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Spannende Software-Tipps für Linux

11.05.2015 | 12:01 Uhr |

Aktualisierte Programme und spannende Software-Neuerscheinungen für Linux – kurz und knapp vorgestellt: Zwölf ausgewählte Highlights zeigen beachtenswerte Perlen aus dem Open-Source-Umfeld.

Mozilla Firefox ist ein Vorzeigeerfolg, wie Open-Source-Software über gewiefte Nischenlösungen für Spezialisten zu einer allgemein erkannten Marke und zu einem plattformübergreifenden Produkt reifen kann. Vor 13 Jahren spaltete sich der Browser unter dem Namen „Phoenix“ von der Mozilla-Suite ab, die wiederum den zuvor freigegebenen Quellcode des Ur-Browsers Netscape weiterentwickelte. Firefox hat die einstige Dominanz des Internet Explorers gebrochen, ist einer der Browser für Linux, den die meisten Distributionen mitliefern und sorgt mit seinen Werbeeinnahmen für eine wichtige Basis der Mozilla Foundation. Mozilla ist seit 2004 als gemeinnützige Organisation aufgestellt und verfügt mittlerweile über jährliche Mittel (Geschäftsjahr 2014) von rund 300 Millionen US-Dollar, welche hauptsächlich die Betriebskosten decken und in die Weiterentwicklung von Firefox und das Mobil-Betriebssystem Firefox-OS sowie in Bildungsprojekte fließen.

Gefallener Open-Source-Engel

Man sollte meinen, Mozilla hätte alles richtig gemacht und könnte noch auf unabsehbare Zeit als Stern der Open-Source-Idee glänzen.

Und trotzdem scheint es so, als hätte gerade Firefox als Browser seinen Zenit überschritten. Gegenüber den Browsern Chrome und Chromium, die ohne die Erweiterungen von Chrome ebenfalls unter einer Open-Source-Lizenz stehen, kann Firefox kaum mehr punkten. Firefox muss derzeit zunehmend Marktanteile an die Google-Browser abgeben. Gleichzeitig und kaum hilfreich ist Mozilla mit Firefox bei der Suche nach neuen Alleinstellungsmerkmalen ab Version 29 ausgerechnet bei dem neuen Design „Australis“ gelandet, das Chrome/Chromium allzu ähnlich sieht.

Zudem nahm die Mozilla Foundation eine Schnittstelle zur umstrittenen digitalen Rechteverwaltung (DRM) von HTML 5 mit auf und folgt damit Chrome und dem Internet Explorer. DRM und Open Source, wie geht das zusammen? Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Die wichtigsten Tools für ein sparsames Linux

Yahoo, wer war das gleich?

Die Partnerschaft zwischen Google und der Mozilla Foundation ging ebenfalls in die Brüche: Google finanzierte die Mozilla Foundation zu einem erklecklichen Teil seit 2004 und erhielt dafür den ersten Platz bei den angebotenen Suchmaschinen. Der Großteil der Einkünfte Mozillas stammt aus dem Suchfeld. November 2014 ging die Partnerschaft zu Ende, und Mozilla entschied sich ausgerechnet für Yahoo als primären Suchanbieter. Inzwischen scheint man bei Mozilla damit zufrieden zu sein, immerhin noch zur B-Prominenz zu gehören.

Für Firefox-OS wäre diese Position mehr als in Ordnung, für den Browser Firefox ist es aber ein trauriger Abstieg. Immerhin besinnt sich Mozilla wieder auf seine Stärken und bringt eine Developer Edition des Browsers heraus, welche den Vorab-Zweig „Aurora“ ersetzt. Diese Developer-Variante ist eine der nachfolgenden 12 Vorstellungen.

Adobe Brackets 1.1: Editor für Webentwickler

Spezialeditor für Webprojekte: Brackets von Adobe eignet sich vortrefflich für HTML-, CSS und Javascript-Dateien.
Vergrößern Spezialeditor für Webprojekte: Brackets von Adobe eignet sich vortrefflich für HTML-, CSS und Javascript-Dateien.

Adobe Brackets ist nach zwei Jahren Entwicklungszeit fertig. Ganze Webprojekte lassen sich komfortabel bearbeiten, da der Editor Referenzen wie CSS-Definitionen in andere Dateien hinein folgt und diese nahtlos einblendet. Das plattformunabhängige Open-Source-Programm ist selbst in HTML, CSS und Javascript geschrieben. Plug-ins können den Editor erweitern. Auf der Projektwebseite steht zur Installation ein DEB-Paket für Debian und Ubuntu bereit (nur 64 Bit).

Webseite: http://download.brackets.io

Caesar IA (Open Caesar 3): Strategie- und Aufbauspiel (nach Caesar III)

Remake von Caesar III: Caesar IA 0.4 setzt das Spielkonzept mit einer nahezu identischen Grafik auf Linux-Systemen um.
Vergrößern Remake von Caesar III: Caesar IA 0.4 setzt das Spielkonzept mit einer nahezu identischen Grafik auf Linux-Systemen um.

