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So richten Sie Debian 7 optimal ein

13.09.2013 | 12:03 Uhr |

Debian überlässt es den Anwendern, das System völlig den eigenen Wünschen anzupassen. Diese Handgriffe helfen bei der perfekten Einrichtung.

Während andere Distributionen in der Konfiguration viel vorwegnehmen, zeigt sich Debian nach der Installation schlicht und aufgeräumt – die ideale Basis für ein Linux- System nach Maß.

Eine weitere Besonderheit: Die Debian-Entwickler gestatten in den Standard-Paketquellen nur eindeutig lizenzierte, freie Software. Wer auf der Suche nach Multimedia-Codecs und proprietären Treibern ist, muss diese über größtenteils externe Quellen einbinden. Die folgenden Ergänzungen insbesondere für Desktop-Anwender sind sowohl für Debian als auch für seine Varianten wie Aptosid nützlich.

Besser arbeiten mit sudo

Debian arbeitet ganz klassisch mit einem root-Account, für den Sie bei der Installation ein Passwort wählen und zu dem Sie zur Systemkonfiguration wechseln müssen. In der Shell gelingt dies mit der Eingabe von su. Einfacher ist es aber, mit sudo zu arbeiten, um bei Bedarf Befehle direkt mit root-Rechten auszuführen.

Bei Ubuntu, Mint, Fedora und Open Suse ist sudo fertig für den Einsatz; auch Debian bringt sudo mit, allerdings müssen Sie Ihr Benutzerkonto dafür erst noch freischalten. Geben Sie dazu in einem Terminal-Fenster das Kommando

su -c 'usermod -a -G sudo [benutzer]'

ein, gefolgt vom root-Passwort, um den Benutzer mit der Kennung „[benutzer]“ zur vorhandenen Gruppe „sudo“ hinzuzufügen, die bereits in der Konfigurationsdatei „/etc/sudoers“ einen Eintrag hat. Anschließend melden Sie sich vom System ab und können nach der nächsten Anmeldung sudo für Befehle mit root-Privilegien nutzen. Grafische Programme starten Sie dabei mit dem zusätzlichen Parameter sudo -H [programmname].

Der grafische Paketmanager Synaptic

Pakete suchen, installieren und entfernen – diese Aufgaben erledigt unter Debian der effiziente Paketmanager apt (Advanced Package Tool) in der Kommandozeile. Wenn man weiß, was man will, ist dies der schnellste Weg, ein Programm zu installieren oder wieder aus dem System zu werfen. Zum Stöbern in Debians gigantischen Software- Fundus mit seinen 25 000 Paketen ist apt aber weniger geeignet. Komfortabler geht das mit dem grafischen Apt-Front-End Synaptic, das vor allem der Übersicht dient und die Suche nach Software vereinfacht. In der XFCE-Variante von Debian, die auf Heft-DVD liegt, ist Synaptic vorinstalliert und findet sich im Anwendungsmenü unter „Einstellungen -> Synaptic-Paketverwaltung“.

Aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

Im Suchfeld können Sie nach Programmnamen oder Beschreibungen suchen oder einfach die vorhandenen Pakete nach Kategorien durchforsten. Synaptic zeigt im Gegensatz zu apt Versionsnummern und ausführliche Hinweistexte der Pakete an. Nach dem Start des Programms, das übrigens root-Rechte abfragt, sollten Sie immer erst mit der Tastenkombination Strg-R die Paketliste aktualisieren. Synaptic eignet sich auch für Updates, indem Sie auf „Alle Aktualisierungen vormerken“ gehen und dann auf „Anwenden“.

Software-Quellen erweitern

Synaptic in Aktion: In der XFCE-Variante von Debian 7 ist der grafische Paketmanager bereits vorinstalliert, bietet eine komfortable Suchfunktion und kann sich auch wie hier um die System- Aktualisierung kümmern.
Vergrößern Synaptic in Aktion: In der XFCE-Variante von Debian 7 ist der grafische Paketmanager bereits vorinstalliert, bietet eine komfortable Suchfunktion und kann sich auch wie hier um die System- Aktualisierung kümmern.

