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Windows unter Linux mit Virtualbox

09.07.2008 | 08:54 Uhr |

Mit Virtualbox betreiben Sie zusätzliche Betriebssysteme - etwa Windows - in einem Fenster auf Ihrem Notebook. Die neue Version kann sogar Programmfenster aus dem Gast direkt auf dem Host-Desktop anzeigen.

Wer trotz Linux-Umstieg für einige Anwendungen noch Windows benötigt oder mehrere Systeme auf einem einzigen Rechner betreiben will, muss nicht ständig neubooten oder einen zweiten Laptop anschaffen. Mit Virtualbox betreiben Sie ein weiteres Betriebssystem in einem Fenster auf Ihrem normalen Linux-System. Das spart Ressourcen und die Anschaffung eines weiteren Rechners.

So funktioniert Virtualbox
Virtualisierungs-Software teilt die vorhandenen Ressourcen Ihres Rechners auf weitere, zusätzliche Betriebssysteme auf. Dazu emuliert Virtualbox einen kompletten PC - mit Bios, CPU, Grafikkarte, Chipsatz, Soundkarte und Netzwerkschnittstelle. Festplatten stellt Virtualbox durch Image-Dateien dar. Für ein System, das Sie darauf installieren, sieht die Emulation wie ein gewöhnlicher PC aus. Zwar zwackt es dem Hauptsystem Arbeitsspeicher, CPU-Leistung und Festplattenplatz ab, läuft aber weitgehend unabhängig vom Wirt-System. Die virtuelle Netzwerkschnittstelle lässt sich im Netzwerk so einrichten, dass sich das virtuelle System wie ein völlig eigenständiger Rechner verhält. Die Geschwindigkeit von Virtualbox kommt einem realen PC sehr nahe. Ein System in Virtualbox kann aber nicht auf alle Hardware-Merkmale des Hauptsystems direkt zugreifen. So gibt es etwa keine Hardware-Beschleunigung für die virtuelle Grafikkarte - oder Zusatz-Hardware wie ISDN-Karten. Läuft Virtualbox, dann ist die CPU meist zu 100 Prozent ausgelastet, was eine gute Kühlung erforderlich macht.

Virtualbox 1.6: Features
Als einer der wenigen Virtualisierer stellt Virtualbox dem Gast serielle Schnittstellen zur Verfügung. Fenster des Gast-Systems lassen sich nahtlos auf dem Desktop darstellen, so als ob es eine native Anwendung wäre, und das virtuelle Bios unterstützt den Netzwerk-Boot über Intel PXE 2.1. Die Gast-Erweiterungen sind jetzt nicht mehr fester Teil von Virtualbox, sondern liegen zum automatischen Download bereit. Das ist wichtig, um Virtualbox in Linux-Distributionen aufzunehmen. Denn die Gast-Erweiterungen unterliegen nicht der GPL.

Voraussetzung und Installation
Virtualbox läuft auf Linux-Systemen mit 32 Bit, eine Version für 64 Bit ist noch in Arbeit. Das Notebook sollte über einen ausreichend schnellen Prozessor mit mindestens 1 GHz verfügen. Viel wichtiger ist aber genügend Arbeitsspeicher. Virtualbox verlangt 512 MB RAM als absolutes Minimum, wobei dies abhängig vom gewünschten Gast-System ist. Wer Windows XP mit ein paar Anwendungen laufen lassen will, sollte dem Gast schon 512 MB zusichern, also 1 GB physikalischen Speicher haben. An Windows Vista sollte man unter 1 GB RAM nicht einmal denken - allein dem Host-System sollte man immer zwischen 256 MB und 512 MB übrig lassen.

Virtualbox unterstützt ganz unterschiedliche Gast-Systeme, hat aber nicht für alle die passenden Gast-Erweiterungen parat. Uneingeschränkt unterstützt werden Windows NT 4, 2000, XP, 2003 und Vista, OS/2 Warp, Open BSD und Linux mit Kernel 2.4 und 2.6. Einige Linux-Distributionen laufen allerdings wegen Kernel-Problemen nicht mit Virtualbox. Das betrifft Red Hat 7, Open Suse 10.2 und die Server-Versionen 6.x und 7 von Ubuntu.

Virtualbox wird inzwischen von Sun Microsystems herausgebracht. Virtualbox gibt es als Open-Source-Version, die unter der GPL veröffentlicht ist und die es in die offiziellen Repositories von Ubuntu 7.10 und Debian 4 (unstable) geschafft hat. Auch bei Open Suse 10.3 gehört Virtualbox zur Grundausstattung. Das Flaggschiff von ist aber die kommerzielle Virtualbox-Version, die einer eigenen, proprietären Lizenz unterliegt. Diese Version bietet zusätzlich Unterstützung für virtuelle USB- und iSCSI-Schnittstellen und einen eingebauten Server für das Remote Desktop Protocol, das Sie virtuelle Maschinen von anderen Clients im Netzwerk nutzen lässt. Für private Zwecke dürfen Sie die kommerzielle Version von Virtualbox jedoch uneingeschränkt nutzen.

Die Installation der GPL-Version unter OpenSuse 10.3 ist einfach: Im Yast-Kontrollzentrum gehen Sie auf Software installieren oder löschen und suchen nach virtualbox. Anschließend installieren Sie die Software ( virtualbox ) sowie das dazugehörige Default-Kernel-Modul (in der Regel: virtu albox-kmp-default ).

Unter Debian 4 (etch) nehmen Sie eine Paketquelle für den Zweig Unstable in die Datei /etc/apt/sources.list auf. Öffnen Sie die Datei als root und ergänzen Sie die folgenden beiden Zeilen:

deb ftp://ftp2.de.debian.org/debian/ unstable main contrib non-free
deb-src ftp://ftp2.de.debian.org/debian/ unstable main contrib non-free

Bei Ubuntu 7.10 brauchen Sie diese Änderung nicht etxtra vorzunehmen. Verschaffen Sie sich in einem Terminal-Fenster root-Rechte (Debian: su , Ubuntu: sudo su ), und installieren Sie dann Virtualbox mit diesen beiden Befehlen

apt-get update
apt-get install virtualbox-ose

Der Zusatz ose steht hierbei übrigens für Open-Source-Edition .

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