Caesar III war ein Kult-Strategiespiel, das im Jahr 1998 erschien. Caesar IA ist eine Neuauflage mit einer nahezu originalgetreuen Grafik. Als Stadtplaner im römischen Reich geht es darum, eine prosperierende Metropole aufzubauen und die Bürger bei Laune zu halten. Der Kampagnenmodus stellt zusätzliche Aufgaben, deren Schwierigkeitsgrad stetig steigt. Auf der Projektseite gibt es eine Binary für alle Linux-Distributionen, die aber einige SDL-Bibliotheken benötigt.

Webseite: http://sourceforge.net/projects/opencaesar3

Darktable: RAW-Konverter und Leuchttisch

Lichtblick: Darktable bietet einen durchdachten Arbeitsfluss bei der Serienkonvertierung von RAW-Bildern.
Vergrößern Lichtblick: Darktable bietet einen durchdachten Arbeitsfluss bei der Serienkonvertierung von RAW-Bildern.

Mit Libraw verfügt Linux über eine mächtige Bibliothek für das RAW-Format vieler Hersteller. RAW-Konverter vom Format Adobe Lightrooms sind indes Mangelware. Darktable 1.6 füllt diese Lücke mit komplettem Workflow vom RAW-Bild bis zum druckreifen Foto. Version 1.6 kommt mit schnellerer GUI, die auch hochauflösende Monitore unterstützt. Für Ubuntu/Mint gibt es hier ein PPA .

Webseite: www.darktable.org

Firefox Developer Edition: Firefox speziell für Webentwickler

Zwei Versionsnummern voraus: Mozilla macht aus der Firefox-Version Aurora eine spezialisierte Developer Edition.
Vergrößern Zwei Versionsnummern voraus: Mozilla macht aus der Firefox-Version Aurora eine spezialisierte Developer Edition.

Die Developer Edition stellt die Entwickler-Tools ins Zentrum, die auch in der regulären Version enthalten sind. Zudem gibt es eine augenschonende dunkle Optik für die Arbeit am Quellcode. Diese Firefox-Variante ersetzt den Aurora-Zweig des Browsers, der stets Vorabversionen bereitstellte. Somit ist die Developer Edition immer zwei Versionsnummern voraus. Für Ubuntu/Mint gibt es hier ein PPA .

Webseite: www.mozilla.org/de/firefox/developer

Gnome Commander: Klassischer Zwei-Fenster-Dateimanager

Zwei Fenster zur Welt: Der Gnome Commander folgt im Aufbau und Stil den erfolgreichen orthodoxen Dateimanagern.
Vergrößern Zwei Fenster zur Welt: Der Gnome Commander folgt im Aufbau und Stil den erfolgreichen orthodoxen Dateimanagern.

Das Konzept zweier Fenster für Dateioperationen ist zeitlos, da es im Alltag oft darum geht, etwas von A nach B zu kopieren oder zu verschieben. Anwender von Gnome-Desktops erhalten mit dem Gnome Commander einen traditionellen Dateimanager, der in Funktionsumfang und in Tastenbelegung dem Midnight Commander ähnelt. Die aktuelle Version ist ein Wartungs-Release mit Bugfixes. In den Paketquellen bietet bislang nur Fedora 21 die aktuellste Version 1.4.4.

Webseite: https://gcmd.github.io

Handbrake: Komfortable Videokonvertierung

Videokonverter: Handbrake nutzt Libav und Ffmpeg, um MKV- und MP4-Container mit diversen Videoformaten zu schreiben.
Vergrößern Videokonverter: Handbrake nutzt Libav und Ffmpeg, um MKV- und MP4-Container mit diversen Videoformaten zu schreiben.

Videolonvertierung war unter Linux lange ein Graus. Handbrake hat diese Situation radikal entschärft. Zum Transcodieren von Videos liefert das Programm fertige Voreinstellungen für Smartphones und Tablets mit Android oder iOS. Die Jobverwaltung kann per Reihenkonvertierung mehrere Dateien hintereinander transcodieren. Version 0.10 gibt es für Ubuntu/Mint über folgendes PPA .

Webseite: https://handbrake.fr

Kmymoney: Persönliche Finanzverwaltung

Kompetenter Finanzmanager: Kmymoney bringt Ordnung in die persönlichen Finanzen und kann HCBI-Konten online abfragen.
Vergrößern Kompetenter Finanzmanager: Kmymoney bringt Ordnung in die persönlichen Finanzen und kann HCBI-Konten online abfragen.

Da ein neues KDE vor der Tür steht, wurde die Finanzverwaltung Kmymoney auf KDE Frameworks 5 portiert. Kmymoney kann QIF-Dateien von Quicken lesen und schreiben. Es gibt einen überarbeiteten Import von CSV-Dateien und Kontoständen per Internet mittels HBCI, wie es große Geldinstitute anbieten. Überweisungen sind nicht möglich. Ein PPA für Ubuntu/Mint gibt es ebenfalls.