Die Standard-Paketquellen, aus welchen Debian Software beziehen kann, sind in mehrere Bereiche aufgeteilt: Nach der Installation ist zunächst nur der Bereich „main“ aktiviert, der nur Open-Source-Programme enthält. Darüber hinaus gibt es noch die Bereiche „contrib“ und „non-free“ für Pakete, die unter proprietären oder nicht ganz eindeutigen Lizenzen stehen – für einen ausgewachsenen Desktop aber trotzdem nötig sind. Diese Quellen nehmen Sie auf, indem Sie die Konfigurationsdatei „/etc/apt/sources.list“ als root in einem Texteditor öffnen. Ergänzen Sie die Zeile

deb http://ftp.de.debian.org/ debian/ wheezy main

um die zwei Einträge „contrib main“:

deb http://ftp.de.debian.org/ debian/ wheezy main contrib main

Falls bei Ihrem System andere Download- Adressen von Spiegel-Servern angegeben sind, dann brauchen Sie diese nicht zu ändern. Es genügen die Ergänzungen am Ende der Zeile. Anschließend können Sie nach einer Paket- Aktualisierung (apt-get update) zum Beispiel den Flash-Player über das Paket „flashplugin-nonfree“ installieren.

Sieben Tipps, um Linux-Tools souverän einzusetzen

Neuer Firefox statt Iceweasel

KDE-Desktop: Debian bietet KDE 4.8.4 über das Standard-Repository als Meta-Paket an. Die deutschen Sprachpakete müssen Sie über ein separates Paket nachrüsten.
Vergrößern KDE-Desktop: Debian bietet KDE 4.8.4 über das Standard-Repository als Meta-Paket an. Die deutschen Sprachpakete müssen Sie über ein separates Paket nachrüsten.

Debian liefert statt Firefox den Browser Iceweasel, bei dem es sich aus Lizenzgründen um Firefox mit anderem Namen und Logo handelt. Die Browser-Version wird zwar von Debian mit Sicherheits-Updates versorgt, hinkt aber einige Versionsnummern hinterher. Um einen aktuellen Firefox zu installieren, kann das Repository der Debian-Variante von Linux Mint aushelfen. Entfernen Sie erst Iceweasel:

sudo apt-get remove iceweasel

Dann öffnen Sie wieder die Quellen- Konfiguration „/etc/apt/sources.list“ in einem Texteditor. Tragen Sie dort die Zeile ein:

deb http://packages.linuxmint.com debian import

Der Paketmanager benötigt aber zusätzlich noch die Signaturen des fremden Repositories, die Sie mit

gpg --keyserver pgpkeys.mit.edu --recv-key 3EE67F3D0FF405B2 gpg -a --export 3EE67F3D0FF405B2 | sudo apt-key add -

nachrüsten. Anschließend können Sie Firefox mit

sudo apt-get update sudo apt-get install firefox firefox-l10n-de

installieren. Die Repositories von Mint Debian haben den Vorteil, dass sie dem System ansonsten nicht weiter in die Quere kommen und keine zusätzlichen Abhängigkeiten mit installieren.

Andere Desktops installieren andere Desktop-Umgebungen als den angebotenen XFCE können Sie über Meta-Pakete leicht nachrüsten und dann am Anmeldebildschirm auswählen. Meta-Pakete enthalten dazu ganze Gruppen von weiteren Paketen.

KDE: Diese Desktop-Umgebung installieren Sie in der Version 4.8.4 mitsamt KDE-Anwendungen über das Paket „kde-standard“. Eine minimale Variante ohne Anwendungen bietet das Meta-Paket „kde-plasma-desktop“. Zusätzlich benötigen Sie noch die deutsche Sprachunterstützung über das Paket „kde-l10n-de“.

Gnome: Die Gnome-Shell 3.4 liegt in den Standard-Repositories und wird einfach über das Paket „gnome“ nachgerüstet. Die Minimalausstattung von Gnome ohne Anwendungen liefert das Meta-Paket „gnome-core“.

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