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Solenoid-Motor im Steampunk-Design

10.02.2016 | 12:05 Uhr |

Monsieur Bourbouzes elektromagnetischer Motor war eine fantastische Erfindung, die sich recht einfach nachbauen lässt. Hier ein Modell im Steampunk-Design.

Dan Aetherman ist Chocolatier und Steampunker, ein "Erfinder, Abenteurer und Romantiker", wie er von sich selber sagt. Als Steampunker stellt er sich gegen die Wegwerfgesellschaft und gegen die gängigen Modetrends, die uns Elektronik- und Kleidungsindustrie täglich aufdrängen. Er baut lieber fantastische Maschinen aus hochwertigen Materialien, die das Design des viktorianischen Zeitalters mit moderner Technik verknüpfen. Und einige dieser Maschinen verwendet er auch zur Herstellung seiner ganz besonderen Schokolade.

Hier zeigt er, wie Sie einen Solenoid-Motor bauen können.

Solenoid-Motor im Steampunk-Design
Vergrößern Solenoid-Motor im Steampunk-Design
© Dan Aetherman

Im Jahr 1845 hatte der französische Ingenieur Jean-Gustave Bourbouze die Idee, die Magnetwirkung einer elektrischen Spule für einen damals neuartigen Motor zu nutzen. Er demontierte den Zylinder samt Kolben einer alten Dampfmaschine und ersetzte ihn mit einer elektrischen Spule. In der Spule bewegte sich ein Eisenkern genau so, wie es vorher der Kolben im Zylinder tat. Die Ansteuerung der Solenoid-Spule übernahm ein einfacher Unterbrecher, der von der Kurbelwelle angesteuert wurde.

Leider war der Wirkungsgrad dieser Solenoid-Motoren etwa gleich gering wie der einer Dampfmaschine. Deshalb verdrängte der heutige Elektromotor mit Eisenanker nach kurzer Zeit die fantastische Erfindung des Monsieur Bourbouze.

Als Steampunker haben mich die alten Solenoid-Motoren schon immer fasziniert. Diese Maschinen sehen einer traditionellen Dampfmaschine sehr ähnlich, und die meisten Menschen sind verblüfft, wenn sie sehen, dass diese Motoren mit Elektrizität in Gang gesetzt werden.

Ein Solenoid-Motor ähnelt einer Dampfmaschine
Vergrößern Ein Solenoid-Motor ähnelt einer Dampfmaschine
© Dan Aetherman
... und ähnelt ein bißchen einer Dampfmaschine
Vergrößern ... und ähnelt ein bißchen einer Dampfmaschine
© Dan Aetherman

Als ich beim Zerlegen eines antiken Tonbandgeräts aus den 50er Jahren auf einen schönen und kraftvollen Solenoid samt Kolben stiess, wusste ich sofort, wofür ich diese elektromagnetische Spule verwenden würde. In meinem Laboratorium fand ich das restliche benötigte Material:

  • Eine alte hölzerne Zigarrenkiste

  • Ein antikes Emaille-Zifferblatt einer Uhr

  • Einen Montagewinkel eines Uhrwerks aus den 40er Jahren

  • Federstahldraht für die Kurbelwelle

  • Messingdraht für die Stromleitungen

  • Ein Laubsägeblatt als Unterbrecherkontakt

  • Etwas Messingrohr und diverse Altmetallteile aus Messing

  • Altes Laptop-Netzteil, 20 Volt

Der Montagewinkel des alten Uhrwerks wurde auf die Zigarrenkiste geschraubt.In die oberen Enden der Arme bohrte ich je ein Loch für die Kurbelwelle. Die Kurbelwelle besteht aus Federstahldraht, den ich mit der Flachzange in die nötige Form gebogen habe. Diese Stahlwelle ist gleichzeitig auch der Unterbrecherkontakt.

Die Stahlwelle ist der Unterbrecherkontakt
Vergrößern Die Stahlwelle ist der Unterbrecherkontakt
© Dan Aetherman

Vor der Montage der Kurbelwelle fertigte ich aus dem Messingrohr die Pleuelstange und schob diese an ihre Position. Damit sie an Ort und Stelle bleibt und nicht hin und her rutscht, fixierte ich sie mit etwas Isolationsmaterial von einems Stück Kupfer-Stromkabel. An einem Ende der Kurbelwelle montierte ich das antike Emaille-Zifferblatt als Schwungrad. Mit einigen Messing-Altmetallteilen befestigte ich den grossen Solenoid auf der Zigarrenkiste.

Vor der Montage unbedingt darauf achten, dass sich der Kolben frei bewegen kann und nicht am Spulenende anstösst!

Nun kommt das Laubsägeblatt zum Einsatz. Ich habe es mit einer grossen Lüsterklemme an einen Messingsockel geklemmt. Das Sägeblatt muss sich auf derselben Höhe befinden wie die Edelstahlwelle. Die genaue Ausrichtung sieht man sehr gut im Video.

Der Stromkreislauf ist simpel: Ein Pol der Stromversorgung führt zum metallenen Montagewinkel, in dem die Kurbelwelle läuft. Die gebogene Nocke in der Kurbelwelle berührt jede halbe Umdrehung das Sägeblatt und leitet den Strom durch den Solenoid zum anderen Pol. Ich verwende für meinen Motor ein altes Laptop-Netzteil mit 20 Volt, das zufällig genau in die hölzerne Zigarrenkiste passte.

Der Stromkreislauf ist simpel
Vergrößern Der Stromkreislauf ist simpel
© Dan Aetherman

„Monsieur Bourbouze’s elektromagnetischer Motor“ ist bei meinen Ausstellungen immer ganz besonders beliebt. Der Klang des Motors, welcher an eine Dampfmaschine erinnert, lässt kleine und grosse Kinderherzen höher schlagen.

Viel Spass beim Nachbau – die Mühe lohnt sich!

Ein weiteres Projekt von Dan Aetherman finden Sie hier:

Das Meliora Jukebox-Grammophon

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