Webseite: www.kmymoney.org

Libre CAD: 2D-CAD-Programm im Stil alter Auto-CAD-Versionen

Solides 2D-CAD unter Linux: Libre CAD ist eine Weiterentwicklung von Qcad und arbeitet mit dem Auto-CAD-Format DXF.
Vergrößern Solides 2D-CAD unter Linux: Libre CAD ist eine Weiterentwicklung von Qcad und arbeitet mit dem Auto-CAD-Format DXF.

CAD-Programme für Linux sind rar. Für Einsteiger hat sich das 2D-CAD-Programm Libre CAD bewährt. Es basiert auf der freigegebenen Version von Qcad und hat sich zu einem eigenständigen CAD-Programm entwickelt. Libre CAD nutzt das DXF-Format von Auto CAD und bietet eine QT-Oberfläche mit Kommandozeile. Fedora 21 hat bereits Version 2.0.6, für Debian/Ubuntu/Mint gibt es das PPA .

Webseite: http://librecad.org/cms/home.html

Notepadqq: Klon von Notepad++ für Linux

Handlicher Code-Editor: Notepadqq bildet als Klon des Windows-Programms Notepad++ dessen Funktionalität nach.
Vergrößern Handlicher Code-Editor: Notepadqq bildet als Klon des Windows-Programms Notepad++ dessen Funktionalität nach.

Windows-Umsteiger oder Anwender, die Linux wie Windows nutzen, freuen sich über gewohnte Programme in beiden Systemen. Der Editor Notepadqq ist ein Nachbau des Windows-Programms Notepad++, ist in Qt erstellt und liefert ähnliche(n) Funktionsumfang, Bedienung und Tastenkombinationen. Es liegt aber bislang nur in Englisch vor. Für die Einrichtung in Ubuntu/Mint gibt es das PPA .

Webseite: http://notepadqq.altervista.org

Peazip: Packer-Suite für Fortgeschrittene

Kann einpacken: Peazip ist ein Meister der Packformate mit Dateimanager, Verschlüsselung und vielen Optionen.
Vergrößern Kann einpacken: Peazip ist ein Meister der Packformate mit Dateimanager, Verschlüsselung und vielen Optionen.

Mit file-roller und Ark bieten Gnome und KDE grafische Tools zum Ein- und Auspacken von Archiven. Unter Gnome fällt das Packprogramm recht schlicht aus, und viele Anwender suchen einen fähigen Ersatz. Peazip ist ein plattformübergreifendes Open-Source-Programm für satte 150 Archiv-Formate. Auf der Projekt-Webseite steht es für Linux als DEB und RPM bereit sowie als ausführbare Binary, die keine Installation voraussetzt. Eine deutsche Sprachdatei ist dabei.

Webseite: http://peazip.sourceforge.net

Psensor: Temperatur-Sensor mit Erweiterung für Gnome 3

Heiße Prozessoren: Psensor protokolliert die Temperaturen von Prozessor, Chipsatz, Festplatte und Grafikkarte.
Vergrößern Heiße Prozessoren: Psensor protokolliert die Temperaturen von Prozessor, Chipsatz, Festplatte und Grafikkarte.

Aufgrund mangelnder ACPI-Kompatibilität laufen Notebooks unter Linux oft heißer als unter Windows. Psensor ist ein grafisches Front-End für lm-sensors, das die Abwärme von CPU, Chipsatz, Festplatten und GPU (Nvidia) anzeigt und in den gängigen Paketquellen vorliegt. Es fügt sich gut in Oberflächen ein, die App-Indikatoren von Unity unterstützen. Für Gnome 3 gibt es eine Erweiterung .

Webseite: http://wpitchoune.net/blog/psensor

Tomahawk: Player mit Unterstützung vieler Streaming-Dienste

Multitalent: Tomahawk integriert unter einer Oberfläche Streaming, Cloud-Dienste und die lokale Musiksammlung.
Vergrößern Multitalent: Tomahawk integriert unter einer Oberfläche Streaming, Cloud-Dienste und die lokale Musiksammlung.

Was das KDE-Programm Tomahawk vor vielen anderen Audioplayern auszeichnet, ist die Einbindung von Online-Verzeichnissen, Streaming- und Cloud-Diensten. So nutzt Tomahawk neben der lokalen Musiksammlung per Plug-ins Google Music, Beats Music, Beets, Jamendo, Last FM, Grooveshark und viele mehr. Es bietet eine einheitliche Oberfläche für diese verschiedenen Dienste. Links zu Paketen für alle populären Distributionen liefert die Projekt-Webseite.

Webseite: www.tomahawk-player.org

Bildergalerie: Die Top 20 der beliebtesten Linux-Distributionen

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