abstriche machen. Desktop-Umgebungen wie Gnome oder KDE lassen sich nicht derart verkleinern, und ein Libre Office fordert schon alleine 200 MB. Deshalb enthält DSL ältere Anwendungen mit minimalem Platzbedarf wie den Webbrowser Dillo, der nur ein MB benötigt. Allerdings ist auch Firefox mit über 20 MB dabei. Viele der enthaltenen Anwendungen starten und laufen flüssig, sehen aber aufgrund der GTK-Oberfläche altbacken aus und bieten nur einen eingeschränkten Funktionsumfang. Mit Mtpaint lassen sich jedoch durchaus Bilder bearbeiten und verändern, der Texteditor Ted dient zum Verfassen einfacher Texte, und das E-Mail-Programm Sylpheed beherrscht neben POP3 auch IMAP4. Außerdem sind unter anderem ein PDF-Betrachter, Audioplayer, Microsoft Word-Viewer, VNC Viewer sowie ein FTP- und Telnet-Programm dabei.

Die schnellsten Linux-Minisysteme

Netzwerk konfigurieren: Damn Small Linux holt die IP-Adressen standardmäßig über DHCP vom Router. Sie können aber auch eine statische IP-Adresse festlegen.
Vergrößern Netzwerk konfigurieren: Damn Small Linux holt die IP-Adressen standardmäßig über DHCP vom Router. Sie können aber auch eine statische IP-Adresse festlegen.

2. Desktop, Bedienung und wichtigste Einstellungen

Booten Sie den PC von der Damn Small Linux Live-CD (siehe Punkt 3). Für das deutsche Tastaturlayout empfiehlt es sich, dsl lang=de einzutippen und mit Enter zu bestätigen.

Da zu diesem Zeitpunkt das US-Tastaturlayout gilt, finden Sie das „=“-Zeichen auf der Akzent-Taste rechts neben dem „ß“. Welche Bootoptionen es noch gibt, erfahren Sie über die Tasten F2 und F3.

Alle Programme sind englischsprachig, weil auch Sprachdateien zusätzlichen Platz fordern würden. Aber immerhin wird das deutsche Tastaturlayout berücksichtigt, wenn Sie dieses bereits in einem Bootparameter angegeben haben. Wenn nicht, klicken Sie auf das Icon „DSLpanel“ (DSL Control Panel) und dann auf „Keyboard“. Stellen Sie „de-latin1“ ein, und bestätigen Sie mit „OK“. Danach gehen im Menü links unten auf „Exit options“, wählen die Option „Exit to Prompt“ und klicken auf „OK“. Tippen Sie startx ein, und bestätigen Sie mit der Enter-Taste, um den Window-Manager neu zu starten.

Programme starten Sie mit Mausklick auf eines der Desktop-Icons oder über das Startmenü links unten. Das Startmenü erscheint auch nach einem Rechtsklick am Desktop. Über „Desktop -> Switch Window Manager“ beziehungsweise „Window Manager -> Switch Window Manager“ können Sie zwischen „Joe’s Window Manager“ und Fluxbox umschalten. Die Desktops zeigen eine unterschiedliche Optik, sind aber funktional weitgehend identisch.

Netzwerkeinstellungen: Damn Small Linux erkennt die meisten Ethernet-Adapter automatisch und holt sich die IP-Adresse per DHCP. Per Klick auf „DSLpanel“ und „Netcardconfig“ können Sie bei Bedarf auch eine statische IP-Adresse konfigurieren. Die Unterstützung für WLAN-Adapter ist allerdings begrenzt. Eine Liste mitfunktionierenden Adaptern und Tipps zur Einrichtung finden Sie unter http://damnsmalllinux.org/wiki/verified_wireless_cards.html .

Die Konfiguration im „DSL Control Panel“ erfolgt über „Wlanconfig“ oder „Ndiswrapper“.

3. Praxis: Einrichtung und Anpassung

Damn Small Linux lässt sich auf USB-Stick oder auf Festplatte installieren. Das erfolgt am einfachsten aus dem laufenden System heraus. Für die Einrichtung auf dem USB-Stick müssen Sie nicht unbedingt eine CD brennen und den PC davon booten. Das funktioniert auch in einer virtuellen Maschine, die Sie auch zum Testen von Damn Small Linux oder anderen Linux-Distributionen verwenden können.

Laden Sie Virtualbox für Ihre Linux-Distribution über www.virtualbox.org/wiki/Linux_Downloads herunter. Verwenden Sie hier ausnahmsweise nicht die Version aus der Paketverwaltung, denn diese ist meist veraltet und besitzt in der Regel keine Unterstützung für USB-Geräte. Richten Sie in Virtualbox über die Schaltfläche „Neu“ eine virtuelle Maschine vom Typ „Linux“ mit der Version „Linux 2.4 (32 bit)“ ein. Eine Festplatte für die virtuelle Maschine ist nicht nötig. In der Konfiguration gehen Sie auf „USB“, setzen ein Häkchen vor „USB-2.0-Controller aktivieren“ und fügen über die Schaltfläche mit dem „+“-Zeichen den angeschlossenen USB-Stick hinzu. Bei „Massenspeicher“ hängen Sie die ISO-Datei von Damn Small Linux ein. Starten Sie das System, und gehen Sie im Menü auf „Apps -> Tools -> USBHDD Pendrive Install“. Folgen Sie dann den Anweisungen auf dem Bildschirm. Bei „List boot options“ tippen Sie die angebotene Beispielzeile ab, ersetzen aber „tz=US/Pacific“ durch „tz=Europe/Berlin“.

Booten Sie dann den PC vom USB-Stick. Beim ersten Start können Sie einige Parameter festlegen oder die Vorgaben bestätigen, beispielsweise für Maustyp, Tastaturlayout und Bildschirmauflösung. Klicken Sie auf „DSLpanel“ und dann auf „Backup/Restore“. Geben Sie hinter „Device“ die Bezeichnung für den USB-Stick ein. In der Regel ist das „sda2“. Wenn Sie das System über „Exit Options“ und „Shutdown“ herunterfahren und das Häkchen bei „Backup“ setzen, speichert Damn Small Linux alle Einstellungen und die Dateien aus dem Home-Verzeichnis.

Steckbrief Damn Small Linux (DSL)

Einsatzgebiet: minimalistisches Allzwecksystem
Zielgruppe: Anwender, die ein schnelles, mobiles Zweitsystem brauchen
Systemanforderungen: minimal – CPU ab Pentium, Speicher ab 64 MB, produktives Arbeiten ab 192 MB RAM
Desktop: „Joe’s Window Manager“ (JWM) oder Fluxbox mit Desktop File Manager (DFM)
Download: http://distro.ibiblio.org/damnsmall (50 MB)
Dokumentation: http://damnsmalllinux.org/wiki (englisch und deutsch)

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